02.07.1984

Der Mensch - einzig denkendes Wesen im All?

Von Ditfurth, Hoimar v.

Hoimar von Ditfurth über Heinrich K. Erben: "Intelligenzen im Kosmos? Die Antwort der Evolutionsbiologie" Hoimar von Ditfurth, 62, Professor der Psychiatrie und Neurologie, wurde als Wissenschaftspublizist bekannt durch zahlreiche Fernsehsendungen und mehrere Bestseller ("Wir sind nicht von dieser Welt"). *

Erben glaubt nicht an die Möglichkeit von Leben oder gar Intelligenz irgendwo im Kosmos außerhalb der Erde. Er hält sie für ausgeschlossen. Um seine Ansicht zu untermauern, häuft er, belesen, wortgewandt, bissig und mitunter auch witzig, einen Einwand auf den anderen und kommt dabei zeitweise so in Fahrt, daß er das Thema mehr oder weniger weit aus den Augen verliert.

Mein anfängliches Vergnügen wich nach wenigen Kapiteln indessen zunehmendem Verdruß. Nicht deshalb, weil ich das Pech habe, zu den vom Autor vehement attackierten Fürsprechern der "exobiologischen Hypothese" zu gehören. (Zur Frage der persönlichen Betroffenheit gleich in etwas anderem Zusammenhang noch ein Wort.) Verdrießlich stimmte mich die Lektüre vielmehr wegen eines zentralen Widerspruchs der Argumentation und wegen einer das ganze Buch durchtränkenden polemischen Attitüde, die so überzogen ist, daß der Autor sich damit selbst im Wege steht.

Der zentrale Widerspruch: Erben identifiziert "Leben" nachdrücklich mit "irdischem Leben" - jedenfalls immer dann, wenn es um die Titelfrage geht. Wie ein Leitmotiv kehrt dann die Versicherung wieder, daß es Leben oder gar Intelligenz in anderer als der irdischen Form nicht geben könne. Er ist dabei so unerbittlich konsequent, daß er die Kritik an dem bekannten Argument Jacques Monods, für die spezifische Zusammensetzung von Enzymen gebe es keine Alternative und deren Unwahrscheinlichkeit mache das irdische Leben daher zu einem einmaligen, für den Kosmos atypischen Zufall, als "uferlose Verallgemeinerung" des Lebensbegriffs zurückweist.

Nun gut, das Argument ist nicht neu, nichtsdestotrotz aber ernst zu nehmen. Gleichzeitig betont Erben aber nun - an anderen Stellen - mit Recht immer wieder, daß die Evolution als historisch offener Prozeß mit jedem ihrer konkreten Schritte jeweils nur eine einzige von unzählbar vielen Möglichkeiten realisiert und damit alle diese anderen Möglichkeiten ausgeschlossen habe. "Jeder Entwicklungsschritt erscheint wie eine (relativ) freie Entscheidung bei einer Wahl zwischen alternativen Möglichkeiten" (S. 177). Auf Seite 183 ist dann sogar von der Denkbarkeit der Entstehung einer "Art von Antileben" bei anderen Evolutionsansätzen die Rede, durch welches "das ursprüngliche Leben" bedroht werden könnte.

Immer dann jedoch, wenn das Thema "Exobiologie" wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, hat Erben diese "alternativen Möglichkeiten" augenblicklich wieder vergessen. Im Gegenteil: Wo immer er einen Exobiologen bei dem Gedankenspiel mit anderen als irdischen Lebensformen ertappt, springt er hart mit ihm um.

Warum Erben in diesem Punkt sozusagen "zweigleisig fährt", liegt auf der Hand: Als Vertreter (und Verteidiger!) der Evolutionstheorie - speziell den ideologisch verbohrten "Kreationisten" gegenüber - muß er auf der historischen Offenheit aller stammesgeschichtlichen Abläufe bestehen. Als Streiter gegen die exobiologische Vermutung sieht die Beweislage für ihn aber plötzlich ganz anders aus. Dann nämlich läßt sich die von ihm unterstellte Irrationalität dieser These nur behaupten, wenn man von der absoluten Festlegung aller denkbaren Evolutionsabläufe auf irdische Lebensformen ausgeht. Dann nämlich gibt die Tatsache den Ausschlag, daß es "überastronomisch unwahrscheinlich" ist, daß sich der zufallsgesteuerte irdische Evolutionsprozeß irgendwo im Kosmos identisch wiederholt haben könnte.

Das ist dann auch schon der Kern der Erbenschen Beweisführung. Sie entpuppt sich als alter Bekannter. Monod hat das gleiche Argument schon 1970 vorgetragen (in seinem berühmten Buch "Zufall und Notwendigkeit"). Natürlich ist das kein Einwand gegen den Autor. Auch Erben aber muß sich dann eben, wie seinerzeit der Franzose, vorhalten lassen, daß er das Resultat seines Beweisganges quasi "vorfabriziert", wenn er sich an den entscheidenden Stellen jeweils auf die angebliche Unmöglichkeit anderer als der uns bekannten Lebensform zurückzieht.

Abgesehen einmal davon, daß mir das keine sehr überzeugende Beweisführung zu sein scheint: Merkt Erben eigentlich gar nicht, daß er mit der Verwendung des Dogmas von der Exklusivität der irdischen Lebensformen den von ihm zu Recht bekämpften "Kreationisten" gleich wieder ein Hintertürchen öffnet? Denn wenn das Dogma gilt, dann wäre doch auch die Entstehung des irdischen Lebens von genau der gleichen "überastronomischen Unwahrscheinlichkeit" gewesen - hätte es dann aber nicht vielleicht doch, wie die Kreationisten behaupten, einer übernatürlichen Starthilfe bedurft?

"Intelligenz, vor allem die technisch orientierte, manifestiert sich nur auf der _(In der ZDF-Sendereihe "Querschnitte". )

materiellen Grundlage des menschlichen Gehirns" (S. 252). Ja, wenn das so ist! Dann freilich könnten wir die Möglichkeit der Existenz nichtmenschlicher Intelligenzen getrost streichen. Aber eben, ob es so ist, das wäre doch die eigentlich interessante Frage. Auf sie aber geht Erben mit keinem Wort ein.

Warum diese einseitige Festlegung? Und warum die ätzende Aggressivität gegenüber allen Vertretern einer von der eigenen abweichenden Meinung, die das ganze Buch durchzieht? Allem Anschein nach deshalb, weil Erben von der Vorstellung beherrscht wird, daß die Rationalität unserer Gesellschaft in Gefahr sei, unter einer schier übermächtigen Woge des Aberglaubens und der Irrationalität begraben zu werden. Ganz unbegründet ist diese Sorge nun gewiß nicht. Bei Erben aber ist sie offenbar zur beherrschenden Phobie geworden. Und so schlägt der Autor denn um sich, um nur ja niemanden entwischen zu lassen, den er im Verdacht hat, auf diese oder jene Weise an dem Ast unserer Rationalität zu sägen.

Daß an dieser Sägeaktion auch jeder mitwirkt, der sich weigert, dem Gedanken an die Möglichkeit außerirdischen Lebens feierlich abzuschwören, ergibt sich dabei aus dem üppig bemessenen Radius des Erbenschen Rundumschlags quasi ganz von selbst. Und da angesichts der Größe der Gefahr zu irgendwelchen Differenzierungen weder ein Anlaß vorliegt noch die Zeit bleibt, macht es da weiter keinen Unterschied, ob jemand die vom Autor gezogenen Grenzen nun mit einer Narretei a la Däniken verletzt oder als Astrophysiker oder - Titelthema hin, Titelthema her - als Wissenschaftstheoretiker.

So kommt es denn dazu, daß in dem von Erben für die Transporteure irrationaler Konterbande bereitgestellten Abfalleimer nicht nur fernöstliche Gurus, islamische Fundamentalisten, Psi-Gläubige und Ufo-Fanatiker ihren fraglos verdienten Platz finden, sondern in schöner Eintracht mit ihnen auch die studentischen Rebellen von 1968 (ja, ich finde das auch reichlich weit hergeholt, aber Erben besteht darauf, und außerdem kommt es gleich sowieso noch viel dicker) und so mancher Gelehrter von Rang und Namen, der außerhalb der von Erben dekretierten Maßstäbe eigentlich einen ganz passablen Ruf genießt - wie Teilhard de Chardin zum Beispiel, oder Carl Friedrich von Weizsäcker oder der Physik-Nobelpreisträger Erwin Schrödinger, um nur ein paar Namen zu nennen, die einen ersten Begriff geben können von der Gründlichkeit, mit der Erben die Aufräumungsarbeiten anpackt.

Mir selbst wirft der Autor übrigens - unter anderem - vor, daß ich mir durch sowohl monistische als auch dualistische Äußerungen zum Leib-Seele-Problem selbst widerspräche. Nun liegt die einzige jemals von mir gelieferte monistische Äußerung gut 15 Jahre zurück (bei der von Erben zitierten Quelle handelt es sich, wie dort vermerkt, um einen Nachdruck). Alle meine späteren Veröffentlichungen

dagegen begründen einen unmißverständlichen dualistischen Standpunkt. Es ist doch wohl kaum vorwerfbar, wenn man im Verlaufe von anderthalb Jahrzehnten einen Lernprozeß absolviert. Vorwerfbar erscheint es mir dagegen, wenn jemand daraus, ohne den zeitlichen Abstand zu erwähnen, einen inneren Widerspruch konstruiert.

Ich erwähne dieses objektiv unwichtige Detail allein deshalb, um dem Verdacht vorzubeugen, ich versuchte durch sein Verschweigen womöglich persönliche Betroffenheit zu kaschieren. Zu dieser aber besteht nicht der geringste Anlaß, denn die blindwütigen Attacken des Autors lassen einen in die feinste Gesellschaft geraten.

Auch Popper, man höre und staune, muß sich vor den Richterstuhl Erbens zerren lassen. Die Art und Weise zum Beispiel, in der dieser Philosoph das berühmte Induktionsproblem abgehandelt hat, hält Erben für wenig gelungen. Und das nicht minder berühmte "Falsifikations-Kriterium"? Die definitorische Orientierungshilfe, nach der eine Hypothese nur dann wissenschaftlichen Charakter beanspruchen kann, wenn sie nachprüfbar und wenigstens im Prinzip widerlegbar ("falsifizierbar") ist? (Die Aussage, der liebe Gott habe einen weißen Bart, gehört also nicht dazu, womit, wohlgemerkt, nichts darüber gesagt ist, ob sie stimmt oder nicht, sondern eben lediglich, daß sie keinen wissenschaftlichen Charakter hat.) Erben hält auch diesen Popperschen Einfall nicht für sehr glücklich. Im Gegenteil, er hält das Falsifikationsprinzip für den Ausdruck einer "Konzeptionsschwäche" innerhalb des Systems der Popperschen Philosophie. Begründung: Wenn es konsequent angewendet werde, könne es zu unsinnigen Urteilen führen. Erbens Beispiel: "Die Astrologie vertritt zwar Nonsens, aber sie ist falsifizierbar, also müßte sie theoretisch als legitim wissenschaftlich klassifiziert werden!"

Das ist nun wahrlich starker Tobak. Muß man Erben, der nicht müde wird, seinen zahllosen Kontrahenten logische Mängel, "unbedachte Schnelldenkerei" und Schlimmeres vorzuwerfen, muß man ihn wirklich erst darauf hinweisen, daß er hier "notwendige" und "hinreichende" Bedingungen durcheinanderbringt und daher bei einem falschen Umkehrschluß landet? Zwar kann eine These, die grundsätzlich nicht widerlegbar ist, nicht als wissenschaftliche These gelten. Aber deshalb ist doch nicht, umgekehrt, jeder widerlegbare Unsinn schon Wissenschaft. Wenn ich die Behauptung aufstellen würde, der Mond bestehe aus erstklassigem Edamer Käse, dann ließe sich das mühelos "falsifizieren". Aber daraus würde sich doch nun auf keinem logischen Wege die Folgerung ableiten lassen, daß der Ausgangsbehauptung wissenschaftlicher Rang zukäme.

Unser Autor aber läßt sich von solchen Haarspaltereien nicht anfechten. Auch Heisenbergs Unschärferelation und das Komplementaritätskonzept von Niels Bohr (dem zufolge die Elementarteilchen der Materie auf eine für uns unvorstellbare Weise Korpuskel und Welle zugleich sind) finden vor seinen Augen keine Gnade. Beide Konzepte seien in fataler Weise von dem modischen Wunsche nach irrationalen Visionen beeinflußt und letztlich Ausgangspunkte einer - "fast schon neognostisch zu nennenden Verirrung". Begründung? Sie widersprächen der "klassischen Logik". Das allerdings ist nun auch schon vor Erben ein paar Leuten aufgefallen. Bisher wurde dieser Umstand in den Fachkreisen allerdings als Indiz dafür interpretiert, daß die Strukturen der Welt als Ganzes nicht (ausschließlich) an die Grenzen der uns angeborenen logischen Strukturen gebunden sind.

Wer eine Ahnung davon hat, welche bedeutsame und fruchtbare Rolle die genannten Konzepte der "Kopenhagener Schule" bis auf den heutigen Tag für die Weiterentwicklung der theoretischen Physik gespielt haben, dem bleibt hier kurz die Luft weg vor Verblüffung über die selbstsichere Leichthändigkeit, mit der der Paläontologe Erben sie auf zweieinhalb Seiten (45-47) vom Tisch fegt. Für alle, denen der Gedanke, sie läsen nicht genug, permanent das berufliche Gewissen belastet, mag es ein Trost sein, wenn ihnen mit diesem Buch ad oculos

demonstriert wird, daß man des Guten offensichtlich auch in diesem Falle zuviel tun kann. Dergleichen also, so etwa werden sie sich sagen, kann einem zustoßen, wenn man sich dazu hinreißen läßt, mehr zu lesen, als man zu verdauen imstande ist.

Affekte trüben den Blick. Das wirkt sich auch bei dem Versuch aus, den Gegner so exakt ins Visier zu nehmen, daß ein Blattschuß gelingt. Erben steht sich denn bei seinem paradoxen Unternehmen, nämlich seinem hochemotionalen Sturmlauf gegen alles Irrationale, auch ständig selbst auf den Füßen. Dafür noch ein einziges Beispiel.

Auf Seite 148 erwähnt der Autor eine 1982 erschienene Anzeige, mit der für die finanzielle Unterstützung der radioastronomischen Suche nach Signalen außerirdischer Zivilisationen geworben wurde. Erben informiert seine Leser dahingehend, daß es sich bei den Initiatoren des Aufrufs um Persönlichkeiten gehandelt habe, "die in der einen oder anderen Weise - sei es wegen der Finanzierung ihrer Forschungen, sei es wegen publizistischer Tantiemen - bisher von der Extraterrestrier-Saga nicht schlecht profitiert hatten". Beiläufig, in einem Nachsatz, folgt dann noch die Bemerkung, daß der Aufruf "allerdings auch die Unterschrift von einigen Wissenschaftlern" trage, "für die das alles ganz bestimmt nicht zutrifft".

Inzwischen etwas mißtrauisch geworden, machte ich mir die Mühe, in der nächstgelegenen Universitätsbibliothek die angegebene Quelle einmal selbst nachzulesen. Und siehe da: Bei mindestens 60 der insgesamt fast 70 Unterzeichner handelte es sich um weltweit angesehene Wissenschaftler, darunter nicht weniger als sieben Nobelpreisträger, mit den piekfeinsten akademischen Adressen, von Harvard über Princeton bis Berkeley, und von Oxford über die Max-Planck-Gesellschaft bis zur Sowjetischen Akademie der Wissenschaften! Dies also, so stellte ich einigermaßen verblüfft fest, war die illustre Runde, die sich hinter der herabstufenden Formulierung Erbens verbarg.

Natürlich bleibt es jedem unbenommen, den Aufruf und die ganze exobiologische Hypothese nach wie vor für den größten Unfug zu halten. Nur: Was soll eigentlich der Leser von der Beweiskraft der Ausführungen eines Autors halten, der unter einem so starken Affekt steht, daß seine Objektivität schon bei der noch relativ einfachen Prozedur des Abzählens von Unterschriften zu versagen beginnt?

Unbestreitbar gibt es auf dem weiten Felde der Spekulation über die Möglichkeit außerirdischen Lebens auch wahre Berge intellektuellen Mülls. Erben macht sich mit Recht über sie lustig. Leider aber läßt er sich von ihnen den Blick verstellen auf den ernstzunehmenden Grundgedanken hinter der ganzen Diskussion, an der ja, im Gegensatz zu Erbens Unterstellung, nicht nur Schwachköpfe beteiligt sind.

Dieser Grundgedanke besteht in dem Verdacht, daß es sich bei unserer Neigung, den Menschen für das einzige denkende Wesen im ganzen unermeßlich großen Weltall zu halten, vielleicht nur um eine neue Variante des alten, uns von der Evolution - aus biologisch einsichtigen

Gründen - angezüchteten "Subjektzentrismus" (Rudolf Bilz), sprich: anthropozentrischen Mittelpunktwahns handelt. Frühere Generationen haben diesen Wahn buchstäblich mit Feuer und Schwert zu verteidigen versucht, als es wissenschaftlicher Einsicht zu dämmern begann, daß Erde und Menschheit nicht das Zentrum sind, um das sich das ganze Universum dreht. Drückt sich in dem Festhalten an der These von der kosmischen Einmaligkeit des Lebens auf der Erde - dessen Gipfel wir selbst bilden - vielleicht noch ein Rest der alten Verblendung aus, jener Rest, der sich im Licht modernen kosmologischen Wissens heute gerade eben noch verteidigen läßt? (Ein ironischer Gedanke, daß dann auch hinter dem Erbenschen Affekt eine Spur dieses uralten, irrationalen, da instinktiv-angeborenen Widerstands stecken könnte.)

Es geht bei der ganzen Frage letztlich um einen Spezialfall des klassischen "Kontingenzproblems". Es geht um die uralte Frage danach, ob Erde und Welt aus unentrinnbarer Notwendigkeit so sind, wie sie sind, oder ob (und wenn, dann in welchem Umfange) sie auch anders hätten ausfallen können. Anders ausgedrückt und auf unser Thema zugeschnitten: Halten wir das irdische Leben womöglich nur deshalb für das einzig mögliche Resultat biologischer Entwicklung, weil wir keine andere Lebensform kennen und daher auch den Zufallscharakter der speziell irdischen Variante nicht zu erkennen vermögen? Oder deshalb vielleicht, weil wir über das Problem naturgemäß nur mit der Hilfe eines Organs nachdenken können, das selbst aus eben dieser speziell irdischen Evolutionsgeschichte hervorgegangen ist? Oder ist es, dies die andere Möglichkeit, vielleicht wirklich so, daß es aufgrund irgendeiner Gesetzlichkeit, die uns (noch) verborgen ist, "nicht anders kommen konnte", daß wir also tatsächlich, auch aus kosmischer Perspektive, die einzige überhaupt realisierbare Lebensform verkörpern? So daß also in diesem Falle erstmals, im Gegensatz zu allen vorangegangenen historischen Fällen - die hier nur mit den Namen Kopernikus, Charles Darwin und Sigmund Freud in Erinnerung gerufen seien -, unser Anthropozentrismus kein Wahn, sondern zutreffende Abbildung der Wirklichkeit wäre?

Das sind die grundlegenden, die auch für unser Selbstverständlichnis fundamentalen Fragen, um die es in der seriösen Diskussion über die exobiologische Hypothese (die es, weiß Gott, auch gibt) in Wahrheit geht. In Erbens Buch erfährt der Leser kein Wort davon.

"Die Antwort der Evolutionsbiologie", wie der Untertitel es verheißt? Wohl kaum. Eher die Antwort eines Mannes, der sich entsetzlich geärgert hat und dessen Argumente von den Spuren dieses Ärgers tiefer gezeichnet sind, als ihnen guttut.

In der ZDF-Sendereihe "Querschnitte".

DER SPIEGEL 27/1984
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