29.04.1991

GESTORBENMichael Kühnen

35. In der vielfältig fraktionierten Szene der militanten Neonazis war der aus einem wohlhabenden katholischen Elternhaus stammende Extremist über viele Jahre hinweg die wohl einflußreichste Figur. Den Aufstieg zum selbsternannten "Führer der Bewegung" verdankte der Polit-Aktivist seinen rhetorischen und organisatorischen Talenten, die ihn von der vornehmlich aus Fußballrowdys und Skinheads bestehenden Anhängerschaft abhoben. Der "bekennende Nationalsozialist" hatte wegen seiner Hetze gegen Ausländer und Juden 1977 seinen Dienst als Leutnant und Student der Hamburger Bundeswehrhochschule quittieren müssen. 1979 und 1985 war er wegen Verbreitung neonazistischer Propaganda, Volksverhetzung, Gewaltverherrlichung und Aufstachelung zum Rassenhaß zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Als Höhepunkt seiner Politlaufbahn am rechten Rand der deutschen Jugendbewegung sah der Neonazi 1983 das Verbot seiner Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) durch den damaligen Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) an. Seinen maßgeblichen Einfluß auf die etwa 500 militante Anhänger zählende braune Bewegung verlor er Ende der achtziger Jahre, als seine Gegner ihm vorwarfen, daß er homosexuelle Beziehungen pflege. Michael Kühnen starb am vergangenen Donnerstag an Aids. *ÜBERSCHRIFT: BERUFLICHES

DER SPIEGEL 18/1991
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