07.07.1986

GESTORBENJürgen Rühle

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Jürgen Rühle, 61. Als er Offizierssohn und selbst Frontoffizier, 1949 aus sibirischer Gefangenschaft heimkehrte nahm er Wohnsitz in Berlin-West und fand Arbeit als Journalist in Berlin-Ost. Die kommunistische Praxis hatte er in der Sowjet-Union gründlich genug kennengelernt, um die eben entstehende deutsche Version mit Skepsis zu betrachten: Die systemkritische Haltung, die er im Kulturteil der Ost"Berliner Zeitung" vertrat, förderte den Unmut aus dem der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 entstand. Bis 1955 konnte Rühle seine immer gefährdete Position in Ost-Berlin halten, dann ging er nach Köln. In seinen Büchern "Das gefesselte Theater" (1957) und "Literatur und Revolution" (1960) hat er den Zusammenprall kommunismusgläubiger Künstler mit der stalinistischen Realität geschildert und analysiert. 1963 übernahm Rühle die Ost-West-Redaktion des WDR-Fernsehen, später das Zeitgeschichte-Ressort: Da wurde er ein wirksamer publizistischer Begleiter der neuen Ostpolitik Willy Brandts und ein Mahner, der die ungeliebte Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus - durch viele Dokumentarsendungen, aber auch durch die US-Serie "Holocaust" - vorantrieb. Am vorletzten Sonntag ist Jürgen Ruhle in Bonn an einem Herzinfarkt gestorben.

DER SPIEGEL 28/1986
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