06.02.1989

GESTORBENSiegfried Wischnewski

Siegfried Wischnewski, 66. Sein Repertoire reichte vom "Melissa"-Kommissar über den Hagen in Atze Brauners Filmzweiteiler "Die Nibelungen" bis zum Tempelherrn in Lessings "Nathan der Weise". Immer war der Herr mit dem knarzenden Baß ein Phänomen an Zelluloid- und TV-Präsenz. Mit sparsamen Gesten und einer puristischen Sprachkunst zwang der bullig wirkende Mime mit dem martialischen Aussehen die Zuschauer in seinen Bann. Knallend betonte er in scharf artikuliertem Hochdeutsch die Endsilben. Luschigkeit war dem gebürtigen Ostpreußen ohnehin ein Greuel, doch dieser Hang zum Perfektionismus machte dem verhinderten Marineoffizier im TV-Serieneinerlei zu schaffen. Privat zeigte sich der ZDF-Tierarzt "Dr. Bayer" als vielseitig interessierter Schöngeist mit Sinn für flapsige Sprüche. Als "natürliche Gaben" wünschte er sich Sartres Intelligenz und Clark Gables Schönheit, verabscheungswürdig fand er den Kaugummi, und als größte Reform bewunderte der Bach-Liebhaber das Ende des Krawattenzwangs in seinem Lieblingslokal "Walterspiel" im Münchner "Vier Jahreszeiten". Siegfried Wischnewski starb jetzt in seinem Haus in Königswinter an Bronchialkrebs.

DER SPIEGEL 6/1989
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