21.05.1984

Rauschgift: Charley auf der Straße

Der Bundesrepublik steht eine Kokain-Welle bevor Kokain, bislang nur eine Droge für schicke Minderheiten, breitet sich aus. Nach Super-Ernten in den südamerikanischen Anbaustaaten, Erweiterung der Äcker und Preisverfall in den USA sucht die Kokain-Mafia neue Märkte. In der Bundesrepublik beginnt der Straßenverkauf, in Scharen pendeln Übersee-Kuriere nach Europa. *

Die falsche Nonne aus Lima trug das weiße Pulver unter der Soutane, die als Geschäftsfrau aus Bogota aufgemachte Kolumbianerin unterm Futter ihres Samsonite-Koffers, ihr Landsmann mit dem falschen Honduras-Paß hatte es gar im Darm versteckt. Die schwangere Chilenin schließlich war in Wahrheit auch nur guter Hoffnung auf ein Großgeschäft: Unterm gebauschten Umstandskleid trug sie statt der Leibesfrucht einen gefüllten Fünf-Kilo-Behälter - alles Kokain.

Entdeckungen wie diese - letztens auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen - machen europäische Grenzstellen immer häufiger, denn Kokain, jene exotische Bewußtseinsdroge, die trotz jahrelanger Ankündigungen polizeilicher Rauschgiftexperten nie auf breiter Front reüssieren wollte und statt dessen immer nur Traumstoff für wenige Wohlstandskonsumenten geblieben war, ist diesmal wirklich im Kommen.

An den Grenzen vervielfachen sich die beschlagnahmten Mengen des "Charley" oder auch "Schnee" titulierten Pulvers. In Europa stieg die Fahnderbeute 1983 im Vorjahresvergleich ums Doppelte auf 950 Kilo, davon über hundert in Deutschland, wo noch vor fünf Jahren kein Zöllner Kokain zu Gesicht bekommen hatte.

Zusehends verliert der Stoff seinen angestammten Ruf als Schickeria-Symbol. "Ein Bedarf ist geweckt", erkannte der Frankfurter Hauptkommissar Peter Loos, in dessen Bereich, zwischen Freßgass' und Bockenheimer Anlage, Kokain jetzt schon zusammen mit Heroin gehandelt wird.

Aber anders als Heroin, das immer gleich an Todesstatistik und tristes Junkie-Wesen erinnert, oder Hasch, das sich mit Jugendrebellion und Weltflucht verbindet, ist das weiße Pulver aus den Anden noch quasi positiv besetzt, gleichsam die Droge für den, der schon alles hat.

Zu Beginn des Jahrhunderts hatte Kokain erstmals große Konjunktur. Jagdflieger und Literaten nahmen es, Nobelpreisträger und Schauspieler. Emile Zola kokste, Jules Verne, Sarah Bernhardt und Pius X. - alle auf der Suche nach jenem unnachahmlichen Kick, dem der Arzt Sigmund Freud schon nach wenigen Minuten "Aufheiterung und ein Gefühl der Leichtigkeit" zu verdanken pflegte ("Man fühlt sich lebenskräftiger und arbeitsfähiger").

Das Pulver wird über Schleimhäute, etwa der Genitalien oder des Mundraums, in die Blutbahn gebracht, vorzugsweise jedoch durch die Nase reingezogen. Physische Abhängigkeit entsteht nicht, dafür kann es nach Dauergebrauch zu Psychosen und paranoiden Reaktionen kommen. Das sexuelle Verlangen, von der Droge zunächst angeregt, kommt auf die Dauer zum Erliegen: Kokain macht impotent.

Gleichwohl vermittelte Kokain den Anstrich schicker Dekadenz, viel beschrieben und gemalt, etwa auf dem Otto-Dix-Bild "Die Koksgräfin". "No snow, no show" drohten in den siebziger Jahren die Rolling Stones, und eine Münchner Filmemacher-Clique um Fassbinder ließ sich von den Boulevard-Zeitungen gern als Kokain-Kenner bestaunen.

Die Abwehrtechniken der Polizei sind noch unterentwickelt. Stets zirkulierte das Kokain in ebenso diskreten wie geschlossenen Kreisen, wo weder auffällige Kundenwerbung noch Beschaffungskriminalität für Kriminalspuren sorgen. Unter Künstlern und Intellektuellen, Halb- und Lebeweltlern, wo das Kokain bis vor kurzem nahezu ausschließlich kursierte, ist für die Polizei "meist nicht reinzukommen", wie Georg Samulowski, Kriminaloberrat in Berlin, klagt.

Da tappen die Beamten derzeit so ratlos einher wie ihre Fahndungshunde, die zwar auf den Heugeruch von Marihuana oder das Essig-Odeur von frischem Heroin anspringen, für das fast

geruchlose Kokain jedoch noch nicht recht die Nase haben.

Offenkundig hat das große Kokain-Busineß - südamerikanische Großerzeuger im Zusammenspiel mit nordamerikanischer Mafia - begonnen, den deutschen Markt zu testen. Vorsichtig, wie in München, wo zwar die Menge des sichergestellten Stoffs 1983 im Vorjahresvergleich mit gut zwölf Kilo aufs Vierfache schnellte, die Zahl der dingfest gemachten Kokain-Händler jedoch zurückging. Oder dreist, wie im Rhein-Main-Gebiet, wo Kokain bereits in die Süchtigenszene gepumpt wird.

Dort gibt es Anzeichen, daß die herkömmliche Trennung der Szenen - Heroin für die Kaputten, Kokain für die Schickeria - sich auflöst. Seit öfter einmal Drogenanfällige von der anderen Seite bei den Koksern hineinschnüffeln, sehen die Fahnder auch erstmals in die einst hermetisch abgeschotteten Zirkel hinein. Dem Frankfurter Rauschgiftkommissariat sind mittlerweile die ersten 78 Kokain-Abhängigen bekannt.

Auch in Berlin wird der verschwiegenen Konsumentengruppe zunehmend Aufsehen zuteil: Zu viele Leute interessieren sich auf einmal für Schnee, der Straßenverkauf läuft an, jedenfalls häufen sich nach Razzien Erkenntnisse, daß "Dealer mit breitem Sortiment" (Polizei) neben Heroin, LSD und Haschisch auch Kokain führen.

Unter den Drogentoten Nordrhein-Westfalens sind schon vier Kokain-Opfer. Axel Wernitz, Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses, der kürzlich zwei Wochen lang die südamerikanischen Herstellerländer bereiste, sieht eine "Kokain-Welle" kommen.

Die bekommt vielfältig Schub. Kokain ist derzeit im Überfluß auf dem Markt. In Südamerika ist "wegen Erweiterung der Anbauflächen und wegen des guten Wetters" die "diesjährige Koka-Ernte hoch ausgefallen", wie das Bundeskriminalamt (BKA) vermeldet, weshalb auch auf dem amerikanischen Markt schon "Preisverfall und Überangebot" zu verzeichnen seien.

Und anders als im Heroingeschäft, wo für europäische Kleinerwerber der Warenaufkauf direkt beim Erzeuger, etwa im pakistanischen Hinterland, lebensgefährlich wäre, ist der Direktimport von Kokain fast ohne persönliches Risiko möglich und noch lukrativ genug. In südamerikanischen Hauptstädten ist der Stoff auch für Branchenfremde offen für 10 000 Dollar pro Kilo zu haben - im deutschen Verkauf bringt er rund das Achtfache.

Zwar gelten die westdeutschen Grenzkontrollen international als wirkungsvoll. Ein in New York 1984 verurteilter südamerikanischer Großexporteur beispielsweise hat Deutschland-Geschäfte, wenn überhaupt, nur mit Risiko-Aufschlag akzeptiert. Doch angesichts des hohen Verkaufspreises in Europa, wo

sich die Ware für 200 bis 300 Mark pro Gramm losschlagen läßt, rentiert sich selbst noch der Kleinmengenschmuggel per Körpertransport, im Magen-Darm-Trakt und somit nur per Stichprobe zu entdecken.

Der Stoff wird in Vier-Gramm-Portionen unterteilt, in Stanniol und Latex gehüllt und zu Ketten verbunden. Zur besseren Verträglichkeit überziehen die Exporteure die Ware mit Gleitgel, die Magensäure wird zwecks Schonung der Gebinde neutralisiert, oftmals stilgerecht mit Cola. Kolumbien ermittelt gegen Mediziner, die für Drogenkuriere ein regelrechtes Schlucktraining anboten.

Ein Transporteur, der es in sich hat, bringt auf diese Art über ein Pfund Stoff zum Verkaufswert von über 100 000 Mark ins Land. Frankfurter Rekord waren 175 Kügelchen im Leib eines Kolumbianers. Einen Landsmann erwischten Anfang Mai Düsseldorfer Grenzer mit 670 Gramm Kokain im Darm.

So kommt die weiße Ware in einem unübersehbaren Strom von Kleinschmugglern nach Europa. Vorzugsweise als Gruppenreisende getarnte Überseepassagiere schleppen ihre Fracht in vereinbarte Depots, die selten einmal auffliegen, wie in Paris und Kopenhagen zu Beginn dieses Jahres, wo sich schon 53 und 34 Kilogramm Schnee angesammelt hatten.

Die Auftraggeber disponieren großzügig. Ist die Polizei einmal einem eingefahrenen Kuriertreck auf die Spur gekommen, eine Flugverbindung als "Koksbomber" aufgefallen - so die Kripo über die Lufthansalinie LH 513 aus Bogota -, werden sogleich Ausweichrouten eröffnet. Bis zu 2000 Dollar Honorar erhalten die Transporteure fürs Schmuggeln eines Pfundes, plus Rückflugticket, obwohl dies häufig Illusion vermittelt: Bis zu zehn Kokain-Schmuggler (BKA: "Einweg-Kuriere") werden an europäischen Grenzstellen wöchentlich festgenommen.

Doch der Nachschub ist unerschöpflich. Zu einträglich scheint das Geschäft - allein New Yorks Kokser nehmen nach FBI-Schätzungen Stoff für sieben Milliarden Dollar pro Jahr. Und zu mächtig ist die Koalition aus Unterwelt, Wirtschaft und Politik, die in Südamerika daran verdient. Die Produktion wird beständig ausgeweitet, "arbeitsteilig nach kaufmännischen Gesichtspunkten", wie das Bundeskriminalamt feststellt.

Die Aussichten, daß den Europäern beim Abschirmen der Kokain-Flut offizielle Hilfe aus Südamerika zuteil wird, sind mehr als düster. Südamerikanische Stellen besitzen nicht die Mittel dazu und haben meist auch gar kein Interesse daran:
* Kokain ist in vielen der Erzeugerstaaten ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor. In Peru bauen eine Million Bauern
Koka-Sträucher an; in Bolivien entspricht der
Verkaufswert des heimischen Kokains einem Drittel des
Bruttosozialprodukts.
* Der Anbau von Koka-Sträuchern ist in den Anden-Staaten
legal, Millionen Bewohner benutzen Koka-Produkte als
Mittel zur Beruhigung und zur Sättigung. Welcher Anteil
der Kokablatt-Ernte in die illegale Kokain-Gewinnung
abgezweigt wird, ist unkontrollierbar.
* Die entlegenen Anbaugebiete sind nur per Flugzeug oder
Flußschiff zu erreichen und außer staatlicher
Kontrolle.
* Politiker und Behörden sind oftmals selber ins
Kokain-Geschäft verwickelt, so etwa die bis 1981
amtierende bolivianische Regierung des Generals Garcia
Meza. "Korruption und Teilnahme von Polizeibeamten am
Rauschgiftgeschäft sind keine Seltenheit", weiß das
BKA.
* Kooperationsersuchen aus Europa und den USA werden
gelegentlich mit dem Hinweis beschieden, das
Drogengeschäft sei ein Problem der Industrieländer, es
in den Griff zu bekommen, nicht Sache der
Südamerikaner.

Die Hauptanbaugebiete der Koka-Pflanzen liegen in Bolivien und Peru. Bei bis zu vier Ernten im Jahr werden dort jeweils über 120 000 Tonnen Blätter gewonnen.

Die Verwendung am Beispiel Peru: 500 Tonnen benötigt die pharmazeutische Industrie, noch einmal soviel die Getränke-Branche, und rund 9000 Tonnen werden von den Landesbewohnern konsumiert. Aus dem Rest, so schätzt Perus Innenminister Luis Percovich, wird Rauschgift.

Aus 100 Tonnen Blattwerk entsteht eine Tonne pastenförmiges Rohkokain, das ergibt in der Endstufe rund 300 Kilo "Schnee". Die Fertigungszutaten, vor allem Äthyl-Äther, Aceton und Filterpapier, beziehen die Hersteller aus Europa, vorwiegend von deutschen Firmen.

Traditionelle Endfertigungsstätte des Kokains sind zahllose Labors im kolumbianischen Hinterland, wohin auch die Anrainerstaaten den Großteil ihrer "Pasta Lavada" liefern. Neuerdings haben sich auch peruanische und bolivianische Produzenten selbständig gemacht. Doch trotz wachsender Zahl der Koka-Küchen gelingt den Verfolgungsbehörden nur selten der große Schlag - so er denn überhaupt von allen Verantwortlichen bezweckt ist.

So empfanden Teilnehmer der Bonner Parlamentarierdelegation die Besichtigung einer nach Polizeiangaben gerade entdeckten Anbaustätte als eine denn doch "etwas getürkte Sache" (so der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Wartenberg). Die ansonsten notorisch erfolglose kolumbianische Polizei hatte vor Ort sogar eine kleine Asservaten-Ausstellung organisiert und schloß dann den Lokaltermin "mit der spektakulären Inbrandsetzung eines daneben gelegenen im Urwald versteckten Kokalabors der ersten Verarbeitungsstufe", wie Bonns Botschaft anschließend protokollierte.

Das "Eldorado der Kokain-Händler" jedoch hat das Bundeskriminalamt in Bolivien ausgemacht. Dort, in den Provinzen Beni und Santa Cruz, ist ein Gebiet von 300 mal 700 Kilometer Seitenlänge seit Jahren fest in den Händen des Kokain-Geschäfts und staatlich nicht mehr kontrolliert. Dort, im Grenzbereich zu Brasilien, lassen rund 25 mafiose Koka-Unternehmer den Rohstoff zur Endverarbeitung und zum Abtransport zusammenziehen.

30 Flugzeuge stehen zum Transport bereit, von der privaten Urwaldpiste Zinahota gehen täglich sechs Flüge mit 1800 Kilo Koks nach Norden. Ausländische Baraufkäufer ordern die in 60-Kilo-Ballen gebündelten Blätter, den Rohstoff für ein halbes Pfund Schnee, zu umgerechnet 700 Mark. 24 Schwerbewaffnete bewachen das straff organisierte Ladegeschäft, zwischen Start und Landung der Maschinen vergehen nur zehn Minuten.

Die Behörden in La Paz erfahren von diesem Treiben nur per Hörensagen. Polizeiposten existieren nicht mehr, sie wurden von den Koka-Bauern überfallen und vertrieben. Unter der Beamtenschaft mit Drogenwissen scheint ohnedies Schwund zu herrschen. Das Bundeskriminalamt ließ sich vom bolivianischen Generalstaatsanwalt "mit Beunruhigung" informieren, daß viele Beschäftigte öffentlicher Institutionen ihren Job aufgeben, "um selbst in den Kokain-Handel einzusteigen".

In Kolumbien haben die Drogengangster einen Teil der Staatsmacht selber übernommen. Rund zwei Dutzend Kokain-Paten machen das Geschäft, unterstützt von Privatarmeen mit Flugzeugen und schnellen Helikoptern. Strafverfolgung ist kaum möglich. In den letzten fünf Jahren wurden in Kolumbien 17 Justizpersonen ermordet, zuletzt Ende April der Justizminister Rodrigo Lara Bonilla. Lara, auf den zuvor schon zweimal vergeblich geschossen worden war, hatte sich noch kurz vor seinem Tod der Delegation aus Bonn als scharfer Gegner des Busineß gezeigt.

Als der Staatspräsident nach Laras Ermordung den Ausnahmezustand verkündete, hielten die Bosse massiv dagegen. Sie stellten die Schließung von 1800 ihrer quer durchs Land verteilten Betriebe in Aussicht und drohten, an 18 000 ihrer Getreuen Waffen auszugeben. An Gefolgsleuten fehlt es nicht. Die Kokain-Szene ist angesehen, denn sie verschafft den Einwohnern Lohn und Brot. Für die Koka-Ernte erhalten die Campesinos 20mal mehr, als mit den sonstigen Feldfrüchten des Landes zu erwirtschaften wäre. Abnahmegarantie versteht sich.

Im Kampf gegen lästige Drogenaufseher aus der Hauptstadt verbünden sich Kolumbiens meist ultrarechte Kokain-Bosse sogar mit der Guerilla. Die linke Untergrundgruppe "M 19" etwa darf im Herrschaftsbereich der Koka-Bosse ihr eigenes Kokain herstellen. Eine im März aufgedeckte "M 19"-Manufaktur enthielt 15 Tonnen Paste und zweieinhalb Tonnen fertiges Kokain im Gesamtwert von einer Milliarde Dollar.

Die Revolutionäre finanzieren ihre Waffenkäufe aus Drogenerlösen, was auch schon Washington auf den Plan

gerufen hat. So richtet sich die Arbeit der Drug Enforcement Administration (DEA) des US-Justizministeriums in Bolivien eigenem Eingeständnis zufolge auch weniger gegen die Quelle des in den USA verhängnisvoll spürbaren Rauschgiftzuflusses: Die 90-Millionen-Dollar-Hilfe der USA an die Regierung in La Paz versteht die DEA zuvörderst als "Programm gegen subversive Kräfte" (Bundeskriminalamt).

Auch die deutschen Anti-Terror-Fahnder stießen, vor allem zu Blütezeiten der RAF, ständig auf die Südamerika-Connection. So trug der RAF-Mann Rolf Pohle einen peruanischen Paß, ebenso waren die 1978 in Jugoslawien verhafteten Mitstreiter Peter Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann, Rolf Clemens Wagner und Brigitte Mohnhaupt ausgestattet.

In Bogota zerbombte eine "Brigada Andreas Baader" 1978 das Lufthansa-Büro. Die RAF-Leute Norbert Kröcher und Manfred Adomeit, die 1977 in Stockholm eine Ministerin entführen wollten, waren von zwei Kolumbianern begleitet. Sprengstoff und Waffen für die peruanischen Untergründler vom "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) hatte eine BKA-bekannte Deutsche transportiert, die letztes Jahr in Peru verhaftet worden war.

Vor dem Frankfurter Landgericht steht gerade ein anderer Deutscher mit alten Bindungen an die Kokain-Staaten: Joachim Fiebelkorn, 37, der, am anderen Ende des politischen Spektrums, jahrelang an der Spitze eines paramilitärischen Haufens Boliviens Rauschgift-Industrie kontrollieren half.

Fiebelkorns Söldner überwachten Transporte, brannten Labors von Konkurrenten nieder und leisteten den Kokain-Regenten Hilfsdienste sonstiger Art: Auch eine Folterung wirft die Frankfurter Staatsanwaltschaft Fiebelkorn vor, zu dessen bolivianischen Gönnern Ex-Gestapo-Mann Klaus Barbie zählte und auch der damalige Innenminister Arce Gomez; der hatte wegen seiner Gewalttätigkeiten den Spitznamen "Idi Amin des Andenlandes" und wegen seiner Kokain-Geschäfte einen prominenten Rang auf der US-Fahndungsliste.

In Italien wird Fiebelkorn wegen möglicher Beteiligung an dem neofaschistischen Bombenanschlag von Bologna im Jahr 1980 (85 Tote) gesucht, doch in Frankfurt hat er sich lediglich wegen Rauschgifthandel, Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu verantworten. Denn der Bolivien-Veteran hat längst die Seite gewechselt.

Er bedient die bislang in Sachen Kokain noch lernbedürftigen Fahnder mit Hinweisen und ist, so sagt einer der Beamten, "für uns ein wichtiger Mann".


DER SPIEGEL 21/1984
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