17.11.1986

GESTORBENErich Koch

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Erich Koch, 90. Als einer der brutalsten Satrapen des Führers hatte der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar der Ukraine bei Kriegsende eine der prototypischen Nazi-Karrieren hinter sich: vom bleistiftspitzenden Kleinbürger zum massenmörderischen Herrenmenschen. Bereits 1926 war der in Elberfeld geborene Lohnbuchhalter der Reichsbahn wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP vom Dienst suspendiert, zwei Jahre später aber zum Gauleiter (1933 zum Oberpräsidenten) von Ostpreußen ernannt worden. Für den Landser an der Ostfront machte Koch 1941 auf seine Weise Geschichte: Die eroberte Ukraine hielt er für den rücksichtslos auszubeutenden Brotbeutel des Deutschen Reiches und die Bewohner für ein "Negervolk". Rächern konnte sich der Parteibonze bei Kriegsende zunächst entziehen. Er entkam von Königsberg über die Ostsee in die Umgebung von Hamburg; sein Inkognito wurde wenige Tage nach der Verkündung des Grundgesetzes, im Mai 1949, gelüftet Zwar wurde er wenig später von der zuständigen britischen Besatzungsmacht an Polen ausgeliefert und im März 1959 wegen der Ermordung von 72000 Polen und der Deportation von 200000 weiteren Opfern in KZs zum Tode verurteilt. Doch vor der Hinrichtung bewahrte den auch im polnischen Gefängnis als herrischen Ideologen auftretenden Koch körperliche Gebrechlichkeit. Erich Koch starb vergangenen Freitag im Gefängnis von Wartenstein.

DER SPIEGEL 47/1986
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