03.04.1989

GESTORBENHugo Moser

Hugo Moser, 79. Die Muttersprache war dem Bonner Germanisten mehr als nur wissenschaftliches Metier. Getrieben von der Sorge um eine deutsch-nationale Kultur, beklagte der 1909 im schwäbischen Esslingen geborene Philologe schon 1962 die vom sozialistischen Jargon verursachten "schweren Sprachschäden" in der DDR und die damit einhergehende innerdeutsche Entfremdung. Nicht weniger bedenklich schien Moser die von englischen Brocken durchsetzte Umgangssprache westdeutscher Jugendlicher, die der Gelehrte in Bundeswehrkasernen belauscht hatte. Auf der Gratwanderung zwischen Deutschtum und Deutschtümelei geriet der dank seiner "Deutschen Sprachgeschichte" populäre Professor mehrfach ins Rutschen. Mosers Wahl zum Rektor der Universität Bonn (1964) wurde von Enthüllungen aus seiner nationalsozialistischen Vergangenheit überschattet. Der junge Gelehrte hatte in den dreißiger Jahren der Erziehung "zum völkischen Menschen" das Wort geredet und eine Sammlung deutscher Lieder veröffentlicht, die auch Nazihymnen wie das Horst-Wessel-Lied enthielt. Mosers wissenschaftlicher Karriere tat dies keinen Abbruch: Der Sprachhistoriker avancierte zum ersten Präsidenten des Mannheimer Instituts für deutsche Sprache und zum Vorsitzenden des Germanistenverbands. Hugo Moser starb jetzt in Bonn.

DER SPIEGEL 14/1989
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