02.10.1989

VW: Viel Ärger wegen Frau Höhler

Im Volkswagen-Konzern spitzt sich die Auseinandersetzung um die von VW-Chef Carl Hahn geplante Einstellung der Zeitgeist-Spezialistin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler jetzt zu. Hahn will seinen Plan, Frau Höhler für ein Jahressalär von rund einer halben Million Mark als "Impulsgeber" zu engagieren, gegen alle Widerstände im Unternehmen durchsetzen. Mehrere Vorstandsmitglieder und die Betriebsräte sind gegen die Berufung von Gertrud Höhler, die bereits für diverse Ministerposten im Gespräch war. "Wir haben bislang alle Sparmaßnahmen mitgetragen", sagt ein Betriebsrat. Er könne der Belegschaft "aber nicht erklären, warum für diese Dame jetzt das Geld zum Fenster rausgeschmissen werden soll". Wenn die Einstellung Frau Höhlers im Aufsichtsratspräsidium gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter durchgesetzt wird, wäre dies die erste wichtige Entscheidung, die nicht einvernehmlich getroffen wird. Betriebsräte kündigen bereits an, daß sie dann dem Vorstandschef auch nicht mehr entgegenkommen wollen wie bisher, wenn der auf ihre Zustimmung angewiesen ist, beispielsweise bei zusätzlichen Samstagsschichten. Entschieden werden soll über den Hahn-Plan möglicherweise auf einer eigens einberufenen Sondersitzung des Aufsichtsratspräsidiums. Ein Aufsichtsrat findet, das mache "die Sache vollends zur Posse". Eine Sondersitzung habe es "nicht mal gegeben, als durch die Devisenaffäre 480 Millionen Mark verlorengingen".


DER SPIEGEL 40/1989
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