25.11.1991

Landschaften der Lüge

Viel Hektik in den Feuilletons um einen "Inoffiziellen Mitarbeiter" (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), der sich erkannt fühlt und wahrscheinlich aus Gewohnheit entschlossen hat, weiterhin Legenden zu stricken*:
Recht geschickt und doch auch tragisch taktiert er sich von einem Tag zum anderen. Die Informationslage wechselt, mal sieht es düster aus, mal hoffnungsvoll. Vielleicht wissen sie doch nichts, denkt er, vielleicht hat Biermann nur hoch gepokert.
Die Stasi wollte Schicksal spielen, wollte leiten und lenken. Was? Alles. Die drei Prinzipien, vom Bürgerkomitee Leipzig veröffentlicht und General Manfred Hummitzsch abgefragt, lauteten:
1. Jeder ist ein potentielles Sicherheitsrisiko.
2. Um sicherzugehen, muß man alles wissen.
3. Sicherheit geht vor Recht.
In einem Referat, 1980 in Gera innerhalb der Bezirksverwaltung der Abteilung XX des MfS gehalten, trug ein SED-Referent - das MfS-"Organ" war nur Schild und Schwert der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands - folgendes vor: _____" Die operative Bekämpfung politischer " _____" Untergrundtätigkeit erfordert die ständige Beachtung der " _____" innen- und außenpolitischen Lage. Mit der Schlußakte von " _____" Helsinki und nachfolgenden Verträgen und Vereinbarungen " _____" haben sich andere Bedingungen ergeben, die vom Gegner in " _____" vielfältiger Weise für die feindlichen Zielstellungen " _____" ausgenutzt werden. Politische Untergrundtätigkeit ist aus " _____" r e c h t s p o l i t i s c h e n Gründen oft " _____" strafrechtlich nicht realisierbar mit EV** oder " _____" Inhaftierung. Daraus ergibt sich die operative " _____" Notwendigkeit, vorwiegend und immer stärker solche " _____" Vorgangsmethoden anzuwenden, wie " _____" Verunsicherung, " _____" Zurückdrängung, " _____" Kriminalisierung*** oder Disziplinierung " _____" Das heißt, alle gesetzlichen, staatlichen und " _____" gesellschaftlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die " _____" negative Wirksamkeit derartiger Personen/Personenkreise " _____" einzuschränken, sie zu isolieren und zu " _____" gesellschaftskonformem Verhalten zu zwingen. " _____" Ein solches Vorgehen verlangt Beharrlichkeit und " _____" hartnäckiges Dranbleiben, aber auch gleichzeitig Klarheit " _____" dafür, daß ein hohes Maß an qualifizierter operativer " _____" Arbeit zu leisten ist, ohne daß bei der Mehrzahl der " _____" Fälle ein Abschluß als EV mit Haft das alleinige " _____" Erfolgserlebnis darstellt. Das muß ideologisch klar sein, " _____" damit es nicht zu Resignation bei den Genossen führt oder " _____" andererseits die tschekistische Wachsamkeit darunter " _____" leidet. "
Da liest man nur beklommen und hält es nicht für möglich. So wurde innen gesprochen, *** Im Original unterstrichen. ** Ermittlungsverfahren. _(* Alexander "Sascha" Anderson, geb. 24. ) _(8. 53 in Weimar, wohnte in Dresden und ) _(Ost-Berlin, 1986 Übersiedlung nach ) _(West-Berlin. IMB-Reg.-Nr. XII 84/75. ) _(Erstverpflichtung nach OPK (Operative ) _(Personenkontrolle) und IM-Vorlauf am 26. ) _(2. 1975 in Dresden, Deckname: "David ) _(Menzer". Beförderung zum IMB ) _((Inoffizieller Mitarbeiter zur ) _(unmittelbaren Bearbeitung von ) _(Feindpersonen) am 11. 3. 1981. Am 15. ) _(11. 82 übernommen von der HA XX/9 ) _(Berlin, Führungsoffizier Oberstleutnant ) _(Reuter. Decknamenänderung am 5. 1. 83 in ) _("Fritz Müller". Nach der Übersiedlung ) _((West-Berlin) Decknamenänderung in IMB ) _("Peters". Laufend geführt von der HA ) _(XX/9 bis Ende 1989. Sieben Bände ) _(IM-Berichte. Akte Teil 1 von der BV ) _(Dresden mit 339 Blatt verplombt mit ) _(MfS-Siegel 1450, Abt. XX. Beteiligt am ) _(Kampf des MfS u. a. gegen die ) _(Betroffenen in den ZOV "Weinberg" (u. a. ) _(Roland Jahn, Ev und Frank Rub), ) _("Assistent" (Lutz und Bettina Rathenow), ) _("Lyriker" (Wolf Biermann), "Bohle" ) _((Bärbel Bohley), "Leitz II" (Katja ) _(Havemann) und "Opponent" (Lilo und ) _(Jürgen Fuchs). Archivierungsnummer der ) _(Gauck-Behörde für gefundenes "laufendes ) _(Material" des IMB: 7423/91. ) wo sie sich sehr sicher fühlten. Das waren die "persönlichen politischen Materialien" der SED-geschulten Tschekisten. Es handelte sich um eine der turnusmäßigen DDR-weiten Schulungsrunden, "ausgehend von den Beschlüssen und Dokumenten unserer Partei, besonders des 11. und 12. Plenums, der Rede des Genossen H o n e c k e r vor den 1. Kreissekretären im Januar dieses Jahres sowie des Programms der Bezirksparteiorganisation in Vorbereitung auf den X. Parteitag . . ."
Was macht der "Stellvertreter Operativ" Seidel, wenn er einen "Maßnahmeplan" beschließt im OV "Spinne" oder die IMB - der Zusatz "B" kennzeichnet besonders hochrangige Stasi-Mitarbeit mit Feindberührung - instruiert, damit sie "dranbleiben" nach der Schlußakte von Helsinki? Bei Pfarrer Walter Schilling aus Braunsdorf folgendes: _____" In einem . . . laufenden operativen Prozeß (OV " _____" "Spinne") wird eine antisozialistisch wirkende " _(* Oben: im Oktober vor der ) _(Gauck-Behörde, Berlin; unten: aus der ) _(Handkartei der Abteilung XX der ) _(MfS-Bezirksverwaltung Gera, vom ) _(Bürgerkomitee Anfang 1990 vor der ) _(Vernichtung durch das MfS gesichert. ) Person bearbeitet, die ihre berufliche Stellung als Pfarrer dazu nutzt, um bereits über einen längeren Zeitraum breite Kreise Jugendlicher mit negativ-dekadenten Verhaltensweisen um sich zu sammeln und gegen den Staat und seine Organe aufzuwiegeln versucht. _____" Dazu mißbraucht er ein kirchliches Rüstzeitheim, dem " _____" er den Anstrich eines "offenen Hauses" für Ratlose, " _____" Gestrauchelte, von der Gesellschaft mißverstandene und " _____" ausgestoßene Jugendliche geben will. Er bezeichnet sie " _____" als "Randsiedler der Gesellschaft", um die er sich als " _____" Christ kümmern müsse. " _____" Uns gelang es in diesem Jahr, die von ihm erneut geplante " _____" kirchliche Jugendgroßveranstaltung "JUNE 80" mit 5000 " _____" Teilnehmern zu verhindern und Voraussetzungen zu " _____" schaffen, dieses Rüstzeitheim vorübergehend zu schließen. " _____" Aber wir müssen uns darauf ideologisch und operativ " _____" einstellen, daß er mit Unterstützung innerer und äußerer " _____" klerikaler Kräfte versuchen wird, die Voraussetzungen für " _____" ein feindliches Wirken erneut zu schaffen. "
Er hat es tatsächlich versucht; und bis heute ist Braunsdorf bei Dittrichshütte im Thüringer Wald ein bescheidenes "offenes Haus" in landschaftlich schöner Lage, ganz oben auf einem Berg. Sogar ein Neubau des Rüstzeitheims "in Eigenleistung" steht kurz vor der Vollendung.
Im November 1989 schloß sich Schilling den Bürgerkomitees zur Stasi-Auflösung an; in der Jenaer Stadtkirche, am 26. Oktober 1991, berichtete neben andern auch er von seinen Recherche-Ergebnissen: Zahlreiche IMB umschwirrten ihn in den zurückliegenden Jahren, darunter mehrere Pfarrer, Amtsbrüder, auch sogenannte kirchenleitende Mitarbeiter.
Zum Beispiel IMB "Bartholomäus Runge" (Reg.-Nr. X 645/69; 16 Bände IM-Berichte; zahlreiche Stasi-Orden), ein Jugendpfarrer, allerdings ein etwas anderer als Walter Schilling.
Ferner IMB "Karl Heckel" (Reg.-Nr. X 265/74) Oberpfarrer, Künstler, er malt. Ob er seinen Berichten auch Zeichnungen beilegte? Vielleicht kunstvolle Porträts seiner Opfer oder Lageskizzen ihrer Wohnungen, ihrer kirchlichen Räume? Versehen mit symbolischen Eintragungen, konspirativ-verrätselt, vielleicht surreal oder strukturalistisch: an der und der Stelle ließe sich "Maßnahme 26 -B-" (Wanze) gut realisieren? Bis heute ist er einer von denen, die hartnäckig schweigen. Da ist er also konsequent und diskret. Die anderen, vielleicht Betroffene oder Stasi-Auflöser wie Walter Schilling, sind die "Denunzianten".
Es ist jetzt November 1991. Eigentlich reicht es. Ich könnte noch einen Superintendenten a. D. vorstellen, IME "Köhler" (Inoffizieller Mitarbeiter für einen besonderen Einsatz/Experten-IM), täterhaft verstrickt in mehrere OV, darunter "Pegasus", "Spinne", "Qualle", "Apostel", "Dach" . . .
Aber ich will nicht, daß sich schon wieder die "Inoffiziellen Mitarbeiter" vordrängen mit ihrer Heimlichkeit, ihrem Herrschaftswissen, dabei immer noch am Lügentropf der Führungsoffiziere, "gekrümmt" von ihnen, in Abhängigkeit gebracht, unfähig zu einer kleinen Information gegenüber den "Objekten" ihrer üblen Untertanenarbeit.
Lieber verweilen wir bei den "Operativen Vorgängen", bei den Betroffenen, bei der tatsächlich existierenden Opposition! Nicht bei "PiD" (Politisch-ideologische Diversion) oder "PUT" (Politische Untergrundtätigkeit), nicht bei ihren schrecklichen entwertenden Abkürzungen . . . Pfarrer Schilling konnte sich trotz alledem in seiner Gemeinde halten, weil es "innere und äußere Kräfte" gab, auch innerhalb der Kirche, die ihn schützten. Zumindest nicht fallenließen. Und er hielt durch, er kämpfte - auch weil er eine Frau hatte, die zu ihm stand.
Den Wehrdienstverweigerer Detlef Pump ermutigte Pfarrer Schilling im Gefängnis Unterwellenborn. Pump hatte am 8. März 1977 an das Wehrkreiskommando Jena geschrieben: _____" Hiermit erkläre ich, Detlef Pump, den Wehrdienst aus " _____" humanistischen Gründen mit und ohne Waffe zu verweigern. " _____" Einer Armee, die einem System dient, in dem die Polizei, " _____" Armee sowie das MfS zwischen freier Meinung und " _____" Verleumdung entscheidet, in dem eine Oberschicht auf " _____" kosten des Volkes lebt . . . in dem Menschen nur weil sie " _____" das Land auf legalem Wege nicht verlassen können getötet " _____" oder in Haft gehalten werden . . . kann und werde ich " _____" nicht dienen. "
Folge: Am 4. 5. 1978 wird er verhaftet. Eine Bekannte, IMB "Rubin" (Reg.-Nr. X 2356/80), "sichert die Aktion ab". Auszug aus dem MfS-Beobachtungsprotokoll, vorgelegt am 8. 5. 1978: Der Schlosser Detlef Pump "betrat" am 4. 5. 1978 _____" um 06.53 Uhr das Werk 2 des VEB Carl Zeiss Jena durch " _____" das Tor 26. Nach Absprache mit dem Verantwortlichen der " _____" Einsatzleitung der Schutzpolizei wurde "Muck"* von " _____" Genossen der VP um 08.08 Uhr an seinem Arbeitsplatz " _____" abgeholt. Daraufhin wurde die Beobachtung beendet. " _____" Leiter der Abt. VIII Dix Oberstleutnant Referatsleiter " _____" Musiol Hauptmann " _(* Name für das "Beobachtungsobjekt". )
Autoren Kunert, Pannach, Biermann, Fuchs (1977): "Jeder ist ein Sicherheitsrisiko"
Autor Anderson* Spitzelprosa in 7 Bänden
Stasi-Karteikarte Anderson*: "Tätigkeit in West-Berlin"
Stasi-Information über Wehrdienstverweigerer Pump
Stasi-"Objekt" Schilling
Stadtkirche St. Michael in Jena *GESCHICHTE-3 *
Detlef Pump wurde durch das Militärgericht Erfurt zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das MfS beschließt, die Inhaftierung zu nutzen. Er wird in das MfS-Untersuchungsgefängnis Gera gebracht und wochenlang verhört, denn _____" er gehörte seit 1975 zum Kreis der sogenannten " _____" "Biermann-Anhänger" sowie zum politisch-negativen " _____" Personenkreis in Jena. Hieraus resultierten zahlreiche " _____" Rückverbindungen nach der BRD und WB zu aus der DDR " _____" ausgewiesenen "Biermann-Anhängern" und politisch " _____" feindlichen Elementen. "
(MfS Gera am 1. 8. 78)
Er ist ihnen nicht hilfreich. Er wehrt sich gegen das "Informationssystem Staatssicherheit" mit allem, was er hat. Warum? Er will nicht sich und seine Freunde verraten. Er ist stolz, redet kaum. Macht "Niederschriften", die aus wenigen nichtssagenden Zeilen bestehen. Er ist kein verspätet-avantgardistischer Dichter. Er ist Facharbeiter, Schlosser, ihm unterlaufen orthographische Fehler. Danke, Detlef Pump.
Er stellt in der Haft einen Übersiedlungsantrag, wird Ende 1979 im Rahmen einer Amnestie entlassen und verläßt nach wiederholten Anträgen die DDR. IMB "Rubin" erhält für die "inoffizielle Absicherung" eine "entsprechende Prämierung". Später soll sie im Auftrage der HVA nach Westdeutschland gehen, ein SPD-Politiker aus Gelsenkirchen hat sich in sie verliebt.
Der Knast-Verantwortliche Zitzmann, Hauptmann der K*, gibt einen Brief des Wehrdienstverweigerers zu den MfS-Akten: _____" Für mich wird der morgige Tag (11.11.) genauso wie " _____" der gestrige sein . . . Morgen wird bestimmt wieder ein " _____" Tief anrücken. An solchen Tagen lodert der Haß in mir, " _____" welchen ich gegen diesen Staat empfinde, besonders stark. "
(Vermerk vom 13. 11. 78)
Und in einem Spitzelbericht vom 5. 7. 78 wird mitgeteilt: _____" Im Gespräch . . . gab Strfgf.** Pump u.a. an, daß er " _____" auch nach der Haftentlassung für diesen Staat nichts mehr " _____" macht, dieser Staat existiere nicht für ihn. Er habe " _____" mehrere Wochen bei MfS in Gera eingesessen. " ** Strafgefangener. _(* Kriminalpolizei. )
Und am 3. 7. 78 teilt Zitzmann "einige Angaben" eines IM über Pump dem MfS mit: _____" . . . seine Handlungen und seine Äußerungen sind " _____" Bestandteil einer Ideologie des Klassenfeindes, deren " _____" Verbreitung im Strafvollzug gefährliche Folgen haben " _____" werden, zumal er bereits Kontakt zu dem anderen " _____" Wehrdienstverweigerer . . . gefunden hat. "
Aber auch andere Briefe werden geschrieben: Der Bausoldat Peter Rösch am 1. 3. 79: "Mein Pump, gebe nicht auf, Du mußt es schaffen." Die Amnesty-International-Gruppe S 161 aus Schweden fordert vom Direktor der Strafvollzugsanstalt Unterwellenborn die Entlassung des Wehrdienstverweigerers und Gewissensgefangenen Detlef Pump - die Anstalt dient übrigens immer noch als Knast, Mauern, Hunde, im Innern "nur Kriminelle" und gute Versorgung, weil die "Maxhütte" alles regelt, ein Stahlwerk bei Saalfeld.
Und Pfarrer Schilling, der böse OV "Spinne", besucht ihn in der Haft und bringt ein A4-Blatt mit, Grüße und Unterschriften von über 60 Freunden. Auch das war sicher ein Grund, warum dieser Pfarrer ein "Operativer Vorgang" war. Wie gut in diesem Sumpf, daß jetzt solche Fakten auftauchen - die Opposition hat Gesichter und Namen.
Was ist nach ihrer Definition ein "Operativer Vorgang"? Laut MfS-"Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit" ist es die Bezeichnung für _____" . . . den einzelnen Prozeß der Vorgangsbearbeitung, " _____" in dem der Verdacht strafbarer Handlungen " _____" (Staatsverbrechen oder operativ bedeutsame Straftat der " _____" allgemeinen Kriminalität) einer oder mehrerer, bekannter " _____" oder unbekannter Person(en) geklärt wird . . . " _____" Den zuständigen Leitern sind entsprechende Entscheidungen " _____" vorzuschlagen . . .: " _____" Einleitung eines Ermittlungsverfahrens mit bzw. ohne " _____" Haft, " _____" Überwerbung (besondere Form der IM-Werbung, welche " _____" gegenüber Personen angewandt wird, die im direkten " _____" Auftrag von Geheimdiensten sowie anderen subversiv gegen " _____" die DDR und die revolutionären Hauptkräfte tätigen " _____" Zentren, Institutionen, Organisationen und Kräfte " _____" Feindtätigkeit durchführen), " _____" Anwendung von Maßnahmen der Zersetzung, " _____" Anwerbung, " _____" Verwendung des Vorgangsmaterials als kompromittierendes " _____" Material . . ., " _____" Einleitung spezifischer Maßnahmen gegen bevorrechtete " _____" Personen, " _____" Übergabe von Material über Straftaten . . . an andere " _____" Schutz- und Sicherheitsorgane, " _____" öffentliche Auswertung bzw. Übergabe von Material an " _____" leitende Partei- und Staatsfunktionäre . . ., " _____" Einführen von IM in den Vorgang . . ., Heranführen von " _____" IM an Verdächtige . . ., Herauslösen von IM . . ., " _____" das Anlegen . . . und Realisieren von Operativplänen . . " _____" . "
Soweit die Theorie. Und nun wieder Praxis. Es geht ja nicht nur um ausgeschnüffelte Daten, sondern vor allem um ihre Taten, um das "operativgestaltende Eingreifen" des MfS. Die Akten sind nach meiner Kenntnis mehr eine grandios-brutale Sammlung von Daten über ihre destruktiven Taten, verübt an Bürgern der DDR und umliegender Länder, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland bis Ende des Jahres 1989.
Noch vor der Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976, dem Hausarrest gegen Robert Havemann und dem Verhaften und Abschieben von "Biermann-Anhängern" gab es "Operative Vorgänge": seit 1965 angelegt als ZOV "Lyriker", Reg-Nr. XV 3236/65, laufend geführt bis Ende 1989, weit über 100 archivierte Bände, unter anderem das vollständige "Telefon- und Gesprächebuch", (Maßnahmen 26 -A- und 26 -B-: Telefonabhören und Wanze) und "zersetzender bzw. gestaltender" Einsatz von sehr vielen IMB gegen Wolf Biermann.
Es gab seit 1964 den ZOV "Leitz", Reg-Nr. XV 150/64, geführt bis zum Tode 1982, weit über 100 archivierte Bände, u. a. Dauerabhören und -verwanzen der Wohnung und Einsatz von IMB gegen Robert Havemann. Unter der gleichen Registriernummer wurde als OV "Leitz II" Katja Havemann bis Ende 1989, also "laufend" bespitzelt und schikaniert.
Und es gab einen OV "Pegasus", der kurz vorgestellt werden soll. Ort: Jena und Ost-Berlin, Zeit: 1974 bis 1976/77. Am 4. 5. 76 formuliert die MfS-Bezirksverwaltung Gera, Kreisdienststelle Jena, Vorgangsgruppe OSL Horn, die _____" Konzeption zur schrittweisen Realisierung des OV " _____" "Pegasus" - Reg.-Nr. X/ 66/75 - durch politisch-operative " _____" Zurückdrängungs-/Zersetzungsmaßnahmen gegen die im OV " _____" bearbeitete Personengruppierung: " _____" Die im OV "Pegasus" gemäß 100, 106, 107, 218, 219, 220 " _____" StGB im Verdacht stehende Personengruppierung entwickelt " _____" sich im Jahr 1974 unter damals maßgeblicher Führung des " _____" Jürgen FUCHS. " _____" Die Zielstellung des FUCHS bestand darin, unter Nutzung " _____" eigener und anderer antisozialistischer literarischer " _____" bzw. lyrischer "Machwerke" sowie deren Vervielfältigung " _____" und Verbreitung politisch-ideologische Diversion im Sinne " _____" des feindlichen Langzeitprogrammes zu betreiben. Mit der " _____" politisch-operativen Zurückdrängung der Gruppierung FUCHS " _____" im Juni/Juli 1975 veränderte sich die bis dahin " _____" bestandene Gruppenstruktur, besonders auch bedingt durch " _____" den mittels operativer Maßnahmen mitbeeinflußten Weggang " _____" des FUCHS aus Jena. " _____" Es bildete sich ein sogenannter "illegaler Lesekreis" " _____" heraus, dessen Exponenten mit einem Teil der ehemaligen " _____" Gruppierung um FUCHS identisch sind. Die führenden Kräfte " _____" dieses Lesekreises sind: MARKOWSKY, Bernd Arbeiter, VEB " _____" CZ Jena KIRSTEIN, Marian Arbeiter, VEB CZ Jena AUERBACH, " _____" Thomas Jugenddiakon Jena GRAF, Wolfgang " _____" Beleuchtungstechniker, Stadttheater Jena " *GESCHICHTE-3 * _____" DIETE, Wolfgang Schlosser, Verkehrsbetriebe Jena . . " _____" . " _____" Darüber hinaus sind von besonderem operativen Interesse " _____" die Vorgangspersonen: RATHENOW, Lutz, Student D/Ge " _____" III.Stdj. FSU Jena sowie REIPRICH, Siegfried bis " _____" März/April 1976 Student Philosophie 1. Stdj. FSU Jena, " _____" Exmatrikulation " _____" Das antisoziale Wirken der genannten Personen hat das " _____" Ziel, " _____" die Lehren der Klassiker des Marxismus/Leninismus zur " _____" Festigung ihrer eigenen antisozialistischen Positionen " _____" und zur Erweiterung ihres negativen Einflusses zu " _____" verfälschen; " _____" Widersprüche zwischen Partei, Staat und Arbeiterklasse " _____" durch negative Auswertung der Dokumente von Partei und " _____" Regierung zu konstruieren; " _____" Legalität und Massenbasis zu erlangen, um auf dieser " _____" Grundlage Veränderungen in der DDR im Sinne eines " _____" "demokratischen Sozialismus" anzustreben . . . " _____" Mit der auf der Grundlage der RL* 1/76 geplanten " _____" Realisierung des OV "Pegasus" durch politisch-operative " _____" Maßnahmen der Zurückdrängung/Zersetzung . . . sind " _____" folgende operativen Zielstellungen verbunden: " _____" 1. Vorbeugende Verhinderung bzw. Einschränkung " _____" staatsfeindlicher Tätigkeit/ Wirksamkeit der Gruppierung " _____" insgesamt oder einzelner Mitglieder. " _____" 2. Verunsicherung der Exponenten der Gruppierung und " _____" ihrer Mitglieder durch politisch-operative Maßnahmen, die " _____" die Gruppierung zur ständigen Beschäftigung mit sich " _____" selbst veranlassen. " _____" 3. Prüfung und Nachweis strafrechtlicher " _____" Verantwortlichkeit . . . hinsichtlich der Begehung von " _____" Staatsverbrechen, Straftaten der allgemeinen " _____" Kriminalität; Nachweisführung zu Ordnungswidrigkeiten und " _____" anderer Fehlverhaltensweisen. " _____" 4. Weiteres Eindringen und Durchsetzen der Gruppierung " _____" mit spezifischen operativen Mitteln und Methoden . . . " _____" 5. Weitere operative Erkenntnisgewinnung zu den Plänen " _____" und Absichten, Mitteln und Methoden sowie zu " _____" theoretischen Positionen der Exponenten und Angehörigen " _____" der Gruppierung. "
Diese Sprache - unerträglich. Man muß bedenken, daß es um junge Leute ging, die einen Alltag hatten, voller Pläne, Ängste, Vorlieben, Hoffnungen, ein _(* Richtlinie. ) Leben mit Familien, mit Kindern. Eben darum muß man diese "Konzeption" zur Kenntnis nehmen, so mühselig das sein mag. Es muß konkret klar werden, was "Stasi" bedeutet. Dies ist noch keineswegs klar erkannt und durchschaut im öffentlichen Bewußtsein unseres Landes. Also weitere Auszüge aus der "Konzeption" vom 4. 5. 1976: _____" Die Anwendung der operativen Zurückdrängungs- und " _____" Zersetzungsmaßnahmen wird differenziert durchgeführt und " _____" konzentriert sich auf . . . ausgewählte Personen . . . Es " _____" wird davon ausgegangen, daß " _____" REIPRICH mit hoher Wahrscheinlichkeit nach seiner " _____" Exmatrikulation versuchen wird, eine bestimmte Rolle in " _____" dem operativ bedeutsamen Personenkreis in Jena zu " _____" erlangen und weitere antisozialistische Aktivitäten zu " _____" entfalten. " _____" REIPRICH bereits 1975 vom MfS angesprochen wurde und " _____" seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit unserem Organ " _____" in anmaßender Weise verweigerte. " _____" Auf der Grundlage dieser operativen Einschätzung wird mit " _____" den einzuleitenden operativen Maßnahmen zu REIPRICH die " _____" Zielstellung verfolgt: " _____" im Kreis der Vorgangspersonen des OV "Pegasus" bis zu " _____" den Exponenten antisozialistischer Kräfte wie HAVEMANN, " _____" BIER-MANN, FUCHS glaubhaft die Überzeugung hervorzurufen, " _____" daß REIPRICH mit dem MfS zusammenarbeitet; " _____" die Isolierung des REIPRICH in den genannten " _____" Personenkreisen zu erreichen, um damit seine Wirksamkeit " _____" zu unterbinden; " _____" durch Hervorrufen des Mißtrauens gegenüber REIPRICH eine " _____" Verunsicherung der genannten Personen zu erreichen und " _____" kontinuierlich zu verstärken, um ihre antisozialistischen " _____" Aktivitäten einzuschränken; " _____" Die bisherigen operativen Erfahrungen führen zu der " _____" Schlußfolgerung, daß ein " _____" Ausstreuen von Gerüchten über eine angebliche " _____" Zusammenarbeit mit dem MfS im Kreise der Vorgangspersonen " _____" nicht wirksam wird. Deshalb werden gemäß gestellter " _____" Zielsetzung folgende operative Mittel/Methoden angewandt: " _____" Veröffentlichung einer Fotomontage in der Zeitung einer " _____" befreundeten Partei. Dieses Foto zeigt REIPRICH und einen " _____" in Jena bekannten Mitarbeiter des MfS, wobei das Motiv " _____" des Bildes zur Aussage "Frühling in Jena" o. ä. paßt. " _____" Mehrfache anonyme Zusendung dieser Zeitungsfotos an " _____" ausgewählte Zielpersonen aus dem OV "Pegasus" in Jena und " _____" Berlin, mit dem Hinweis auf die Verbindung des REI-PRICH " _____" zum MfS. " _____" Verstärkung des hervorgerufenen Verdachtes einer " _____" Zusammenarbeit REI-PRICHs mit dem MfS durch weitere " _____" operative Maßnahmen wie " _____" "unvorsichtige" Treffbestellung " _____" ungeschickte Verbindungsaufnahme u.a. auf der Grundlage " _____" der in der ersten Phase erreichten operativen Resultate. " _____" Differenzierter IM-Einsatz zur Unterstützung der sich aus " _____" den eingeleiteten operativen Maßnahmen ergebenden " _____" Gerüchte über eine angebliche Zusammenarbeit REIPRICHs " _____" mit dem MfS (z. B. Märtyrerrolle REIPRICHs als besonders " _____" raffinierte Methode des Eindringens des MfS in die " _____" interessierenden Personenkreise darstellen, Ausnutzung " _____" der Tatsache, daß REI-PRICH bereits während seiner " _____" Armeezeit vom MfS angesprochen wurde u.a.). "
Ähnliches, nur ein wenig variiert, wird mit dem Schriftsteller Lutz Rathenow versucht. Auch ich habe zwischen 1973 und 1975 zwei Beispiele für "unvorsichtige Treffbestellung" durch das MfS erlebt: 1973 wurde ich ins Gästehaus der Jenaer Universität bestellt, die raschen Herren waren da, viel Publikumsverkehr auf den Gängen. 1975 bestellte man mich ins Hauptgebäude der Universität, in die Gewerkschaftsleitung - auf den Gängen Studenten, im Zimmer zwei grinsende Herren.
Als ich wieder weggeschickt wurde, stand draußen der Direktor für Erziehung und Ausbildung der Sektion Psychologie und wurde von ihnen in Empfang genommen. Der Störenfried sollte als IM verteufelt werden. Verantwortlich für die zitierte Maßnahme gegen _(* Kreisdienststelle. ) Siegfried Reiprich: Leiter der KD* Jena, Major Mittenzwei, und Oberstleutnant Horn.
Folgen: Siegfried Reiprich und Lutz Rathenow geraten in diesen Jahren tatsächlich, obwohl sie sich enorm standhaft verhalten haben, was jetzt dokumentierbar ist, in Spitzelverdacht. Ob das Foto über "Frühling in Jena" tatsächlich erschienen ist, weiß ich nicht. Zeitungsausschnitte wurden uns in Grünheide jedenfalls nicht zugesandt.
Sie entscheiden sich offenbar für eine andere Variante: Während im November 1976 alle anderen "Pegasus"-Leute inhaftiert, verhört oder ausgebürgert wurden, wird Siegfried Reiprich nicht ein einziges Mal zum Verhör geholt. Doch es wird ausgestreut, das stimme nicht, er habe "gesungen".
In der Haft in Hohenschönhausen wird mir im März 1977 aus der Ferne des Vernehmertisches ein Packen Papier gezeigt mit der hämischen Bemerkung: "Sehen Sie, Reiprich ist kooperativer als Sie." Tatsächlich erinnere ich mich, seine Handschrift erkannt zu haben. Vielleicht waren es Studienunterlagen, beschlagnahmte Briefe oder ähnliches. Ich reagierte nicht, aber ein kleiner Zweifel nagte seither.
Lutz Rathenow wird im November 1976 nur verhört. Auch über ihn werden Verratsgeschichten gestreut. Als ich nach West-Berlin abgeschoben werde, befinden sich beide noch in der DDR und wollen auch bleiben. Die Grenze ist dicht, Briefe und verbotene Bücher werden geschmuggelt. Man bietet Reiprich sogar ein technisches Studium an. Er arbeitet weiter oppositionell, wird schikaniert und 1981 zur Ausreise genötigt. Seine Frau Christine wird ebenfalls als Feindperson behandelt. Im Dezember 1979, nach weiteren "konspirativen Spielen" gegen beide, erleidet sie eine Fehlgeburt.
In einem IM-Bericht vom 22. 1. 80 steht: "Reaktionen bzw. sein Verhalten auf ein durch das MfS geführtes Gespräch konnten seitens der Quelle nicht festgestellt werden." Siegfried Reiprich studiert nach seiner Übersiedlung in Kiel Geophysik. Von Dezember 1986 bis April 1988 gehört er der Antarktis-Forschungsstation der Bundesrepublik an. Bis Ende 1989 werden er und seine Frau als Feindpersonen durch das MfS behandelt und in Kiel bespitzelt, das Telefon wird abgehört.
Im August 1990 teilt ein Referat des Innenministeriums Schleswig-Holstein beiden mit, daß ein "MfS-Abhörauftrag bestand" und "alle Dokumente vernichtet wurden". Ob durch die Stasi oder den Verfassungsschutz, bleibt offen.
Als SPD-Mitglied hatte Reiprich oft versucht, innerhalb der Partei die Debatte um Menschenrechtsverletzungen im Ostblock stärker zu thematisieren. Mit geringem Erfolg. Auch die Einreisesperre in die DDR - im MfS-Maßnahmeplan, wie bei anderen Oppositionellen auch, bis "12/99" befristet, sie planten dieses Jahrhundert aus - wurde trotz zahlreicher Politiker-Besuche und Briefe von Reiprich, unter anderem an Hans-Jochen Vogel, nicht zurückgenommen. Familienangehörige starben - aus Kiel konnte keiner zum Begräbnis kommen.
Lutz Rathenow wurde bis Ende 1989 im ZOV "Assistent" "bearbeitet". Vom 19.11. bis 27.11.1980 wurde er inhaftiert unter dem Vorwurf der "Ungesetzlichen Verbindungsaufnahme", sein Buch "Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet" war in einem Westverlag erschienen. Nach internationalen Protesten wurden er und der Lyriker Frank-Wolf Matthies entlassen.
Gegen Rathenow lief das Ermittlungsverfahren weiter bis zum 28. 2. 1981. Er mußte einmal in der Woche MfS-Verhöre in der Magdalenen-Straße ertragen. Es gab 1983, 1984 und 1988 drei weitere "Zuführungen" und "Verwarnungen". Er protestierte und wandte sich unter anderem an den PEN der Bundesrepublik Deutschland, bat um Solidarität. Sie wurde ihm gewährt. Fast alle seine Bücher waren in der DDR verboten. Gegen ihn als Feindperson hoher Kategorie waren zahlreiche IMB im Einsatz, darunter Schriftstellerkollegen.
Von 1987 an werden die "Zersetzungsmaßnahmen" der Stasi gegen Roland Jahn, Lutz Rathenow und mich noch einmal intensiviert. Der OV "Weinberg" (Reg.-Nr. X 318/84) wird in einen ZOV (Zentralen Operativen Vorgang) umgewandelt. Am 22.12.1987 wird gegen Roland Jahn - er war zu diesem Zeitpunkt schon freier Mitarbeiter des ARD-Magazins "Kontakte" - ein Haftbefehl erlassen. Beantragt am 17.12.1987 von Staatsanwalt Dr. Gläßner aus der Abteilung I A der DDR-Generalstaatsanwaltschaft. Am gleichen Tag hatte MfS-Generalmajor Dr. Fister die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens angeordnet. Roland Jahns Leben ist in dieser Zeit ernsthaft gefährdet.
Bei diesen und anderen Aktionen spielten IMB im "OG" (Operationsgebiet, das heißt hier: Westdeutschland und West-Berlin -Red.) eine entscheidende Rolle. Im "Sachstandsbericht zum ZOV ,Weinberg''" wird am 24.6.1987 unter 7.2., 7.4. und 7.5. angegeben, wer alles gegen uns im Einsatz war: HA III, HA XX/2, HA XX/4, HA XX/9, HA XX/AKG, BV Berlin Abt. XX, BV Dresden Abt. XX, KD Jena, HA XX/5 und die HVA X mit _____" geeigneten langfristigen Zersetzungs- und " _____" Verunsicherungsmaßnahmen . . . Verantw.: Major Graupner " _____" Kontrolle: OSL Buhl. "
Im Einsatz war auch IMB "Peters" alias Anderson von der HA XX/9, angeleitet von Oberstleutnant Wolfgang Reuter, dem Leiter der Abteilung 9, einem Experten für Biermann, Havemann, Jahn, Rathenow und Fuchs.
Im Zeit-Gespräch vom 1.11.1991 sagt IMB "Peters": "Jetzt habe ich von Stasi-Methoden gehört, die so unglaublich sind, daß ich mich wundere, wie manche Menschen noch leben." Der letzte Halbsatz seiner Äußerung ist durchaus zutreffend. *HINWEIS: Im nächsten Heft Die Stasi erfindet eine trotzkistische Gruppe, um Studenten "zu zersetzen", die Mitscherlich und Havemann gut finden - Der OV "Meißel" und die "Aktion Ärger" gegen ein Malerehepaar - Der Todesfall Matthias Domaschk
*** Im Original unterstrichen. ** Ermittlungsverfahren. * Alexander "Sascha" Anderson, geb. 24. 8. 53 in Weimar, wohnte in Dresden und Ost-Berlin, 1986 Übersiedlung nach West-Berlin. IMB-Reg.-Nr. XII 84/75. Erstverpflichtung nach OPK (Operative Personenkontrolle) und IM-Vorlauf am 26. 2. 1975 in Dresden, Deckname: "David Menzer". Beförderung zum IMB (Inoffizieller Mitarbeiter zur unmittelbaren Bearbeitung von Feindpersonen) am 11. 3. 1981. Am 15. 11. 82 übernommen von der HA XX/9 Berlin, Führungsoffizier Oberstleutnant Reuter. Decknamenänderung am 5. 1. 83 in "Fritz Müller". Nach der Übersiedlung (West-Berlin) Decknamenänderung in IMB "Peters". Laufend geführt von der HA XX/9 bis Ende 1989. Sieben Bände IM-Berichte. Akte Teil 1 von der BV Dresden mit 339 Blatt verplombt mit MfS-Siegel 1450, Abt. XX. Beteiligt am Kampf des MfS u. a. gegen die Betroffenen in den ZOV "Weinberg" (u. a. Roland Jahn, Ev und Frank Rub), "Assistent" (Lutz und Bettina Rathenow), "Lyriker" (Wolf Biermann), "Bohle" (Bärbel Bohley), "Leitz II" (Katja Havemann) und "Opponent" (Lilo und Jürgen Fuchs). Archivierungsnummer der Gauck-Behörde für gefundenes "laufendes Material" des IMB: 7423/91. * Oben: im Oktober vor der Gauck-Behörde, Berlin; unten: aus der Handkartei der Abteilung XX der MfS-Bezirksverwaltung Gera, vom Bürgerkomitee Anfang 1990 vor der Vernichtung durch das MfS gesichert. * Name für das "Beobachtungsobjekt". ** Strafgefangener. * Kriminalpolizei. * Richtlinie. * Kreisdienststelle.
Von Jürgen Fuchs

DER SPIEGEL 48/1991
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