23.04.1984

„Die Mörder werden noch gebraucht“

Judenmassaker in Litauen 1941 - was aus den Tätern wurde / Von Leonid Olschwang Litauische Antikommunisten im amerikanischen Exil fordern die Auflösung einer unter Carter eingerichteten US-Behörde, die nach Kriegsverbrechern forscht: In Amerika leben heute viele der Täter, die in Litauen unter deutscher Herrschaft Massaker an Juden begangen haben. Einer, der 1941 entkommen ist, berichtet darüber: Leonid Olschwang, 64, später Offizier der Roten Armee, trat 1949 in den Westen über und lebt in Bonn. *
Im litauischen Städtchen Plunge kam ich zur Welt - dort bin ich zur Schule gegangen; ich liebte die Stadt und auch den Babrunga-Fluß, in dem ich gebadet und geangelt habe. In Plunge heiratete ich 1938 ein litauisches, katholisches Mädchen, das ich seit seiner Kindheit kannte.
Prälat Pukys, ein wichtiger Mann im Ort, sah ein, daß ich meine jüdische Religion nicht aufgeben würde. Vom Heiligen Stuhl erwirkte er einen Dispens. So konnte jeder von uns beiden bei seinem Glauben bleiben.
Mein Vater war sehr angesehen in Plunge. Nach seinem Tod halfen wir der Mutter im Geschäft, das mit der Zeit zu einem Kaufhaus wuchs. Später arbeitete ich beim Finanzministerium in Kaunas (Kowno) als Oberrevisor.
Ungefähr 2000 der 7000 Einwohner Plunges waren jüdischen Glaubens. Nicht wenige führten einen Kramhandel und kauften das bißchen Ware, das sie in ihren kleinen Läden anboten, auf Kredit ein. Als wohlhabend galten die beiden jüdischen Ärzte Sivas und Levinas, der Apotheker Israilovicius, ein Rechtsanwalt, ein Pferdehändler und zwei Exporteure für Holz und Flachs.
Doch die meisten Juden in Plunge waren einfache Handwerker: Schmiede, Maurer, Ofensetzer, Gerber, Schuster, Sattler, Polsterer, Bauleute und Installateure, auch mehrere Schneider, Fuhrleute, Wasser- und Lastenträger. Die Mühle der Familie Sachs mit Sägewerk versorgte auch die Stadt mit Elektrizität.
Die Juden von Plunge waren arbeitsame, ehrliche und gottesfürchtige Menschen. Jeden Morgen sah ich die hochgewachsenen Brüder Aronovicius zur Synagoge gehen; dann aber standen sie bis spätabends am Amboß. Zu ihnen brachte ich stets mein Pferd zum Beschlagen, sie fertigten auch hochgekrümmte Kufen für meinen Schlitten. Ihre nichtjüdischen Gesellen, die im Hause wohnten, mußten sich an koschere Mahlzeiten halten.
Schlecht erging es den Alten und Kranken von Plunge, wenn sie keine Kinder hatten, die sie ernähren konnten; denn im alten Litauen gab es keine Renten und keine Krankenkassen. Für manche, die sich ihrer Armut schämten, wurde gesammelt.
Nun leben sie alle nicht mehr. Noch ehe in Plunge, 44 Kilometer von Memel entfernt, im Juni 1941 deutsche Soldaten einrückten, brachten Litauer 70 ihrer jüdischen Mitbürger ums Leben.
Als dann die Deutschen kamen, hielten die sich nicht auf, sondern marschierten gleich weiter. Es blieben die Litauer, die - ohne daß die Deutschen dies angeordnet hätten - unter Führung landeseigener Offiziere die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt ermordeten. Das belegte der litauische Autor Aleksandras Pakalniskis in seinem vor vier Jahren in Chicago erschienenen Buch "Plunge".
Die Litauer jagten die Juden unter Schlägen aus ihren Wohnungen, nahmen ihnen alles ab und trieben sie in der Synagoge zusammen. Nach einigen Tagen wurden die bis dahin angesehenen Nachbarsleute, die nur nicht katholisch waren, aus dem Gotteshaus herausgelassen - und von einer lauernden Horde mit Prügeln empfangen.
Man zwang sie, die heiligen Bücher aus der Synagoge zu holen, die dann auf einem Scheiterhaufen verheizt wurden. Man trieb alte Juden ins Feuer, in dem sie lebendigen Leibes verbrannten.
Den greisen Dr. Sivas, der als Arzt in einem Umkreis von Hunderten Kilometern geachtet war, zwang der Anführer der Marodeure, Arnoldas Pabreza, Mist zu essen. Die zum Teil angetrunkene Horde brach in Hurra-Rufe aus. Mädchen
von 12 und 13 Jahren wurden aus der Synagoge geholt und auf der Straße vergewaltigt.
Später hieß es, kranke Juden sollten in ein Hospital gebracht werden - es war ein Vorwand. Und doch drängten auch gesunde Juden auf die Lastwagen vor der Synagoge - um der Enge, in der sie ohne Nahrung und Wasser eingesperrt waren, zu entkommen.
Sie wurden in den fünf Kilometer entfernten Wald des Dorfes Milasaiciai gebracht, an ihr eigenes Massengrab. Die Litauer täuschten auch später noch Unglückliche mit der Mär vom "Krankenhaus", bis schließlich alle überlebenden Juden zur Mordstätte am Rande des drei Kilometer entfernten Dorfes Kausenai getrieben wurden.
Die erste dort angekommene Gruppe mußte eine Grube ausheben - an ihrem Rand wurde sie erschossen, und die nächste Gruppe schüttete sie zu.
Es waren ungefähr 1800 Menschen jüdischen Glaubens, auch Säuglinge und Greise darunter, und auch meine Mutter. Die zum Teil betrunkenen Mörder vermochten nicht jeden zu erschießen; verscharrt wurden alle.
"Als die Arbeit beendet war", schreibt Pakalniskis, "hielt ein Feldwebel vor seinen Soldaten eine Ansprache, in der er die Wichtigkeit dieses historischen Tages für Plunge hervorhob. Die Messe in der Kirche war schon vorbei, als die johlende Truppe auf Lastwagen in die Stadt zurückkehrte."
Der litauische Feldwebel Sapalas, der die Rede nach dem Massaker gehalten hatte, floh nach Kriegsende in den Westen und geriet in ein westdeutsches Lager für "Displaced persons" (verschleppte Personen) in Hanau. Später soll er nach Amerika ausgewandert sein.
An dem Massenmord nahm auch ein Hauptmann Lipcius teil. Er hatte mit seiner Frau in unserem Haus gewohnt. Wie hätte ich ahnen können, daß dieser höfliche und stille Mensch fähig sein würde, Frauen und Kinder umzubringen? Er lebt jetzt in Chicago. Ein anderer der Täter starb vor ein paar Jahren in der Bundesrepublik, ohne je für seine Tat gebüßt zu haben.
Der Pfarrer Lygnugaris aus Plunge versuchte, einige jüdische Mädchen zu retten, indem er sie taufte. Doch jener Pabreza, der den Doktor Sivas hatte Mist essen lassen, riß die Kinder an den Haaren aus der Obhut des Pfarrers und erschoß eines nach dem anderen.
Der Geistliche erlitt einen Nervenzusammenbruch und zog sich schließlich in ein Kloster zurück. Pabreza und dessen Frau (auch sie stets mit umgehängtem Gewehr) führten eine Gruppe an, die nach dem Judenmord Jagd auf Litauer machte, die als Kommunisten oder deren Sympathisanten verdächtig waren - auch sie wurden erschossen.
Dabei war derselbe Pabreza bald nach der Okkupation Litauens durch die Sowjets im Juni 1940 der Kommunistischen Partei beigetreten und hatte seinen Bauernhof am Stadtrand dem Ortssowjet von Plunge zum Geschenk gemacht.
Jene einjährige Herrschaft der Sowjets über Litauen wurde oft als Grund für die Juden-Massaker genannt: Unter den fremden Herren seien viele Juden gewesen, was den Haß geweckt habe.
Im Drehbuch für den Film "Holocaust" war ursprünglich vorgesehen, auch die litauischen SS-Leute im Warschauer Getto zu zeigen. Die litauische Lobby in den USA verhinderte das: In der Zeitschrift "Darbininkas" (Der Arbeiter), die von litauischen Franziskaner-Patres in New York herausgegeben wird, erschien 1978 ein Artikel mit der Überschrift: "Wo ist der Filmanfang?" Der Artikel rechtfertigte die von Litauern an Juden begangenen Verbrechen damit, daß bei der Oktoberrevolution 1917 viele Juden mitgewirkt hätten und die Folge dieser Revolution 70 Millionen Tote gewesen seien.
Ein ständiger Mitarbeiter jener Zeitschrift, der katholische Priester Dr. Juozas Prunskis, hat nun eine Broschüre verfaßt: "Lithuania's Jews and the Holocaust", in der er das unfaßbare Argument noch ausbaut. Zunächst beschreibt er, wie freundlich vor dem Sowjeteinmarsch Litauen gegenüber seinen Juden gewesen sei (obwohl ihnen seit dem Rechtsputsch von 1926 der Zugang zu allen wichtigen Ämtern versperrt war) und wie viele unter den Sowjets in Führungspositionen gelangt seien, vor allem in der Geheimpolizei NKWD.
Bei der Ämterbesetzung durch die Sowjets spielte in der Tat die Nationalität keine Rolle mehr, meist beherrschten die Juden außerdem die russische Sprache. Laut Prunskis arbeitete ein besonders hoher Anteil unter den NKWD-Beamten.
Selbst der litauische Jude Menachem Begin, der spätere Premier Israels, wurde damals im Wilnaer Gefängnis von einem Juden verhört. Prunskis erzählt das - doch was beweist es? Er gibt immerhin auch zu, daß "einige Litauer" mit dem NKWD kollaborierten, und folgert dennoch: "Die Verhaftungen, Foltern bei Verhören, Teilnahme an Deportationen waren die Gründe, weshalb einige unverantwortliche Litauer mit kriminellen Neigungen später an Aktionen gegen die Juden während der Nazi-Besetzung teilnahmen."
Prunskis nennt keinen einzigen Namen dieser Mörder, aber die Namen der Juden in Sowjetdiensten zählt er auf. Er stützt sich dabei auf Namenslisten, die schon beim Einmarsch der Deutschen 1941 dazu gedient hatten, den Haß auf Juden zu entfachen.
Wie damals werden die jüdischen Jungkommunisten herausgestellt, die kurz vor dem deutschen Angriff bei der Deportation wohlhabender oder politisch unzuverlässiger Personen mitwirkten. Doch auch Prunskis kann nicht verschweigen, daß sich unter den etwa 40 000 Menschen, die nach Sibirien verbracht wurden, über 7000 Juden befanden - prozentual also weit mehr, als der jüdische Bevölkerungsanteil in Litauen ausmachte.
Unter den Deportierten war mein Bruder mit seiner Frau und dem drei Monate alten Kind. Unter den Zurückgebliebenen wurden jene, die während der Sowjet-Zeit irgendeinen Regierungsposten eingenommen hatten, die ersten Opfer der einheimischen Mörder.
Am 25. Juni erreichte die SS-Einsatzgruppe des Brigadeführers Stahlecker,
die "das Judenproblem lösen" sollte, Litauens damalige Hauptstadt Kaunas. Stahlecker meldete nach Berlin:
"Nach außen mußte der Eindruck erweckt werden, daß es die örtliche Bevölkerung gewesen sei, welche die antijüdischen Maßnahmen eingeleitet hatte, als spontane Reaktion auf ihre Unterdrückung über viele Jahre und den kommunistischen Terror, dem sie in der jüngsten Vergangenheit ausgesetzt gewesen war." Dieser Eindruck mußte nicht erst erweckt werden - er war schon da. Die Legende aber währt bis heute - perpetuiert von Priester Prunskis, nun "Director of Public Relations" des Litauisch-Amerikanischen Rates mit dem Sitz in Chicago. Prunskis behauptet, wobei er sich auf Material der Nürnberger Prozesse beruft, die Deutschen hätten ihre Henker in litauische Uniformen gesteckt und dann gefilmt.
Die Wahrheit sieht anders aus. In Kaunas wurden die Juden besonders grausam hingeschlachtet - von Litauern. So wurden an einem Tag Juden in dem großen Garagenhof der Genossenschaft "Lietukis" an der Straße Vytauto Prospektas zusammengetrieben. Manche zwang man ebenfalls, Mist zu essen; anderen stopfte man einen Schlauch in den Mund und pumpte Wasser hinein, bis die Körper platzten. Die meisten wurden mit Eisenstangen erschlagen.
Der große Hof war bald voller Blut. Die Welt kennt die Photos, die Litauer bei ihrer Mordlust zeigen. Die Bilder wurden von einem deutschen Soldaten aufgenommen, der meinte, die Täter seien entlassene Zuchthäusler - er konnte sich nicht vorstellen, daß es sich um ganz gewöhnliche litauische Bürger gehandelt hat.
Auf eine Veröffentlichung dieser Bilder vor 25 Jahren im SPD-Organ "Vorwärts" brachte die Redaktion des Exilblatts "Akiraciai" (Chicago), die sich als sozialdemokratisch ausgibt, am 6. April 1983 - nach einem Vierteljahrhundert - folgende "Gegendarstellung": _____" Zur Garage der Konsumgenossenschaft "Lietukis" in " _____" Kaunas wurden für Aufräumarbeiten ein paar Dutzend " _____" Insassen aus dem Judengetto gebracht. Die kahlgeschorenen " _____" Männer, die auf dem Bilde weiße Hemden tragen, sind nach " _____" russischem Abmarsch freigelassene litauische politische " _____" Gefangene, die das Aufräumen der Garage überwacht haben. " _____" Die neuen Verhältnisse nicht ernst genug " _____" einschätzend, sind die Juden vor der Garage nicht fleißig " _____" genug den Befehlen der Aufseher nachgegangen. Sie wurden " _____" zuerst vereinzelt geprügelt und später in Massenhysterie " _____" der Aufseher bis zum Tode geschlagen. "
Gemordet wurde allenthalben, zumal in den Forts am Rande der Stadt. Vor allem im 9. Fort haben sich unglaubliche Szenen abgespielt. Manchem Juden haben die Litauer bei lebendigem Leibe die Genitalien, Ohren und Nase abgeschnitten, die Augen ausgestochen, die Zunge aus dem Mund gerissen. Ein junger litauischer Leutnant hielt es dort nicht aus und erschoß sich.
Die verstümmelten Leichen dienten noch Propagandazwecken. In den Räumen des Kriegsmuseums in der Donelaicio-Straße von Kaunas fand eine "Roter-Terror-Ausstellung" statt, in der als Beweismittel Photos der Leichen von Litauern und Litauerinnen gezeigt werden sollten, die vom sowjetischen NKWD und seinen jüdischen Helfern umgebracht worden seien.
Zur Eröffnung der Schau kam die Prominenz der Stadt. Da die Leichen übel zugerichtet und nicht mehr erkennbar waren, trug das Abbild jedes Körpers eine Namensbezeichnung. Auf manchen Bildern war jedoch im Hintergrund die Aufschrift "Lietukio garazas" zu erkennen: Lietukis-Garage.
Lietukis-Direktor Januskevicius erklärte nach dem Besuch der Ausstellung: "Das sind doch Leichen von Juden!" Die Ausstellung wurde sofort geschlossen und erst wieder eröffnet, als die Aufschrift "Lietukio garazas" von den Photos entfernt worden war.
Tausende Litauer dienten in der SS als Vollzugsorgane der Einsatzgruppen und als Wachmannschaften der Konzentrationslager. In seiner Broschüre führt Dr. Juozas Prunskis dagegen als Beweis für die antinazistischen Strömungen jene 37 Litauer an, die 1943 ins Konzentrationslager Stutthof als Häftlinge gerieten und von denen neun ums Leben kamen.
Die Deutschen, die ihren Quislingen mißtrauten, hatten sie als Geiseln dafür genommen, daß Litauen keine selbständige Regierung bildete. Gesondert untergebracht, durften die Ehrenhäftlinge zivile Kleidung tragen, sich im Gelände frei bewegen, konnten Briefe schreiben und Päckchen erhalten. Sie lasen Bücher und bildeten sich fort.
Zu den Häftlingen zählte der frühere Kultusminister Dr. Pranas Germantas aus dem Dorf Puckoriai bei Plunge. Ich kannte ihn noch aus dem Gymnasium. Er hatte in Deutschland studiert und war als "Sonderführer" mit den deutschen Truppen 1941 nach Litauen zurückgekehrt. Er hatte Hitlers "Mein Kampf" ins Litauische übersetzt und wurde Pressechef bei der Gestapo. Ihm galt als erstes Gebot die Ausrottung der Juden. Die Deutschen dankten es ihm nicht - auch er wurde 1943 eingesperrt und starb in Stutthof.
Die meisten Litauer in Stutthof aber waren ehemalige Offiziere, darunter der Hauptmann Buragas, dem als Referenten für jüdische Angelegenheiten auch
das Getto von Wilna unterstanden hatte, und jener Hauptmann Jonas Noreika, der den Mord an der jüdischen Bevölkerung der Stadt Plunge angeordnet und ausgeführt hatte.
Ein anderer KZ-Gefangener von Stutthof, der später in Putnam (USA) verstorbene Priester und Professor der Religionswissenschaften Stasys Yla, schilderte in seinem Erinnerungsbuch "Menschen und Tiere" seinen Mithäftling Noreika als äußerst fromm.
Viele der litauischen Judenmörder gelangten nach dem Krieg in die USA. Nach Australien ging jener Pabreza, der in Plunge gewütet hatte. Inzwischen soll auch er nach Amerika umgezogen sein. Bei einem Bekannten (dessen Bruder einst mit Pabreza befreundet war) forschte ich nach Pabrezas heutigem Namen.
Er antwortete: "Du bist mein Freund, Leonid, aber ich kann dir dabei nicht helfen, ich kann es nicht." - "Warum nicht?" fragte ich. Antwort: "Weil damit eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Es geht um viele, versteh' doch."
Mit der gleichen Furcht hängt wohl zusammen, daß in Dr. Prunskis' Broschüre "Lithuania's Jews and the Holocaust" kein Name eines litauischen Mörders zu finden ist. Die Täter werden noch gebraucht. Prunskis' Kollegen aus dem Litauisch-Amerikanischen Rat haben es geschafft, für ein Photo mit Ronald Reagan und seiner Frau zu posieren.
Die politischen Aktivitäten des Rats richten sich neuerdings gegen das "Office for Special Investigations" (OSI) in Washington, dessen Auflösung sie verlangen: Diese unter Präsident Carter gegründete Behörde mit 15 Untersuchungsbeamten und einem Jahresetat von 2,3 Millionen Dollar ist darum bemüht, aus der Masse der Nachkriegseinwanderer aus den Ländern des Baltikums und Osteuropas Kriegsverbrecher herauszufischen.
Laut Prunskis haben mehrere tausend Litauer aber Juden gerettet oder zu retten versucht. Einige gab es, Gott sei gelobt, doch nicht viele. Im Vergleich zur Zahl der litauischen Mörder nimmt sich ihre Zahl wie ein Löffel Wasser gegenüber einem vollen Eimer aus.
Da war Bronius Gotautas, der kaum lesen und schreiben konnte und als Bote Kirchenzeitungen ausgetragen hat. Er brachte es fertig, mehrere Juden bei guten Menschen zu verstecken. Nach seinem Tode habe ich dafür gesorgt, daß in der "Allee der Gerechten" in Jerusalem ein Baum zu seinem Gedächtnis gepflanzt wurde.
Dort trägt ein Baum auch den Namen meiner Frau. Für sie, die Frau eines Juden, war es besonders gefährlich, sich eines aus dem Getto geflohenen Mädchens anzunehmen. Es hat überlebt und kam vor zehn Jahren nach Israel.
Im Februar 1945 bin ich für einen Tag nach Plunge gekommen. Dort lebte nur noch ein Jude, katholisch getauft und von dem Prälaten Pukys geschützt.
Von Leonid Olschwang

DER SPIEGEL 17/1984
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