05.05.1986

Das Airbus-Konsortium

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hat Teilhaber aus vier Nationen: Die französische Aerospatiale, die Deutsche Airbus GmbH (eine 100prozentige Tochter des Technologie-Konzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm), British Aerospace und die spanische Casa. Die Gesellschaft wurde 1970 gegründet, um ein Gegengewicht zu den US-Herstellern Boeing, McDonnell Douglas und Lockheed zu schaffen, die bis dahin den Weltmarkt für Passagierflugzeuge beherrschten. An der Übermacht der Amerikaner allerdings hat sich bis heute kaum etwas geändert. Etwa 70 Prozent aller Passagiermaschinen kommen aus den Boeing-Werken in Seattle. Nur jedes zehnte Verkehrsflugzeug ist ein Airbus. Die Einzelteile der Airbus-Flugzeuge werden in den Fabriken der Partnerfirmen gefertigt und anschließend in Toulouse zusammenmontiert. Seit der Gründung von Airbus Industrie haben die Regierungen der beteiligten Länder etwa 10 Milliarden Dollar als zinsgünstige Darlehen in die Flugzeugfirma gesteckt. Einen Gewinn hat die Gesellschaft bisher noch nicht erwirtschaftet. In den nächsten Jahren wollen die Airbus-Eigner weitere 2,5 Milliarden Dollar in neue Flugzeugmodelle investieren. Die Airbus-Flotte, die bisher aus den Mittelstrecken-Flugzeugen A300 und A310 sowie aus dem vom Frühjahr 1988 an lieferbaren Kurzstreckenjet A320 besteht, soll um zwei weitere Flugzeuge erweitert werden: den Mittelstreckenjet A330 und das vierstrahlige Langstreckenflugzeug
A340. Mit ihrer kompletten Flugzeugfamilie streben die Europäer in den nächsten Jahren einen Weltmarktanteil von etwa 25 Prozent an.
Jean Pierson, 45, wurde im vergangenen Jahr zum Präsidenten von Airbus Industrie in Toulouse gewählt. Der bullige Franzose, der seine Sätze mit großen Gesten und gelegentlichen Faustschlägen auf die Tischplatte zu unterstreichen pflegt, ist das genaue Gegenteil seines Vorgängers, Bernard Lathiere. Der verkörperte den Typus des politisch versierten französischen Elite-Beamten. Pierson hingegen, zuvor Chef des Transportflugzeugbaus bei der französischen Staatsfirma Aerospaltiale, ist ein Mann der Praxis. Der gelernte Ingenieur spricht die Sprache der Techniker und kennt sich aus in den Feinheiten des Flugzeugbaus.

DER SPIEGEL 19/1986
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