25.11.1985

GESTORBENLon Nol

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Lon Nol, 72. Mit einem innenpolitisch sinnlosen Putsch verspielte der kambodschanische General die Reste außenpolitischer Selbständigkeit seines Landes. In seiner Amtszeit versank das Land immer tiefer in Korruption und Chaos, und als Lon Nol - viel zu spät - abtrat, fiel Kambodscha an einen der schlimmsten Menschenschlächter, den die Geschichte kennt: den Führer der Roten Khmer, Pol Pot. Was Lon Nol, der am meisten seinen hochbezahlten Astrologen vertraute, auch tat, es stand unter einem Unstern. Sterndeuterei und nicht nüchterne politische Analyse brachte den Beamtensohn aus der Provinz im März 1970 dazu, an der Spitze von unzufriedenen Militärs und Intellektuellen, Prinz Sihanouk zu stürzen, der das kleine Land, Nachbar des umkämpften Vietnam, zwar mit feudalem Pomp, aber großem außenpolitischen Geschick 29 Jahre regiert hatte. Die republikanisch gesinnten Frondeure störte es, daß Sihanouk politisch ein doppeltes Spiel trieb: Zwar ließ er Nordvietnamesen und Vietcong im Grenzgebiet zu Vietnam kampieren. Doch wenn die Kommunisten in Kambodscha aktiv wurden, drohte er ihnen mit dem Einmarsch der Amerikaner. Lon Nol und seine Leute, erst heimlich, dann offen von den USA unterstützt, strebten klare Verhältnisse an: Kampf den Kommunisten, Unterstützung Südvietnams. Die Folgen waren für das Land mit seiner schwächlichen, korrupten Armee fatal: Bald kontrollierten Nordvietnamesen und Rote Khmer große Teile des Staates, Südvietnam und die USA drangen ohne Respekt vor der kambodschanischen Souveränität in das Land ein, wenn es militärisch geboten schien. Großzügige Wirtschaftshilfen der USA führten nur zu noch schlimmerer Korruption. Zur politischen Instabilität trug bei, daß die Bauern nach wie vor zu Sihanouk hielten und Lon Nol ablehnten. Ein Jahr nach der Machtübernahme erlitt der zuckerkranke Premier einen Schlaganfall, der ihn längere Zeit lähmte. Dem kraftlosen Lon Nol nützte es auch nichts, daß er 1972 mit einer neuen Verfassung seine Herrschaft zu sichern versuchte. Der Ring der Kommunisten um die Hauptstadt Pnom Penh wurde immer enger, der Geistergläubige Lon Nol verbrachte seine Zeit mit Meditation und Seancen. 1975 endete die Laufbahn der immer absonderlicher werdenden Marionette der Amerikaner. Lon Nol verließ die Hauptstadt, 17 Tage später marschierten Pol Pots Horden in Pnom Penh ein, die grausigen Massaker begannen. Er starb vorletzten Sonntag nach jahrelangem US-Exil in einem kalifornischen Krankenhaus.

DER SPIEGEL 48/1985
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