09.12.1985

Flick: Ende eines Imperiums

Der Name Flick wird bald nur noch Industriegeschichte sein. Friedrich Karl Flick - durch unternehmerische Qualitäten bisher wenig, durch Affären um so mehr aufgefallen - hat für fünf Milliarden Mark Kasse gemacht, das Firmenreich wird aufgeteilt. Mit dabei, auch beim Verdienen, ist die allgegenwärtige Deutsche Bank.
Alfred Herrhausen achtete vergangenen Mittwoch auf die Rangordnung. Den Bonner Wirtschaftsminister Martin Bangemann unterrichtete der Chef der Deutschen Bank telephonisch; zu Helmut Kohl bemühte sich Herrhausen, mittags nach der Kabinettssitzung, persönlich ins Kanzleramt, um die aufregende Nachricht zu überbringen: Die Deutsche Bank erlöst Friedrich Karl Flick von seinem Erbe und kauft dem reichsten Deutschen für fünf Milliarden Mark sein Industrie-Imperium ab.
Für den Zustand des deutschen Gemeinwesens war der Mittwoch von treffender Symbolik: Die Politik tritt auf der Stelle; die Entscheidungen, durch die sich die Lebensumstände der Menschen verändern, werden in der Wirtschaft getroffen.
Während Kohl am Abend zuvor in Luxemburg fruchtlos in europäischen Problemen stocherte und sein Arbeitsminister Norbert Blüm einen Zwist mit den Gewerkschaften zum xten Mal vertagt hatte, meldete der Bankier Vollzug: In einem Vier-Seiten-Papier war vereinbart, daß Flicks 43000 deutsche Arbeitnehmer bald auf ein neues Kommando hören.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate verwandelte sich die deutsche Industrieszenerie so schlagartig wie Jahrzehnte zuvor nicht. Und beide Male, beim Daimler-AEG-Kauf wie jetzt bei Flick, stand die nahezu allmächtige Deutsche Bank Pate. Wieder wurde bestätigt, daß in der bundesdeutschen Wirtschaft nichts mehr ohne den Frankfurter Geldgiganten läuft.
Beide Fälle markieren, auf ganz unterschiedliche Weise, eine neue Zeit in der Wirtschafts-Geschichte. Während die Daimler-Manager glauben, durch schiere Größe im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können, hat Friedrich Karl Flick ganz einfach keinen Spaß mehr an seinem großen Firmenkonglomerat.
Daß fossile Einzelunternehmer vom Schlage Flick in Zukunft ohne Chance sind, läßt sich an anderen Namen ablesen. Die Krupps, die Thyssens, die Haniels oder die Siemens, die der deutschen Industrie um die Jahrhundertwende das Gepräge gaben, sind verschwunden. Sie haben hier und dort Aktien, kassieren still die Dividende und fallen im übrigen als Festredner oder Partygänger auf.
Abgetreten, nach bösen Niederlagen, sind inzwischen auch viele der Nachkriegs-Unternehmerheroen, Männer wie Max Grundig, wie Josef Neckermann oder die Gebrüder Bauknecht. Die neuen Macher sind Männer wie Herrhausen und Friedrich Wilhelm Christians von der Deutschen Bank, wie Karlheinz Kaske von Siemens oder Wolfgang Schieren von der Allianz. Offiziell Lohnabhängige, mit freilich stattlichem Millionengehalt, dirigieren sie die Milliarden, formen sie die Industriestruktur der Bundesrepublik. Die Kaste der angestellten Manager besitzt vergleichsweise wenig und verfügt doch über eine Macht, wie sie die Industriemogule alter Prägung nie gehabt haben.
Und sie sorgen für saubere Verhältnisse, damit die Geschäfte ungestört von politischen Seitenwinden verlaufen.
Friedrich Karl Flick, dessen Namen die unappetitlichste Affäre in der Nachkriegs-Geschichte der Deutschen trägt, war dabei hinderlich. Wie kein zweiter Unternehmer hatte der Konzernerbe das Bild vom Wirtschaftsführer, der in stiller Effizienz zum Wohle des Ganzen wirkt, durch die Schmiergeld-Praxis seines Konzerns in Verruf gebracht.
Jahrelang schleppt sich die Flick-Affäre schon dahin. Mit Otto Graf Lambsdorff
kippte ein Wirtschaftsminister, mit Rainer Barzel schaffte der Skandal sogar einen Bundestagspräsidenten - jenen Repräsentanten des Staates, der den Bürgern, mit getragener Stimme und Cut-gewandet, doch klarmachen soll, daß die da oben alles würdig und treusorgend verwalten.
Daß Flick nicht nur Politiker schmieren und sich dabei erwischen ließ, sondern daß er überdies ein flottes Leben führte, ließ ihn bei seinen Unternehmer-Kollegen vollends in Ungnade fallen. Wenn wieder mal zu lesen war, wie Flicks Entourage Bars zerlegte, wie der Chef in seiner 20-Millionen-Yacht über die Weltmeere kreuzte und dabei spezielle Walderdbeeren nachkommen ließ - dann empfanden das alle aus der Manager-Oberklasse als ständige Rufschädigung der industriellen Elite.
Es war nur folgerichtig, daß die Deutsche Bank dem ein Ende setzte. Nur sie hat das Geld und zugleich den Einfluß auf den exzentrischen Sohn des Firmengründers Friedrich Flick.
Schon seit mehr als zwei Jahren waren Christians und Herrhausen damit beschäftigt, dem Flick-Erben sein Imperium abzuschnacken. Bereits zu Zeiten von Eberhard von Brauchitsch - einem Geschäftsführenden Gesellschafter der Flick-Holding, den Flick Ende 1982 feuerte - dachten die Manager der Düsseldorfer Dachgesellschaft über Lösungen nach. Der damalige Flick-Helfer Klaus Götte, der heute die Gutehoffnungshütte führt, und sein damaliger Kollege Hanns Arnt Vogels, jetzt Chef von Messerschmitt-Bölkow-Blohm in München, planten immer wieder, zumindest Teile des Konzerns an der Börse zu verkaufen.
Doch Flick sperrte sich. Der Grund war weniger, daß ihm das Familien-Erbe so nahestand. In Wahrheit, und da hatte er von heute aus betrachtet sogar recht, war ihm die Stimmung an der Börse zu schlecht. Er hätte zu wenig Geld für sein Imperium bekommen.
Bei seinen raren öffentlichen Auftritten pflegte der Konzernchef stets entrüstet zu dementieren, daß er, wie der SPIEGEL schon vor knapp zwei Jahren gemeldet hat (8/1984), Kasse machen wolle. Noch Ende Januar dieses Jahres sagte Flick in einem "Stern"-Interview: "Die Behauptung, ich wolle meinen gesamten Industriebesitz zu Geld machen, ist Unsinn."
Natürlich wollte er genau diesen Unsinn. Geplagt von der merkwürdigen Angst, als armer Mann zu sterben, hatte FKF, wie der Chef im Hause Flick heißt, selbst schon allerlei Drähte gesponnen. Sein langjähriger Gefährte Günter Max Paefgen bot lange Zeit Konzernfirmen feil. Paefgen, dessen Aussage vor dem Bonner Flick-Ausschuß Rainer Barzel um den Job brachte, hatte ein lebhaftes persönliches Interesse an möglichen Verkäufen. Im Flick-Konzern rühmt man noch heute seine Fähigkeit, bei Handreichungen aller Art auf ein paar Prozent zu bestehen.
Doch Paefgens Versuche scheiterten. Flick selbst knüpfte schließlich sogar Kontakt zu Giovanni Agnelli, dem König der italienischen Industrie. Der Fiat-Chef zeigte durchaus Interesse an Teilen des Flick-Konzerns, doch da fuhr Herrhausen dazwischen. Die Deutsche Bank wollte sich das Geschäft nicht entgehen lassen.
Flick hatte sich trotz seines Milliarden-Besitzes, der ihm eigentlich genug Unabhängigkeit gewähren konnte, völlig in die Hände der Frankfurter Bankiers begeben. Vor allem Friedrich Wilhelm Christians kümmerte sich um den sensiblen Großkunden; Christians wohnt in der Nähe von Düsseldorf, wo auch Flick eine Villa besitzt.
Als ihm vor zweieinhalb Jahren die politischen Wallungen der Flick-Affäre immer bedrohlicher erschienen, konzentrierte er sein gesamtes Vermögen bei der Deutschen Bank. Im März 1983 ließ Flick in einer spektakulären Aktion einem halben Dutzend Banken ein Telex "Betr: Konto Dr. Friedrich Karl Flick" schicken. Die verblüfften Kreditinstitute sollten alle Wertpapiere und alles Geld in die Düsseldorfer Filiale der Deutschen Bank, Königsallee 45/47, schicken.
Der Flick-Anwalt Detlef Wunderlich erläuterte: "In schweren Zeiten hat es sich sehr oft bewährt, alle Kräfte auf eine Bank zu konzentrieren."
Die Deutsche Bank bedeutete für den oft seekranken Schiffer Flick eine Art Hafen, in dem ihm nichts passieren konnte. Und die Bankiers taten alles, um dem schwierigen Kunden das Gefühl zu geben, bei ihnen richtig aufgehoben zu sein.
Für den Mann, der in jenen Zeiten den Satz "Ich hab'' die Schnauze voll" mehr als einmal zu Vertrauten sagte, muß es ein gutes Gefühl gewesen sein.
Wenn Flick ausrastete, was bei seinem heftigen Alkohol-Konsum öfter passierte, leisteten die Bankiers zuweilen erste _(Ingrid Ragger; auf dem Münchner ) _(Opernball 1984. )
Hilfe. Auf einer legendären Aufsichtsratssitzung des vornehmen Geldinstituts mußte der Milliardär hinausgetragen werden, weil er am Sitzungstag bis morgens um sechs die Gastlichkeit der Düsseldorfer Altstadt genossen hatte.
Im März dieses Jahres wurde klar, daß die Deutsche Bank nun endlich den Lohn für ihr geduldiges Warten ernten könnte. Alfred Herrhausen berichtete auf der Pressekonferenz der Deutschen Bank vergangenen Freitag: "Wir wurden von Herrn Flick gefragt, den Konzern telquel zu übernehmen" - also so, wie er ist. Die Deutsche Bank stieg in ernste Verhandlungen ein, die für Flick vor allem der ehemalige Mercedes-Chef Joachim Zahn führte.
Zahn, der seit seinem Wechsel in den Ruhestand wie Flick in München wohnt, hat sich in den vergangenen Jahren neben Flick-Anwalt Wunderlich zum engsten Ratgeber des Konzernherrns entwickelt. So war Zahn nun die treibende Kraft bei dem heraufziehenden Milliarden-Deal.
Daß die Pläne in den vergangenen Monaten so rasch vorankamen, lag vor allem an der Hochstimmung, die an der Aktienbörse ausgebrochen ist. Flick und seine Berater konnten staunend feststellen, daß die Aktienkurse auf immer neue historische Höhen kletterten.
Große Familien-Firmen wie Springer oder Henkel, die nach langem Zögern beschlossen hatten, ihre Aktien an der Börse zu verkaufen, hatten einen bis vor kurzem nicht vorstellbaren Erfolg. Das Publikum bezahlte den Banken, wieder war die Deutsche als Helfer dabei, weit höhere Preise, als vor ein, zwei Jahren noch für möglich gehalten wurde.
Flick sah endlich die Chance, sein Firmenreich zu einem ordentlichen Preis loszuschlagen. In einem vier Seiten langen Schreiben, unter dem Briefkopf der Düsseldorfer Flick-Holding, machte der Konzernchef Ernst: "Herr Dr. Friedrich Karl Flick unterbreitet der Deutschen Bank ein Angebot über den Erwerb seines Familienbesitzes."
Der Preis des Angebots verrät, daß die sozialistische Gleichmacherei in der Bundesrepublik nicht übermäßig erfolgreich war, daß habgierige Gewerkschaften und sozialdemokratische Steuergesetze den wahrhaft Tüchtigen wenig anhaben können: Friedrich Karl Flick bekommt für den Verkauf knapp fünf Milliarden Mark.
Übersetzt für Menschen, die mit den Nullen Schwierigkeiten haben könnten, bedeutet das: Um das Flick-Vermögen
anzuhäufen, müßte ein Bundesbürger etwa 100 Jahre lang jede Woche sechs Richtige im Lotto haben.
Die "Frankfurter Allgemeine" sah sich veranlaßt, ihre Leserschaft im Wirtschaftsteil mit einem anderen Vergleich aufzuklären: Die fünf Milliarden entsprächen "einer Siedlung von 20000 Einfamilienhäusern im Wert von jeweils einer Viertelmillion DM".
Im Gegenzug übernimmt die deutsche Bank Flicks gesamten Firmenbesitz mit Ausnahme der Beteiligung am Versicherungskonzern Gerling (siehe Graphik Seite 116).
Weil Gerling an den Konzern gekoppelt ist, müssen aus technischen Gründen noch ein paar hundert Millionen umgeschichtet werden. Im ersten Schritt verkauft Flick pro forma alles, einschließlich Gerling, für 5,3 Milliarden Mark an die Deutsche Bank. Anschließend holt er sich den Gerling-Anteil für etwa 450 Millionen zurück. Am Ende beträgt der Flick-Erlös also etwa 4850000000 Mark.
Ein paar Kleinigkeiten, die den Alltag erträglicher machen, wird Flick darüber hinaus behalten. Noch vor Silvester sollen sein Flugzeug, die Autos, seine Villen von der Steiermark bis nach Amerika und die Yacht abgetrennt werden.
Außerdem ist noch ein technischer Kniff nötig. Die Flick-Kommanditgesellschaft wird in eine Aktiengesellschaft verwandelt. Dieser Kunstgriff soll es der Deutschen Bank erleichtern, die Anteil-Scheine der Flick-Dachgesellschaft einfacher an neue Käufer weiterzugeben.
Daß derlei Geschäfte gewiefter Steuerfachleute bedürfen, beweist eine weitere
Finesse. In einer "logischen Sekunde", am Silvesterabend zwischen 24 Uhr und dem ersten Augenblick des Jahres 1986, wird die Transaktion juristisch fixiert. Das seltsame Geschäft in einer nicht existierenden Zeit hat einen steuerlichen Grund.
Die Deutsche Bank hat zugesagt, alle Flick-Aktien wieder zu verkaufen. Nach guter Kaufmannssitte wird zwischen Kauf- und Verkaufspreis ein beträchtlicher Unterschied bestehen; die Differenz mehrt das Vermögen der Deutschen Bank. Mit dem Trick der logischen Sekunde, der auf dem sogenannten Mitternachtserlaß basiert, läßt sich der Gewinn ein Jahr lang frei von Vermögen- und Körperschaftsteuer halten.
Eine grobe Rechnung belegt, daß die Deutsche Bank bei geschickter Handhabung des Deals einen irrwitzigen Gewinn einfahren wird. Allein die Daimler-Aktien, die Flick noch besitzt, sind zu derzeitigen Börsenkursen rund vier Milliarden Mark wert. Die 13,5 Millionen Aktien des US-Mischkonzerns Grace & Co. kosten an der New Yorker Wall Street, umgerechnet in Mark, derzeit etwa 1,4 Milliarden. Bei einem Kaufpreis von knapp 4,9 Milliarden Mark bekommt die Deutsche Bank mithin den Rest des Flick-Imperiums - die Stahlgruppe Buderus, die Chemiefirma Dynamit Nobel und die Feldmühle, den größten deutschen Papierhersteller - gewissermaßen geschenkt. Den Marktwert dieser drei Firmengruppen schätzen Fachleute noch einmal auf 1,5 Milliarden Mark.
Die Gepflogenheiten derartiger Mammut-Geschäfte bringen es allerdings mit sich, daß die Deutsche Bank weniger als zwei Milliarden bei dem Geschäft verdient. Wenn die Bank Anfang nächsten Jahres die Daimler- und Grace-Aktien verkaufen wird, muß sie einen Kurs anbieten, der fünf bis zehn Prozent unter dem aktuellen Börsenwert liegt. Das würde einen Abschlag zwischen 270 und 540 Millionen Mark bedeuten.
Kenner der Szene waren freilich vergangene Woche davon überzeugt, daß die Spezialisten aus der Deutschen Bank die Gewinn-Abschläge mit einem bekannten Börsentrick an der unteren Grenze halten werden. Wenn es der Bank gelingt, die Aktienkurse von Daimler und Grace durch die sogenannte Kurspflege etwas anzuliften, fällt der übliche Kursabschlag beim Verkauf der Aktien geringer aus.
Übersetzt heißt das: Die Deutsche Bank muß erst Aktien kaufen, um den Kurs hochzutreiben, und dann allmählich die Flick-Papiere unterbringen. Da im Moment alle Anzeichen darauf hindeuten, daß die Börsenkurse in der Bundesrepublik und Amerika ohnehin weiter steigen, stehen die Chancen für eine weitere Vermögensmehrung des Bank-Giganten äußerst günstig.
Ein kleines Fragezeichen steht für die Bankiers derzeit noch hinter dem Verkauf der Grace-Aktien. Der US-Firmenchef Peter Grace hat sich seinerzeit von Flick ein Vorkaufsrecht für den Fall
einräumen lassen, daß der Deutsche wieder verkauft. Noch ist unklar, ob der Amerikaner sein Recht nutzt.
Für den Verkauf der Daimler-Aktien trifft es sich gut, daß der Stuttgarter Automobil-Konzern im nächsten Jahr 100jähriges Jubiläum feiert und seine Aktionäre mit einem Sonder-Bonus erfreuen dürfte. So etwas hebt den Kurs gemeinhin.
Rein technisch soll der Verkauf in drei Stufen erfolgen. So schnell wie möglich will die Bank gleich im nächsten Jahr die Daimler-Aktien loswerden. In der zweiten Phase wird das Grace-Paket verkauft. Die Bankiers hoffen, die Aktien Ende Februar los zu sein.
Schließlich, im dritten Schritt, sollen die übrigen Flick-Firmen, die wohl am schwierigsten loszuschlagen sind, ab Mai unter das Publikum gebracht werden.
Die deutschen Firmen sollen unter einer Dachgesellschaft im Stück verkauft werden. Klar ist, daß der Name Flick nicht mehr auftauchen wird. Als neuen Namen für das Flick-Restreich haben sich die Bankiers Feldmühle Nobel AG ausgedacht. Wenn die Daimler- und Grace-Aktien verkauft sind, soll ein Börsenprospekt für die Holding-Papiere veröffentlicht werden, damit das Publikum auf den Geschmack kommt.
Erst wenn alles untergebracht ist, wird Flick die knappen 4,9 Milliarden Mark auf seinem Konto haben. Die muß er versteuern. Allerdings sehen die von ihm gescholtenen Steuergesetze dafür einen relativ glimpflichen Satz vor. Da der Erlös steuerlich mit dem treffenden Wort "außerordentliche Einkünfte" gekennzeichnet ist, kommt der mildtätige Paragraph 34 des Einkommensteuergesetzes in Anwendung. Das bedeutet, daß Flick nur die Hälfte des Einkommensteuer-Spitzensatzes von 56 Prozent, also 28 Prozent, an das Finanzamt Düsseldorf bezahlen muß.
Diesen Satz braucht Flick freilich nicht auf die vollen 4,9 Milliarden Mark zu bezahlen. Zuvor kann er den Buchwert seines ehemaligen Firmenreiches abziehen - etwa drei Milliarden Mark.
Für den Staat fallen mithin bei dem Geschäft zunächst über 500 Millionen Mark ab. Knapp die Hälfte davon kann der nordrhein-westfälische Finanzminister Diether Posser, wenn alles glattgeht, für 1986 in seinen Etat einbuchen. Aber Posser hat noch weiteren Grund zur Freude: Durch den Verkauf des Flick-Imperiums werden nun all jene Steuern fällig, um die sich die berüchtigte 6 b-Affäre dreht. Jene über 800 Millionen Mark Steuern, die Flick unter Mithilfe der damaligen Wirtschaftsminister Lambsdorff und Friderichs sparte, müssen nun, soweit es nicht schon geschehen ist, bezahlt werden.
Für den lebenslangen Unternehmer-Dilettanten Friedrich Karl Flick ist der Firmenverkauf die zweite große unternehmerische Entscheidung seiner Karriere. Die erste traf er vor über zehn Jahren, als er 29 seiner ursprünglich 39 Prozent Daimler-Aktien für zwei Milliarden Mark verkaufte und sich bei der Wiederanlage des Geldes jenes Steuerproblem aufhalste, das die Flick-Affäre hervorbrachte.
Hätte ihn damals nicht der Deutsche-Bank-Chef Ulrich überredet, zehn Prozent der Daimler-Aktien zu behalten, hätte er auch die verkauft. Die knappen 30 Prozent, von denen er sich trennte, sind heute an der Börse runde zwölf Milliarden Mark wert, zehn mehr, als Flick 1975 bekam.
So gesehen, hat Flick Grund, sich zu ärgern. Und so benutzte er die Gelegenheit seines Abgangs zu giftigen Sätzen - nicht gegen sich selbst, sondern gegen die westdeutschen Steuergesetze. Wenn er jetzt nicht verkaufen würde, so Flick, hätten "substanzverzehrende Steuerzahlungen das Unternehmen vor nicht tragbare Belastungen gestellt und die Existenz gefährdet".
Gemeint ist ein Gesetz, das 1974 in Bonn verabschiedet wurde. Damals hatten die Sozialdemokraten durchaus Erben wie Flick im Auge, als sie eine sogenannte Erbersatzsteuer einführten.
Damit sollten Erben, deren Eltern durch einen Trick die Erbschaftsteuer für ihre Nachkommen umgehen wollten, eingefangen werden. Da immer häufiger Firmeneigner ihr Vermögen vor dem Tode in private Familien-Stiftungen einbrachten und damit die Erbschaftsteuer ausschlossen, simulierte das neue Gesetz
fortan alle 30 Jahre einen neuen Todesfall.
Danach wäre Flick spätestens im Jahr 2000 dran gewesen. Die Finanzämter hätten von ihm 35 Prozent Steuern verlangen können. Nachdem die Klöckner-Erben der Henle-Familie einen Musterprozeß gegen das Gesetz vor dem Bundesverfassungsgerichtshof verloren hatten, hätte Flick zahlen müssen.
Doch Flicks Behauptung, daß der Konzern das Geld nicht hätte bezahlen können, ist eine Legende. Seit mehr als zwanzig Jahren steckt der Flick-Konzern jedes Jahr Geld in eine Reserve, die für den bösen Tag vorsorgen soll. Flick hätte also sehr wohl die Steuern bezahlen können.
Den Weg, den andere Stiftungen beschritten haben, schloß der aufwendig lebende Konzernherr offenkundig von vornherein aus. Firmen wie Krupp, Bosch oder Hertie werden von gemeinnützigen Stiftungen dirigiert und bleiben somit vom Finanzamt verschont. Der Nachteil für Friedrich Karl Flick wäre klar gewesen: Er hätte nur noch einen Bruchteil des Konzerngewinns aus seinen Firmen ziehen können.
Für die etwa 43000 deutschen Beschäftigten des Flick-Imperiums dürften solche Überlegungen sehr weit weg gelegen haben; sicher ist allerdings, daß der Abgang des reichsten Deutschen für sie eine gute Nachricht war. Zu Recht, wie sich jetzt zeigt, hielt sich in den Betrieben trotz aller Flick-Dementis das Gerücht, der Chef wolle verkaufen. Wenn die Deutsche Bank, wie sie es verspricht, die Firmenanteile breit streut, können die Beschäftigten auf zwar anonyme, aber weniger stimmungsabhängige Eigentümer hoffen. Flink hatte denn vergangene Woche Regierungssprecher Friedhelm Ost das Positive herausgefunden: "Die Arbeitnehmer in den Flick-Fabriken können sich wieder sicher fühlen."
Die Flick-Firmen gelten unter Industriekennern zwar nicht gerade als Perlen der deutschen Wirtschaft. In dem laufenden Konjunktur-Aufschwung gehen die Geschäfte aber nach längerer Dürreperiode auch bei ihnen wieder halbwegs erfreulich.
Die Gruppe Feldmühle steigerte mit der Produktion von Papier und Pappe, von Tissue und Vlies, Prothesenteilen für Hüftgelenke und Zahnimplantaten ihren Umsatz um 25 Prozent auf 3,4 Milliarden Mark. Das Unternehmen, das vor 100 Jahren als "Mühle auf dem Feld" im schlesischen Liebau entstand, will künftig auch bei der Kraftwerksentstaubung verdienen.
Die Gruppe Buderus stagniert seit Jahren bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Mark. In zwei Dutzend Unternehmen mit einer Vielzahl von Fertigungsstätten produziert das von Wetzlar aus gelenkte Unternehmen derzeit schwer absetzbare Produkte wie Rohre und Badewannen, Herde und Heizungen, Kanaldeckel und Flugzeug-Küchen.
Die Chemiefabrik Dynamit Nobel hat 1984 nach mehrjähriger Durststrecke mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 3,6 Milliarden Mark wieder Tritt gefaßt. Im ersten Halbjahr 1985 allerdings konnte die Troisdorfer Firma nur bei Kunststoffen und Sprengstoffen zulegen. Beim DMT, dem Vormaterial für Polyesterfaser, und bei der PVC-Verarbeitung müssen _(Auf dem Porträt oben rechts. Konrad ) _(Kaletsch. )
immer noch Fehler aus der Vergangenheit ausgebügelt werden. Die Entscheidung, mit Investitionen von einer halben Milliarde Mark in die Silizium-Produktion zu gehen, ist in der Branche umstritten. Der Weltmarkt bei diesem Stoff, aus dem die Computer-Chips entstehen, ist inzwischen eng. Allzu viele Firmen drängeln sich darauf.
Impulse gab der Konzernerbe Friedrich Karl seinen Firmen nicht, einen großen unternehmerischen Wurf schaffte FKF zu keiner Phase. Er blieb nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1972 der überforderte Sohn.
Vom Vater Friedrich, einem knarzigen Siegerländer, hatte Flick das Imperium, nicht aber die Talente geerbt. Der alte Flick, an der Börse stets der "Geier" genannt, verfügte über eine ungewöhnliche Begabung. Er gehörte zu den ersten Deutschen, die Anfang des Jahrhunderts die neue Lehre von der Betriebswirtschaft studierten. Seither faszinierte den alten Flick nichts mehr als Zahlen und Bilanzen. Er gewann den drögen Ziffern lebendige Perspektiven ab und hatte stets einen Blick dafür, wie zwei mittelprächtige Unternehmen zu einer florierenden Firma zusammenzufügen seien.
Mit dem Talent, aus eins und eins drei zu machen, überflügelte der alte Flick sogar die Ruhrbarone vom Schlage Krupp und Thyssen, die ihre Karrieren vor ihm gestartet hatten. Während der Nazi-Zeit wuchs der Flick-Konzern zu Adolf Hitlers größtem Rüstungslieferanten heran. Entscheidend dafür war Flicks enge Verbindung zu Hermann Göring, dem er beim Aufbau des Stahlkombinats in Salzgitter half.
Die guten Beziehungen zu den Staats-Größen, die stets mit Geld geschmiert wurden, brachten Flick auch nach dem Kriege bald wieder auf die Füße. Obwohl ihn die Alliierten in Nürnberg wegen Sklavenarbeit und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" für drei Jahre ins Gefängnis brachten, riß der Kontakt zur Macht nicht ab. Sein Privatsekretär Robert Tillmanns gehörte zu den Gründungsmitgliedern der CDU und saß im Kabinett Konrad Adenauers. Sein Freund Robert Pferdmenges, der zum engsten wirtschaftlichen Berater Adenauers aufstieg, hielt treuhänderisch einige Mandate für Flick.
So war es kein Wunder, daß Flick alle Forderungen nach einer Entflechtung seines Imperiums abwehren konnte. Politisch abgesichert, ging Friedrich Flick, inzwischen fast 70 Jahre alt, an die Neukonstruktion seines Konzerns. Zunächst traf er eine weitsichtige Entscheidung. Die Reste seines Reiches in der Bundesrepublik bestanden aus Kohle und Stahl. Er verkaufte die Kohle, behielt den Stahl und steckte das Kohle-Geld in die weiterverarbeitende Industrie.
Bald war Flick Großaktionär bei Daimler-Benz. Er kaufte sich in die Feldmühle und in Dynamit Nobel ein und drängelte die Minderheits-Aktionäre derart ruppig aus den Firmen, daß sich sogar der Wirtschaftsminister Ludwig Erhard zu einem Tadel genötigt sah.
Zu seinem 75. Geburtstag gratulierte Konrad Adenauer dem industriellen _(Dagmar, Friedrich Christian, Barbara ) _(verheiratet mit Otto Ernst Flick, Gert ) _(Rudolf, Ursula und ihr Mann Friedrich ) _(Karl. )
Flick zu seinem "staunenswerten Lebenswerk". Zwei Jahre später konstatierte das Düsseldorfer "Handelsblatt", seine wirtschaftliche Macht sei "größer, als sie es vorher war". Zehn Jahre nachdem Friedrich Flick, bereits im Rentenalter, das Landsberger Gefängnis verlassen hatte, war er wieder der reichste Mann Deutschlands.
So verblüffend der geschäftliche Erfolg war, so wenig erfolgreich war Flick mit der Regelung seiner Nachfolge. Von seinen drei Söhnen, so behaupten es jedenfalls Kenner der Familie, hätte er am liebsten dem Zweitgeborenen Rudolf sein Reich anvertraut. Doch der war im Krieg gefallen.
Sein ältester Sohn Otto-Ernst war ein verbissener Mann, der zwanzigmal das Sportabzeichen machte, nur um es dem Alten zu zeigen. Er konnte sich freilich nie gegen den Vater durchsetzen und wurde schließlich in den sechziger Jahren zum Spottpreis von 100 Millionen Mark abgefunden.
Daß Friedrich Karl, der Jüngste, nicht zum Unternehmer taugte, war dem Alten eigentlich klar. Er machte sich über die wirtschaftlichen Talente des "Bürschchens", wie er ihn nannte, zeitlebens lustig. Daß der junge Mann sich etwa mit Firlefanz wie der Niederschrift einer Doktorarbeit (Thema: "Qualitätswettbewerb im marktwirtschaftlichen System") aufhielt, empfand Vater Friedrich als pure Zeitverschwendung.
Dennoch hoffte der Alte, daß sein jüngster Sohn mit der Hilfe von Beratern in die Rolle des Chefs wachsen könnte. _(Am 29. 8. 1985 vor dem Bonner ) _(Landgericht. )
Da war der Vetter des Alten, Konrad Kaletsch, jahrelang die graue Eminenz in der Firma. Kaletsch durfte es sich erlauben, den Sprößling Friedrich Karl noch zu ohrfeigen, als der bereits das 30. Lebensjahr weit überschritten hatte. Dann verpflichtete Flick Senior den Berliner Eberhard von Brauchitsch, der einst mit Friedrich Karl im Grunewald in der Sandkiste gespielt hatte. Brauchitsch hatte sich bei der Deutschen Flugdienst GmbH, einer Lufthansa-Tochter, um eine Kooperation mit Oetkers Condor unternehmerisch verdient gemacht.
Insgeheim setzte der Alte wohl auf seine beiden Enkel Gert-Rudolf (genannt "Muck") und Friedrich Christian ("Mick"). Stundenlang pflegte er die Söhne von Otto-Ernst in seinem Haus am Bodensee in die Geheimnisse der Bilanz-Kunde einzuweihen.
Doch es kam nach seinem Tode anders, als er es erhofft hatte. Mit Hilfe des breitschultrigen von Brauchitsch, mit dem er damals noch gut konnte, boxte FKF die beiden Gründer-Enkel und deren Schwester aus der Firma.
Der aktuelle Anlaß war 1975 der Verkauf der knapp 30 Prozent Daimler-Aktien. Die beiden Enkel, die offenkundig während der Lehrstunden beim Großvater doch allerlei mitbekommen hatten, hielten die Trennung von dem Auto-Konzern für Unfug. Doch als beide, ebenso wie die Schwester, jeder gut 200 Millionen Mark netto als Abfindung bekommen hatten, verließen sie den Flick-Konzern.
Seither verwalten sie von Luzern und New York aus ihre Millionen und heiraten abwechselnd immer schönere Frauen. In der Regenbogenpresse sind Mick und Muck, wenn Caroline von Monaco, Heini von Thyssen oder Adnan Chaschuggi gerade mal ausfallen, immer für ein paar Zeilen gut.
Die unternehmerische Schaffenskraft des Friedrich Karl Flick war hingegen mit der Verabschiedung der Neffen und mit dem Verkauf der Daimler-Aktien weitgehend erschöpft. Er beschränkte sich in den Folgejahren auf die private Nutzung seines Wohlstands. Für seinen Unterhalt gingen in festlichen Jahren 20 bis 30 Millionen Mark drauf.
FKF heiratete zweimal. Doch weder die Verbindung mit einer neunzehnjährigen Studentin noch die mit Ursula, der Tochter eines Forstmeisters, die ihm zwei Töchter gebar, hielt sehr lange. Seit ein paar Jahren ist er nun mit Ingrid Ragger liiert. Flick lernte die 25jährige beim Skifahren am Arlberg kennen, wo sie im Hotel Hospiz an der Rezeption tätig war.
In dem Ambiente, wo Friedrich Karl Flick sich wohl fühlt, an einem blankgescheuerten Holztisch voller Bierhumpen in einem bayrischen oder österreichischen Jagdhaus, wird die Industriepolitik der Zukunft nicht mehr gemacht.
Die Pläne für die industrielle Neu-Zeit entspringen kühlen Köpfen in großen Konzernzentralen. Gemessen an den Milliarden-Beträgen, die Firmen wie Daimler-Benz oder Siemens über den Globus schieben, ist selbst FKF ein armer Mann. Und gemessen am Reichtum und am industriellen Einfluß der allgegenwärtigen Deutschen Bank ist Flick ein Mann von vorgestern.
Mit dem Flick-Geschäft ist der Bank ein atemberaubender Coup gelungen, der ihre ohnehin zentrale Stellung im westdeutschen Wirtschaftsgefüge noch weiter befestigt. Das Geschäftsvolumen der Deutschen Bank wird sich in diesem Jahr der 250-Milliarden-Mark-Grenze nähern. Das bedeutet, daß aus dem "Frankfurter Dom", wie die Deutsche-Bank-Zentrale spöttisch genannt wird, inzwischen fast soviel Geld bewegt wird, wie der gesamte westdeutsche Staatshaushalt ausmacht.
Das deutsche Universalbanksystem, das den Kreditinstituten zugleich die Kreditvergabe und den Besitz von Firmen erlaubt, hat die deutschen Banken, allen voran die Deutsche, in eine auch im internationalen Vergleich beispiellose Machtposition gebracht.
Selbst für staatstreue Beamte wie den Präsidenten des Berliner Kartellamts Wolfgang Kartte ist inzwischen unklar, ob die Banken mit ihrer "enormen Macht" noch die "marktwirtschaftliche Ordnung im Hinterkopf haben".
Die Deutsche Bank mehrt ihren Gewinn nicht nur durch die Verkaufs-Operation, sie wird wohl auch danach noch vom Privatier Flick profitieren. Vorstandssprecher Christians: "Die Deutsche
Bank ist guter Hoffnung, einen Teil dieses Erlöses wieder verwalten zu können."
Bei der Daimler-Übernahme der AEG verhandelte die Deutsche Bank in Gestalt ihres Chefs Alfred Herrhausen und des AEG-Aufsichtsrats Klaus Kuhn, der dem Institut nahesteht, sozusagen mit sich selbst. Im Fall Flick haben die Bankiers zwar versprochen, die Aktien breit zu streuen. Mißtrauisch geworden, will der Kartellamts-Beamte Siegfried Klaue, der für die Angelegenheit zuständig ist, der Bank "besonders scharf auf die Finger sehen", ob alles wie versprochen geschieht.
Daß die Bankiers am Ende des Verkaufs noch mehr als vorher in den Aufsichtsräten von Firmen wie Feldmühle, Dynamit Nobel und Buderus zu sagen haben, ließe sich dennoch nicht vermeiden. Werden die Aktien aus Flicks Firmenvermögen tatsächlich breit gestreut, dann sind unter den Käufern gewißlich viele, die ihre Depots von der Deutschen Bank verwalten lassen. Ein gut Teil dieser Aktionäre wird auf den Hauptversammlungen von der Bank vertreten. Mit diesem sogenannten Depotstimmrecht können die Bankiers dann die Aufsichtsräte richtig aufmischen.
Unverzichtbar für Milliarden-Transfers wie dem bei Flick oder bei der AEG mögen die Männer des Geldgewerbes in fortgeschrittenen Wirtschaftssystemen ja durchaus sein. Doch das Ausmaß an wirtschaftlicher Machtkonzentration, das bei der Flick-Aktion wieder sichtbar wurde, paßt nicht so recht zu einer Gesellschaftsordnung, die auf Machtverteilung und Machtbalance ausgelegt ist.
Eine Kontrolle über den Bank-Giganten findet nicht statt. Nur in ihrer Hauptversammlung sind die Bankiers ihren Aktionären verantwortlich. Da fast alle Aktionäre ihre Stimmrechte den Banken, damit auch der Deutschen Bank, überlassen, kontrollieren die Vorstandsmitglieder sich praktisch selbst.
Für den Fall der Fälle hat die Deutsche Bank jeden möglichen Fremdeinfluß ausgeschaltet. Mehr als fünf Prozent der Stimmen darf in ihrer Eigentümer-Versa mmlung kein einzelner Aktionär vertreten.
Ob die Deutsche Bank, gewissermaßen das Zentralkomitee der deutschen Wirtschaft, in seinem Frankfurter Dom die Geschicke der deutschen Industrie und damit die Lebensumstände von Millionen Arbeitnehmern schon längst mehr bestimmt als jede Partei und jeder Politiker - dem Mann mit den Milliarden dürfte es egal sein.
Friedrich Karl Flick wird, wenn er es sich nicht wieder einmal ganz anders überlegt, nicht jenen Unternehmergrößen folgen, die nach dem Kassemachen ins Tessin oder sonstwohin verschwanden. FKF will sein Geld im geliebten Bayern genießen: "Schon wegen des hohen Reinheitswertes des deutschen Bieres würde ich nicht auswandern."
[Grafiktext]
Umwandlung in eine AG: AUSVERKAUF Friedrich Flick Industrieverwaltung KG aA, Düsseldorf; Kapital: 700 Millionen Mark ZUM JAHRESENDE wird über die Deutsche Bank verkauft: Gruppe Buderus Buderus AG, Wetzlar; Kapital: 101,5 Mill. Mark Edelstahlwerke Buderus AG Wetzlar; Kapital: 32,5 Mill. Mark Krauss-Maffei AG, München; Kapital: 16,25 Mill. Mark Senkingwerk GmbH, Hildesheim; Kapital: 2 Mill. Mark Buderus-Handel GmbH, Wetzlar; Kapital: 10 Mill. Mark Ferrum GmbH, Dinkelscherben; Kapital: 2 Mill. Mark Omniplast GmbH & Co., Ehringshausen; Kapital: 5 Mill. Mark Daimler-Benz AG, Stuttgart; Kapital: 1,7 Mrd. Mark W. R. Grace & Co., Hartford/USA; Buchwert des Aktienkapitals: 2,2 Mrd. Dollar Gruppe Dynamit Nobel Dynamit Nobel AG, Troisdorf; Kapital: 140 Mill. Mark GmbH zur Verwertung chemischer Erzeugnisse, Troisdorf; Kapital: 18 Mill. Mark Deutsche Jagdpatronenfabrik Rottweil GmbH, Troisdorf; Kapital: 0,5 Mill. Mark Vereinigte Jute Spinnereien GmbH, Bad Hersfeld; Kapital: 4 Mill. Mark Gruppe Feldmühle Feldmühle Vermögens-Verwaltung AG, Düsseldorf; Kapital: 120 Mill. Mark Feldmühle AG Düsseldorf; mit elf Werken in der Bundesrepublik, Kapital: 327 Mill. Mark Feldmühle Kyocera Europa Elektronische Bauelemente GmbH, Plochingen; Kapital: 2 Mill. Mark Papierfabrik Baienfurt GmbH, Baienfurt; Kapital: 8 Mill. Mark zunächst aus dem Verkauf ausgeklammert: Ziffern neben den Pfeilen = Anteile in Prozent Versicherungs-Holding der Deutschen Industrie GmbH, Düsseldorf; Kapital: 182 Mill. Mark Gerling-Konzern Versicherungs-Beteiligungs-Aktiengesellschaft, Köln; Kapital: 140 Mill. Mark Gerling-Konzern Allgemeine Versicherungs-AG, Köln; Kapital: 87 Mill. Mark Gerling-Konzern Welt-Versicherungs-Pool Aktiengesellschaft, Köln; Kapital: 30 Mill. Mark Gerling-Konzern Globale Rückversicherungs-AG, Köln; Kapital: 51 Mill. Mark Kapitalfonds- Kapitalanlagegesellschaft mbH, Köln; Kapital: 1 Mill. Mark Gerling-Konzern Rechtsschutz Versicherungs-AG, Köln; Kapital: 7,5 Mill. Mark Gerling-Konzern Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft, Köln; Kapital: 26 Mill. Mark Gerling-Konzern Friedrich Wilhelm Lebensversicherung AG, Köln; Kapital: 12 Mill. Mark Gerling-Konzern Standard Versicherungs-AG, Köln; Kapital: 17 Mill. Mark Gerling-Konzern Speziale Kreditversicherungs- AG, Köln; Kapital: 11 Mill. Mark
[GrafiktextEnde]
Ingrid Ragger; auf dem Münchner Opernball 1984. Auf dem Porträt oben rechts. Konrad Kaletsch. Dagmar, Friedrich Christian, Barbara verheiratet mit Otto Ernst Flick, Gert Rudolf, Ursula und ihr Mann Friedrich Karl. Am 29. 8. 1985 vor dem Bonner Landgericht.

DER SPIEGEL 50/1985
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