03.11.1986

SAUDI-ARABIENWie ein Leibkoch

Ahmed Saki el-Jamani, der Öl-Mann der Saudi-Könige, mußte gehen. Er hatte nicht mehr genug Dollar angeschafft. *
Das Ende der Karriere, die Ahmed Saki el-Jamani so steil nach oben getragen hatte, schien schon im März 1975 gekommen.
Da streckte ein Saudi-Prinz König Feisal mit drei Pistolenschüssen nieder. Der neue starke Mann, Kronprinz Fahd, werde, so nahmen Kenner des Hauses Saud an, den Feisal-Günstling Jamani schon bald entlassen.
Aber der Ölminister, damals bereits 13 Jahre im Amt, durfte weiterhin das wichtigste Ressort im größten Ölexport-Land der Erde führen. Gerüchte allerdings, die von Zwist zwischen dem Herrscherhaus und dem Minister kündeten, kehrten mit schöner Regelmäßigkeit wieder.
Am Mittwochabend vergangener Woche geschah dann doch noch, was eigentlich schon vor über elf Jahren erwartet worden war. Fahd, seit 1982 König in der absoluten Saudi-Monarchie, feuerte seinen erfahrensten Minister.
Es war ein Rausschmiß, wie er im Morgenland einem Leibkoch widerfährt, der den Hammelbraten überwürzt hat: Der weltweit geachtetste arabische Ölpolitiker mußte ohne Angabe von Gründen und ohne ein öffentliches Wort des Dankes gehen. Nachfolger wurde ein früherer Stellvertreter, Planungsminister Hischam Nasir.
Mit dem Sturz Jamanis ist über Nacht ein Mann aus der internationalen Öl-Szenerie verschwunden, der mehr als jeder andere Politiker die Geschicke des Ölkartells Opec, die Höhe der internationalen Ölpreise und damit die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen mitbestimmt hat. "Er ist fraglos eine historische Figur", meint der amerikanische Energie-Experte Daniel Yergin.
Jamani hatte nach dem Jura-Studium in Kairo, New York und Harvard 1956 in Dschidda eine der ersten saudischen Anwaltskanzleien eröffnet. Der damalige Kronprinz Feisal wurde auf den jungen Anwalt aufmerksam: Er machte ihn 1962 - zwei Jahre nach Gründung der Opec - zum Ölminister.
Weltweit bekannt wurde Jamani erst durch das Ölembargo von 1973/74, als dessen wichtigster Architekt er galt. In den folgenden Jahren bremste Jamani jedoch radikale Opec-Partner, die den Ölpreis ständig höherschrauben wollten. Und als der Ölmarkt Anfang der achtziger Jahre kippte, verhinderte er durch Kürzungen der Saudi-Produktion einen raschen Preisverfall.
Erst im Herbst vergangenen Jahres, als die einst üppigen saudischen Öleinnahmen bedenklich stark geschrumpft waren, schaltete Jamani auf Druck des Königshauses um. Er ließ die Ölmärkte mit Saudi-Öl überschwemmen und leitete damit einen Preiskrieg ein, in dem die Preise von 30 zeitweise bis auf etwa 7 Dollar je Barrel stürzten.
Das war König Fahd allerdings auch nicht recht. Er forderte von Jamani, er solle für einen höheren Marktanteil Saudi-Arabiens und gleichzeitig für eine Anhebung des Preises von etwa 13 bis 14 Dollar auf 18 Dollar sorgen.
Doch das war eine Aufgabe, die auch den gewieften Opec-Unterhändler Jamani überforderte - Menge und Preis ließen sich nicht gleichzeitig anheben. König Fahd aber mochte nicht einsehen, daß sein Öl nicht mehr so begehrt ist wie in den goldenen Jahren des Kartells. "Wenn man Obst essen will, kann man zwischen einem Apfel oder einer Banane wählen", meinte der Saudi-Herrscher einmal, "aber zu Öl, das sowohl billig als auch sicher ist, gibt es keine Alternative."

DER SPIEGEL 45/1986
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