06.11.1989

Hans Küng

Hans Küng, 61, katholischer Theologie-Professor aus Tübingen, fand vor Gericht wenig Glauben. Der scharfe Kritiker der Amtskirche war als Geisterfahrer auf einer Autobahnzufahrt von einem entgegenkommenden Lehrerehepaar erwischt und angezeigt worden. Küng bestritt gar nicht erst die Tat ("Ich bin nicht unfehlbar"), machte aber geltend: "Ich war nicht bei voller Konzentration, habe sinniert." Nach dem Ortstermin mit Küng und dem Richter (Foto), glaubte ihm der Anklagevertreter nicht, "daß er sinnierend und unbewußt" im spitzen Winkel von der Autobahn in die Zufahrt abgefahren sei; Küng habe einfach nicht bis zur nächsten Abfahrt weiterfahren wollen. Unbeeindruckt von Küngs Gerichtsschelte ("Es ist vor einem deutschen Gericht nicht sinnvoll, etwas zuzugeben") und Kritik am geforderten Strafmaß ("Absolut ungerecht") noch im Gerichtssaal, verurteilte der Richter den Theologen zu drei Monaten Fahrverbot und einer Geldstrafe über 7500 Mark. Küng verzichtete vergangene Woche auf eine Berufung.


DER SPIEGEL 45/1989
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