09.09.1985

Zitat, Zitat, Zitat, und nichts weiter

Von Malanowski, Wolfgang

SPIEGEL-Redakteur Wolfgang Malanowski über den Streit um Hermann Rauschnings "Gespräche mit Hitler" *

Mehr als hundertmal" hat Hermann Rauschning, 1933/34 Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig, laut eigener Buchführung mit Adolf Hitler gesprochen, an der "Mittagstafel" in der Reichskanzlei oder im Führerrefugium auf dem Obersalzberg, im "privaten Milieu" der "gutbürgerlichen Verbundenheit mit Bergnatur und veredeltem Bauerntum" (Rauschning).

Er schaute seinem Führer "in die berühmten Augen", sah ihn mit "den Fäusten auf Tisch und Wände" einschlagen, erlebte ihn "mit Schaum vor dem Mund", das "Gesicht verzerrt" oder "apathisch" dasitzen, "ohne ein Wort zu sagen", und es ekelte ihn, wie Hitler "auf eine fürchterliche Art in den Zähnen" stocherte.

Rauschning bemerkte am Gastgeber "echt dämonische Kräfte", das "Ordinäre in Verbindung mit dem Ungewöhnlichen". Und so manches Mal geriet er "unter seinen Bann", vorübergehend.

Aus Hitlers "eigenem Munde" vernahm der Gast streng Geheimes und Geheimnisvolles - was "Hitler will und was der Nationalsozialismus ist". Häufig spürte er "einen heißen, krankhaften, versengenden Hauch" vom Gesprochenen ausgehen.

Hitler vertraute ihm zwischen Sommer 1932 und Herbst 1934 aber auch alles an wie einem Intimus - als spiele er die Rolle eines Henri de Catt am Hofe Friedrichs des Großen oder wenigstens eines Moritz Busch, der aufschrieb, was Bismarck 1870/71 im Feldquartier bei Tische plauderte. Gleich nach der Machtübernahme, er saß noch nicht einmal fest im Sattel, offenbarte Hitler dem Danziger Politiker, was er sonst tunlichst vor aller Welt verschwieg: "Ich will den Krieg." Gegen den Rest der Welt:
* Ein "stahlharter Machtkern ... von 80 oder 100
Millionen geschlossen siedelnder Deutscher" werde eines
Tages alle Völker Europas unterjochen (die Italiener
nahm er damals noch aus) - "Hilfsvölker ohne Heer, ohne
eigene Politik, ohne eigene Wirtschaft".
* Polen (mit dem Hitler 1934 einen Nichtangriffspakt
abgeschlossen hatte) solle seine "Chance" bekommen.
Aber er denke nicht daran, sich "ernstlich mit Polen zu
verständigen": "Ich kann Polen aufteilen, wann und wie
es mir beliebt."
* Mit der Sowjet-Union sei (wie 1939 geschehen) ein
"Einvernehmen", auch über die neue Teilung Polens, zwar
"jederzeit" möglich. Aber der "entscheidende Kampf"
(der dann 1941 begann) sei nicht zu umgehen, denn: "Nur
einer kann herrschen. Damit wir das sind, müssen wir
Rußland besiegen."
* In England werde er "landen", in den USA "Revolten und
Unruhen" anzetteln.
* Das Christentum wird "mit Stumpf und Stiel, mit allen
seinen Fasern ausgerottet", mit den Juden "um die
Weltherrschaft" gekämpft. Die Ostvölker werden
"entvölkert". Hitler: "Ob ich ganze Volksstämme
beseitigen wolle? Jawohl, so ungefähr, darauf wird es
hinauslaufen."

Über alles, was Hitler ihm da arglos enthüllt hatte, machte sich Rauschning, wie er versicherte, "meist unmittelbar unter dem Eindruck des Gehörten Notizen", und so

könne "vieles" von dem, was er überlieferte, "als nahezu wörtliche Wiedergabe" gelten.

Ende 1939 veröffentlichte Rauschning, der bei Hitler und den Nazis schnell in Ungnade gefallen war und 1935 das Reich verlassen hatte, in französischer Emigration seine "Gespräche mit Hitler", zuerst, im Dezember, in Paris ("Hitler m''a dit"), im gleichen Monat in London ("Hitler speaks"), im Januar 1940 in Washington ("The Voice of Destruction") und, deutschsprachig, in der Schweiz. Es folgten Übersetzungen in weiteren europäischen Ländern, in Südamerika, Kanada, Palästina und der Türkei.

Nach dem Krieg erhoben die sowjetischen Ankläger im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß Rauschnings "Gespräche" zum Beweisdokument "USSR-378" - was den Hauptangeklagten Hermann Göring zu dem immerhin naheliegenden Einwand veranlaßte: "Glaubt man denn, daß der Führer jedem hergelaufenen Provinzpolitiker seine geheimsten Ansichten offenbart hätte?"

Scharen von Historikern und Publizisten im In- und Ausland schöpften aus der üppig sprudelnden Quelle, der renommierte britische Hitler-Biograph Alan Bullock beispielsweise genauso unbesehen wie Joachim C. Fest, der noch 1973 rund 50mal daraus zitierte, oder der Amerikaner Gerhard L. Weinberg, Herausgeber von Hitlers sogenanntem "Zweiten Buch" über die nationalsozialistische Außenpolitik (der später die vom "Stern" lancierten "Hitler-Tagebücher" zunächst einmal für echt gehalten hatte).

"Im Abstand von drei Jahrzehnten" lobte der Nestor der deutschen Neuhistoriker, der 1984 verstorbene Kölner Ordinarius Theodor Schieder, die in Rauschnings "Gesprächen" enthaltene "Gesamtdeutung Hitlers" sei "für den Zeitraum von 1932 bis 1934 durch keine andere Quelle ersetzt, so vieles seither über Hitler und von Hitler erschienen ist".

Der Geschichtsprofessor machte aber auch Abstriche. Rauschnings Gespräche seien "kein Quellendokument, von dem man wörtliche oder protokollarische Überlieferung Hitlerscher Sätze und Sentenzen erwarten darf, so vieles auch darin diesen Erfordernissen entspricht". Als er nachrechnete, ob denn Rauschning tatsächlich "mehr als hundertmal" mit Hitler zusammengetroffen war, kam er, wohlwollend, allerdings nur auf höchstens 13 Besuche, und nur zwei konnte er durch entsprechende Aktennotizen belegen.

Schieders Plädoyer war freilich schon eine Replik auf Zweifel an Rauschnings Glaubwürdigkeit und der Authenzität seines Dokuments. So hatte der Stuttgarter Historiker Eberhard Jäckel (der selber Hitler-Falsifikaten aufgesessen war) bereits 1969 die Zunft beschworen, Rauschnings Enthüllungen nicht länger "als primäre Quelle anzusehen" und

"die Hitler zugeschriebenen Aussagen so zu zitieren, als stammten sie von ihm". Sein Hamburger Kollege Günther Moltmann bezeichnete die "Gespräche" sogar rundheraus als "Ärgernis".

Das sind sie allemal, aber nicht nur das: Sie sind eine Fälschung, Geschichtsklitterung von der ersten bis zur letzten Seite, eine allerdings meisterliche Mischung von Dichtung und Wahrheit, keineswegs vergleichbar jedoch mit der auch inhaltlich jämmerlichen "Stern"-Produktion von Heidemann/Kujau.

Rauschnings Schöpfung ist immerhin eine "Analyse des Phänomens Nationalsozialismus", urteilt Schieder im großen und ganzen zu Recht, "wie sie nur von einem Mann kommen konnte, der dieses Phänomen auch von innen kannte und ihm nicht nur von außen als Gegner gegenübergetreten war". Sie war eine "Kampfschrift", was sie nach Rauschnings Willen auch sein sollte, im publizistischen Kleinkrieg gegen Hitler und die Nazis.

Just zu der Zeit, als der "Stern", um Glanz und Kasse zu polieren, sich anschickte, Hitlers leicht erkennbar falsche "Tagebücher" auf den Weltmarkt zu werfen, rechnete der aus Deutschland stammende Bezirksschullehrer aus Aargau in der Schweiz, Wolfgang Hänel, vor geschlossener Gesellschaft der "Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt" mit dem Fälscher Rauschning ab. Der Verriß wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht. _(Wolfgang Hänel: "Hermann Rauschnings ) _(''Gespräche mit Hitler'' - Eine ) _(Geschichtsfälschung". Veröffentlichung ) _(der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle ) _(Ingolstadt, 7. Band; 68 Seiten. )

Hänel beweist nicht nur die Fälschung, er enthüllt auch, wie das beeindruckende Surrogat eiligst zustande gekommen ist, welche Ingredienzen da zusammengepanscht worden sind, und er beschreibt, wie Rauschning an Hitler geraten und von diesem in die Wüste geschickt worden ist.

Rauschning, 1887 in Thorn/Westpreußen geboren, Nachfahre von Großgrundbesitzern und preußischen Offizieren, auf Kadettenanstalten erzogen, promovierter Musikgeschichtler, war einer jener Nationalkonservativen, wie sie in der Weimarer Republik ins Kraut geschossen waren. Sie verachteten Demokratie und Parlamentarismus, wie insgesamt die moderne Massengesellschaft, propagierten, nach innen, den starken Staat und, nach außen, das blanke Schwert. So drifteten sie unweigerlich in das Fahrwasser der Nazis, jener, so Rauschning, "unverbrauchten neuen Kraft, im elementarsten Sinne".

Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg in seine nach der Niederlage nun polnische Heimat nahm er sogleich den Kampf fürs deutsche Volkstum auf. Er faselte davon, der 1918 "abgebrochene" Krieg sollte neu angezettelt und bis zum "Siegfrieden" ausgefochten werden.

1926 siedelte Rauschning nach Danzig über - nach dem Friedensvertrag von Versailles vom Reich getrennte Freie Stadt unter Kontrolle des Genfer Völkerbundes mit enger wirtschaftlicher Anbindung an Polen. Schon 1931 trat der Deutschnationale in die NSDAP ein, bald darauf wurde er auch SS-Standartenführer. Als die Nazis im Mai 1933 in Danzig einen beachtlichen Wahlsieg errangen (50,03 Prozent), machten sie ihn zum Präsidenten des Senats.

Fortan huldigte er Hitler "als dem wahren Führer, wie man ihn nicht wieder findet". Er sprach ihm, wegen des "Dämonischen", das Recht zu, "den Willen der Mehrheit zu verachten". Aber sogleich geriet Rauschning auch in Konflikt mit lokalen Nazi-Größen, allen voran Gauleiter Albert Forster, der ganz und gar nicht bereit war, die Macht mit dem Präsidenten zu teilen.

Rauschning wollte es langsam angehen lassen. Auch angesichts der prekären außenpolitischen Lage des Reichs - die Gerüchte aus Warschau über Präventivkriegspläne waren durchaus ernst zu nehmen - war er auf Aussöhnung mit den Polen bedacht; dabei wähnte er sich in Übereinstimmung mit Hitler, ohne dessen taktisches Kalkül zu durchschauen. Er wehrte sich, wiederum mit Rücksicht auf den Völkerbund, gegen überstürzte Gleichschaltung mit dem Reich.

Hitler-Liebling Forster hingegen wollte alles schneller und radikaler. Deutsche Zustände sollten alsbald auch in Danzig herrschen. Er bedrängte die polnische Minderheit, ließ unliebsame katholische Geistliche verhaften und verfolgte die große jüdische Gemeinde in Danzig (11 000 Mitglieder).

Als die Machtprobe fällig wurde, Forster ein Mißtrauensvotum der Danziger NS-Fraktion gegen den Präsidenten organisierte, ließ Hitler Rauschning, dem er sich angeblich doch so freimütig mitgeteilt hatte, fallen, ohne ihn auch nur anzuhören. Lapidar hatte er wissen lassen: "Er, der Reichskanzler, könne ihn nicht halten." Am 23. November 1934 endete Rauschnings Danziger Mission, und bald hielt es ihn nicht mehr in der Freien Stadt. Die Parteigenossen beschimpften ihn als "Volks- und Landesverräter" und stießen ihn aus ihren Reihen aus. Und obgleich Rauschning auf einem Flugblatt die "Politik von Abenteurern", des "Rausches und der Hysterie" geißelte, trennte er sich "innerlich nur schwer" von der "unverbrauchten Kraft".

1936 emigrierte Rauschning in die Schweiz, wo 1938 sein berühmtes Anti-Nazi-Buch "Die Revolution des Nihilismus" erschien, in dem er versuchte, die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus bloßzulegen. Im Herbst ging er dann nach Paris, und da kam, plötzlich und unerwartet, seine große Stunde. Er schrieb - in Windeseile - die "Gespräche mit Hitler".

Aber nicht er hatte sich den Coup einfallen lassen. Das war vielmehr der Journalist Emery Reves alias Imre Revesz, ein gebürtiger Ungar, der im April 1933 bei einem rüden SA-Überfall auf sein Berliner Pressebüro den Häschern, als Wäscherin verkleidet, nur knapp entkommen war.

Inzwischen hatte Reves in Paris die schlagkräftige "Cooperation Service de Presse" aufgebaut, die 400 Zeitungen in 70 Ländern mit Artikeln versorgte, zum Teil von so prominenten Autoren wie Winston Churchill und Anthony Eden, dem früheren französischen Ministerpräsidenten Edouard Herriot und dem Sozialistenführer Leon Blum. Psychologische Kriegführung gegen Hitler war Reves'' eigentliches Metier, und das beherrschte er meisterlich.

Im Sommer 1939 lernten sich die beiden Emigranten kennen. Rauschning, der zu Widerstandszirkeln Kontakt hielt _(Bei Kriegsbeginn am Schlagbaum vor dem ) _(polnischen Zollhaus. )

und ein Anti-NS-Pamphlet nach dem anderen verfaßte, hatte zwei Artikel dabei, die er in Reves'' Presseagentur unterbringen wollte. "Die waren interessant", erinnerte sich Reves Jahre danach im Gespräch mit Lehrer Hänel, "aber in einem sehr ... langweiligen Stile geschrieben."

Wie die beiden dann doch noch ins Geschäft gekommen sind, geht aus einem Dialog hervor, den Reves für Hänel rekonstruierte:
" Reves: Haben Sie nicht was Neues? Rauschning: Nein, "
" gar nichts. "
" Reves: Wie oft haben Sie Hitler gesehen? "
" Rauschning: Sehr oft, mehr als hundertmal. "
" Reves: Haben Sie sich davon keine Notizen gemacht? "

Rauschning bejahte, und da, so Reves, "hab'' ich aus ihm wie eine Hebamme dieses Bebe herausgenommen". Er ermunterte ihn: "Zitation, Zitat, Zitat, Zitat - und nichts weiter."

Als Rauschning mit den ersten 20 Blatt überkam, strahlte Reves: "Sie haben keine Ahnung, was für einen Schatz Sie in der Hand haben. Wissen Sie, daß Sie einen Tresor in der Hand haben?" Bald sollte Rauschning, dem das "ewige vergebliche Herumsuchen nach ausreichenden Geldmitteln ... zum Halse heraushing", es erfahren: Für die "Gespräche mit Hitler" kassierte er 125 000 Franc, mehr als je einem Autor für ein Buch in Frankreich gezahlt worden war. Auflage bis zum Einmarsch der deutschen Truppen 1940: rund 220 000 Exemplare.

Weil nun Rauschning Hitler nicht "mehr als hundertmal", sondern, wie Hänel ermittelte, nur viermal zu Gesicht bekommen hatte und nicht ein einziges Mal unter vier Augen, war das mit den schriftlichen Notizen über die "Gespräche" natürlich so eine Sache. Also klaubte Rauschning zusammen, was eben in den Kontext paßte.

Er machte Anleihen beispielsweise bei Ernst Jünger ("Der Arbeiter"), dem Weltkriegshelden und völkischen Sektierer General Erich Ludendorff, dem Geopolitiker Karl Haushofer. Er bediente sich der authentischen Hitler-Quelle "Mein Kampf", späterer Hitler-Reden und NS-Publikationen.

Oder er schrieb sich selber ab - Sentenzen und Passagen aus seinem Buch "Die Revolution des Nihilismus". Was er darin an zum Teil einsichtigen Mutmaßungen und Interpretationen ersonnen hatte, verdrehte er in wörtliche Rede und ließ sie Hitler wiederkäuen; etwa so:
* Rauschning: "Gerade das Unmögliche, das völlig
Unglaubwürdige gelingt." - Hitler: "Ich garantiere
Ihnen, meine Herren, daß das Unmögliche immer glückt.
Das Unwahrscheinlichste ist das Sicherste."
* Rauschning: "Hier wird Gefühllosigkeit, ja geradezu
Grausamkeit

absichtlich gepflegt. Es gilt, die Weichmütigkeit auszumerzen und der Brutalität sozusagen das gute Gewissen wiederzugeben." - Hitler: "Wir müssen grausam sein ... Wir müssen das gute Gewissen zur Grausamkeit wiedergewinnen. Nur so können wir unserem Volk die Weichmütigkeit ... austreiben."
* Rauschning: "Es wurde vermutet, daß Hitler Polen vor
die Alternative stellen könnte, entweder mit gegen
Rußland zu marschieren oder eine neue Teilung mit Hilfe
Rußlands zu gewärtigen." - Hitler: "Es würde mir ein
leichtes sein, Polen aufzuteilen ... Ich kann jederzeit
mit Sowjetrußland zu einem Einvernehmen kommen."

Für das Kapitel "Hitler privat", das in der deutschsprachigen Ausgabe fehlte und erst von Schieder nachgereicht wurde, eine finstere Gruselgeschichte, räuberte Rauschning sogar im Schöngeistigen. "Jemand aus Hitlers engster täglicher Umgebung" habe ihm eine Szene geschildert, die er, Rauschning, "nicht glauben würde, wenn sie nicht aus solcher Quelle käme". Die "Szene":
" Taumelnd habe er (Hitler) im Zimmer gestanden, irr um "
" sich blickend. "Er! Er! Er ist dagewesen", habe er "
" gekeucht, die Lippen seien blau gewesen ... Dann habe er "
" plötzlich losgebrüllt: "Da, da! in der Ecke! Wer steht "
" da?" "

Der Leibhaftige? Die Begebenheit kann, sinngemäß, in Guy de Maupassants Erzählung "Der Horla" nachgelesen werden.

Nach dem Krieg, als Verdacht aufkam, verteidigte sich Rauschning, statt zu bekennen, was Sinn und Wert seiner "Kampfschrift" nicht geschmälert und ihn auch nicht ärmer gemacht hätte (als er vor seinem Tod 1982 in den USA war), seine "Aufzeichnungen" seien von seiner Tochter Heilwig vor den anrückenden deutschen Truppen im Keller seiner Pariser Wohnung versteckt worden. Wahrscheinlich habe sie die Gestapo gefunden und beschlagnahmt. In einem Brief sagte er wenigstens die halbe Wahrheit: Er habe die Gespräche "nur aus kümmerlichen Notizen" rekonstruiert.

Als Rauschning von Hänels Nachforschungen erfuhr, fragte er bei ihm an: "Was wollen Sie denn noch ... an mir herumrätseln?" Er ahnte aber schon, was der Schulmeister im Schilde führte: "Herr Hänel will mich entlarven."

Wolfgang Hänel: "Hermann Rauschnings ''Gespräche mit Hitler'' - Eine Geschichtsfälschung". Veröffentlichung der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt, 7. Band; 68 Seiten. Bei Kriegsbeginn am Schlagbaum vor dem polnischen Zollhaus.

DER SPIEGEL 37/1985
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