07.10.1991

GESTORBENKarl-Heinz Köpcke

68. "Selbst den dritten Weltkrieg würde ich ansagen, ohne Panik zu zeigen", prahlte "Mr. Tagesschau" einmal über sich selbst. Kühl und reglos, ein Neutrum im eleganten Sakko, so verlas er melodisch und fein phrasiert mehr als 5000mal das, was 80 Prozent seiner Zuschauer für die reine Wahrheit hielten. Als der gebürtige Hamburger am 2. März 1959 zum erstenmal sein Publikum mit seinem freundlich-distanzierten "Guten Abend, meine Damen und Herren" begrüßte, war er zugleich auch der erste Nachrichtensprecher, der auf dem Bildschirm zu sehen war. Seine Ausrutscher aus der unpersönlichen Seriosität wurden öffentlich diskutiert: seine Versprecher, sein Urlaubsbart, sein mißglückter erotischer Roman, sein papierraschelnder Protest gegen die Versetzung an den Katzentisch bei den "Tagesthemen", der ihn fast seinen Posten als Chefsprecher gekostet hätte. Bis zu 300 Fan-Briefe erhielt der Gentleman mit dem fein gekämmten Toupet am Tag, die meisten von einsamen Frauen, die ihren Seelenschutt bei ihm abluden. Selbst in seiner Redaktion vereinsamt, ging Köpcke am 10. September 1987 in einen Ruhestand, in dem sich die Unglücke aneinanderreihten: Tod der Frau, dann der Mutter, die eigene Krebserkrankung. Karl-Heinz Köpcke starb am vorvergangenen Freitag in Hamburg.

DER SPIEGEL 41/1991
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