03.11.1986

„Ja, diese Wochen waren fürchterlich“

SPIEGEL-Interview mit Isabel Allende über ihre Bücher und die Pinochet-Diktatur *
SPIEGEL: Frau Allende, Sie beschreiben in Ihrem jüngsten Roman glühende Küsse vor verstümmelten Leichen. Glauben Sie, daß man so der Militärdiktatur Pinochets in Chile beikommen kann?
ALLENDE: Natürlich nicht. Waffen kann man nicht mit Küssen und Kugeln nicht mit Blumen besiegen. Nach dem Militärputsch 1973 wurden wir in Chile von einer Welle der Gewalt erfaßt; überall waren Tote, Gefolterte, Gefangene und Verschwundene. Aber ich glaube, daß jeder Mensch ungeahnte Fähigkeiten besitzt, den Horror zu überwinden. Und ein Weg ist die Liebe.
SPIEGEL: Wird die Brutalität nicht verharmlost, wenn man sie mit romantischen Liebesszenen ausschmückt?
ALLENDE: Im Gegenteil. Ich stumpfe ab, wenn ich eine Aufreihung von Grausamkeiten lese. Extreme Situationen bringen extreme Gefühle hervor, im Guten wie im Schlechten. Das wollte ich in dem Buch zeigen, besonders in der Szene, wo das Journalistenpaar in einer stillgelegten Mine Leichen entdeckt.
SPIEGEL: Diese Toten gab es wirklich. Da tauchten 1978 zum ersten Mal die Skelette von Regimeopfern auf.
ALLENDE: Die beiden lieben sich am Schreckensort, um den Schock zu verdrängen.
SPIEGEL: Haben Sie politisches Pamphlet und Schnulze vermischt, um einen sicheren Bestseller zu produzieren?
ALLENDE: Ich glaube nicht, daß es ein Rezept für Bestseller gibt. Jedenfalls hat man''s noch nicht erfunden. Auch wenn Sie lachen, ich glaube an Liebe und Menschlichkeit, weil ich sie erfahren habe. Deshalb akzeptiere ich das Etikett Kitschroman nicht. Die Liebe hat eben viele Gesichter. Außerdem sehe ich den Roman nicht als Pamphlet, weil ich ja niemanden überzeugen will. Es ist einfach die Wahrheit, das kann jeder überprüfen.
SPIEGEL: Manche sagen, Sie plagiieren Garcia Marquez.
ALLENDE: Das ehrt mich! Das ist ja, als ob Sie mir sagen würden, ich tanze wie die Pawlowa. Das wäre phantastisch!
SPIEGEL: Fühlen Sie sich als die Stimme Chiles im Ausland?
ALLENDE: Nein, Chile hat viele Stimmen. Einige singen, andere drehen Filme, schreiben Bücher oder politische Artikel oder kämpfen in der Opposition. Ich bin nur eine von vielen. Eine Million Exilanten sprechen für Chile im Ausland und neun Millionen im Land.
SPIEGEL: Aber die hat man doch zum Schweigen gebracht.
ALLENDE: Nein, nein, die äußern sich schon. Unterschätzen Sie nicht den Widerstand gegen die Diktatur. In Chile gibt es heute 300 oppositionelle Schriften, manchmal nur Flugblätter, es gibt Geheimsender und Protesttheater. Es ist unglaublich, was sich die Schauspieler unter der Diktatur zu sagen trauen.
SPIEGEL: Aber seit dem Attentat auf Pinochet am 7. September herrscht Ruhe im Land.
ALLENDE: Ja, diese Wochen waren fürchterlich. Chile erlebte dasselbe Klima der Gewalt wie nach dem Putsch. Aber im Unterschied zu damals sind die Menschen heute mutiger und besser organisiert. In 13 Jahren Diktatur hat sich auch die Gewalt abgenutzt.
SPIEGEL: Haben Sie bei dem Attentat auf den Diktator eine klammheimliche Freude empfunden?
ALLENDE: Es ging ja schief...
SPIEGEL: Zu Ihrem großen Bedauern?
ALLENDE (lacht): Naja. Ich dachte sofort an die vielen Menschen, die zur Vergeltung gefoltert und ermordet würden. Also konnte ich mich nicht freuen, mich überkam eher so ein Grauen.
SPIEGEL: Halten Sie Gewalt gegen das Regime für legitim? _(Beim Interview in Hamburg mit ) _(SPIEGEL-Redakteurinnen Helene Zuber und ) _(Swantje Strieder. )
ALLENDE: Ich meine, daß in diesem Moment alle Formen des Kampfes erlaubt sind, denn Pinochet ist es, der Gewalt, Folter und Tod als System eingeführt hat.
SPIEGEL: Hat die Diktatur Angst vor Ihren Büchern?
ALLENDE: Anfangs waren meine Bücher verboten, aber 1983 wurde in Chile die Zensur für Bücher aufgehoben. Ohnehin sind sie so teuer, daß nur sehr wenige sich ein Buch leisten können - eine indirekte Form der Zensur. Deshalb schließen sich oft mehrere Leute zum Kauf zusammen, und das Buch zirkuliert mit einer Namensliste aller Leser. Manchmal sind es 80 bis 100, das ist eine Art Wanderbibliothek.
SPIEGEL: Also hält das Regime Sie für harmlos?
ALLENDE: Na klar, dasselbe passiert mit dem Theater. Die denken, daß sich im Parkett gerade 150 Zuschauer einfinden, nämlich die, die das bezahlen können. So gibt sich das Regime liberal, nur zum Schein.
SPIEGEL: Wieweit sind Ihre Romane autobiographisch?
ALLENDE: Ich glaube, daß in allem, was man schreibt, etwas von einem selbst steckt. Das Geisterhaus ist das Haus meines Großvaters, da bin ich aufgewachsen. Diese Verwandten haben wirklich gelebt, und sie waren so verrückt, da braucht man nichts zu erfinden.
SPIEGEL: Wie nahe standen Sie Ihrem Onkel Salvador Allende, dem marxistischen Präsidenten, der 1973 vom Militär ermordet wurde?
ALLENDE: Unsere Beziehung war rein familiär, in keiner Weise politisch. Mein Vater verließ meine Mutter, als ich noch sehr klein war, ich habe ihn nicht gekannt. Und so stand Onkel Salvador uns sehr nahe, er war auch mein Trauzeuge. Und während er Präsident der Volksfrontregierung war, aßen wir manchmal sonntags zusammen und plauderten.
SPIEGEL: Sprachen Sie nicht über Politik?
ALLENDE: Das einzige, worüber in Chile geredet wurde, war Politik. Es gab drei Jahre lang kein anderes Thema.
SPIEGEL: Sind Sie eigentlich Sozialistin?
ALLENDE: Ich gehöre bis heute keiner Partei an. Aber natürlich hatte ich große Sympathie für das sozialistische Experiment Allendes. Das chilenische Volk hatte für diese Reform gestimmt. Doch die Opposition war sehr stark; die Finanzwelt, die Industrie und die Presse, obendrein die Vereinigten Staaten.
SPIEGEL: Aber seine Gegner behaupteten, die Volksfrontregierung habe ein solches Chaos angerichtet, daß sie den Putsch geradezu herausforderte.
ALLENDE: Nein, das glaube ich nicht. Die Volksfrontregierung wurde von ganz links und ganz rechts angegriffen und kämpfte gegen eine gnadenlose Opposition, der es egal war, ob sie das Land und seine politischen Institutionen mit Hilfe der CIA zerstörte. Die Militärdiktatur war denen lieber als die demokratische Regierung Allendes.
SPIEGEL: Tatsache ist doch, daß Widerstand von allen Seiten kam. Streiks lähmten das Land, und die Menschen trommelten zum Protest auf leeren Kochtöpfen - wie heute gegen Pinochet.
ALLENDE: Das stimmt schon. Die Militärs hatten damals enormen Rückhalt in der Bevölkerung. Viele haben den Putsch herbeigesehnt.
SPIEGEL: Sie beschreiben das im "Geisterhaus" am Beispiel des Senators Trueba: Er feiert mit einer Flasche Champagner den Umsturz, während die Militärs seinen Sohn Jaime zu Tode foltern. Trotzdem schildern Sie diesen skrupellosen Großgrundbesitzer sehr liebevoll.
ALLENDE: Ich mag diese Figur, weil sie meinem Großvater sehr ähnelt. Dieser Trueba ist ein Reaktionär, gewalttätig, ungerecht, aufbrausend. Aber er hat auch einige gute Seiten.
SPIEGEL: Haben Sie vielleicht Sehnsucht nach dem großbürgerlichen Leben, das Sie in Ihrer Jugend führten?
ALLENDE: Das ist es nicht. Als gesellschaftliche Gruppe bringe ich der Oligarchie keinerlei Sympathie entgegen. Aber wenn es um den einzelnen geht, ist das anders. Auch das Militär lehne ich ab. Aber deshalb darf ich doch nicht den Menschen hassen, nur weil er in einer Uniform steckt.
SPIEGEL. Dann finden Sie vielleicht sogar den Menschen Pinochet nett?
ALLENDE: Er mag ein liebevoller Großvater sein und seine Frau gut behandeln, aber er wird sich für seine Taten als Staatsoberhaupt verantworten müssen. Die Geschichte wird ihn richten.
SPIEGEL: Warum nennen Sie ihn in Ihren Büchern nie beim Namen?
ALLENDE: Er ist ein Archetypus. Ich nenne nie das Land und den Namen des Generals, weil es Tausende gibt wie ihn, die jederzeit und überall auftauchen können. Es spielt keine Rolle, ob er Pinochet, Somoza oder Marcos heißt.
SPIEGEL: Früher assoziierte man in Chile Folter nur mit der spanischen Inquisition. Ist Ihr Land 1973 faschistisch und gewalttätig geworden?
ALLENDE: In einem Klima der Gewalt können wir uns alle in Bestien verwandeln. Ich weiß auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich einem Folterer begegnete und eine Waffe zur Hand hätte. Erwiesen ist, daß die ersten Folterer, die Freunde und Minister Allendes mißhandelten, portugiesisch sprachen. Das waren importierte Folterspezialisten aus Brasilien. Heute werden in Chile Folterkurse abgehalten. Da erklären Ärzte an der Wandtafel, wie man den Pulsschlag beobachten muß, damit das Opfer nicht zu schnell stirbt, und wie man Elektroschocks dosiert.
SPIEGEL: Warum haben Sie Chile aufgegeben und sind ins Exil gegangen? Hatten Sie keine Hoffnung, im Land selbst etwas zu bewirken?
ALLENDE: Ich hätte nie gedacht, daß die Diktatur so lange währen würde. Chile hat schließlich eine 160 Jahre alte demokratische Tradition. Mein Mann und ich warteten 15 Monate ab. Es war nur ein kleiner Vorfall, der uns schließlich ins Exil trieb.
SPIEGEL: Welcher?
ALLENDE: Aufgrund meines Namens oder weil ich als Fernsehjournalistin bekannt war, baten mich immer wieder Verfolgte um Hilfe. So zerrte mich eines Tages eine Fremde in die Flughafen-Toilette, drückte mir einen verschlossenen Umschlag in die Hand und flehte mich an, ihn zu überbringen, es gehe um Leben oder Tod. Dann rannte die Frau davon.
Eine ganze Nacht lang starrten mein Mann und ich auf den geheimnisvollen Umschlag. Vielleicht hatte uns die Polizei eine Falle gestellt, und wir würden bei der Übergabe verhaftet. Oder er enthielt eine Bombe oder Drogen. Frühmorgens hatten wir uns durchgerungen, den Brief abzuliefern - der Empfänger war zu unserer Erleichterung ein Priester.
Nach diesem Erlebnis wurde uns klar, daß wir in einem Land lebten, in dem wir Angst hatten, uns zu bewegen. Ein Brief ließ uns eine Nacht lang nicht schlafen und trieb uns den Schweiß auf die Stirn. Wir hatten uns verändert. Da gingen wir.
SPIEGEL: Ihre beiden Bücher sind im Exil entstanden. Wären sie zu Hause nie geschrieben worden?
ALLENDE: Diese beiden Romane nie. Das "Geisterhaus" habe ich aus Heimweh geschrieben, um die Welt, die ich verloren hatte, zu rekonstruieren. Und den Stoff meines zweiten Buches, die Toten in der Mine, habe ich mir nicht ausgesucht, sondern er hat mich einfach gepackt.
SPIEGEL: Sind Sie nicht nach zwölf Jahren Exil von der Wirklichkeit Chiles und dem Leben der Chilenen recht weit entfernt?
ALLENDE: Ich habe schreckliche Angst, daß ich etwas erfinde. Denn ich glaube, alles hat sich über die Jahre verändert, wir Menschen und das Land. Im Innersten setzt man sich ein idealisiertes Land und ein idealisiertes Volk zusammen. Aber zum Glück lebt meine Mutter in Chile. Wir schreiben uns jeden Tag und telephonieren mehrmals die Woche. So erhält sie in mir die Farben, die Gerüche, den Geschmack und die Atmosphäre des Landes lebendig. Und außerdem haben wir da noch ein besonderes System: Jede Nacht um elf denken wir ganz intensiv aneinander. Ich sage nicht, daß wir Kochrezepte austauschen, aber ich fühle ganz deutlich die Nähe meiner Mutter.
SPIEGEL: Glauben Sie an Telepathie oder gar an Geister?
ALLENDE: Nicht an Gespenster, aber an Übernatürliches. So wie alle Menschen intellektuelle Fähigkeiten haben, besitzen sie auch verborgene spirituelle Kräfte. Das sind unkontrollierbare Energien, die sich in Leidenschaften, Obsessionen, Aberglauben und Mythen ausdrücken. So kann ein vollkommen rationales Volk auf einen Schlag fanatisch
werden. Man soll diese magischen Kräfte auch nicht gering schätzen. Denn nur wenn die Menschheit dieses Gefühlsreservoir ausschöpft, wird sie etwas gegen die absolute Irrationalität dieser Welt ausrichten. Wie anders könnten wir die Atomkatastrophe, den 3. Weltkrieg oder den Hunger aufhalten?
SPIEGEL: Haben besonders Frauen magische Kräfte?
ALLENDE: Ja, ich fühle, daß eine Kette von spiritueller Energie die Frauen meiner Familie verbindet, von meiner Großmutter über meine Mutter bis hin zu meiner Tochter. Ich weiß nicht, warum ich das mit Männern nicht so empfinde.
SPIEGEL: Sind Sie Feministin?
ALLENDE: Was heißt denn Feminismus? Das Wort hat so viele Bedeutungen.
SPIEGEL: Suchen Sie sich eine aus.
ALLENDE: Ich habe alle Etappen der Frauenbewegung durchlaufen. Ich arbeitete in der ersten chilenischen Frauenzeitschrift. Damals trugen wir das Banner des Feminismus vor uns her, und ich war eine der Frechsten.
SPIEGEL: Aber feministische Theorien hatten keinen Erfolg in Lateinamerika?
ALLENDE: Aus einem ganz einfachen Grund: Bei uns müssen sich die Frauen ums Überleben der Familie kümmern. Da bleibt ihnen keine Zeit, gehobenen Ansprüchen nachzujagen. Wir lachen uns tot, wenn Sekretärinnen in Europa oder den USA darüber klagen, daß sie am Photokopiergerät begrapscht werden. Lateinamerikanische Frauen sind schon froh, wenn der Mann sie nicht schlägt. Wir kämpfen um frei verkäufliche Verhütungsmittel, um das Recht auf Abtreibung und Ehescheidung.
SPIEGEL: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Machismo?
ALLENDE: Ich war immer außergewöhnlich unabhängig und frei. Ich trage auch nicht den Namen meines Mannes. Er hat es nie leicht gehabt mit mir. Kein anderer Lateinamerikaner würde es wohl mit mir aushalten. Aber natürlich hat man auch mich als typische Frau erzogen. Noch heute, in meinem Alter, wechsle ich die Straßenseite, wenn ich an einer Baustelle vorüber muß, denn ich will nicht, daß mich die Männer vom Bau angaffen und anmachen. Diese unterschwellige Aggression erlebe ich ständig, und das macht mich wütend.
SPIEGEL: Und aus dieser Wut entstehen die starken Frauengestalten Ihrer Romane?
ALLENDE: Diese Frauen existieren ja. Ich bin von starken, fähigen Frauen umgeben, die ihre Familie durchbringen. Sie haben ein großes Plus gegenüber den Männern; denn die sind durch den Machismo in ihren Gefühlen verstümmelt. Im allgemeinen ist der Lateinamerikaner ein sehr schlechter Gefährte, ein sehr schlechter Liebhaber und sehr schlechter Vater. Das Wichtigste für den Macho ist es, Frauen zu sammeln. Zu einer dauerhaften Beziehung ist er unfähig.
SPIEGEL: Idealisieren Sie die Frauen nicht zu sehr, wenn man bedenkt, daß 1973 Chileninnen der Oberschicht die Militärs zum Putsch aufhetzten? Sie warfen ihnen Körner vor die Füße und schmähten die Offiziere als "feige Hennen". Und jetzt, nach dem Attentat, schrien wieder Frauen "Hart durchgreifen, Pinochet".
ALLENDE: Da müssen wir schon nach Schichten unterscheiden. Die Proletarierin in den Slums überlebt dank der Armenküchen, wo jeder das Seine zur gemeinsamen Suppe beiträgt. Diese Frauen gehen heute auf die Straße und trommeln auf leeren Töpfen gegen die Diktatur. Diese Frauen werden verhaftet, gefoltert, getötet, oder sie verschwinden ganz einfach.
SPIEGEL: Die Frauen aus dem Bürgertum verhalten sich dem Regime gegenüber doch eher gleichgültig. Wie hat sich denn Ihre Mutter mit der Diktatur arrangiert?
ALLENDE: Die hat sich nicht arrangiert. Sie ist eine Dame von 65, früher war sie sehr schön und elegant, gewohnt, gut zu leben und sich bedienen zu lassen. Aber heute geht sie auf jede Demonstration gegen das Regime. In der Handtasche hat sie immer eine Zitrone und ein Tuch, die sie vor Nase und Augen preßt, um sich gegen Tränengas zu schützen. Sie trägt auch keine hohen Absätze mehr, weil sie vor der Polizei davonlaufen muß.
SPIEGEL: Und woher kommt Pinochets jubelnde Damenriege?
ALLENDE: Die Frauen, die Sie nach dem Attentat in Uniform und mit zum Gruß erhobenem Arm an Pinochet vorbeidefilieren sahen, waren aus allen Landesteilen herbeigekarrt. Staatsbedienstete wurden zur Teilnahme gezwungen, die anderen erhielten einen Bonus. Und welche kleine Krankenschwester traut sich da schon, daheimzubleiben. Aber das ist nur eine Gruppe, so ist nicht ganz Chile. Chile ist wie eine Tausend-Schichten-Torte.
SPIEGEL: Hoffen Sie, daß die Amerikaner, die Pinochet den Steigbügel gehalten haben, ihn jetzt fallenlassen?
ALLENDE: Die Vereinigten Staaten haben in der letzten Zeit ihre Politik geändert, weil sie fürchten, daß das Land sich radikalisiert, wenn Pinochet noch länger an der Macht bleibt, zu einem zweiten Nicaragua wird. Das meinen übrigens auch einige chilenische Militärs.
SPIEGEL: Glauben Sie, daß für Sie der Augenblick der Rückkehr bald kommen wird?
ALLENDE: Ich kehre zurück, wenn Pinochet fällt. Bisher dachte ich jedes Jahr, es sei soweit. 13 Jahre sind für mich sehr lange, aber im Leben Chiles sind sie wie ein Hauch, nichts als ein Seufzer. *KASTEN
Isabel Allende *
ist eine Nichte des chilenischen marxistischen Präsidenten Salvador Allende, der 1973 von den putschenden Militärs umgebracht wurde. Weil sie unter der Diktatur nicht mehr als Journalistin arbeiten konnte, ging Isabel Allende, 44, 1974 nach Venezuela ins Exil. In der Bundesrepublik führen ihre beiden Romane "Das Geisterhaus" und "Von Liebe und Schatten" die Bestseller-Listen an.
Beim Interview in Hamburg mit SPIEGEL-Redakteurinnen Helene Zuber und Swantje Strieder.
Von H. Zuber und S. Strieder

DER SPIEGEL 45/1986
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 45/1986
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„Ja, diese Wochen waren fürchterlich“

Video 01:30

Unterhaussprecher Bercow Der Brexit-Star in zivil

  • Video "Verendeter Wal: 40 Kilo Plastik im Bauch" Video 01:19
    Verendeter Wal: 40 Kilo Plastik im Bauch
  • Video "Überschwemmte Straße in England: Die einen schaffen's - und die anderen..." Video 01:27
    Überschwemmte Straße in England: Die einen schaffen's - und die anderen...
  • Video "Neuseeländischer Bauer gibt Waffe ab: Das ist das Risiko nicht wert" Video 02:11
    Neuseeländischer Bauer gibt Waffe ab: "Das ist das Risiko nicht wert"
  • Video "Virales Video: Elfjähriger dribbelt auf dem Laufband" Video 00:48
    Virales Video: Elfjähriger dribbelt auf dem Laufband
  • Video "Überwachungsvideo: Trennzaun-Domino" Video 01:17
    Überwachungsvideo: Trennzaun-Domino
  • Video "AKW-Abriss: Mit Flex, Kärcher und Wischlappen" Video 06:44
    AKW-Abriss: Mit Flex, Kärcher und Wischlappen
  • Video "Schüsse in Utrecht: Was über den Attentäter bekannt ist" Video 01:47
    Schüsse in Utrecht: Was über den Attentäter bekannt ist
  • Video "Türkei: Wasserwerfer gegen PKK-Anhänger" Video 01:05
    Türkei: Wasserwerfer gegen PKK-Anhänger
  • Video "Videoanalyse zu 737 Max: Wie Boeing sich selbst kontrolliert" Video 04:28
    Videoanalyse zu 737 Max: Wie Boeing sich selbst kontrolliert
  • Video "Mays Brexit-Deal: Unterhaussprecher verhindert erneute Abstimmung" Video 02:29
    Mays Brexit-Deal: Unterhaussprecher verhindert erneute Abstimmung
  • Video "Grasen first! Stoische Schafherde ignoriert Kampfhubschrauber" Video 00:35
    Grasen first! Stoische Schafherde ignoriert Kampfhubschrauber
  • Video "Dieselskandal: Warum soll ich jetzt dafür geradestehen?" Video 06:20
    Dieselskandal: "Warum soll ich jetzt dafür geradestehen?"
  • Video "Terror in Christchurch: Ein Haka für die Toten" Video 02:27
    Terror in Christchurch: Ein Haka für die Toten
  • Video "US-Dashcam-Video: Wo bitte ist die Straße hin?" Video 01:01
    US-Dashcam-Video: Wo bitte ist die Straße hin?
  • Video "Unterhaussprecher Bercow: Der Brexit-Star in zivil" Video 01:30
    Unterhaussprecher Bercow: Der Brexit-Star in zivil