Von Krüger, Karl-Heinz
Ist Francois Mitterrand dem Größenwahn verfallen? Ist er so selbstherrlich wie Ludwig XIV., so bauwütig, wie Napoleon III. und sein Präfekt Baron Haussmann es waren - ein wahnhafter Kaiser der Franzosen, der die Staatskasse plündert, um sich ein Dutzend Denkmäler zu setzen, als Bauherr nur Ramses II. vergleichbar, der sich als Gott verehren ließ?
Frankreichs Rechte und ihre Presse tun ganz so. Sie nennen den linken Staatschef "Mitterramses" und "Pharao" und attestieren ihm einen "Sonnenkönigskomplex" - so übertrieben, so anmaßend und so kostspielig finden sie Mitterrands "Grands Projets", die staatlichen Bauvorhaben für die Metropole. Er sei "entsetzt als Steuerzahler", erklärte der gaullistische Premier Jacques Chirac, "empört über den Aufwand", "schockiert vom Ausmaß des Übels".
Mitterrand baut, wie er beteuert, "nicht aus persönlichem Ehrgeiz", sondern "aus Ambition für Frankreich und für das Volk von Paris.
Seine Projekte, von den Konservativen "die sieben Pyramiden des Präsidenten verhöhnt, sind das Bauprogramm eines vaterländischen Sozialisten -ästhetisch zudem ganz im Geiste der klassischen Architekten der Französischen Revolution, Boullee und Ledoux. Mitterrand ist überzeugt davon, daß es eine "direkte Verbindung zwischen der Größe der Architektur, ihren ästhetischen Qualitäten und der Größe eines Volkes" gibt.
Die Vorstellung, die Architektur während seiner siebenjährigen Amtszeit hätte sich "in der Errichtung von Mautstationen an der Autobahn erschöpft", verfolgt den Präsidenten; in seiner Sicht ist eine architektonisch arme Periode immer auch eine "Periode der Schwäche". An der Place de la Bastille, wo das Volk von Paris vor nunmehr fünf Jahren den sozialistischen Wahlsieg feierte, soll Mitterrands Bauprogramm seinen Höhepunkt finden: Am 14. Juli 1789 stürmte das Volk von Paris das Staatsgefängnis, und auf den Tag genau 200 Jahre später soll an gleicher Stelle eine "Oper für das Volk" eröffnet werden.
Das Frankreich des 21. Jahrhunderts werde sich dahinschleppen, verkündete Mitterrand, "wenn wir nicht die Strukturen der Stadt erneuern" und "ihren Bewohnern mehr Behaglichkeit und Möglichkeiten zur Kommunikation" geben. Der Aufwand dafür, umgerechnet rund sechs Milliarden Mark, scheint ihm nicht zu hoch.
Für diesen Preis bekommt Paris, neben einigen Notwendigkeiten
wie Regierungs- und Institutsbauten, durchweg Spektakuläres - eine
Sammlung von Superlativen, die Paris prägen werden wie Triumphbogen
und Eiffelturm:
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Mit der Opera de la Bastille entsteht das modernste
Opernhaus der Welt mehr als doppelt so groß wie das
alte Palais Garnier.
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Auf dem ehemaligen Schlachthofge lände La Villette wird
ein 33 Hektar großer Volkspark geschaffen.
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Darin eingebettet liegt ein Wissen schaftsmuseum,
geplant als größtes Technologiemuseum der Welt, vier
mal so voluminös wie das Centre Pompidou.
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Ein "Triumphbogen der Menschheit" wird im Wolken
kratzerviertel La Defense er richtet, ein offener Kubus
aus weißem Marmor und braunge töntem Glas, mit
Kantenlän gen von 110 Metern mehr als doppelt so groß
wie der Arc de Triomphe; der Bau steht in der
Verlängerung der berühmten Sichtachse vom Louvre über
die Tuilerien-Gärten zum Arc de Triomphe.
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Der Louvre, entrümpelt und erweitert, wird zum größten
Kunstmuseum der Welt; im Innenhof den neuen Hauptein
gang überdachend, entsteht die gläserne Pyramide, die
schon jetzt so berühmt ist wie das ganze Museum.
Nichts beweise, "in Ermangelung glänzender Kriegstaten, Größe und Geist in höherem Maße als die Errichtung von Baudenkmälern", schrieb vor mehr als 300 Jahren Jean-Baptiste Colbert, Finanzminister und Bauaufseher des "Sonnenkönigs" Ludwigs XIV. Colbert wußte, daß die Nachwelt die Fürsten vor allem an ihren Bauwerken messen würde.
An diese Lektion hielten sich auch die führenden Männer der Fünften Republik: Alle drei Nachfolger de Gaulles gaben Verlautbarungen über Architektur und Städtebau ab, unternahmen entsprechende Anstrengungen und versuchten sich natürlich besonders an Paris.
Georges Pompidou baute wie ein Amerikaner. Der Geschäftsmann verwahrte
sich empört gegen die Unterstellung, Frankreich sei "hauptsächlich Mode und Käse"; es sei auch, wie er meinte, "Concorde und Computer", und das sollte in der Physiognomie seiner Hauptstadt zum Ausdruck kommen. Pompidou baute Wolkenkratzer und Schnellstraßen und ließ den Abbruch der Markthallen zu. Und er veranstaltete den ersten großen internationalen Architektenwettbewerb in der Geschichte Frankreichs, für das "Centre national d''art et de culture", das nun seinen Namen trägt.
Valery Giscard d''Estaing mäßigte die Exzesse seines Vorgängers. Sein erster Akt als Präsident, jedenfalls in der Legende: Nachdem er am 27. Mai 1974 seine Amtsräume im Elysee-Palast betreten hatte, warf er einen kurzen Blick aus dem Fenster auf die neue Skyline im Westen von Paris, griff zum Telephon und verfügte einen Baustopp für Wolkenkratzer. Später strich er den Ausbau der Stadtautobahn und reduzierte das Hochhausprogramm auf die Hälfte.
Giscard zeigte sich sensibel für Säulen und Simse, tat sich als Umweltschützer und Denkmalpfleger hervor. In sein Septenat fielen die Entscheidung, den zum Abbruch bestimmten Bahnhof d''Orsay als Museum auf die Liste schutzwürdiger Baudenkmäler zu setzen und der Plan, die Investitionsruinen der Schlachthöfe als Ausstellungshallen zu nutzen.
Mit Mitterrand kam die Revolution zurück - und der klassische Kunstgeschmack. Der Sozialist (der im Quartier Latin auf der Etage wohnt) liebt die reine Geometrie. wie sie vor 200 Jahren die utopischen Idealentwürfe der Revolutionsarchitekten Boullee und Ledoux beherrschte: Kubus und Kugel, Zylinder und Pyramide.
Zugleich nahm der Sozialist Mitterrand die Lebensbedingungen der Bürger ins Visier. Paris leidet, wie andere Metropolen, an einer Wohlstandskrankheit: Der Westen gedeiht - der Osten siecht. So werden die Oper und der Park ganz bewußt in die Osthälfte der Stadt gesetzt, wo ohnehin ein großes Sanierungsprogramm angelaufen ist.
Paris kam schon vor mehr als hundert Jahren aus dem Gleichgewicht, nachdem Präfekt Haussmann die Stadt mit Straßendurchbrüchen und Boulevards, wie mit Säbelhieben" (Emile Zola) zerhackt hatte und die Place de l''Etoile um Napoleons Triumphbogen wie ein Magnet zu wirken begann.
Das Ungleichgewicht nahm in den letzten Jahrzehnten zu, als Wohnungen in Luxusetagen und Elite-Büros umgewandelt wurden und Mieten und Grundstückspreise unaufhaltsam kletterten. Die Folgen, wie überall: Auszug junger Familien aus der Arbeiter-und-Angestellten-Schicht; Zerfall und Kriminalisierung der entwerteten Stadtteile.
Das Sanierungsprogramm erfaßt nun nahezu die Hälfte des Stadtgebietes mit etwa einer Million Einwohnern: auf 50 Baustellen sollen 20000 Wohnungen entstehen. Schwerpunkte sind die Erneuerung des Arbeiterbezirks Belleville, der Brutstätte der Kommune von 1871 und die Sanierung des Elendsquartiers Goutte d''Or - heute ein Zentrum von Rauschgifthandel und Prostitution.
Doch die Barbarei herrscht längst auch in der Banlieue, dem gefürchteten roten Gürtel von Paris, wo schon früher unter den erbärmlichsten Lebensbedingungen nicht nur Typhus und Cholera, sondern auch Kommunismus und Anarchie gediehen.
Zur Lösung des Dauerproblems, als "Therapie gegen Cholera und Kommunismus", gegen Elend, Haß und Verrohung
wurde vielerlei versucht - wobei Frankreichs Architekten versagten wie seine Politiker, wo die Bauten so falsch waren wie die ganze Planung, die Architektur nur brutal oder öde oder angestrengt und nervös.
Die Eigenheime im Grünen waren ein Fehlschlag - wie erst recht die "grands ensembles", die massiven Wohnblöcke die zum grand malheur für die ganze Nation wurden. Die Ensemble-Siedlung Sarcelles gab sogar den Namen für eine Gemütserkrankung her: "la Sarcellite".
Letzter Versuch, das triste Ambiente für acht Millionen Franzosen im Großraum rund um Paris aufzubessern, sind die "villes nouvelles", eine Kette von Satellitenstädten. Nachdem Frankreichs Architekten bei den "grands ensembles" so fürchterlich durchgefallen waren, dürfen sich da nun vor allem der Giscard-Protege Ricardo Bofill und sein Zögling Manolo Nunez-Yanowsky austoben.
Die beiden Wahlfranzosen aus Spanien wüten in buntem Betonbarock, schaffen pompöse Kulissen mit nur mickrigem Wohnstandard dahinter. Der französischen Architektur sei in den letzten Jahrzehnten "Schreckliches zugestoßen", fand Architektur-Kritikerin Ada Louise Huxtable in der "New York Times". Sie fragte: "Warum sind so viele Gebäude nur so häßlich?" und traf damit auch den Nerv bei Mitterrand.
Auf ein Risiko mit ausschließlich einheimischen Baukünstlern wollte der Staatschef, bei allem Patriotismus, sich nicht einlassen. So ließ er eine Reihe großer internationaler Wettbewerbe veranstalten. Zeitweilig beteiligten sich an den "Grands Projets" mehr als 1600 Architekten aus mehr als 40 Ländern, in den USA wie in der UdSSR. Die Juroren trafen aus jeweils Hunderten von Entwürfen eine Vorauswahl; den Sieger kürte der Staatspräsident persönlich.
Keiner der weltweit bekannten Star-Architekten gewann. Die Oper baut ein junger Nobody aus Kanada: Carlos Ott. Den "Triumphbogen der Menschheit" erfand ein Kirchenbauer aus Dänemark: Johan Otto von Spreckelsen. Den revolutionär gestalteten Volkspark entwarf ein 42jähriger Frankoschweizer mit Wohnsitz und Lehrstuhl in New York, bislang ein reiner Theoretiker: Bernard Tschumi.
Lediglich bei der Umgestaltung des Louvre wollte der Staatspräsident kein Wagnis eingehen. Er kennt und liebt die strenge Geometrie der neuen Nationalgalerie in Washington, entworfen von dem US-Chinesen Ieoh Ming Pei - ihn ernannte Mitterand zum Chefdesigner für den Louvre-Umbau; die wütende Kontroverse um die gläserne Eingangspyramide war damit programmiert.
Mitterrands Kritiker stießen sich aber nicht nur an Form und Finanzierung seiner Projekte, sondern teilweise auch an ihrem politischen Programm - ganz besonders bei der Oper, einem persönlichen Prestigeobjekt des Präsidenten. Die
Volksoper am Platz der Bastille soll demonstrieren, wie sich der Kulturbetrieb demokratisieren läßt: das Bürgerhaus an der Bastille als Gegenstück zu einer Bastion der Bourgeoisie.
Mehr prunkvoller Ballsaal als zeitgemäßes Theater ist das alte Palais Garnier. Der legendäre Prunkbau, höchstsubventioniertes Opernhaus der Welt, ist längst untauglich und funktioniert, wie Fachleute meinen, nur noch "irgendwie - wie die Kanalisation von Kalkutta". Von 2200 Sitzplätzen sind 500 ohne Sicht. Ein Billett kostet mehr als 200 Mark.
An der Bastille hingegen soll der teuerste Platz nicht mehr als 80 Mark kosten - in zwei Sälen mit 2700 und 1200 Plätzen. Dem Gaullisten Chirac scheint die Oper die "fragwürdigste" aller Investitionen Mitterrands; er befürchtet "Schlimmstes".
Verdächtig "sozialistisch" sieht auch aus, was auf dem ehemaligen Schlachthof-Areal Villette, rings um die Investitionsruinen aus den 60er und 70er Jahren, entstehen soll: Tschumis Volks- und Kulturpark soll den Pariser Nordosten aktivieren und für alle Schichten der Gesellschaft offen sein.
Den Massen soll er frei nach Karl Marx Gelegenheit zu "höherer Tätigkeit" wie auch zur "Muße" geben, nach Henri Lefebvre soll er Raum für "spontane Feste" lassen. Zu diesem Zweck überzieht Tschumi das gesamte Gelände mit einem Koordinatensystem für kubische knallrote vorfabrizierte Pavillons, jeweils dreigeschossig, zehn mal zehn mal zehn Meter groß, im Abstand von 120 Metern, für vielerlei Verwendungen. Nach dem Vorbild der Lustpavillons des 18. Jahrhunderts sollen sie "Folies" heißen und zum Symbol für den Park werden, typisch und unverwechselbar wie die Metro-Eingänge für Paris oder die roten Telephonzellen für London.
Bereits in Betrieb sind in Villette die umgebaute "Ochsenhalle" als Ausstellungsgebäude, das Rundkino "Geode", eine 35-Meter-Kugel aus spiegelblankem Stahlblech, auf deren Alu-Wand Weltraumflüge und Unterwasserfahrten simuliert werden können, und Teile des Wissenschaftsmuseums.
Dieses Gebäude, auf den Mauern einer Rohbauruine errichtet, ist das teuerste aller "Grands Projets". Für umgerechnet anderthalb Milliarden Mark entstand ein Bau mit monumentalen Abmessungen: 275 mal 111 mal 40 Meter.
Hier wird gezeigt, was die Menschheit gelernt hat - vom Höhlenleben bis zur Mondlandung, vom Feuerstein bis zur Kernfusion. Die Erwartungen der Veranstalter sind hoch. Nach Fertigstellung rechnen sie mit mehr als acht Millionen Besuchern im Jahr.
Gleichfalls für Massenbesuch wird der Louvre hergerichtet, das bislang besucherfeindlichste, schmutzigste und verwahrloseste aller großen Kunstmuseen. Besonders einladend soll schon der neue Haupteingang sein: Peis gläserne Pyramide, mitten in der Cour Napoleon, nach Meinung des Architekten die "bescheidenste" aller denkbaren Formen.
Als das Projekt bekanntgemacht wurde, war in Paris der Teufel los. Konservative wühlten sofort nationale Gefühle auf: Ägyptisches von einem Chinesen aus Amerika in Frankreichs Louvre! Erst als mit Stricken die braven Ausmaße der Pyramide simuliert wurden - 19 Meter hoch, am Fuße 30 Meter im Quadrat -, beruhigte sich die Nation.
Da hat die "Tete Defense", der "Arc de Triomphe de l''humanite" am Westende der Sichtachse, ganz andere Dimensionen: 110,60 Meter hoch ist der offene Kubus. Die Preisrichter zeigten sich beglückt von der Symbolkraft und der Einfachheit der Silhouette.
In dem torförmigen Riesen-Bau wird neben einem bereits gegründeten "Internationalen Kommunikationszentrum" eine Sammelstelle für Daten aus aller Welt unterkommen. Hier werde Frankreich "die Kulturen der Welt empfangen", erläutert Mitterrand, und die Botschaft Frankreichs "ins Universum ausstrahlen". Die Hauptstadt müsse ihrer verlorengegangenen Funktion als, ville phare" wieder gerecht werden - Paris als "Leuchtturm" und "Leitstern", der es von 1860 bis 1914 gewesen ist: Kunst- und Kulturhauptstadt der Welt.
Jene glanzvolle Epoche soll nun am Seine-Kai, Vis-a-vis dem Louvre, wiederaufleben: im endlich fertiggestellten Musee d''Orsay, einem Museum für das 19. Jahrhundert, das die Lücke zwischen Louvre und Centre Pompidou, zwischen Geschichte und Kulturgeschichte schließen soll. Salonmaler und Impressionisten, Photographien Plakate und erste Filme werden in wirtschaftlichem und sozialem Zusammenhang präsentiert.
Lange war der Bahnhof d''Orsay vom Abbruch bedroht. Le Corbusier nannte die entbehrlich gewordene prachtvolle Eisenkonstruktion den "häßlichsten Bau von Paris" und plante an seiner Stelle bereits ein 100 Meter hohes Hotel. Er kam, glücklicherweise, nicht zum Zuge.
Mitterrand ließ den von Giscard in die Wege geleiteten Umbau endlich beginnen und übertrug die gesamte Innengestaltung der imposanten Halle der Mailänder Architektin Gae Aulenti.
Indessen ließ Premier Chirac noch einmal seinem "Mitgefühl" für die französischen _("Les Arenes de Picasso" in ) _(Marne-la-Vallee; Architekt: Manolo ) _(Nunez-Yanowsky. )
Architekten freien Lauf, die bei Mitterrands großen Plänen so "vernachlässigt" worden seien und nach draußen ausweichen mußten - "bis in die ehemaligen überseeischen Besitzungen.
Wie anders war da doch er, Chirac, etwa beim Bau des Hallen-Forums zu Werke gegangen! Er fackelte nicht lange mit dem Giscard-Günstling Bofill (obwohl in dessen Projekt bereits zwei bis drei Milliarden Franc investiert worden waren), machte seinem Beinamen "Bulldozer" alle Ehre und schmiß den Katalanen raus. Stolz und stark trat er vor die Presse: "Der Architekt? Das bin ich!"
Als Entwurfskünstler für seine karnevalesken Vorstellungen rekrutierte "Chefarchitekt Chirac die Landsleute Georges Pencreac''h und Claude Vasconi. Zuletzt ließ er von dem Pariser Paul Chemetov einen "Kulturkeller" anlegen, den "L''Express" nur als "Nekropolis" begreifen konnte: "Quelle tristesse !"
Aber auch Mitterrand hat sich vor den Architekten des Landes und ihren kecken Entwürfen nicht ganz in Sicherheit gebracht. Für die geplante Cite de la Musique im Park von Villette, ein Zentrum für Experimentalmusik unter der Leitung von Pierre Boulez, ließ er ausnahmsweise einen nationalen Wettbewerb veranstalten, den der hoffnungsvolle Jungarchitekt Christian de Portzamparc gewann.
Der Entwurf wurde als "gebaute Musik" gelobt - eiförmige Konzerthalle, segelähnliche Vordächer, Säulen und schräge Wände. Als das Modell jetzt im Centre Pompidou ausgestellt wurde, waren ausländische Kritiker sich einig: "Absolut schrecklich." Dennoch: Die Kampfkraft der Pariser scheint erlahmt.
Ob Protest oder Beifall, ob Kubus, Pyramide oder schräge Musik - der neue Kultusminister Francois Leotard hat so etwas wie eine "cohabitation architecturale" verkündet und verbindlich erklärt, daß sich der Regierungswechsel nichteischneidend auf Mitterrands Bauprogramm auswirken werde: Alle "Grands Projets" würden zu Ende geführt.
Quel spectacle!
DER SPIEGEL 24/1986
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