07.10.1985

SÖLDNERKillen lernen

Ein deutscher Graf vermittelt ausgediente Bundeswehrsoldaten als Legionäre in die Dritte Welt. *
Versteckt zwischen Kleinanzeigen für Schußwaffen und "Bundeswehrhosen oliv", verheißt ein "Bund deutscher Legionäre" in der Zeitschrift "Internationaler Waffen-Spiegel" die weite Welt: "Abenteuer - Leistung - Persönlicher Gewinn".
Gesucht werden Arbeitslose, ehemalige Soldaten sowie alle, "denen dieser Staat keine Zukunft mehr bieten kann". Auf Anfrage bietet der Inserent eine "neue berufliche Alternative" - den Einsatz als Söldner.
Die Anzeige aufgegeben hat der Jurist und Publizist Rainer Rene Graf Adelmann von Adelmannsfelden, 37, bayrischer Anwaltssohn und Gründer des Legionärsklubs. Der geborene Freiherr von Godin residiert mit Frau und acht Kindern in einem Einfamilienhaus im oberschwäbischen Dorf Sentenhart, abseits zwischen Bodensee und Sigmaringen. Den Namen aus altem württembergischen Adel hat er 1980 von seiner Ehefrau übernommen.
Der ehemalige Rechtsanwalt weiß zwar, daß das Strafgesetzbuch das "Anwerben für fremden Wehrdienst" mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht. Schon der Versuch, Deutsche "einer ausländischen Macht" oder einer "militärischen oder militärähnlichen Einrichtung" zuzuführen, ist strafbar.
Doch diese Bestimmung, glaubt Edelmann Adelmann, greife bei seinem "Bund deutscher Legionäre" (BdL) nicht. Er beruft sich auf das Grundgesetz, das jedem Deutschen eine freie Berufswahl garantiert. Und sein Verband sei nichts anderes als "der erste legale Berufsverband dieser Art".
So schreibt der Graf emsig Verbandsmitteilungen an Botschaften und Regierungen asiatischer und afrikanischer Staaten. Ausländische Interessenten werden dann an die beim Amtsgericht Singen eingetragene Firma "Terfina Vermögensverwaltungs-GmbH" verwiesen, deren Gesellschafter und Geschäftsführer wiederum Graf Adelmann ist.
Für arbeitslose Abenteurer, die in fremden Ländern anheuern wollen, handelt die Terfina sodann gegen Provision Verträge und Gehälter aus, beispielsweise für "die Sicherung einer deutschen Industrieanlage in Afrika", so Adelmann. "Die Kameraden", sagt er, "werden Arbeitnehmer der deutschen GmbH und gleichsam auf Montage in Afrika arbeiten." Wie eine Gemeinde "die Müllabfuhr einem privaten Unternehmer übertragen kann", so stellt der Graf sich das vor, "überträgt der ausländische Staat die militärische Säuberung seines Gebiets einem deutschen Unternehmer" - eben ihm.
Mit der Gründung des Legionär-Bundes hat Graf Adelmann von Adelmannsfelden, mit dem sich seit langem Staatsanwälte und Gerichte befassen, eine neue Variante beruflicher Betätigung entwickelt.
Vor Jahren klagte der Graf als "Galionsfigur der süddeutschen Abmahnvereine" ("Stuttgarter Zeitung") gegen Zeitungsinserenten und Geschäftsleute, denen er für angebliche Wettbewerbsverstöße hohe Gebühren abknöpfen wollte. Ein paar Ängstliche zahlten allemal an den "Generalsekretär des Zentralkomitees für die Allgemeinbefolgung obergerichtlicher Rechtsprechung in Wettbewerbssachen".
Mit Erfolg betrieb Graf Adelmann ("Meine Namensumschreibung hat nur fünf Mark gekostet, zahlt sich aber aus") auch eine "Christliche Vereinigung zur Familienförderung", die noch ungeborene, aber unerwünschte Babys an adoptionswillige Eltern vermittelte (SPIEGEL 9/1983).
Konnte er eine schwangere Frau mit einem kinderlosen Mann zusammenbringen, der die Vaterschaft über ein "noch nicht geborenes oder kleinstes Kind" nachträglich anerkannte, kassierte Adelmann bis zu 32 000 Mark. Ein Teil der Summe ging an die jeweilige Mutter, die dafür ihr Kind hergab.
Die "Christliche Vereinigung" existiert offiziell nicht mehr, das Geschäft läuft aber weiter. Nach eigener Angabe hat Adelmann bis jetzt achtzehn Kinder vermittelt. Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelte, konnte jedoch den Graf strafrechtlich nicht belangen: "Er hat eine Gesetzeslücke entdeckt."
Darauf vertraut Adelmann auch bei seiner Legionärswerbung. Schon mehr als 400 Bewerber, sagt er, hätten sich bis jetzt gemeldet. Zugleich verhandele er derzeit mit einem afrikanischen Staat, dessen Namen er nicht nennen wolle, über die "Sicherung einer Pipeline". Kampfauftrag, laut Adelmann: "Terroristen, die den Verkauf des Rohstoffs stören, zu verfolgen und zu vernichten. Eine klassische militärische Aufgabe."
Auch die Regierung von Mosambik, behauptet der Graf, prüfe sein Angebot: den Cabora-Bassa-Staudamm durch Terfina-Legionäre bewachen zu lassen. Und verstärkt bemühten sich ausländische Waffenkäufer um "deutsches Bedienungspersonal". Viele Entwicklungsländer hätten "noch eine Reihe von Korrekturen ihrer Grenzen und ihrer Staatsformen nötig", aber nicht das Personal, um "modernstes Kriegsmaterial" zuverlässig bedienen zu können.
Terfina-Chef Adelmann will zunächst einen "kampfstarken Zug" von fünfzig Mann auf- und anbieten, darunter möglichst ehemalige Bundeswehr-Soldaten - ein paar ausgediente Oberfeldwebel hätten sich auf seine Inserate hin schon gemeldet.
Mitbringen müssen sie nur etwas Mut, zwanzig Mark Aufnahmegebühr und einen weiteren Zwanziger als Jahresbeitrag. Dafür verspricht der Edelmann ein abwechslungsreiches Programm: Motorbootkurse und Combat-Schießen "in Belgien", Wintertraining an neuen Maschinenwaffen "auf dem Schießplatz eines Schweizer Herstellers". Der Graf: "Natürlich müssen die Leute das Killen lernen, viele Achtzehnjährige sind doch ganz wild darauf."
Den Sportbootführerschein Küste und den Motorbootführerschein A für Binnenfahrt hält Adelmann für unerläßlich, weil die Söldner bei ihren Einsätzen "Schmuggelware, Waffen und Lebensmittel" transportieren müssen. Gesucht seien Leute, "die sich getrauen, Balkanküsten anzulaufen", denn, so Graf Adelmann: Bei "Lande- und Kommandounternehmen müsse der deutsche Legionär mehr können als sein in Anatolien angeworbener Kollege".
Die Angehörigen der exportierten deutschen Legionäre brauchen sich um ihre Söhne oder Ehemänner nicht zu sorgen. Der BdL, versichert Graf Adelmann, "gewährleistet die Heimholung gefallener Helden" und "wahrt das heroische Andenken an sie".

DER SPIEGEL 41/1985
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