24.02.1986

FLICKTrick gefunden

Die Aktien des neugeordneten Flick-Konzerns kommen im April an die Börse. Für die Deutsche Bank ist es schon jetzt ein gutes Geschäft. *
Seit Jahren war Heribert Blaschke der einzige Mann im Flick-Konzern, dem der Firmeneigner traute. "Vorteil von Bl.: berichtet auch direkt", schrieb Friedrich Karl Flick einmal in einem seiner zahlreichen Vermerke. Blaschke sei mit "entsprechendem Unterbau" zu versorgen.
Künftig wird sich Blaschke selbst berichten lassen. Der vierundfünfzigjährige ehemalige Generalbevollmächtigte wird neuer Vorstandschef im einstigen Flick-Konzern, den die Deutsche Bank zum Jahreswechsel für gut fünf Milliarden Mark übernommen hat.
Blaschke ist gelernter Jurist. Er war Finanzamtsvorsteher im Saarland und für die Bonner CDU/CSU-Fraktion jahrelang in deren Arbeitskreis Haushalt, Finanzen und Steuern tätig.
Er fing 1969 als Leiter der Steuerabteilung in der Flick-Tochter Dynamit Nobel an. "Ich war", erinnert sich Blaschke, "einer aus dem dritten Glied." Erst 1980 kam er ganz nach vorn: Er wurde Generalbevollmächtigter und rückte ein Jahr später in die Geschäftsführung des Flick-Konzerns ein.
Aussteiger Friedrich Karl Flick hätte den geschätzten Blaschke gern als Verwalter seines Milliarden-Vermögens übernommen. Doch der will lieber, in enger Zusammenarbeit mit Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank, das ehemals größte deutsche Familienimperium neu organisieren.
Die Pläne sind weit gediehen. Anfang März soll bereits die neue Führungsmannschaft an die Arbeit gehen. Der durch die Spenden-Affäre allzu umstrittene Name Flick soll das Unternehmen nicht mehr belasten- künftig heißt der Konzern Feldmühle Nobel AG.
Wenn das Stühlerücken im Management und im Aufsichtsrat beendet ist, wollen die Bankiers auch geschäftlich zur Sache kommen. Dann wird der Konzern an der Börse verkauft. Die Deutsche Bank rechnet derzeit mit einem Bruttoerlös von mindestens 2,1 Milliarden Mark.
In der zweiten Aprilhälfte will die Bank sieben Millionen Feldmühle-Nobel-Aktien anbieten. Ein Papier im Nennwert von 50 Mark wird etwa 300 Mark kosten.
Die Aktien werden wohl rasch Abnehmer finden. Bei der günstigen Börsenstimmung ist sogar damit zu rechnen, daß die Anteilscheine, wie schon die der Börsenneulinge Nixdorf und Porsche, zugeteilt werden müssen. Das Geschäft das Mitte des Jahres abgeschlossen sein soll, wird den Bankiers einen Gewinn von rund 1,3 Milliarden Mark einbringen - Lohn für eine erfolgreiche Maklertätigkeit.
Als die Deutsche Bank im Dezember den Konzern kaufte, vereinbarte sie mit Friedrich Karl Flick drei Ratenzahlungen. Die erste Rate über 1,6 Milliarden Mark war bereits zum Jahreswechsel fällig, die restlichen 3,4 Milliarden Mark werden Ende März und zur Jahresmitte gezahlt.
Die Bank kommt dabei gut zurecht. Die ersten Milliarden fließen nach Frankfurt, noch ehe der Kaufpreis vollständig gezahlt ist.
Da hilft ein Trick: Das Geschäftsjahr 1986 dauert nur einen Monat, vom 1. bis zum 31. Januar, der Abschluß für das "Rumpfgeschäftsjahr" wird jetzt vorgelegt. Dadurch erhält die Deutsche Bank von der Feldmühle Nobel AG eine Sonderausschüttung vorab - 4,2 Milliarden Mark.
Der Konzern verkraftet den Milliarden-Abfluß mühelos. Am 8. Januar verbuchte die einstige Flick-Firma 3,8 Milliarden Mark für den Verkauf ihres zehnprozentigen Daimler-Benz-Pakets an der Börse.
Rund 1,5 Milliarden Mark brachte der Verkauf des 26prozentigen Flick-Anteils an dem amerikanischen Mischkonzern Grace ein. Weitere 350 Millionen Mark erlöste das Unternehmen, als es seinen Mehrheitsanteil am Kölner Versicherungskonzern Gerling abgab.
Macht zusammen gut 5,6 Milliarden Mark, von denen der Deutschen Bank vier zufließen. Nach Steuern bleiben vom Rest dann noch gut 700 Millionen, mit denen die Reserven für künftige Investitionen aufgestockt werden sollen. Weil Flick in den vergangenen Jahren auf hohen Ausschüttungen bestanden hatte, war hier zu wenig getan worden.
Das für die Deutsche Bank so einträgliche Geschäft hat weitgehend Vorstandssprecher Herrhausen besorgt. Sein Helfer bei Flick war Blaschke, der als einziger aus der alten Manager-Garde von Flick die stürmischen Zeiten im Konzern überstanden hat.
Beim organisatorischen Umbau des Flick-Konzerns hat sich Herrhausen am Mischkonzern Veba orientiert, dessen Aufsichtsrat von Günter Vogelsang, dem Berater der Deutschen Bank, gelenkt wird. Wie bei der Veba sollen die Vorstandsvorsitzenden der wichtigsten Konzerngesellschaften auch einen Sitz in der Holding haben.
Neben Hartwig Geginat vom Papierkonzern Feldmühle und Ernst Grosch von der Chemiefirma Dynamit Nobel wird Wolfgang Laaf, der schon im vergangenen Jahr nach Düsseldorf wechselte, dem Holding-Vorstand angehören. Er soll dort die dritte Konzern-Gruppe vertreten, das Edelstahl- und Gießereiunternehmen Buderus.
Die neue Führungsmannschaft soll nach den Vorstellungen Herrhausens enger als sonst in der Industrie üblich mit dem Aufsichtsrat zusammenarbeiten. Und auch dort sitzen neue Leute.
Die bisherigen zehn Vertreter der Anteilseigner im Kontrollrat, meist Freunde des ehemaligen Konzernherrn, sind bereits zurückgetreten. Zu ihnen zählen der CSU-Bundestagsabgeordnete und langjährige Ratschef Reinhold Kreile, der Anwalt Franz Dannecker und der Münchner Bilder- und Antiquitätenhändler Rudolf Neumeister. Die neuen
Aufsichtsräte sind allesamt erfahrene Industriemanager.
Chef des Kontrollgremiums wird Bodo Liebe, Vorstandsvorsitzender des Kölner Maschinenbau-Konzerns Klöckner-Humboldt-Deutz. In den neuen Rat der "Nobel-Mühle" (Hausjargon der Deutschen Bank) sollen unter anderen der Bosch-Chef Marcus Bierich, Heinrich Weis, Vorstandschef des Anlagenbauers Schloemann-Siemag, VW-Entwicklungschef Ernst Fiala, Hellmut Kruse (Beiersdorf) und Karl Heinz Beckurts (Siemens) einrücken.
Dem neuen Mann an der Konzernspitze wird guter Rat von erfahrenen Industriellen willkommen sein. Blaschke selbst wird unternehmerisches Entscheiden noch üben müssen - der persönliche Generalbevollmächtigte des Friedrich Karl Flick hatte in den letzten Jahren mehr mit Staatsanwälten und Steuerfahndern zu tun.

DER SPIEGEL 9/1986
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