16.05.2015

Deutsche BahnDachschaden

Wäre der Architekt Meinhard von Gerkan nie auf Hartmut Mehdorn getroffen - das Dach wäre da, wo es hingehört. Die geschwungene Glas-Stahl-Konstruktion würde sich seit nunmehr fast zehn Jahren in voller Länge über Gleise des Berliner Hauptbahnhofs wölben. Doch Mehdorn, damals Bahn-Chef, wollte sparen und schneller fertig werden. Er kürzte die filigrane Überdachung von 454,6 auf 321,2 Meter. Die Teile, die nun nicht mehr benötigt wurden, lagerte die Bahn schon vor der Eröffnung im Jahr 2006 in einem Depot am Berliner Ostbahnhof ein. Dort liegen sie noch heute.
Wiederholt forderten Bundestagsabgeordnete, das Dach zu vollenden. Schließlich habe der Steuerzahler mehr als 50 Millionen Euro nicht für eine Stummelüberdachung gezahlt. Deren Nachteil: Ausgerechnet Erste-Klasse-Passagiere - zum Beispiel: Parlamentarier - sind Wind und Nässe ausgesetzt. Vor wenigen Wochen unternahm der SPD-Haushaltspolitiker Johannes Kahrs einen neuen Versuch, die Bahn von der Dachverlängerung zu überzeugen. Doch der Vorstoß beim Cheflobbyisten Ronald Pofalla bleibt höchstwahrscheinlich ohne Erfolg. In einem Bahn-Gutachten hieß es schon im vorigen Jahr: alles technisch machbar, aber mit 147 Millionen Euro arg teuer. Der gesamte oberirdische Zugverkehr rund um den Bahnhof müsste für neun Monate gesperrt werden. Und die Bauarbeiten wären problematisch, weil inzwischen rund um den Hauptbahnhof eine Reihe neuer Gebäude entstanden ist. Gerkan empfahl, den "notwendigen Freiraum für die Montage" durch Abriss "eines der missratenen Hotels" zu schaffen. Die Bahn-Manager beeindruckte dies nicht. Sie prüfen nun die Idee, die eingelagerten Dachteile zu demontieren, das Glas einzuschmelzen und den Stahl zu recyceln.
Von Was

DER SPIEGEL 21/2015
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