12.08.1985

„Profit machen und Spaß haben“

Der Computerhändler Michael Poliza *
Der junge Mann mit der Intellektuellen-Brille auf der stupsig-spitzen Nase könnte gerade sein Harvard-Diplom gemacht haben und Vorstandsassistent in einem großen Unternehmen sein.
Ist er aber nicht, er selber ist der Boß.
Dem 27jährigen Michael Poliza gehört die Polisoft EDV-Beratungsgesellschaft. Und die wiederum ist einer der größten Vertragshändler für IBM-Personalcomputer. Von Polisoft gelieferte Geräte stehen bei etwa 450 Firmen, bei der AEG und bei Shell, bei Edeka und bei Beiersdorf.
Der Jungstar aus der Computerbranche läuft am liebsten in Jeans und Turnschuhen herum. Aber das erlaubt er sich nur abends oder am Wochenende. In der Firma ist er makellos gekleidet. Das ist gut für das Geschäft: Die Kunden, jedenfalls die meisten, schließen immer noch von der Kleidung des Verkäufers auf die Qualität des Produkts.
Poliza zählt zur jüngsten Computergeneration. Statt mit der Rechentafel ist er mit dem Taschenrechner groß geworden. Computer sind für ihn ebenso selbstverständlich wie ein Auto oder eine Schreibmaschine. "Ich gehe", sagt er, "da ganz natürlich ran."
In den USA würde man ihn einen typischen "Yuppie" nennen. Als "young urban professional" klassifizieren amerikanische Soziologen aufgeweckte Großstadtmenschen, die auch beim Geldverdienen nicht fürs Verweigern sind. Als Hobbys gibt der junge Unternehmer Squash-Spielen und den Gang in die Kneipe an. Zuweilen gelüstet es ihn, mit seinem BMW über den Nürburgring zu jagen.
Locker und geradlinig geht es in Polizas Firma zu. Die Polisoft-Leute sind häufig auch am Wochenende in der Firma und packen selbst mit an, wenn mal ein paar Wände versetzt werden müssen. Bezahlt werden sie dafür nicht. Statt dessen gehen sie gemeinsam aus, etwa in den Zirkus Roncalli.
Für Poliza macht das Sinn. "Wir wollen Profit machen", sagt er, "aber wir wollen auch Spaß an unserer Arbeit haben."
Den hat zumindest der Chef. Die Firma wird in diesem Jahr fünf Jahre alt und macht mehr als 30 Millionen Mark Umsatz.
Nach einem Informatik-Studium in den USA arbeitete Poliza zunächst bei der deutschen IBM. Er übersetzte amerikanische Computerprogramme ins Deutsche und verkaufte sie.
Aus den Kontakten mit den IBM-Kunden ergaben sich neue Aufträge. Poliza schulte Computerkäufer und entwickelte Software-Programme für kleinere Unternehmen. Eine Ahnung von seinem Marktwert bekam er, als ihm ein Unternehmen statt der geforderten 50 Mark pro Beratungsstunde freiwillig 75 Mark bezahlte.
Erlebnisse dieser Art ermunterten den 22jährigen, im Dezember 1980 eine eigene Firma zu gründen. Das Geschäft kam in Schwung, als Poliza auf einer Fachmesse in Las Vegas den in Deutschland damals noch unbekannten IBM-Personalcomputer
entdeckte. Gleich nach seiner Rückkehr bemühte sich der Jungunternehmer um die Verkaufslizenz für das vielversprechende Gerät.
Poliza hatte gehofft, im ersten Jahr etwa 50 Computer zu verkaufen. Statt dessen wurde er beinah 500 Geräte los.
Als geschäftsfördernd erwies sich vor allem Polizas Kenntnis der amerikanischen Elektronik-Szene. So konnte er seinen Kunden zu den Computern gleich eine reichhaltige Auswahl passender Programme anbieten. Ein Großteil dieser Software wird nämlich nicht von IBM, sondern von den verschiedensten US-Firmen produziert, die in der Bundesrepublik kaum bekannt waren.
Inzwischen hat Poliza den Handel mit Computersoftware zu einem neuen Geschäftszweig ausgebaut. Ende vergangenen Jahres gründete er die Firma ABC (Advanced Business Computer Products). In den nächsten Wochen soll, in Kooperation mit einer US-Firma, ein internationaler Software-Verlag dazukommen.
Der Erfolg führte den jungen Mann, der inzwischen 75 Mitarbeiter beschäftigt, mit altem Kapital zusammen. Poliza nahm den Hamburger Verleger John Jahr gegen ein Eintrittsgeld von 3,1 Millionen Mark als Teilhaber auf.
Sollte es mit dem Spaß irgendwann vorbei sein? Neuerdings träumt Poliza manchmal nachts von seiner Firma.

DER SPIEGEL 33/1985
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