23.09.1985

Hat die Bibel doch nicht recht?

Der libanesische Historiker Kamal Salibi verlegt die Stätten der Heiligen Schrift (II) *
Was bedeutet "sgn"? Je nachdem welche Vokale zwischen die drei Buchstaben geschoben werden, kann es "sagen" oder "Segen" heißen oder "siegen", vielleicht auch "saugen" oder "säugen" - wer weiß.
Vor Fragen dieser Art stehen Bibelwissenschaftler, wenn sie im hebräischen Urtext ein Wort lesen wollen, dessen Bedeutung sich nicht aus dem Zusammenhang erschließt, denn die Schrift der alten Hebräer kannte keine Vokale.
Wo das Wissen fehlt, muß hie und da der Glaube Buchstaben versetzen. Erst in der Zeit zwischen 600 und 1000 nach Christus fügten jüdische Schriftgelehrte, die sogenannten Masoreten ("Überlieferer"), die zum Lesen nötigen Vokalzeichen in die Texte - und damit zugleich eine Fülle von unbeabsichtigten Fehlern, wie es nicht anders sein kann bei einer Sprache, die seit über einem Jahrtausend nicht mehr gesprochen wurde.
Diese Schwäche des Bibeltextes kommt jetzt dem libanesischen Historiker Kamal Salibi zustatten, wenn er die These aufstellt: Die in der Bibel erzählten Ereignisse zwischen 2000 und 586 vor Christus hätten sich nicht in Palästina zugetragen, sondern im südwestlichen Saudi-Arabien, in Asir. Der Text müsse nur richtig gelesen werden.
Da gibt es etwa das hebräische Wort "thwm". Die Masoreten lasen es als "tehom", und das bedeutet das Tiefe, der Ur-Ozean. Es kommt im Segen Jakobs vor, wo es poetisch schön und dunkel heißt, der Allmächtige werde Jakobs Sohn Joseph segnen "mit Segen von der Tiefe, die unten liegt" (1. Mose 49, 25). Salibi setzt andere Vokale in das überlieferte "thwm", und heraus kommt Tihama. Das aber ist noch heute der Name für einen Wüstenstreifen in der Küstenregion von Asir.
Der Segensspruch des biblischen Patriarchen bekommt auf diese Weise eine durchaus praktische Bedeutung, er wird zur Umschreibung von Gebietsansprüchen des Stammes. Das hebräische "segnen" könnte im übertragenen Sinn auch als "ansiedeln" übersetzt werden.
Nicht nur, daß die sprachliche Gestalt der Bibel zu derlei linguistischer Akrobatik einlädt, längst haben die Theologen auch die Zuverlässigkeit der Bibel als Geschichtsquelle in Zweifel gezogen. Palästina oder Asir - der überlieferte Bibeltext ist da nicht so eindeutig, als daß sich mit ihm allein Salibis These auf Anhieb widerlegen ließe.
Schon die sogenannte Septuaginta, eine im 3. Jahrhundert vor Christus entstandene Übersetzung der Bibel ins Griechische, setzt einen hebräischen Text voraus, der an manchen Stellen "erheblich vom hebräischen Masoretentext
abweicht" ("Bibellexikon"); es muß also verschiedene Fassungen gegeben haben.
Aber auch die Septuaginta hat möglicherweise von ihren Vorlagen falsch übersetzt. Salibi ist der Meinung, daß die Übersetzer bereits westarabische Ortsnamen mit Namen aus dem Nahen Osten vertauscht haben könnten.
Welche der überlieferten Textformen - Septuaginta oder Masoreten - der Ursprungsfassung am nächsten kommt, ist meist nicht mehr auszumachen. Die hebräischen Texte, auf die sie zurückgehen, existieren nicht mehr. (Die ältesten erhaltenen hebräischen Handschriften sind die in den Kumran-Höhlen am Toten Meer gefundenen aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert.)
Auf welche Weise auch immer der Text überliefert sein mag - unter den alttestamentlichen Wissenschaftlern gilt längst als ausgemacht, daß die im Alten Testament geschilderten Ereignisse vermutlich eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit, wenn nicht weitgehend frei erfunden sind.
Von dem katholischen Theologen Herbert Haag wird diese Lehre so zusammengefaßt: _____" Da trotz einer mehrhundertjährigen Gelehrsamkeit die " _____" sprachliche, inhaltliche und theologische " _____" Charakterisierung und Datierung der einzelnen Schriften " _____" immer noch zu oft stark divergierenden Resultaten führen, " _____" ist auch die auf Quellenanalyse aufbauende Geschichte der " _____" israelitischen Historie, zumal was die Einzelheiten " _____" angeht, ganz hypothetisch. "
Der Kieler Alttestamentler Herbert Donner sagt es seinen Lesern mit vermutlich ungewolltem Zynismus: "Sicherlich hat sich nicht alles in der geschilderten Weise ereignet, aber es hätte sich durchaus so ereignen können."
Wie schwach die Belege für Zeit, Ort oder auch nur das blanke Ereignis biblischer Berichte in Wahrheit sind, wird erst richtig deutlich, wo Wissenschaftler zum Detail Stellung nehmen.
Zum Beispiel Abraham. Wo der Ausgangspunkt des Erzvaters ist, wo das biblische Ur "im Land der Kaldäer" wirklich lag, darüber ist für den Schweizer Alttestamentler Othmar Keel "nichts Sicheres zu sagen, außer daß es wohl in Mesopotamien zu suchen ist".
Auch über den Aufenthalt Abrahams in Haran gebe es "weder in außerbiblischen Quellen noch durch archäologische Ausgrabungen" irgendwelche Andeutungen. Überhaupt findet sich, sagt Keel, "außerhalb der Bibel weder über die Existenz der Erzväter noch über ihre Herkunft auch nur eine einzige Andeutung".
Oder Mose. Ob es diesen berühmten Volksführer und Propheten Israels wirklich je gegeben hat - "niemand weiß genau, wer Mose war", schreibt Donner. Auf jeden Fall sei die Geburtsgeschichte des Mose (ausgesetzt in einem Korb im Schilf des Nils und von einer ägyptischen Prinzessin gefunden) "schlicht unhistorisch".
Wissen nahe Null herrscht über Israels "Exodus", den Auszug aus Ägypten unter der Führung des Mose. Was daran
eventuell historisch gewesen sein könnte, hätte sich, mutmaßte Martin Noth, wohl einer der bedeutendsten Alttestamentler dieses Jahrhunderts, "irgendwo in Arabien" abgespielt haben können.
Vom Durchzug der Israeliten durchs Rote Meer weiß die Forschung laut Donner nicht, "wann, wo und wie es geschah", die Wüstenwanderung durch den Sinai und der Empfang der Zehn Gebote seien "noch weniger zu fassen als der Auszug und die Errettung am Schilfmeer".
Im dunkeln liegt Israels zentrales Ereignis, der Bundesschluß am Sinai. Schon der Ort, in der Bibel "der Berg", "Berg Gottes", "Berg Horeb" oder "Sinai" genannt, ist nicht auszumachen. Der Alttestamentler Gustav Hölscher vermutete ihn bereits in den vierziger Jahren nicht auf der Sinai-Halbinsel, sondern östlich des Golfs von Akaba.
"Überaus unsicher" war bereits für den 1968 verstorbenen Noth nahezu alles, was auf die Zeit der Wüstenwanderung folgte: die sogenannte Landnahme Israels im heutigen Palästina. "Die redaktionelle Arbeit" habe an den betreffenden Stellen in den Bibeltext "tiefer eingegriffen", und "spätere Ergänzungen" nähmen dabei "einen breiteren Raum ein, als man gewöhnlich annimmt".
Der Münsteraner Alttestamentler Oswald Loretz wird noch deutlicher: In der Bibelwissenschaft sei heute "völlig umstritten, ob die Israeliten überhaupt eingewandert sind oder ob sie nicht vielmehr, wofür eine Menge spricht, aus Palästina stammen".
Unklar ist für die Wissenschaftler, wo die einzelnen Stammesgebiete der zwölf Stämme gelegen haben - allen biblischen Landkarten zum Trotz, die dies zu wissen vorgeben. Und wie es nach der Landnahme weiterging in der sogenannten Königszeit Israels (etwa 1000 bis 587 vor Christus) - auch darüber kann die Forschung nichts Verbindliches sagen.
Selbst für so bedeutende biblische Gestalten wie die Könige Saul, David und Salomo gibt es keinen einzigen archäologischen Befund, der ihre Existenz beweist. "Die Namen Saul, David, Salomo erscheinen ... in keiner außerbiblischen Urkunde", bekennt der Münchner Alttestamentler Josef Scharbert, und er verrät noch mehr: "Verwertbare außerbiblische schriftliche Quellen aus dieser Epoche liegen so gut wie keine vor."
Dasselbe gilt für Salomos Tempel, von dessen Überresten in Jerusalem bislang kein einziger Stein gefunden wurde - eine Tatsache, die mittlerweile in jeden halbwegs seriösen Heilig-Land-Führer Eingang gefunden hat. So schreibt der irische Dominikanerpater Jerome Murphy-O''Connor: "Von diesem Tempel, den Zorobabel um 520 v. Chr. wieder aufbauen ließ, nachdem die Babylonier ihn 587 v. Chr. zerstört hatten, fand sich nie mehr eine Spur."
Der protestantische Theologe Konrad Rupprecht bezweifelt sogar, daß Salomo ihn je gebaut habe. Rupprecht vermutet, daß der weise König in Jerusalem ein Heiligtum der Jebusiter vorfand und es einfach zum Jahwe-Tempel umfunktionierte.
Zahlreiche Alttestamentler beider christlicher Konfessionen nehmen an, daß "Israel" als Volk überhaupt erst nach dem babylonischen Exil (ab 536 vor Christus) entstanden ist. Was die Bibel über den Zeitraum vorher so wortreich mitteilt, ist für moderne Wissenschaftler, so referiert der Jesuitenpater Helmut Engel, lediglich "religiöses Zeugnis, geschichts-theologischer Entwurf und Bestimmung des ''Anfangs''".
Ähnlich zurückhaltend beantwortet Alttestamentler Keel die Frage nach dem "Land Israel" (hebräisch: Erez jisrael) in vorbabylonischer Zeit: "Weder die alten Israeliten noch die Philister noch irgendein anderes Volk haben jemals das gesamte Israel/Palästina besiedelt ... Die Einheit Palästinas lebt also nur in der Ideologie und auf den Landkarten der Strategen."
Und selbst von "den" Israeliten kann nach Meinung der Forscher nicht so ohne weiteres gesprochen werden. Mal werde das Wort als Personenname, mal für eine Stämme-Gruppe, mal auf einen politischen und mal auf einen religiösen Zusammenschluß angewendet.
Es scheint nicht eben viel, was an handfester Historie übrigbleibt, nachdem die kritische Bibelforschung derart gründlich in den heiligen Texten herumgeräumt hat. Bei dem Historiker Salibi ist das ganz anders:
"Statt die Geographie der Bibel als gegeben anzunehmen und ihre Glaubwürdigkeit als Geschichtsquelle in Frage zu stellen", erklärt der Sohn einer protestantischen Beiruter Familie, "werde ich ihre historische Realität als gegeben hinnehmen und ihre geographischen Angaben in Frage stellen."
Bleiben noch die Argumente aus Sand und Stein, die er abwehren muß, um seine These zu halten, jene archäologischen Fundstücke, die teilweise seit über einem Jahrhundert als eindeutige Belege für die Lokalisierung biblischer Ereignisse im heutigen Israel hochgehalten werden.
Zu diesen vermeintlichen Kronzeugen zählt der Moabitische Stein, seit er 1868 im Bergland östlich des Toten Meeres entdeckt wurde. Der Stein, der heute im Louvre steht, trägt eine Inschrift aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. Sie besagt, daß Mesa, der König von Moab, "in Qarhoh" ein Heiligtum errichtete, weil sein Gott ihn vor den Israeliten gerettet habe.
Die Moabiter waren Nachbarn der Israeliten; über den Streit, von dem der Gedenkstein spricht, berichtet die Bibel in 2. Könige 3.
Was aber ist Qarhoh, der Fundort des Steins? Nach bisheriger Lesart: die Residenz des Moabiterreiches, eines Gebiets östlich des Toten Meeres. Wenn das stimmt, dann lag das Nachbarreich Israel damals wirklich in Palästina.
Aber es stimmt so nicht, sagt Salibi. Wenn man nämlich die Inschrift des
Steins richtig liest, dann zeigt sich, was Salibi auch beim Lesen biblischer Texte immer wieder glaubt gefunden zu haben: Alle Ortsnamen lassen sich im südlichen Hedschas und im Hochland von Taif identifizieren. "Es gibt nichts am ''Moabitischen Stein'', was darauf hindeutet, daß Moab ein alter Name für das Bergland östlich des Toten Meeres war."
Salibi-Version: Erst nachdem der moabitische König, wie ihn die Bibel beschreibt, von Israel vernichtend geschlagen worden war, gab er sein westarabisches Königreich auf, um sich in sicherer Entfernung von seinen Gegnern niederzulassen und eine neue Hauptstadt zu errichten - Qarhoh in Westjordanien.
Ein ähnlich schwacher Beleg für Palästina als biblischen Ort ist in den Augen Salibis jene Felsinschrift, die 1880 im sogenannten Siloah-Tunnel in Jerusalem gefunden wurde und die beschreibt, wie dort Männer von beiden Enden her einen Wassertunnel gegraben haben. Obgleich in der Inschrift keinerlei Personen- und Ortsnamen erwähnt werden, gilt sie vielfach als Bestätigung der Bibeltexte 2. Könige 20, 20 und 2. Chronik 32, 30. Die beiden Stellen erzählen von einem Teich und einer Wasserleitung, die König Hiskia von Juda baute.
Salibi tut diese Deutung als wilde Spekulation ab: "Wasserleitungen sind zu allen Zeiten gebaut worden." Nur wenn die Inschrift den Namen Jerusalem erwähnen würde und den Zusatz "dieser Tunnel wurde unter der Herrschaft des Königs Hiskia gegraben", wäre sie eine klare Bestätigung der Bibeltexte.
Noch aus zwölf anderen in altem Hebräisch verfaßten Inschriften Palästinas hat die Bibelwissenschaft "mehr Informationen herausgepreßt, als sie eigentlich hergeben" (Salibi). Typisches Beispiel: die beschrifteten Tonscherben, die 1910 bei Nablus gefunden und als Ostraka von Samaria betitelt wurden, obgleich sie nichts von Samaria berichten.
Diese Tonscherben, die auf 778 bis 770 datiert werden (Salibi: "Die Genauigkeit der Datierung ist schon höchst verdächtig"), enthalten Berichte über kommerzielle Transaktionen, an denen Juden beteiligt gewesen sein könnten, wenn man nach den erwähnten Personennamen urteilt. Die Texte nennen jedoch keinen einzigen biblischen Ortsnamen, und sie weisen weder auf eine biblische Gestalt noch auf ein biblisches Ereignis hin.
Wenn ihre Datierung stimmt, würden diese Tonscherben nur beweisen, daß im 8. Jahrhundert vor Christus Israeliten in der Nablus-Region von Palästina gelebt haben und daß im Palästina der biblischen Zeit auch Hebräisch gesprochen wurde - und das hat Salibi nie bestritten. "Die Funde beweisen mit Sicherheit nicht, daß die Stelle, an der sie gefunden wurden, das biblische Samaria war."
Und auch darin hat der Beiruter Historiker möglicherweise recht: Wenn Archäologen bei der palästinensischen Stadt Beerscheba die Überreste alter Befestigungsanlagen fänden, seien das damit noch nicht automatisch israelitische Befestigungsanlagen.
Beweiskräftig sind wohl selbst die sogenannten Lachis-Ostraka nicht, die zwischen 1932 und 1938 auf dem Tall al-Duwair in Südpalästina gefunden wurden und die gemeinhin als nahezu unanfechtbare Beweise dafür gelten, daß der Fundort das biblische Lachis war.
Als Bibelarchäologen wie W. F. Albright diese Ostraka lasen, waren sie überzeugt, auf Ostrakon IV die biblischen Orte Lachis und Aseka, auf Ostrakon VI sogar einen Hinweis auf das biblische Jerusalem gefunden zu haben (und damit den einzigen Hinweis auf Jerusalem in einer palästinensischen Inschrift).
Für Salibi beweisen beide Ostraka "in Wirklichkeit gar nichts", außer "der Tatsache, daß die entscheidenden Sätze falsch übersetzt worden sind". Das stark beschädigte Ostrakon VI etwa wird von Albright so übersetzt: _____" (Und jetzt) mein Herr, wollt ihr ihnen nicht " _____" schreiben, indem ihr sagt, warum geht ihr so (sogar) nach " _____" Jerusalem? "
Den Ortsnamen Jerusalem (hebräisch: yrwslym) rekonstruiert Albright aus den auf der Tonscherbe enthaltenen Buchstaben "slm". Salibi hält diese "Lesart" für "unehrlich". Er selbst entziffert das Fragment so: "Mein Herr, willst du nicht schreiben ... du tust so ... slm."
"Es ist nun einmal so", kommentiert er, "daß weder das fragliche Ostrakon noch irgendeine der ''hebräischen'' Inschriften, die bis jetzt in Palästina entdeckt worden sind, einen klaren Hinweis auf Jerusalem oder irgendeinen anderen
biblischen Ort oder eine biblische Person geben."
Einiges zu knacken gibt es für Salibi an den sogenannten Amarna-Briefen, die 1887 von einer Bäuerin im mittelägyptischen El-Amarna in den Ruinen der Residenz Amenophis IV., genannt Echnaton (1353 bis 1336 vor Christus), entdeckt wurden. Die Tontafeln berichten in Keilschrift unter anderem von dem Ärger, den Vasallen der ägyptischen Regierung mit einheimischen Stammesfürsten einiger asiatischen Provinzen hatten - Provinzen, die bislang für Syrien und Palästina gehalten wurden.
Salibi gibt zu: "In der Tat entsprechen einige Ortsnamen, die in den Amarna-Briefen aufgeführt sind, Ortsnamen sowohl in Palästina als auch in Westarabien." Doch "nur in Westarabien ergeben die Amarna-Ortsnamen ein zusammenhängendes Ganzes". Salibi führt 30 Beispiele für Orte in Westarabien auf, die "die genaue konsonantische Schreibweise der Tafeln von Amarna bewahrt haben", anders als in Syrien/Palästina, "wo diese Namen größtenteils nicht zu finden sind".
Und Salibi will überdies festgestellt haben, daß die Geographie dieser Orte stimmt, sobald man sie in Westarabien lokalisiert: "Die Art, wie sie gruppiert sind - so sprechen die verschiedenen Amarna-Briefe von verschiedenen westarabischen Ländern und Landschaften -, schließt andere Gebiete als Westarabien aus. Nur in Westarabien ergeben die Briefe einen geographischen Sinn."
Dies würde einer These des ägyptischen Archäologen Abd el-Asis Salih entgegenkommen, der annimmt, daß bereits im 15. Jahrhundert vor Christus der Pharao Thutmosis III. Feldzüge nach West- und Südwestarabien unternommen hat.
Auch die Listen des ägyptischen Herrschers Scheschonk I. (945 bis 924 vor Christus), die in Karnak gefunden wurden, bezeugen nach Salibis Meinung ägyptische Verbindungen nach Westarabien - und nicht, wie bisher angenommen, nach Palästina. An die hundert Orte aus den Scheschonk-Berichten identifiziert er zwischen Ägypten und Asir, darunter alle genannten Städte Israels, "präziser, als sie in Palästina zu identifizieren sind".
Mit seiner Ortsnamen-Akrobatik glaubt Salibi auch ein besonders gewichtiges Zeugnis bisheriger Bibelgeographie aus dem Weg räumen zu können: jenes Megiddo - angeblich Schauplatz derart vieler Schlachten, daß der Name zum Symbol für kriegerisches Gemetzel wurde und in der Verballhornung "Harmagedon" (so wird der Ort in der neutestamentlichen Offenbarung des Johannes genannt) noch heute fortlebt.
Gleich zweimal, in 2. Könige 23 und 2. Chronik 35, berichtet die Bibel, daß Josia, der König von Juda, bei Megiddo im Kampf gegen Pharao Necho gefallen sei. Necho zog weiter, um sich bei Karchemis mit den Babyloniern zu schlagen. Zugetragen hat sich das alles vermutlich zwischen 609 und 604 vor Christus.
Was von Megiddo übrigblieb, ist heute unter dem Namen Tall al-Mutasallim zu besichtigen, ein Stolz der Archäologen, vor allem der israelischen. Dieses Megiddo liegt nicht weit von Haifa entfernt, und seine Besucher können in einem Museum Fundstücke (oder deren Nachbildungen) bestaunen, die bislang als Bestätigung dafür gelten, daß der Ruinenhügel tatsächlich das alte Megiddo ist.
Den Historiker Salibi ficht das nicht an. Das biblische Megiddo, so erklärt er, _(Der Tunnel diente dazu, das Wasser der ) _(Gihon-Quelle in ein Reservoir innerhalb ) _(der Stadtmauern Jerusalems zu leiten. ) _(Text: "... das Durchbohren. Dies ist die ) _(Geschichte des Durchbohrens. Als noch ) _(... (die Arbeiter ihre?) Hacken ) _((schwangen?), jeder zu seinem Gefährten ) _(hin, und als noch drei Ellen zu ) _(durchbohren waren, (hörte man) die ) _(Stimme eines Mannes, der dem anderen ) _(zurief, denn da war ein Spalt (?) an der ) _(rechten Seite ... Und am Tag des ) _(Durchbruchs begegneten sich die Arbeiter ) _(Mann gegen Mann, Hacke gegen Hacke, und ) _(das Wasser floß von der Quelle zum ) _(Teich, 1200 Ellen weit, und 100 Ellen ) _(war die Dicke des Felsens über den ) _(Köpfen der Arbeiter." )
sei "in Palästina niemals namentlich gefunden" worden. In Asir dagegen gibt es drei Orte, deren Namen dem biblischen Megiddo entsprechen: Maqdi, Magda und Suaib Maqda.
Auch Karchemis bleibt nicht am alten Platz. Die Bibel, sagt Salibi, habe "sicherlich nicht das hethitische Kargamesa, heute Jerablus am Euphrat", gemeint. Seine Version geht so: _____" Das genaue Studium des Feldzugs, der von Necho II. in " _____" den letzten Jahren des siebten Jahrhunderts vor Christus " _____" durchgeführt wurde, würde zeigen, daß auch dieser " _____" Feldzug, bei dem es zu Auseinandersetzungen mit einem " _____" König von Juda und mit Babyloniern kam, gegen Westarabien " _____" gerichtet war. Die Schlacht von Karchemis zwischen den " _____" Ägyptern und den Babyloniern fand bei Taif im südlichen " _____" Hedschas statt, wo noch zwei benachbarte Orte mit den " _____" Namen Qarr und Qumasa existieren. "
Historikern und Archäologen, die für diese Lesart vermutlich nur Spott übrig haben, gibt Salibi zu bedenken, die Forschung habe unkritisch die Ortsnamen ägyptischer Quellen "mit bekannten palästinensischen und syrischen Ortsnamen gleichgesetzt, anstatt das Original zu umschreiben, wie es eigentlich sein sollte".
Daß die Abwertung alter Kronzeugen nicht nur die Spezialität Salibis ist, demonstriert der Schweizer Alttestamentler Keel mit seinem Urteil über die berühmte Israel-Stele. Auf diesem Gedenkstein aus dem 13. Jahrhundert vor Christus ist von einem Sieg des Pharaos
Mernefta über Einwohner Kanaans die Rede, und da heißt es: "Israel liegt brach und hat kein Saatkorn."
"Wer oder was ist hier mit Israel gemeint?" fragt Keel fast resigniert. "Die einzige für uns aus diesem Text entnehmbare Aussage ist, daß etwa um 1220 vor Christus irgendwo in Kanaan eine Gruppe lebte, die den Namen Israel trug." Daß es sich um das biblische Israel handelte, sagte der Text nicht.
Daß sich trotz der insgesamt ungeheuren Ausgrabungstätigkeit im Gebiet des alten Palästina kaum Spuren fanden, die eindeutig der biblischen Geschichte der hebräischen Bibel zugeordnet werden können, hat vor allem die Bibelarchäologen zu einer neuen Definition ihrer Arbeit gebracht.
"Die Bedeutung der Archäologie für die geschichtliche Erkenntnis", sagt der Alttestamentler Wolfgang Leineweber abwiegelnd, dürfe "nicht überschätzt werden". Denn: "Geschichtliche Ereignisse, das Handeln geschichtlicher Personen und der Verlauf geschichtlicher Einzelvorgänge ... sind ihrer Natur nach im allgemeinen archäologisch nicht erfaßbar."
Der französische Dominikanerpater Roland de Vaux erhebt das Fehlen archäologischer Funde gar zum theologischen Prinzip. "Man muß verstehen, daß die Archäologie die Bibel nicht ''beweisen'' kann", erklärt er, "die Wahrheit der Bibel liegt auf religiöser Ebene. Sie spricht von Gott und Mensch in ihren gegenseitigen Beziehungen. Diese spirituelle Wahrheit kann durch die materiellen Entdeckungen der Archäologie weder bewiesen noch widerlegt, weder bestätigt noch ungültig gemacht werden."
Die Tendenz, die Palästina-Archäologie zu apologetischen Zwecken einzusetzen und notfalls zu mißbrauchen, begann vor über 100 Jahren, als die 1870 in New York gegründete "Palestine Exploration Society" dekretierte: "Was immer die biblische Geschichte in bezug auf Zeit, Ort und Umstände als tatsächlich erweist, ist eine Zurückweisung des Unglaubens."
Stets gibt es seither sowohl im christlichen wie im jüdischen Bereich neben einer rein wissenschaftlich orientierten Archäologie auch jene, die partout demonstrieren will, daß die Bibel recht habe.
Das wohl bekannteste Beispiel solchen Mißbrauchs der Archäologie bietet Werner Kellers erstmals 1955 erschienener Bestseller "Und die Bibel hat doch recht" (Weltauflage nach Verlagsangaben 9,5 Millionen Exemplare).
Noch Ende vergangenen Jahres bot die konservative jüdische "Biblical Archaeology Review" (Washington, D.C., Auflage 100 000) ihren Lesern das Keller-Buch für 10,95 Dollar an.
Für Historiker wie moderne Bibelwissenschaftler ist das Werk (Untertitel: "Forscher beweisen die historische Wahrheit") nicht nur im Ansatz falsch. Es verrät auch in zahlreichen Schlußfolgerungen die Souveränität des Einfältigen. Beispiele: *___Weil Archäologen Statuen, Sphinxe, Stelen und ____Gebäudereste mit Insignien des Pharaos Ramses II. ____gefunden haben, gibt es für Keller "keinen Zweifel ____daran", daß die Kinder Israels "der Baulust des Pharaos ____zum Opfer" gefallen waren. In Wahrheit fehlt jeglicher ____Beweis dafür, daß ausgerechnet Israeliten für den ____Pharao gebaut haben. *___Über die Wüstenwanderung der Israeliten aus Ägypten ____nach Kanaan hat Keller "ein ausreichend anschauliches ____Bild ... aus den wenigen Orten, die die Forschung noch ____einwandfrei lokalisieren konnte". In Wahrheit vermag ____die Forschung keinen einzigen Ort der Wüstenwanderung ____einwandfrei zu lokalisieren. *___Nach Keller stößt Josua bei Jericho auf das "erste ____ernstzunehmende Hindernis", "ein Meisterstück ____strategischen Festungsbaus". Tatsächlich haben die ____Archäologen nachgewiesen, daß zur Zeit Josuas an dieser ____Stelle überhaupt keine Stadt bestanden hat. *___Weil Archäologen unter den Trümmern der Stadt Hazor ____eine Brandschicht fanden, die aus dem 13. Jahrhundert ____stammen könnte, folgerte Keller: "Eine Brandschicht ____kündet von einer schweren Feuersbrunst in dieser Zeit. ____Das war die Eroberung durch Josuas Scharen!" In ____Wahrheit gibt es für Josua als Verursacher nicht den ____geringsten archäologischen Hinweis.
"Archäologische Funde finden sich überall im Nahen Osten", umreißt Salibi das Problem. "Ausgrabungen sind eine Sache, die Auswertung der Ergebnisse eine andere - und darin liegt der Unterschied zwischen der wissenschaftlichen Archäologie des Nahen Ostens und dem, was Bibelarchäologie genannt wird."
Biblische Archäologie sei häufig "eine Suche nach materiellen Funden in angeblich biblischen Regionen, um archäologische und paläographische Beweise für vorgefaßte Meinungen über die biblische Geschichte vorzulegen".
Anfällig für eine solch apologetische Anwendung der Archäologie ist das heutige Israel, das sich seit der Staatsgründung in Sachen Landnahme unsicher fühlt und dafür um so mehr in seiner Geschichte Bestätigung sucht. "Wir graben nach den Wurzeln", gibt der israelische Bibelwissenschaftler Schemarjahu Talmon zu, "obwohl man Wurzeln eigentlich nicht ausgraben soll."
In keinem Land der Welt spielt die Bibel im religiösen wie weltlichen Leben
eine so überragende Rolle wie in Israel. Für gläubige Juden (etwa ein Viertel der israelischen Bevölkerung) und die in der überwiegenden Mehrzahl orthodoxen Rabbiner sind Zweifel an Aussagen der Bibel absurd, Salibis Thesen nichts als Gotteslästerung.
Aber auch die Mehrheit der liberalen und nichtreligiösen Juden hält die Bibel für die Geschichte ihres Volkes. "Wir sind stolz auf diese Geschichte", sagt Abraham Malamat, Professor für Geschichte des biblischen Zeitalters an der Hebräischen Universität in Jerusalem, "auch wenn uns manche deshalb chauvinistisch nennen."
In keinem Land der Welt haben Schüler auch in den nichtreligiösen Staatsschulen so viel Bibelunterricht wie in Israel. "Mit sieben Jahren lernen die Kinder bei uns, daß Gott dem Volk Israel das Land versprochen hat", sagt eine israelische Grundschullehrerin, "und mit zehn Jahren erfahren sie im Unterricht, daß die Israeliten das von Gott versprochene Land mit Gewalt und Gottes Hilfe eingenommen haben."
Zu einem der meistgekauften Kinderspielzeuge in Israel gehört "Antika - aus dem Land der Bibel", "für den jungen Archäologen von Sieben bis Siebzig": Ein Spielzeugkarton enthält einen Plastiksack mit Töpferscherben, die zusammengeklebt werden sollen und dann die Replik einer auf israelischem Boden gefundenen Keramik aus der Zeit zwischen dem vierten und zweiten Jahrtausend vor Christus ergeben. Die Packungsaufschrift verweist auf den tieferen Sinn: "Mehr als ein Spiel! Mehr als ein Spielzeug!"
Bücher über biblische und archäologische Themen gehören zum festen und ansehnlichen Bestand jeder halbwegs seriösen israelischen Buchhandlung. Sie beherrschen vielfach die Auslagen der Schaufenster und "gehen weg wie warme Semmeln" (Malamat).
In keinem Land der Welt lehren an den Universitäten so viele Bibelwissenschaftler und Archäologen wie an den fünf israelischen Universitäten, nämlich rund 150.
Keine Frage zwar: Dort werden Bibelwissenschaft und Archäologie mittlerweile ebenso wissenschaftskritisch gelehrt wie in Europa und den Vereinigten Staaten. Während beispielsweise Israels erste Archäologen-Generation - verknüpft mit Namen wie Benjamin Mazar, Jigal Jadin, Johanan Aharoni, Schmuel Jievin - noch die Bibel beweisen und das alte Groß-Israel ausgraben wollte, ist die heutige Archäologen-Generation sich ihrer Grenzen deutlicher bewußt geworden.
Israels Archäologen der zweiten Generation wie Amnon Ben-Toa, Mosche Dothan, Mosche Kochavi und David Ussischkin "haben eher die Tendenz, die Archäologie von der Bibelforschung zu trennen" (Archäologe Ahron Kempinski aus Jerusalem). Auf jeden Fall sind sie in der Interpretation ihrer Ergebnisse vorsichtiger als ihre Väter. Kochavi: "Wir haben unsere Lehrer teilweise korrigieren müssen."
Dennoch: Israelische Wissenschaftler wie Studenten gehen, selbst wenn sie Atheisten sind, an die Themen Bibel und Archäologie mit einem anderen Vorverständnis als die Europäer heran.
Bibel, Volk und Land werden von vornherein als untrennbare Einheit gesehen. Kritik an diesem Axiom ist tabu und wird fast immer als lebensbedrohender Angriff empfunden.
Rechten und Rechtgläubigen in Israel ist es allenfalls möglich, sich das Land größer zu denken - wie es der Chefrabbiner der israelischen Armee beim Libanon-Einmarsch 1982 einem Trupp Soldaten predigte: Es gehe um die Wiedereroberung der alten Erde. Uri Avnery, ehemaliges Knesset-Mitglied und Chef des linksliberalen israelischen Wochenmagazins "Haolam Haseh" ("Diese Welt"), sieht auf Israels rechtem Flügel einen "gefährlichen Faschismus" am Werk: "eine Ideologie aus Blut und Boden und dem Gott der Heerscharen".
Selbst die nichtreligiöse und liberale Mehrheit des Volkes sei einem "Surrogat-Territorialismus" verfallen. Avnery: "Die meisten Israelis glauben nicht an Gott. Aber sie glauben, daß Gott ihnen das Land versprochen hat."
Deshalb ist auch aus der Archäologie in Israel nicht nur eine Wissenschaft auf hohem Niveau, sondern ein Nationalsport geworden - mit quasi todernstem Hintergrund. "Archäologie", sagt der Jerusalemer Semitistik-Professor Joschua Blau, "ist für die jüdische Intelligenz in Israel eine Art Religionsersatz."
Weil das so ist, gehören in Israel auch Bibel, Archäologie und Politik zusammen. Nicht selten sind israelische Politiker selber engagierte Hobby-Archäologen - wie etwa der verstorbene ehemalige Verteidigungsminister Mosche Dajan. Und zuweilen sind Berufsarchäologen in Israel auch Politiker - wie der Jerusalemer Archäologieprofessor Jadin, der sogar _(Die Steinplatte (etwa 1220 vor Christus) ) _(erzählt vom Sieg der Ägypter über die ) _(Libyer und enthält zum erstenmal in der ) _(Geschichte das Wort "Israel". )
einmal Israels stellvertretender Ministerpräsident war.
Daß Archäologie in Israel nicht nur als Wissenschaft betrieben wird, sondern auch mit nationalem Anspruch, wurde 1984 kurz vor Beginn des Internationalen Kongresses über Bibelarchäologie in Jerusalem deutlich. Gewissermaßen zum Kongreßauftakt lancierte ein israelischer Archäologe über "Agence France-Presse" weltweit die Meldung, ein kurz zuvor ausgegrabener "Altar hebräischer Stämme auf dem Berg Ebal aus der Zeit der israelischen Landnahme in Kanaan" sei endlich die erste "konkrete Spur" aus dieser Zeit, die "mit Bibelbeschreibungen übereinstimmt".
Selbst einer Reihe von israelischen Archäologen war nach Besichtigung des Fundes klar , daß es sich um eine Fehldeutung handelte. "Man kann doch nicht", räumt der Jerusalemer Bibel-Professor Malamat ein, "von jedem Topf, den man findet, auf Abraham schließen."
Manche können. Welche Rolle der Archäologie in Israel auch zugedacht ist, zeigen exemplarisch die - unter anderem in der Bundesrepublik - weitverbreiteten Bild- und Textbände zu Israels alter Geschichte von Mosche Pearlman ("Auf den Spuren des Moses", "Auf den Spuren der Propheten", "Historische Stätten im Heiligen Land").
Der israelische Schriftsteller Pearlman, einstiger Berater Ben-Gurions und Sonderberater Mosche Dajans, steht laut Verlagsauskunft "den wissenschaftlichen Quellen und der durchgeführten archäologischen Arbeit nahe". Fachleute, unter anderem von der Hebräischen Universität Jerusalem, steuerten "wichtige Anregungen" zu den "Spuren"-Bänden bei. Dem Buch "Historische Stätten" bescheinigte Jadin, daß es "die letzten archäologischen Entdeckungen" enthalte und "wissenschaftlich genau ist".
Dennoch: In allen drei Bänden wimmelt es nur so von archäologischen Pseudo-Erkenntnissen. Kritische Ansätze wissenschaftlicher Bibelarchäologie fehlen dagegen fast ganz.
Typisch für die verzerrte Perspektive Pearlmans ist die Beschreibung der Eroberung Jerichos. So wird in dem Mose-Band (Sonderausgabe 1979) neben einem Photo vom Ausgrabungsort in Jericho wortreich die Eroberung der Stadt (die berühmte Geschichte von den Posaunen) durch Josua nacherzählt - entgegen der Beweislage. Dort wird dem Leser gar "der Schauplatz der frühen Kämpfe Josuas" im Photo gezeigt, was angesichts der Beweislage ans Groteske grenzt.
Noch in seinem Band "Historische Stätten" (3. Auflage: 1983) hat Pearlman nichts dazugelernt, er spricht von "dramatischen Ausgrabungen" und "Entdeckungen", die "neue Schätze ans Licht" gebracht haben. Die Jericho-Passage beispielsweise liest sich so: _____" Der Archäologe und Soldat Professor Jigal Jadin " _____" schlug die bisher einleuchtendste Erklärung vor. Wegen " _____" des täglichen Umkreisens der Mauern und der Posaunenstöße " _____" hatte die Wachsamkeit der Verteidiger nachgelassen. Als " _____" dann aus dem harmlosen täglichen Training plötzlich ein " _____" voller Angriff wurde, begleitet vom schrecklichen Lärm " _____" Tausender schreiender Kehlen, wurden die Verteidiger " _____" völlig überrascht, und die Bollwerke fielen. "
Im Fall Jericho wird heute selbst Schülern im katholischen wie evangelischen Religionsunterricht reiner Wein eingeschenkt, wie aus einem Lehrerbegleitheft zum "Biblischen Arbeitsbuch" hervorgeht: "Bei der Rekonstruktion der Stadtgeschichte Jerichos kommt man zu dem Ergebnis, daß Jericho z. Zt. der Landnahme schon ein Trümmerhügel war."
Und sogar die Leser der katholischen "Einheitsübersetzung" des Alten Testamentes erfahren seit 1980 in einer Fußnote zu Josua 6, 1 klipp und klar: "Die Eroberung durch Josua ist bisher archäologisch nicht nachgewiesen."
Im nächsten Heft
Die Kritik der Fachleute - "Mit dieser Methode kann man Palästina überall in der arabischen Welt nachweisen" - "Das Ganze ist Politik" - "Pilgern wir in zwanzig Jahren alle nach Asir?" _(unten: Verteidigungsminister von 1967 ) _(bis 1974, Außenminister von 1977 bis ) _(1979. ) _(Oben: Stellvertretender ) _(Ministerpräsident Israels von 1977 bis ) _(1981; )
Der Tunnel diente dazu, das Wasser der Gihon-Quelle in ein Reservoir innerhalb der Stadtmauern Jerusalems zu leiten. Text: "... das Durchbohren. Dies ist die Geschichte des Durchbohrens. Als noch ... (die Arbeiter ihre?) Hacken (schwangen?), jeder zu seinem Gefährten hin, und als noch drei Ellen zu durchbohren waren, (hörte man) die Stimme eines Mannes, der dem anderen zurief, denn da war ein Spalt (?) an der rechten Seite ... Und am Tag des Durchbruchs begegneten sich die Arbeiter Mann gegen Mann, Hacke gegen Hacke, und das Wasser floß von der Quelle zum Teich, 1200 Ellen weit, und 100 Ellen war die Dicke des Felsens über den Köpfen der Arbeiter." Die Steinplatte (etwa 1220 vor Christus) erzählt vom Sieg der Ägypter über die Libyer und enthält zum erstenmal in der Geschichte das Wort "Israel". unten: Verteidigungsminister von 1967 bis 1974, Außenminister von 1977 bis 1979. Oben: Stellvertretender Ministerpräsident Israels von 1977 bis 1981;
Von Kamal Salibi

DER SPIEGEL 39/1985
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