30.10.1989

Fußball

Wieder was zu lachen

Aufregung in Augsburg: Der Exzentriker Jimmy Hartwig steigt ins Trainergeschäft ein.

Zu seinem 50. Geburtstag erlebte Helmut Haller, ein mittlerweile angegrauter Fußballheld, noch einmal den Glanz früherer Tage. Im Augsburger Rosenaustadion demonstrierte die brasilianische Star-Elf von Fluminense Rio de Janeiro internationalen Ballzauber zu Ehren des Trainers vom örtlichen FC. Ein beeindruckendes Feuerwerk beendete die rauschende Party.

Organisiert hatte - Mitte Juli - der Manager Peter Eiba, 43, im Nebenberuf schwerreicher Besitzer einer Kette von Spielhallen, das Fußballfest. Doch das Tete-a-tete währte nur noch bis zum Herbst. Jetzt ließ der starke Mann des bayerischen Amateur-Oberligisten das einstige Idol nach neunmonatiger Tätigkeit kaltschnäuzig fallen und engagierte statt seiner einen anerkannten Exzentriker.

Der neue Hoffnungsträger, der die Augsburger anstelle des ehrpusseligen Helmut Haller aus den Tiefen führen soll, heißt William Georg Hartwig, genannt Jimmy. Bis vor zwei Jahren kickte der Sohn eines farbigen US-Soldaten und einer Deutschen noch mit schwindendem Erfolg in der Bundesliga.

Schwer vorstellbar, daß der konzeptionell und balltechnisch von jeher unterbelichtete Hansdampf - laut Max Merkel ein Nichtskönner, der "aus elf Metern Entfernung keinen Möbelwagen trifft" - nun ausgerechnet als Coach für den nötigen Feinschliff zu sorgen vermag.

Aber darum scheint es Eiba, nach eigenem Bekenntnis ein "Sportförderer", auch erst in zweiter Linie zu gehen. Vornehmlich möchte der Manager und Mäzen, der den FCA-Vorstand zu Marionetten degradiert hat, Aufsehen erregen. Einer Mannschaft, die für seine Daddelhallen mit dem Namen "Harlekin" Reklame läuft, steht ein Fußballehrer Jimmy Hartwig offenbar besser zu Gesicht als der vergleichsweise biedere Fleißarbeiter Haller.

Ursprünglich hatte der "Spielhallen-König", wie er in Augsburg in einem Zusammenfluß von Respekt und Zurückweisung genannt wird, sogar einen eigenen Fußballklub gegründet. Mit dem in der C-Klasse startenden "BC Harlekin", in dem abgetakelte Profis wie Manfred Tripbacher oder Reinhard Kindermann auf Torejagd gingen, schwante ihm "der Durchmarsch in die Bundesliga" - eine Schnapsidee.

Schließlich lief der Förderer zu den Damen vom örtlichen Volleyballverein über - eine Liaison, die gerade mal sechs Wochen hielt - und wendete sich dann nach einem Abstecher zum Lokalrivalen "Schwaben" dem FC Augsburg zu.

Mag sich der Kern des Augsburger Anhangs auch darüber aufregen, was aus seinem ehedem soliden Klub geworden ist: Peter Eiba kommt der Trubel zupaß, der ihm nun mit der Verpflichtung Hartwigs ins Haus stehen dürfte.

Denn zumindest für Kaspereien ist der 35jährige Newcomer, der auf seiner ersten Pressekonferenz Champagner servieren ließ, immer gut. Ob als Schlagersänger, CDU-Wahlkampfhelfer oder Deutschland-Repräsentant für den Verkauf von Präservativen einer britischen Firma - stets bemühte sich das spontane Multitalent, seinen Jobs die eher heiteren Seiten abzugewinnen.

Auch ins neue Metier will sich der Jungtrainer ("Von Bayernliga hab' ich keine Ahnung") schleunigst einarbeiten. Via Autotelefon stets in Kontakt mit seinem Vertragspartner, rauscht er nun durchs Bayernland und hält nach Verstärkung Ausschau. Denn, natürlich, möchte Jimmy "in zwei, drei Jahren" in der Bundesliga landen.

"Ehrlisch", sagt der in Hessen geborene Coach so treuherzig, wie nur er das kann, "isch bin'n Verrückter." Dem Vereinsmanager ist das nur recht: "Jetzt haben die Jungs endlich mal wieder was zu lachen." f


DER SPIEGEL 44/1989
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