11.06.1990

GESTORBENWilhelm Wagenfeld

90. Ob er Salzstreuer, Eierbecher oder Cromarganbesteck gestaltete - mit seinen Entwürfen beeinflußte er, anonym, doch in nahezu jedem Haushalt präsent, das kollektive Formgefühl vor allem der fünfziger und sechziger Jahre. Sein Ideal war die zeitlose Brauchbarkeit ohne schmückendes Beiwerk. Die Form seiner Objekte sollte sich ganz aus ihrer Funktion herleiten. Wohl am besten gelang ihm das mit seinem stapelbaren kubischen Glasgeschirr von 1938, das für Vorräte im Kühlschrank ebenso taugt wie auf dem Eßtisch. Die ästhetisch prägenden Eindrücke gewann Wagenfeld am Weimarer Bauhaus: Von 1923 bis 1925 studierte der gelernte Silberschmied in der Metallwerkstatt bei Moholy-Nagy. Seine während dieser Zeit entworfene Tischleuchte mit halbkugeligem Milchglasschirm zählt zu den Klassikern des modernen Designs. Die zunehmende Massenproduktion von Gebrauchsgütern sah er als Chance, den Aufbau einer klassenlosen Gesellschaft zu fördern: Jedes Stück, schrieb er einmal, soll "so schön und praktisch sein, daß sich der Reichste wünscht, es zu besitzen, und so preiswert, daß auch der Ärmste es sich kaufen kann". Wilhelm Wagenfeld starb jetzt in Stuttgart.

DER SPIEGEL 24/1990
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