19.03.1984

GESTORBENAurelio Peccei

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Aurelio Peccei, 75. Ende der sechziger Jahre überkam den polyglotten Italiener - der als Top-Manager Fiat in Lateinamerika aufgebaut hatte - das Gefühl, der Menschheit mehr als spritzige Autos bieten zu müssen. Auf Kosten des Fiat-Chefs Agnelli rief er dreißig Europäer von Rang nach Rom, um mit ihnen über die Zukunft der Welt nachzudenken. Gemeinsam gründeten sie den "Club of Rome". Peccei, schon Initiator und Gründer, wurde auch Präsident des Denkzirkels, der schließlich ein "Modell der Welt" in Auftrag gab. Das Ergebnis der Studie, von der Volkswagenstiftung finanziert und 1971 in dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" einer verschreckten Öffentlichkeit vorgestellt, war apokalyptisch düster: Erstmals wurde - auch von konservativen Wissenschaftlern - jenes polit-ökonomische Patentrezept in Frage gestellt, das den Politikern in den Industriestaaten ihre grenzenlos wachstumsorientierte Arbeit so ungemein erleichtert hatte. Nun aber wurde der Untergang der gesamten Menschheit für den Fall vorausgesagt, daß die damaligen Wachstumsraten beibehalten würden. Kritiker nannten Peccei und seine Clubmitglieder "Weltuntergangspropheten". Die Arbeit seines römischen Clubs wertete auch Peccei als "eine Provokation". Pecceis Verein aber wurde - ob nun als Kassandra verdammt oder Wegweiser aus drohendem Elend gelobt - durch die düstere Vision zur weltweiten Berühmtheit. In seinem Buch "Die Zukunft, in unserer Hand" (1981), das Peccei als "so etwas wie ein Programm" des "Club of Rome" verstanden wissen wollte, malte er eine schöne neue Welt, in der Ökonomie und Ökologie nicht im Widerstreit stehen, wo "die Bewahrung der Natur" Vorrang hat vor den "Mythen der Konsumgesellschaft", wo das Bedürfnis nach Sicherheit "nicht durch Rüstung, sondern durch die kulturelle Reife der Individuen und Gesellschaften erfüllt werden kann". Peccei verlangte wohl zuviel: "Wenn man die Zukunft entwerfen will, muß man alles neu machen." Kein Rezept jedenfalls für Entscheidungsträger in den Regierungszentralen. Dort wird anders geplant und gedacht. "Wenn ich tun würde, was Sie sagen", bekannte Kanadas Premier und Club-Sympathisant Pierre Elliott Trudeau dem Club-Präsidenten, "dann würde ich gewiß nicht wiedergewählt." Für Peccei zählten solche Einsprüche nicht. Die "reale Utopie" sei sein Geschäft, bekannte er, nicht die "reale Politik". Vergangenen Mittwoch starb Aurelio Peccei in einer römischen Klinik an Herzversagen.

DER SPIEGEL 12/1984
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