12.08.1985

GESTORBENKarl Heinz Stroux

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Karl Heinz Stroux, 77. Auf seine alten Tage war er noch einmal als Schauspieler auf die Bühne zurückgekehrt, er spielte den Striese im "Raub der Sabinerinnen", jenen unvergleichlich sächselnden Theaterprinzipal, der zwischen Schmiere und Kunst einen ewigen Bund zu knüpfen sucht und weiß, daß der Lorbeer sowohl aufs Haupt wie in die Suppe paßt, und er spielte einen wunderbar geschwätzigen Märchenerzähler in Shakespeares "Perikles", ein schlurfendes Männchen, das die Zuschauer an die Hand nimmt und durch die Wunder der Theaterwelt geleitet. Stroux war von 1955 bis 1972, also 17 Jahre lang, Intendant der glitzerndsten Theaterfabrik in Deutschland, dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Dort hat er sich als beinharter Manager und handfester Regisseur bewährt: Der Düsseldorfer Rampenservice, an Klassikern wie Schiller und Shakespeare mit Vorliebe exekutiert, war glänzendes Schauspielertheater für Stars wie Martin Benrath etwa. Stroux, der die Bürde der Gründgens-Nachfolge wie ein Gramm-Gewicht trug, sorgte daneben für die Absurden, für Ionesco vor allem, dessen Hausbühne Düsseldorf schon deshalb wurde, weil ihn Stroux für einen zweiten Shakespeare hielt. Als Stroux 1970 zur Einweihung des neuen Hauses am Gründgens-Platz das protzigste und neureichste deutsche Theater präsentierte, standen protestierende Demonstranten vor der Tür: die Zeit war an dem Theater a la Stroux vorbeidemonstriert. Stroux starb vorvergangenen Freitag in Düsseldorf.

DER SPIEGEL 33/1985
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