28.04.1986

Firmen-Mix auf drei Säulen

*
Es ist schon ein mächtiger Konzern, den der Aussteiger Friedrich Karl Flick zurückgelassen hat. Mit rund 42600 Beschäftigten und 9,7 Milliarden Mark Umsatz gehört die Feldmühle Nobel AG zu den drei Dutzend Größten der deutschen Industriegiganten. "Nobelmühle" wird die neue Gesellschaft bereits respektvoll genannt. Auf "drei Säulen", rühmt Vorstandssprecher Heribert Blaschke, stehe der Konzern. Es sind drei traditionsreiche Namen: die Buderus'schen Eisenwerke in Wetzlar (seit 1731), die Feldmühle in Düsseldorf (1885) sowie Dynamit Nobel in Troisdorf (1865). Ihnen gehören rund 50 Fabriken und mehr als 100 Tochterfirmen oder Beteiligungen.
Doch es ist auch ein seltsamer Konzern. Die Firmen verbindet, außer dem ehemaligen Flick-Patronat, eigentlich gar nichts. Die Produkt-Palette offenbart den Firmen-Mix: Da werden Großküchen ("Juno") produziert und Klopapier ("Servus"). Edelstähle und Pappschachteln, Bodenbeläge und Jagdmunition, Heizkessel, Fensterprofile, Schleifmittel, Zahnimplantate, Zeitungspapiere, Sprengstoffe, keramische Katalysatoren und künstliche Hüftgelenke.
Die Aufsplitterung in viele Waren und Werke birgt Gefahren. So hat Dynamit Nobel viel Geld in die Silizium-Chemie gesteckt. Doch der Absatz von Reinstsilizium, der Stoff, aus dem die Chips bestehen, leidet unter dem Preisverfall in der Elektronikbranche. Auch der weltweite Papierboom läuft allmählich aus. Weil viele Produzenten neue Fabriken gebaut haben, drücken Überkapazitäten auf die Preise. Schließlich dämpft die flaue Baukonjunktur das Geschäft mit Heizkesseln von Buderus. Konzernchef Blaschke hingegen meint, in der Vielfalt der Programme stecke ein "Risikoausgleichspotential". Ginge es etwa einer der Firmen mal schlecht, dann könnten die beiden anderen aushelfen.

DER SPIEGEL 18/1986
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 18/1986
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Firmen-Mix auf drei Säulen

  • IS-Rückkehrer: "Wir können sie nicht einfach wegsperren"
  • Safaritour: Touristen treffen wütende Elefantenherde
  • Mallakhamb: Erste Weltmeisterschaft im Pfahl-Yoga
  • Rassismusdebatte um Video: Schüler verklagt Washington Post