23.12.1985

Flicks alte Schuld

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Die Deutsche Bank übernimmt mit dem größten Teil des Flick-Konzerns auch eine alte Schuld. In einem Brief an Vorstandssprecher Friedrich Wilhelm Christians erinnerte Robert Kempner, einer der Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, die Bank jetzt daran, daß der Konzern noch immer keine Wiedergutmachung an ehemalige "Sklavenarbeiter" gezahlt habe. Wie andere Rüstungsunternehmen hatte Flick während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern beschäftigt. Aber anders als Krupp, die ehemaligen IG Farben und andere Großbetriebe zahlte Flick nach Kempners Angaben bis heute
keine Wiedergutmachung. Ein Vergleich über fünf bis acht Millionen Mark an rund 1300 Opfer sei "in letzter Minute" an den Konzernherren gescheitert. Die Umwandlung des Industrie-Unternehmens in eine Aktiengesellschaft ist für den 86jährigen deutsch-amerikanischen Juristen eine "geeignete Gelegenheit", die Sache zu bereinigen, "damit den neuen Aktien nicht ein Geruch von Schweiß und Blut anhaften kann". Bisher hat Kempner keine Antwort von der Deutschen Bank erhalten. Jüdische Organisationen in den Vereinigten Staaten wie die New Yorker "Claims Conference" und das "Simon-Wiesenthal-Center" in Los Angeles haben sich seinen Forderungen inzwischen angeschlossen.

DER SPIEGEL 52/1985
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