16.10.1989

Physik

Aus dem Takt

Mit dem diesjährigen Physik-Nobelpreis werden die Erfinder der Atomuhr geehrt.

Gleich drei Gelehrte, allesamt alte Herren, wurden am Donnerstag letzter Woche mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet - per Bruchrechnung: Der halbe Preis (Gesamtwert: 862 000 Mark) gehört dem Harvard-Physiker Norman F. Ramsey, 74, die zweite Hälfte geht zu gleichen Teilen an den Bonner Emeritus Wolfgang Paul, 76, und an den aus Deutschland stammenden Amerikaner Hans G. Dehmelt, 67, der in Seattle lebt.

Verdient gemacht haben sich die drei Forscher mit Arbeiten, die zu neuen, phantastisch präzisen Methoden der Zeitmessung geführt haben. US-Physiker Ramsey gilt als Vater der Caesium-Atomuhr, die in 300 000 Jahren allenfalls eine Sekunde vom absolut richtigen Zeitmaß abweicht.

Mit der Erfindung des sogenannten Ionenkäfigs, in dem einzelne Atome zwischen elektromagnetischen Feldern fixiert werden können, haben die Preisträger Paul und Dehmelt dazu einen wichtigen Beitrag geleistet: Schwingungen im Kern der eingesperrten Atome dienen gleichsam als Unruhe der Caesium-Uhr, die seit 1967 den wissenschaftlichen Zeitstandard festlegt.

Inzwischen spielt der atomare Zeittakt (9 192 631 770 Schwingungen je Sekunde) längst nicht mehr nur in der Forschung eine Rolle, so wird er etwa zur weltweiten Synchronisation von Großcomputern, aber auch bei der Navigation im Weltraum oder beim Vermessen der Kontinentalverschiebung genutzt.

Physiker am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching arbeiten an noch weitaus präziseren Atomuhren, mit denen sie das Alter des Universums sekundengenau bestimmen wollen.

Forschungspionier Paul, dessen bahnbrechende Arbeiten mehr als ein Vierteljahrhundert zurückliegen, geriet bei der Nobel-Nachricht aus Stockholm vorübergehend aus dem Takt. Der greise Professor, "total gerührt", gönnte sich erstmal ein paar Stunden Bettruhe. f


DER SPIEGEL 42/1989
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