11.08.1986

GESTORBENPaul Lüth

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Paul Lüth, 65. Vormittags praktizierte er, über zwei Jahrzehnte lang, als Landarzt im nordhessischen Rengshausen, nachmittags schrieb er fein ziselierte Feuilletons, rabiate Polemiken und pro Jahr mindestens ein Buch: über den Alltag, die Geschäfte und die Geschichte der Medizin, über Medikamente, Genetik, Geriatrie, deutsche Dichter oder japanische Lyrik und immer wieder über den Hokuspokus in jedweder Heilkunst; Gesamtauflage: weit mehr als eine Million. Seine kenntnisreichen, manchmal zornigen Analysen des bundesdeutschen Gesundheitswesens (besonders: "Kritische Medizin", 1972) brachten dem bullerigen Pykniker den Haß der Standesfürsten, aber auch zwei Honorarprofessuren für Sozialmedizin und endlich jenen öffentlichen Einfluß ein, den der ehemalige Feldunterarzt Lüth unmittelbar nach dem Krieg als Literat und Jugendführer vergebens angestrebt hatte (SPIEGEL 3/1951). Lüth starb am letzten Mittwoch an einem Herzinfarkt.

DER SPIEGEL 33/1986
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