27.11.1989

BERUFLICHES Manfred Bulling

Manfred Bulling, 59, Stuttgarter Regierungspräsident, geht vorzeitig in Pension. Er trat am Donnerstag letzter Woche zurück, nachdem ihn sein Chef, CDU-Innenminister Dietmar Schlee, öffentlich gerüffelt hatte: Bulling sei "den Anforderungen an das Amt eines Regierungspräsidenten nicht immer in vollem Umfang gerecht geworden". Der forsche Spitzenbeamte hatte sich bei den CDU-Oberen im Ländle vor allem durch seine Umwelt-Vorstöße unbeliebt gemacht, wie jüngst mit der Einführung von Tempo 60 auf einer Stuttgarter Ausfallstraße. Auch bei der Entgiftung schwäbischer Kraftwerke, der Durchsetzung des Nachtbackverbots und im Kampf gegen schwarz errichtete Gartenhütten stahl der parteilose "publizitätsverliebte Querkopf" (Stuttgarter Zeitung) Späths Regierung oft die Schau. Seine Demontage begann mit einer Niederlage im "Nudelkrieg" und einer 43-Millionen-Mark-Schadenersatzforderung des Nudelfabrikanten Birkel, dessen Produkte Bulling angeblich zu Unrecht als "mikrobiell verseucht" bezeichnet hatte. Als Ruheständler will sich Manfred Bulling weiter den Teigwaren widmen: Eine neuartige Spätzlemaschine hat er schon erfunden.


DER SPIEGEL 48/1989
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