30.09.1991

Auftritt des Abtritts

Es ist nicht gerade ein Thema, in das man begierig die Nase steckt, doch der Pariser Nouvel Observateur behauptete tapfer: "Ein gelehrtes Buch über die letzte Geschichte, die noch zu schreiben war." Das Buch heißt: "Eine gelehrte Geschichte der Scheiße" (Frankfurter Verlagsanstalt; 152 Seiten; 28 Mark), Autor ist der leider schon mit 35 Jahren hinweggeraffte französische Psychoanalytiker Dominique Laporte. Die Lektüre verlangt vollen Einsatz, denn Laportes Diskurs bewegt sich in den rätselvollen Gipfelregionen des französischen Strukturalismus und schlägt Bögen von der Antike ("Cloaca maxima") bis zu Roland Barthes ("geschrieben stinkt Scheiße nicht"). Er zieht erstaunliche Parallelen zwischen dem Aufkommen des Abtritts und der Reinigung der Sprache (Frankreich, 16. Jahrhundert), zitiert Freud herbei (Zivilisation sei "Schönheit, Reinlichkeit und Ordnung") und baut Brücken zwischen Geld und Kot; nur von einem kann man sagen: "Non olet."

DER SPIEGEL 40/1991
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