29.12.1986

„Wenn schon Pressefreiheit, dann aber gleich richtig“

Vor 40 Jahren: wie der SPIEGEL entstand/Von Leo Brawand *
An der Durchreicheklappe in der Kantine vollzog sich jeden Mittag das gleiche Defilee von Hungerleidern. Doch Hulda Rehse, die Kantinenwirtin im Anzeiger-Hochhaus zu Hannover, unterschied streng nach Hungerleidern erster und zweiter Klasse: Erkannte sie unter den ausgemergelten Gestalten an der Klappe jemanden aus der Redaktion des neuen Nachrichtenmagazins "Diese Woche", die im sechsten Stock arbeitete, so schöpfte sie ihm aus einem Extrakessel Fettbrühe oder Fleischstücke auf den Teller. Fleisch und Brühe stammten aus Beständen der Naafi, der Versorgungseinheit britischer Soldaten.
Wer da an den Fleischtöpfen der Sieger des Zweiten Weltkrieges in Hannover Atzung genoß, das waren neben einigen wenigen Erwachsenen blutjunge Leute, manche kaum dem Hitlerjugend-Alter entwachsen, aus jener Kindergeneration, von der es in den letzten Kriegswochen geheißen hatte, nur sie könnte als Volkssturm mit Panzerfäusten die Niederlage noch verhindern.
Für manche in dem von einer grünpatinierten Kuppel gekrönten Hochhaus, das wie durch ein Wunder inmitten der Trümmerwüste an der Goseriede heil geblieben aufragte, galt als ausgemacht: Die angebliche Journalistenschar wurde vom britischen Geheimdienst, dem Secret Service, ausgehalten.
Erster Mann unter den deutschen Redakteuren schien ein blasser, bebrillter Jüngling zu sein, den die anderen den "Kleinen" nannten - jedenfalls zu Anfang. Große journalistische Erfahrungen besaß dieser Rudolf Augstein nicht. Während des Krieges hatte er ein halbes Jahr beim "Anzeiger" volontiert, nach 1945 ein Jahr für das "Hannoversche Nachrichtenblatt" und für den "Kurier" an der Georgstraße gearbeitet, der Zeitung des SPD-Politikers Kurt Schumacher, der, aus dem Konzentrationslager kommend, bei seiner Schwester in Hannover einquartiert war und versuchte, die Sozialdemokratie in ganz Restdeutschland neu zu organisieren. Auch einige Artikel für die Goebbels-Zeitschrift "Das Reich", so hieß es, habe der junge Augstein geschrieben, allerdings nur Theaterkritiken oder ähnlich politisch Unverfängliches.
Ein anderer fiel an Hulda Rehses Futterklappe vor allem durch seine Kleidung auf. Er hieß Hans Joachim Toll und trug inmitten der tristen, umgefärbten Wehrmachtsröcke und Panzerblusen stets einen modischen Maßanzug.
Pfeifenraucher Toll war Kulturredakteur bei der "Niedersächsischen Tageszeitung" ("NTZ"), dem Blatt der NSDAP in Hannover, aber schon aus ästhetischen Gründen nie ein Freund der Nazis gewesen. Ihn hatten die Briten als zweiten nach Augstein eingestellt, wobei sich die Anstellung eher nach Art des niedersächsischen Pferdehandels denn nach Arbeits- oder Tarifverträgen vollzogen hatte.
Mit Augstein gingen die drei britischen Soldaten, die manchmal mittags Hulda Rehses Kantine beehrten (dort aber nicht aßen), am freundschaftlichsten um. Zwei von ihnen, die Stabsfeldwebel Harry Bohrer und Henry Ormond, sprachen deutsch ohne Akzent, der dritte galt mit seinen 22 Jahren als jüngster Major der Rhine Army; er hieß John Chaloner, stammte aus einer englischen Verlegerfamilie und zeigte ein ausgesprochenes Faible für PS-starke Autos und hübsche Mädchen. Mit beiden kam er schnell auf Touren.
Die drei Briten gehörten einer Dienststelle an, der Kontrolle und Aufbau von Presse und Rundfunk in Lower Saxony (Niedersachsen) übertragen worden war. Dem Prager Emigranten Bohrer hatte die Auswahl der deutschen Mitarbeiter für "Diese Woche" oblegen. Wer zu ihm vorgedrungen oder auserwählt worden war, hörte nur Vages über das journalistische Unterfangen. Der korrekte Bohrer, dessen deutsche Putzfrau stets drei auf Hochglanz polierte Koppelriemen parat zu halten hatte, warnte eher, als daß er zuriet.
"Ich kann Ihnen nichts bieten", eröffnete er seinen deutschen Kandidaten. "Ich weiß nicht, was wir zahlen können. Ich weiß nicht genau, wo wir drucken werden, was für einen Apparat wir aufziehen. Aber es wird Ihnen großen Spaß machen ..." Etwas Schriftliches bekam keiner der Mitarbeiter in die Hand - kein Wunder, denn bei der Gründung der neuen Zeitschrift handelte es sich im Grunde um eine Schnapsidee des sich nach Ende der Kampfhandlungen langweilenden Majors Chaloner, auf jeden Fall um eine rein private Unternehmung der drei Initiatoren, bei deren Erörterung Sprit in mancherlei Form eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hatte. Eine offizielle Anweisung oder Genehmigung lag nicht vor. Im Gegenteil, es fehlte nicht an Warnungen und Anfragen aus London, was die drei denn da mit ihrer Amateurtruppe vorhatten und ob man das knappe Papier nicht lieber für gehobene literarische Vorhaben verwenden sollte.
Der umgängliche Hans Joachim Toll, immerhin Mitte Vierzig, galt als gestandener Journalist; ihm wurde die Leitung der Kulturredaktion übertragen. Er konnte auf eigene Buchveröffentlichungen verweisen (Beispiele: "Der chronische Chronist" sowie ein mehrteiliges "Hannoversches Wörterbuch", in dem er Sprichwörter "vor der Vergessenheit bewahren" wollte) und freute sich bei seiner Einstellung noch, einen großen Teil seiner früher geschriebenen Kurzgeschichten ("alle völlig unpolitisch") in dem neuen Blatt verwenden zu können. Sein Irrtum über die Art der neuen Zeitung war verzeihlich, hatte doch selbst Augstein anfangs geglaubt, es gelte, ein satirisches Magazin herauszubringen.
Für das Wirtschaftsressort warb Harry Bohrer den 21jährigen Arbeitersohn Leo Brawand an, der noch als Lehrling bei
der Frankfurter Versicherungs-AG in Hannover bis 1942 Leo Borowiak hieß. Nachdem er in Rußland drei Maschinenpistolenkugeln eingefangen hatte, war er gerade rechtzeitig zum Kriegsende mit seinem "Langemarck"-Studium fertig geworden und unterrichtete an der privaten Handelsschule Buhmann Betriebswirtschaftslehre und Englisch.
Außer einem prämierten "NTZ"-Aufsatz als 14jähriger im Herbst 1939 ("Wir sammeln Eicheln für den Sieg!"), kleinen Meldungen in hannoverschen Tageszeitungen und einem journalistischen Kurzkurs an der Volkshochschule prädestinierte ihn nichts für die neue Aufgabe. Als Probearbeit lieferte er einen Artikel mit der Überschrift "Der Völkerbund ist tot, es lebe die Uno". (Wenn fortan von dem "Wirtschaftsredakteur" die Rede ist, handelt es sich um den Verfasser.)
Neben weiteren Twens von Anfang 20 zählten noch zwei Männer über 40 zur Redaktion: Dr. Werner Hühne, ein seriöser Brillenträger, der ob seiner glattgescheitelten Frisur und zumeist dunklen Kleidung von den Jünglingen "Herr Oberlehrer" tituliert wurde, aber als Berater Augsteins zunächst einige Bedeutung gewann. Hühne war vor seiner Einberufung Chef vom Dienst gewesen, war in der protestantischen Laienbewegung engagiert und galt als ein typischer Generalanzeiger-Journalist.
Fast gleichaltrig mit Hühne war Roman Stempka, ehemals Berliner Scherl-Photograph und während des Krieges Angehöriger einer Wehrmachts-Propagandakompanie. Kettenraucher Stempka konnte seine ersten Photos noch in einer Zigarrenkiste als Archiv unterbringen, so wenige waren es. Sein Wahlspruch lautete: "Merkt euch, een Bild saacht mehr als tausend Worte", ein zweiter, wenn es hektisch zuging: "Pulver, Pulver, es rauchen die Banditen!"
Das anvisierte Nachrichtenblatt sollte ein Männermagazin sein; Frauen waren für gehobene Positionen nicht vorgesehen. Mit Lore Ostermann (Augsteins späterer erster Frau), Hanne Walz (im Kulturressort) und Hildegard Neef (vorher Sekretärin und Dolmetscherin von Major Chaloner) jedoch waren drei intelligente Damen an Bord.
Tolls Kulturmitarbeiterin Hanne Walz, 25, hatte schon bei der Information Control Unit in Hannover Dienst getan, die im ehemaligen "NTZ"-Gebäude an der Georgstraße untergebracht war, wo auch Rudolf Augstein für die Briten arbeitete. Sie saß in der "Empfangs-Butze", einem WC-großen Raum mit drei Fenstern, die jeder passieren mußte, der zu den Engländern (darunter dem Entnazifizierungsoffizier Cohn) gelangen wollte.
Von soviel Information und Zeitung umgeben, erwachte schließlich auch in der diplomierten Englisch-Dolmetscherin der Universität Göttingen der Wunsch, Journalistin zu werden. Als sie von der bevorstehenden Gründung Harry Bohrers hörte, überreichte sie ihm deshalb ein Probemanuskript mit der Schilderung ihrer Erlebnisse als Empfangsdame, "und Harry stellte mich sofort ein" (Walz). Monatsgehalt: 300 Reichsmark.
Als unverzichtbar erwies sich die Riege der Redaktionsdamen vor allem bei den in Hannover bald vielgepriesenen Festen von "Diese Woche". Da ging es sehr frei und sehr lustig zu, und wenn doch einmal Tränen flossen, so nicht aus Trauer um das Schicksal Deutschlands, sondern weil der verabreichte Methylalkohol zu Tränenfluß und manchmal auch zeitweiliger Erblindung führte.
Ein schriftliches Programm oder auch nur eine konzeptionelle Antrittsrede Harry Bohrers oder seiner beiden Prop-Kameraden für die Redaktion im Anzeiger-Hochhaus gab es nicht. Der Redaktionsalltag begann banal.
Harry Bohrer - der Mann aus Prag
Während der ersten Wochen des Jahres 1939 hörte in Prag ein junger Mann aus jüdischer Familie die politischen Alarmnachrichten im Radio mit wachsender Sorge: Harry Bohrer, damals noch "Hanus" Bohrer und 23 Jahre alt, in dessen Verwandtschaft tschechisch und deutsch gesprochen wurde. Die Familie, fest in jüdischer Tradition, fühlte sich aber dem deutschen Kulturkreis verbunden, Harry Bohrer besonders. Während sein Bruder Aaron ein tschechisches Gymnasium besuchte, war Harry auf ein deutsch-tschechisches Gymnasium gegangen, jenes, auf dem auch Franz Kafka Schüler gewesen war. Da Harry Bohrer Hitlers "Mein Kampf" gelesen hatte und die radikalen Parolen des sudetendeutschen Führers Konrad Henlein ernst nahm, gab er sich keinen Illusionen über die Zukunft seines Landes hin.
Als am 15. März 1939 deutsche Soldaten in Prag einmarschierten und auf der Prager Burg die Hakenkreuzfahne
hißten, befand sich Harry Bohrer bereits in Großbritannien.
Die Eltern und die Schwester blieben in Prag, in der Hoffnung, daß alles schon nicht so schlimm werden würde.
Bohrers Schwester reihte sich in den ersten Besetzungswochen noch in die Warteschlangen vor der Botschaft Panamas und anderer mittelamerikanischer Staaten ein, um ein Ausreisevisum zu erlangen. Man wies sie überall ab. Eines Tages wurde ihr Mann, ein Ingenieur, zum Transport in ein Konzentrationslager geholt, und die S S-Führer erklärten den Ehefrauen, wer seinem Mann nachreisen und im Arbeitslager mit ihm zusammen sein wolle, könne das tun; es werde ein entsprechender Frauentransport zusammengestellt. So folgte sie ihrem Mann in den Tod.
Fast zwei Jahre lang arbeitete der junge Emigrant Harry auf der Insel als Waldarbeiter, dann zwang ihn ein Herzleiden, damit aufzuhören. Als die deutsche Invasion drohte, trat er freiwillig in die Armee ein (Bohrer: "Nach dem Herzfehler fragte da niemand mehr"). Wegen seiner Deutschkenntnisse kam er zu einer Informationseinheit; einige Zeit war es seine Aufgabe, Kriegsgefangenen-Post zu überprüfen. Bei Kriegsende saß er, inzwischen zum Stabsfeldwebel befördert, in Brüssel und mopste sich.
Im Oktober 1945 versetzte er sich deshalb selbst (Bohrer: "Das gab s nur in der englischen Armee, sonst nirgendwo auf der Welt"), und zwar nach Hannover, wo er bei der 30th Information Unit landete. Hier bekam er erstmals ein Exemplar des von Major John Chaloner und seiner deutschen Sekretärin und Dolmetscherin Hildegard Neef unter dem Datum des 29. März 1946 zusammengeschnittenen "Dummy", der Probenummer des neuen Nachrichtenmagazins, zu Gesicht, und bald darauf gab es zwischen Chaloner und Bohrer die erste Begegnung in Chaloners Osnabrücker Dienststelle.
Bohrer erzählte von Prag; Chaloner erläuterte sein Zeitschriftenprojekt: Er finde die deutschen Tageszeitungen, die bis dato wieder zugelassen seien, sterbenslangweilig. Man müsse etwas viel Lebendigeres, mit viel Hintergrund bringen, so etwas wie das britische Magazin "News Review" oder das amerikanische "Time". Chaloner: "Wenn wir den Deutschen schon die Pressefreiheit bringen, dann aber gleich richtig. "
Er blätterte mit seinem Gast jenes Urmagazin durch, das er im Frühling mit Hildegard Neef und anderen Mitarbeitern zusammengestellt hatte. Es zeigte ein schwarz-weißes Titelbild mit dem britischen Außenminister Bevin bei einer Ansprache, den Mund geöffnet wie ein luftschnappender Karpfen. Das "Dummy" trug die Überschrift "Diese Woche", Ausgabedatum war der 29. März 1946, und der Preis betrug 1,- RM (Reichsmark). Alle Texte waren bereits in deutsch. Mit Photos und einer Einfuhrstatistik garniert, zeigte es im Innern
bereits die magazintypische Einteilung in verschiedene Sektionen. Ein zweites Gespräch der beiden britischen Soldaten fand auf dem Dümmersee statt, wo der flotte Major außer zwei Segelbooten auch ein Ruderboot für sich requiriert hielt. An einem heißen Sommertag mußte Stabsfeldwebel Bohrer erneut antreten, und abwechselnd die Ruder schwingend, befuhren beide stundenlang diskutierend das 15 Quadratkilometer große niedersächsische Gewässer. Es war dies der eigentliche Stapellauf des Magazins.
Während der Kahnpartie einigte man sich über die redaktionelle Konzeption im einzelnen nach angelsächsischem Vorbild. Bohrer schwitzte vom vielen Rudern und wagte nicht, das weiße Koppelzeug abzulegen. Am Schluß jedoch jagte er, Steinhägerbeflügelt, das Boot mit einem furiosen Endspurt so an den Steg, daß der Major fast ins Wasser fiel.
Der "Kindergarten", wie die überwiegend jugendliche Redaktion im Anzeiger-Hochhaus manchmal genannt wurde, konnte sich keinen besseren Betreuer wünschen. Einmal schaffte Bohrer sogar auf einem Armeelastwagen 30 fabrikneue Fahrräder für seine Schützlinge heran - alle beschlagnahmt im Namen Seiner Britischen Majestät König Georgs VI.
Das "Sturmgeschütz der Demokratie" wird geladen
Vom 14. Oktober 1946 an hieß es, zunächst einmal eine erste geschlossene Probenummer des Magazins fertigzustellen, als ob es in der nächsten Woche am Kiosk verkauft werden sollte. "Time"und "News Review"-Exemplare lagen als Anschauungsmaterial auf den Tischen; alle als vorbildlich erachteten Artikel wurden ins Deutsche übertragen und auf die Konstruktionsmerkmale der angloamerikanischen "Story", vor allem auf die knappe, saloppe Sprache hin diskutiert.
Was als interessant und was als flott zu gelten hatte, bestimmte Harry Bohrer, der während des ersten knappen Vierteljahres bei "Diese Woche" als ein Über-Chefredakteur agierte. Bohrer sah möglichst jeden Artikel selbst durch und redigierte ihn.
Anhand der angloamerikanischen Vorbilder und der für die Probenummer diskutierten Themen mühten sich die Newcomer tage- und nächtelang herauszufinden, was beispielsweise ein guter Geschichten-Anfang sei, der den Leser wie "mit einem Lasso" fesselte und zum Weiterlesen animiere. Auslandsredakteur Willi Gerberding beispielsweise meinte, "Auf geht's im Bayerischen Landtag", das sei ein guter Beginn eines Themas im Deutschlandteil, da wolle doch jeder wissen, was denn da weiter passiere. Bohrer legte ebenso Wert auf das "Lead", das heißt den Anfang, wie auf gute Details, wie überhaupt eine Menge journalistischer Anglizismen die Debatte beherrschten.
So las sich das Lead des Probeartikels über Hermann Görings Gift-Selbstmord in Nürnberg: "Göring wühlte noch
einmal in seinem Juwelenkasten. Seine Blicke glitten liebkosend über zahlreiche Orden und die goldenen, mit Diamanten besetzten Reichsmarschallstäbe. 'Dieser Ring ist ungefähr 240000 RM wert', hörten die erstaunten Wärter ihn sagen. Dann liest er wieder in Bengt Bergs 'Mit den Zugvögeln nach Afrika', bis er plötzlich die Bitte äußert, man möge ihm sein silberbeschlagenes Reisenecessaire bringen: Die frauenhaft weichen Hände hantieren mit Gesichtscreme, Puder und Haaröl."
Oder eine von dem jungen Karl-Heinz Kallenbach geschriebene, zeitgemäße Geschichte über die standrechtliche Erschießung eines befreiten polnischen Fremdarbeiters durch britische Soldaten, der bei Raub und Plünderungen sage und schreibe 27 Menschen ermordet hatte: "Am 22. Oktober um acht Uhr folgte Theophil Wasalek einer Verabredung mit zehn englischen Infanteristen und Freund Hein in einem ausrangierten Steinbruch. Wasalek stand dem Exekutionskommando gegenüber."
Die Titelstory der ersten Probenummer maß insgesamt nur eine einzige Seite und teilte im Grunde kaum mehr mit, als daß Sowjet-Außenminister Molotow samt Delegation die erste Friedensfahrt des einstigen Truppentransporters "Queen Elizabeth" nach den USA mitmachte, um an der Uno-Konferenz teilzunehmen. Lediglich daß die "Queen" als erstes Schiff im Frieden mit Radar fuhr, besaß einigen Nachrichtenwert.
Obwohl die Redakteure der Deutschlandredaktion bereits eine Tabelle vorbereiteten, in der Korrespondenten für Mecklenburg, Sachsen und Thüringen mit Namen und Adressen eingetragen werden sollten - niemand konnte sich die deutsche Zukunft anders als gesamtdeutsch vorstellen -, schwante Augstein, daß eine Berichterstattung aus dem sowjetisch besetzten Teil Restdeutschlands wohl nur auf konspirative Weise möglich sein würde.
Dem trug er später dadurch Rechnung, daß er einen hochkarätigen Journalisten, hauptamtlich Redakteur der SED-Parteizeitung "Neues Deutschland", als geheimen Mitarbeiter anheuerte: Kurt Blauhorn lieferte unter Decknamen aus dem Informationszentrum der Einheitspartei Hintergrundmaterial für so brisante Artikel des Magazins, daß seine Chefredaktion und die Partei regelrechte Inquisitionen anstellten, um die Quelle aufzudecken. Ehe das aber gelang, konnte Blauhorn entwischen und in der Zentralredaktion in Hannover die Arbeit aufnehmen.
Bei der Diskussion um die Konzeption der Zeitschrift spielten im Probestadium auch jene erfolgreichen kritischen Blätter der Weimarer Zeit eine Rolle, an die Bohrer geistig anzuknüpfen empfahl. Dazu zählte "Die Fackel" von Karl Kraus, ebenso, auf Hinweis Augsteins, die "Weltbühne" des nach seiner KZ-Haft umgekommenen Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky. Die Zeitschrift, in der so berühmte Journalisten wie Kurt Tucholsky und Erich Kästner geschrieben hatten, sei ein echtes Kampfblatt gegen Spießertum, Chauvinismus und den Übermut der Ämter gewesen. Das sei ein gutes deutsches Vorbild, das es mit der Machart des Newsmagazines zu kombinieren gelte. Bohrer warnte allerdings in einem Punkt: Namensartikel der Autoren wie bei der "Fackel" und der "Weltbühne" könne es bei "Diese Woche" nicht geben, persönliche Berühmtheit werde also kein Mitglied der Redaktion je erlangen.
Rudolf Augstein hielt sich zu dieser Ansicht bedeckt, meinte aber, auf jeden Fall müsse die Zielrichtung ähnlich kritisch sein. Als vorbildliches Beispiel verwies er auf einen "Weltbühne"-Artikel unter der Überschrift "Windiges aus der deutschen Luftfahrt", mit dem Ossietzkys Schreiber in den zwanziger Jahren aufgedeckt hatten, wie die Flieger der Hunderttausend-Mann-Wehrmacht von Weimar durch geheime Übungen die Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles unterlaufen hatten.
So etwas aufzudecken, meinte der junge Chef, demokratische Transparenz zu schaffen und überhaupt die Hohlräume zwischen politischer Deklamation und tatsächlichem Handeln bloßzulegen, das müsse auch die Aufgabe des Magazins werden. Und Augstein erfand gleich einen zugkräftigen Begriff, den er hinfort gern verwendet sah. Das Nachrichtenmagazin neuen Typs müsse zum "Sturmgeschütz der deutschen Demokratie" werden.
Blauäugig und naiv - der zweite Startversuch
Ihrer politischen Unschuld entsprachen die Blauäugigkeit und schlichte Unkenntnis der Bohrerschen Jungmannschaft auf bestimmten Gebieten. "Ich wußte nicht einmal genau, was eine Gewerkschaft ist", gab Augstein zu, "bis Bohrer mir ein Buch darüber gab."
Der Wirtschaftsredakteur andererseits stellte in einem Probeartikel die Behauptung auf, der Sozialismus stamme aus dem Osten. Marx und Engels waren bei der weltanschaulichen Schulung in seinem Hitlerjugend-Fähnlein 4 der Nordstadt nicht behandelt worden; Bohrer klärte ihn über seinen Irrtum auf. Und bei dieser Gelegenheit rügte der britische Ober-Chefredakteur in der freundlichsten Weise, die Formulierung "Um es gleich vorweg zu sagen" sei ein recht beschissener Artikelanfang und keineswegs als Lese-Lasso anzusehen.
Titelbild der Probenummer 2 zeigte ein Photo vom schwarzen Markt, aufgenommen vor Hannovers zerbombtem Hauptbahnhof, wo sich auch Redakteure Brotmarken "schwarz" besorgten. Den Aufmacher des Heftes bildete wiederum ein echter "Augstein": diesmal beschrieb der junge politische Redakteur, wie die Russen, ausgerechnet nach dem Tag ihrer Wahlniederlage in Berlin, bei Nacht und Nebel Tausende von deutschen Technikern mit und ohne Familie zwangsweise zur Arbeit in die Sowjet-Union verfrachtet hatten.
Schon dieser, nur in eine Probenummer aufgenommene Beitrag des späteren Herausgebers demonstrierte ein jetzt 40 Jahre geltendes Prinzip des Nachrichtenblattes: keinen berufsmäßigen Antikommunismus! Im zweiten Drittel des "Aufmachers" nämlich befaßt sich Augstein mit der Kehrseite der Medaille, der Tatsache, daß die Westmächte sich gleichfalls der Dienste deutscher Techniker versichert hatten. Auch die zweite Ausgabe steckte noch voller mißglückter Versuche, witzig und originell zu sein, was sich vor allem an
den Artikelüberschriften und Bildzeilen ablesen ließ. Da hieß es zum Beispiel unter dem Photo von General Anders, dem Befehlshaber der polnischen Exilarmee im Zweiten Weltkrieg: "Anders: Polen anders!", und über dem Artikel, der kundtat, ein deutscher Kriegsgefangener mit dem Pseudonym "Vyll Glyk" habe in England einen Literaturpreis gewonnen, stand: "Vyll Glyk hatte viel Glück."
Trotz aller Unzulänglichkeiten indes waren Rahmen und Inhalt der zweiten Probezeitschrift neuen Typs für Deutschland erkennbar an jenem Grundprinzip orientiert, das Hans Uwe Magnus, Verfasser einer Dissertation über "Time", so beschrieben hat:
Das Nachrichtenmagazin trifft eine Auswahl aus den Nachrichten einer Woche, die, in festliegenden Sparten geordnet, anonym und uniform gestaltet, reichlich illustriert, durch einen eigenwilligen Stil erzählend dargeboten, im Zusammenhang und vor einem Hintergrund geschildert und mit besonderer Zuspitzung und Voranstellung ihres menschlichen und persönlichen Elements in meist kritischer Interpretation dargestellt werden.
An Schlaf oder geregelte Arbeitszeiten konnte die Crew im Hochhaus während der "Probe"-Wochen nicht denken: Abends spurtete Augstein mit seinen Mitarbeitern zu einem Imbißstand am zertrümmerten Steintor, der zwar noch die Aufschrift "Bratwurst-Glöckle" trug, aber mangels Masse keinen Bratwurstduft verbreitete. Es gab Muschelbrötchen und Heißgetränk, eine bonbonfarbene Flüssigkeit von fadem süßem Geschmack, oder sogenanntes Molke-Bier.
Während die Hannoveraner wie ihre Mitbürger dem schlimmsten Hungerwinter der Nachkriegszeit entgegengingen, herrschte Anfang November unter den Magazinern im Anzeiger-Hochhaus Premierenstimmung.
Rudolf Augstein - Bürgersohn
Sein Vater war Fabrikant photographischer Geräte. Während der Weltwirtschaftskrise 1930 verkaufte er die Fabrik - sie steht heute noch - rechtzeitig. Dann war er Handelsvertreter und kaufte sich 1936 ein Photogeschäft. Man war betont katholisch, lebte in der "Diaspora", und Rudolf Augstein, am 5. November 1923 als sechstes von sieben Kindern in Hannover geboren, erfuhr eine "lückenlose katholische Erziehung" und räumt ein, daß diese ein bestimmtes Muster hinterlassen habe. Wahrscheinlich auch, nachdem ihm mit 14 bis 15 Jahren erste Zweifel an seiner Kirche kamen, ein bestimmtes Anti-Muster. Bruder Josef, später unermüdlicher Rechtshelfer, erinnerte sich kaum an gemeinsame Erlebnisse. Er "hörte immer nur, was für ein großartiger Schüler Rudolf war; lauter Einser und so".
Als 1940, schon nach einem Kriegsjahr, Frankreich bezwungen war und Deutschland an allen Fronten zu siegen schien,
lieferte der Primaner Augstein an seiner Schule die nahezu gespenstische Vorausschau eines Zeitgenossen, der die allgemeine Euphorie nicht teilte.
Gelegenheit dazu ergab sich durch das Aufsatzthema: "Die politische, wirtschaftliche und militärische Lage Englands nach dem Ausscheiden Frankreichs." Augstein klagte einleitend über die "einseitige Unterrichtung durch die Presse" und schrieb unter anderem:
Wir wollen es uns nicht verhehlen: England ist noch nicht besiegt, ja es ist noch nicht einmal wirksam geschlagen worden. Nichts wäre verderblicher, als zu glauben, die zähen und tüchtigen Angelsachsen der germanischen Völkerfamilie würden genauso rasch und geschlagen um Frieden bitten, wie ... Frankreich. Eine Hoffnung mögen wir getrost zu Grabe tragen, daß das britische Empire in einem längeren Kriege aus sich heraus zusammenfallen würde. Der Riesenapparat des Weltreichs im Verein mit den Industrien und Agrarprodukten des ganzen amerikanischen Kontinents und vermehrt durch die Kolonialgebiete Frankreichs, Belgiens und Hollands reicht vollkommen aus, selbst die angespanntesten Bedürfnisse der Kriegswirtschaft zu befriedigen.
Verständige Lehrer gaben die Arbeit unzensiert zurück, verwarnten den Häretiker und bestraften ihn lediglich dadurch, daß ein anderer an seiner Statt die Abschlußrede auf der Abiturfeier halten durfte.
Den verlorenen Krieg seit seinen Pennälertagen vor Augen, trachtete der Soldat Augstein danach, nicht "ganz vorn verheizt" zu werden.
Das Schlußszenario des Zweiten Weltkriegs sieht ihn als Leutnant an der Elbe, er ist während der letzten Kriegstage, auf der Suche nach seiner Truppe, praktisch zum Deserteur geworden. Er wird von einer Wehrmachtsstreife aufgegriffen und einem Hauptmann vorgeführt, der ihm eröffnet: "Eigentlich sollte ich Sie aufhängen, aber was soll das jetzt noch."
Schließlich erwischt es den Rückzügler doch noch. Ein Schrapnellsplitter reißt ihm den rechten Unterarm auf. Die Wunde blutet stark, und weit und breit ist kein deutscher Sanitäter, weil alles rennet, rettet, flüchtet. Es sind polnische Fremdarbeiter, nach der NS-Terminologie Menschen zweiter Klasse, die ihn vorm Verbluten bewahren. Sie setzen den Verwundeten auf ein Fahrrad und schieben ihn zum nächsten Provinzarzt. Sechs Wochen nach der Kapitulation kommt er in das intakt gebliebene Elternhaus in Hannover zurück.
An ein Studium der Geisteswissenschaften, wie im Abiturzeugnis vermerkt, war jetzt nicht zu denken, die Universität Göttingen noch geschlossen. Um die Zeit zu überbrücken, will der Heimkehrer wieder zur Presse, und in dem von englischen Kontrolleuren besetzten Verlagshaus an der Georgstraße residiert jetzt Major John Chaloner. Bei ihm muß sich jeder Bewerber melden.
Der stellvertretende Pressekontrolloffizier der britischen Militärregierung in Hannover war stolz auf seine Methode, Kandidaten für einen auf demokratische Erneuerung ausgerichteten Zeitungsjob zu überprüfen. Gemeinsam mit Leutnant Ralph Kingsley, einem jüdischen Emigranten, nahm er sich Augstein vor, dessen Fragebogen auf dem Tisch. Chaloner: "Augstein saß da, blaß, klein, in einem grauen Militärmantel, er machte nicht viel von sich her."
Augstein bekam eine Anstellung beim "Hannoverschen Nachrichtenblatt", einer Tageszeitung der Militärregierung, die viermal in der Woche erschien und nur aus einer Vorder- und einer Rückseite bestand. Ein Jahr später wurde er für sechs Wochen Angestellter des ebenfalls von den Engländern betriebenen "Neuen Hannoverschen Kurier", als dessen Lizenzträger später Kurt Schumacher und Egon Franke fungierten. "Das Nachrichtenblatt", am 30. Mai 1945 erstmals erschienen, setzte vor allem die Politik der Besatzungsmacht um.
Major Chaloner zeigte Zufriedenheit mit seiner journalistischen Entdeckung. Im Frühjahr 1946 schickte er Augstein zu einer von ihm selbst in Lüneburg organisierten Tagung mit alliierten Korrespondenten und deutschen Journalisten. In London hielt man nichts von der Sache, aber der streitbare Major, der für sich über einen Bruder seines Kollegen Kingsley sogar den Mercedes (Roadster) des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop als Dienstwagen requiriert hatte, brachte die internationale Runde für drei Tage zum Gedankenaustausch ins Lüneburger Rathaus. Gelegenheit, sich für seine Rettung als Verwundeter zu revanchieren, ergab sich für den "Nachrichtenblatt"-Redakteur Augstein, als er zu einem Mordprozeß nach Oldenburg mußte. Dort war ein Pole angeklagt, ein Kind mißbraucht und umgebracht zu haben. In seinem Prozeßbericht vermochte Augstein darzulegen, daß der Beschuldigte die Tat nicht begangen haben konnte. Er rettete ihm damit das Leben. Mit Glück bekam er selbst dann noch die Kurve, als ihn Major Kelly, sein oberster Chef beim "Nachrichtenblatt", feuern wollte, oder genauer: er sogar schon entlassen war.
Augstein hatte über den KZ-Prozeß Bergen-Belsen berichten sollen und war von Kelly gefragt worden, ob er stenographieren könne. Er hatte das bejaht. Als eine Stunde später eine Sekretärin in seinem Zimmer erschien und erklärte, sie habe vom Major den Auftrag, Augsteins Kenntnisse in Stenographie zu überprüfen, mußte er zugeben, gelogen zu haben. Daraufhin ließ ihn Kelly zu sich kommen und fuhr ihn an, er sei entlassen. Er solle seine Sachen packen.
Der Gefeuerte lungerte noch eine Weile im Hause herum, klaubte schließlich seine persönliche Habe zusammen und schickte sich an, die Stätte seines journalistischen Wirkens zu verlassen. Es war Nacht geworden, und als Augstein über den Hof ging, hörte er aus einem im Halbdunkel parkenden Wagen merkwürdige Geräusche. Er öffnete die Tür, erblickte den Major, arg bekleckert und vergebens um letztmögliche Fraternisation mit einer deutschen Sekretärin bemüht. Augstein fragte: "May I help you?" Das war nicht nötig, aber er hatte seinen Posten wieder.
Als es darum ging, ihn zur Nummer 1 des geplanten Nachrichtenmagazins zu küren, gab die doppelte Gnade von Geburt und Alphabet den Ausschlag. In dem entscheidenden Gespräch zwischen Chaloner und Bohrer über die Zusammensetzung der Redaktion wies der Major auf einen vorsortierten Stapel Personalpapiere, dann sagte er: " Hier ist gleich einer unter 'A', ein Rudolf Augstein, den nehmen Sie man als ersten, ich kenne ihn." Und weiter, lachend: "Der muß gut sein; er ist nämlich am selben Tag geboren wie ich!"
Das war ein Befehl.
"Diese Woche" am Kiosk
Schließlich schlug nach all den Schreibübungen und Diskussionen die Stunde der Wahrheit: Am 16. November 1946 erschienen 15000 Exemplare der neuen Zeitschrift " Diese Woche" auf dem Markt, gekennzeichnet als "1. Jahrgang - Nr. 1". Preis eine Reichsmark. Das neue Blatt erwies sich als publizistischer Volltreffer.
Noch kurz vor seinem Tode meinte Harry Bohrer zu einigen der alt gewordenen 46er: "Daß wir damals mit einem Dutzend Leuten das Blatt innerhalb von vier Wochen herausgebracht haben, darauf bin ich immer noch ein bißchen stolz. Heute brauchte man dafür mindestens dreißig Mann, mindestens zehn Millionen Mark und mindestens anderthalb Jahre." Da fand sich in "Diese Woche" nichts von dem Verlautbarungs-Journalismus, den John Chaloner so beklagt hatte, und - nicht geringzuachten - da konnten die Journalisten Themen in einer Ausführlichkeit abhandeln, für die den meist nur vierseitigen Tageszeitungen
der Platz fehlte. Und was für Themen!
Da hieß es zum Beispiel, während die Deutschen am (allerdings selbstgewebten) Hungertuch nagten, über die Londoner Regierung, also über die Besatzungs- und Siegermacht Großbritannien:
Die Schamlosigkeit der Regierung wird immer größer. Puter und Geflügel, Extrafleisch, Süßigkeiten und Zucker kündigt Mr. Strachey, der britische Ernährungsminister, für Weihnachten an. Haben denn diese christlichen Staatsmänner nicht die geringste Vorstellung von dem, was augenblicklich in Deutschland vorgeht? Augenscheinlich nicht, sonst würden sie nicht solch eine idiotische Erklärung abgeben.
Das war starker Tobak, aufbereitet in Rudolf Augsteins Aufmacher-Artikel für den Deutschlandteil, der unter der Überschrift lief: "Hunger an der Ruhr - Chaos über Deutschland". Augsteins Trick: Nicht er, nicht das Magazin kritisierte derart scharf die Londoner Regierung, sondern ein bekannter Engländer, der jüdische und sozialistische Verleger Viktor Gollancz, der sich um die hungernden Deutschen kümmerte und einer Bewegung "Save Europe Now" vorstand. Augstein hatte die saftigen Zitate in einem Leserbrief von Gollancz an die englische Zeitung "News Chronicle entdeckt und ausgeschlachtet. Gollancz war erst kurz zuvor von einer Reise aus Westdeutschland zurückgekehrt und über die Zustände dort entsetzt.
In der Tat schrumpfte die tägliche Lebensmittelration in der britischen Besatzungszone während dieser Zeit auf 1200 Kalorien; eine weitere Reduzierung auf 900 Kalorien stand bevor. So war es nicht zu verwundern, daß den hungernden Lesern der Erstausgabe von "Diese Woche" solche Attacken auf die mit vollen Backen kauenden Sieger gefielen. Zumal Augstein im zweiten Teil seines Artikels noch einmal den britischen Verleger auftrumpfen ließ:
Über die tatsächliche Kalorienmenge, die viele Einwohner Düsseldorfs in der letzten Woche erhalten haben, schreibt Gollancz, daß sie zwischen 400 und 1000 Kalorien schwanke. "Vierhundert, sagte Gollancz, "das ist" die Hälfte der Ration von (dem NS-Konzentrationslager) Belsen ...
Mußte der Aufmacher die Briten darüber entsetzen, was hier von einer britischen Zeitung gegen Großbritannien publiziert wurde (im Impressum auf der letzten Seite stand immerhin: Publications Production Unit, 30 Information Control Unit Hannover Region CCG. BE, Hannover, Hochhaus, Goseriede), so bekamen auf Seite 4 die Russen ihr Fett. Inzwischen nämlich war in Hannover ein Facharbeiter aufgetaucht, der schon im Deportationszug nach Osten gesessen hatte und dann geflüchtet war. Vor englischen Offizieren gab er einen eidesstattlichen Bericht ab; Harry Bohrer erfuhr auf dem Dienstweg davon und brachte den Mann zwecks weiterer Einvernahme in die Redaktion. Sein Bericht, in Nr. 1 von "Diese Woche" veröffentlicht, bestätigte die schon in der zweiten Probenummer gemeldete Gewaltaktion der Sowjets.
Mehrere Artikel aus den beiden voraufgegangenen Probeläufen hatten Gnade vor Harry Bohrer gefunden und zierten nun die echte Nr. 1. So die Berichte über den Butterschiebungsfall eines hessischen Molkereibesitzers, über den englischen Literaturpreis für den deutschen Kriegsgefangenen mit dem Pseudonym Vyll Glyk, über die Situation des polnischen Generals Anders (die neue Bildzeile lautete nun: "Noch ist Polen nicht verloren!"), über den Neuaufbau der britischen Armee ohne Schleifen und Hackenschlagen, über eine Beleidigungsklage Churchills wegen einer Buchveröffentlichung sowie über die von Erich Kästner, Redakteur bei der amerikanischen "Neuen Zeitung" in München, zusammengestellten Tucholsky-Stücke, mit 292 Seiten zum Preis von 5,80 Reichsmark.
Dem inzwischen entdeckten Redaktionsmotto "Nichts interessiert den Menschen mehr als der Mensch" entsprechend, gab es jetzt ein Dutzend Personalien. Unter anderem verzeichnete die Spalte, der Schauspieler Werner Krauss ("Jud
Süß") habe sich mangels anderer Beschäftigung als Schäfer verdingt, Hjalmar Schacht werde ein KZ-Ausweis verweigert und Elisabeth Flickenschildt sei wegen des Verdachts der Fragebogen-Fälschung in Haft genommen worden.
Gar nicht magazingemäß las sich ein Wirtschaftsbericht über den Hunger in aller Welt. Hieß es da doch, und das kam einer Magazin-Todsünde gleich: "Als Urheber dieses Elends trifft uns Deutsche natürlich der Mangel mit besonderer Schärfe." Bohrer belehrte abermals: "Ihr und Euch ist Schweinezeug." - In den Berichten eines Newsmagazines dürfe nicht von "uns" und "wir" die Rede sein.
Das Titelblatt der mit dicken roten Querbalken versehenen Ausgabe Nr. 1 - das Layout hatte ein Kommunist entworfen - zierte ein Photo des Uno-Chefdolmetschers Kaminker; auf der letzten der mageren 22 Textseiten erschien erstmals das Impressum. In ihm waren als Redakteure vier Namen aufgeführt: Augstein (Deutschland), Gerberding (Ausland), Stempka (Bild) und Toll (Kultur). Vier Seiten Anzeigen schlossen sich an, darunter solche für Nivea, Dr. Oetker, Wüstenrot, die Hannoversche Lebensversicherung und allerlei Briefmarkenhändler. Auf dem schwarzen Markt zahlte man bald für das Heft statt des offiziellen Preises bis zu 15 Mark.
"So war das mit der Demokratie nicht gemeint"
Die Götter zürnten schnell. So groß der Anklang unter deutschen Lesern war, im Hauptquartier der British Army in Bad Oeynhausen, bei der britischen Vertretung im Berliner Alliierten Kontrollrat und im Londoner Foreign Office erregte schon die Ausgabe Nr. 1 Anstoß. Nicht nur, daß sich postwendend die Russen wegen des Deportationsartikels bei ihren britischen Kontrollratskollegen von PRISC (Public Relations and Information Services Control) in Berlin beschwerten und in dem Bericht gezielte "antisowjetische Hetze durch ein Blatt der britischen Armee" sahen; auch Augsteins Gollancz-Zitate schlugen Wellen bis in die Innenpolitik an der Themse.
Dabei ging es nicht nur um den Hungervorwurf, sondern auch um Anklagen, die auf der letzten Seite des Heftes unter der Rubrik "Bücher" fast versteckt zwischen einer redaktionellen Mitteilung, dem Inhaltsverzeichnis und dem Impressum auftauchten. Wieder fungierte der Labour-Mann Gollancz als Kronzeuge; diesmal standen seine Aussagen über die britische Deutschland-Politik in einem Buch mit dem Titel "Our Threatened Values" ("Unsere bedrohten Werte").
Darin geißelte Gollancz die Behandlung des besiegten Deutschlands nach 1945 überhaupt. Er schrieb: "Diese Politik, für die wir zum Teil oder allein verantwortlich sind - Annexionen, Vertreibung, wirtschaftliche Versklavung, Nichtverbrüderung und Hungersnot -, stammt mehr aus dem Geist Hitlers, den wir bekämpften, als aus dem des westlichen Liberalismus, um dessentwillen wir Hitler bekämpften." Über den laufenden Kriegsverbrecher-Prozeß in Nürnberg urteilte der Deutschen-Freund: "Nur die Sieger klagen Besiegte an. Während wir sie anklagen, tun wir selbst Dinge, für die wir sie vor Gericht bringen."
Die nächsten Ausgaben des Magazins standen deshalb sämtlich unter dem Damokles-Schwert der Beschlagnahme oder, was auf dasselbe hinauslief, der Verweigerung von Papier durch die Briten. Anderen Zeitungsmachern war das schon passiert. Denn die politische Hauptstoßrichtung des bunten Allerleis von recht kurzen Geschichten ging trotz aller Warnungen weiter gegen die alliierten Siegermächte.
Rudolf Augstein führte in seinem Deutschlandteil (Aufmacher: "Das besetzte Deutschland stürzt der größten Elendskrise seiner Geschichte entgegen ...") nun zum dritten Mal den Londoner Kritiker Gollancz vor. Gegen Amerikaner und Briten zusammengenommen, ließ er in einem Artikel über den Berliner Kontrollrat einen russischen General aufmarschieren, der ihnen die Vorwürfe wegen der Zwangsverschickung deutscher Experten um die eigenen Ohren schlug.
Wie zum Auftakt kommender innenpolitischer Schlachten um die
Deutschland-Politik tauchte erstmals in dem Nachrichtenmagazin der Name jenes Politikers auf, der die Auseinandersetzung mit dem - wie Augstein gesamt-national denkenden - SPD-Führer Kurt Schumacher gewann, der Westdeutschland bombenfest in den westlichen Bündnissen verankerte und der deshalb zum Hauptangriffsziel der Augsteinschen Kreuzzüge werden sollte: Konrad Adenauer.
Der rheinisch-katholische Parteiführer trat mit einem Zitat hervor, das schon seine Entschlossenheit andeutete, sich hinfort weder um die alte Reichshauptstadt Berlin noch um das überwiegend evangelische Mitteldeutschland sonderlich zu kümmern. Über ihn hieß es in Augsteins Artikel:
Wenige Tage zuvor hatte Konrad Adenauer, der CDU-Vorsitzende der britischen Zone, in einem Interview erklärt, er sehe die künftige Hauptstadt des Reiches lieber "in der Gegend des Mains."
Augstein dagegen hoffte, wie Schumacher, auf ein ungeteiltes, wenn auch durch Kriegsschuld verkleinertes Deutschland, mit Berlin als Hauptstadt - und Sitz der Redaktion des noch in der Provinz ausharrenden Magazins. Adenauers "Verzicht" auf Berlin und die daraus ersichtlichen Konsequenzen stießen sofort auf Ablehnung.
Ausgabe Nr. 3 zeitigte insofern etwas Neues, als diesmal die Besatzungsmacht Frankreich bei den britischen Dienststellen in Berlin Protest gegen das Blatt erhob. Vermutlich hatten sich die Franzosen über die Titelgeschichte ("Schickt uns unsere sechs Millionen Gefangene zurück") geärgert, weil Deutsche noch zu Tausenden in ihren Bergwerken schufteten.
Dagegen ließ sich die Weihnachtsausgabe von "Diese Woche', eine Doppelnummer mit 34 redaktionellen Seiten, geradezu friedlich an. Das Titelblatt zeigte Pius XII, an der Schreibmaschine, wie er seine Botschaft "Friede auf Erden" zu Papier brachte. (Eine Titelgeschichte gab es nicht.) Aber ausgerechnet ein Wirtschaftsartikel dieser Ausgabe über deutsche Patente brachte vermutlich den Eklat, der - nach den voraufgegangenen politischen Attacken Augsteins - mit zum endgültigen Aus für die junge Zeitschrift führen sollte.
Tatsache war, daß die Aufgaben des wiedereröffneten Patentamtes in Berlin von einer Viermächte-Kommission wahrgenommen wurden und das englische Handelsministerium unter Sir Stafford Cripps 3000 Gruppen von Experten auf die westlichen Besatzungszonen losgelassen hatte, um sich der deutschen Erfindungen und Herstellungsmethoden zu bemächtigen. Der Wirtschaftsredakteur schrieb in einem Zweispalter über dieses Raub-Unternehmen:
Die Auswertungen der deutschen Fertigungsmethoden und der technischen Erfindungen soll zur Unterstützung und Produktionssteigerung der englischen Industrie und damit der Sicherung ihrer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt dienen ... Die deutschen Entdeckungen und Herstellungsmethoden, die besonders unter dem Druck des Krieges entwickelt wurden, dürften einen bedeutenden Ausgleichswert für die 80 Millionen Pfund Sterling bilden, die der englische Steuerzahler jährlich für die britische Zone aufbringt. Es bleibt für die deutsche Wirtschaft zu hoffen, daß der englische Reparationsbuchhalter nicht vergißt, diesen Posten auf dem deutschen Konto zu verbuchen.
Danach war es nun nichts mehr mit der im Weihnachtsheft auf Seite 21 gedruckten Ankündigung: "'Diese Woche' erscheint wieder am Sonnabend, dem 4. Januar 1947." Die Ereignisse überstürzten sich, und "Diese Woche" erschien nie wieder.
Aus Berlin erging an Chaloner und Bohrer der Befehl, das Blatt innerhalb von 24 Stunden einzustellen, damit es "die Regierung Seiner Majestät nicht länger blamiere" (Augstein). Vor allem das Foreign Office hatte jetzt die Nase voll. Aber Chaloner und Bohrer wagten Widerspruch. Sie gaben zu bedenken, wie es wohl aussähe und auf die beabsichtigte Demokratisierung der Deutschen wirken werde, wenn man eine Zeitschrift durch Verbot abwürge, die es mit der demokratischen Pressefreiheit eben ernst genommen habe. Ja, ja, knurrten Englands Kommißköpfe aus Berlin zurück, dann aber wenigstens "Übergang des bisherigen Blattes der Militärregierung in deutsche Hände", und zwar auch binnen 24 Stunden. Und unter neuem Namen.
Auf Rudolf Augstein, den eigentlichen Macher und von Bohrer und Chaloner Favorisierten, kam jetzt Entscheidendes zu. Er fragte seinen Vater, was er für den besseren neuen Titel halte: "Das Echo" oder "Der Spiegel". Vater Augstein wählte "Der Spiegel", und der Sohn stimmte zu. Er war bereit, künftig als Lizenznehmer zu fungieren, versprach andererseits aber niemandem, etwa den Kurs des Blattes zu ändern. Alles ging während der Weihnachtsfeiertage vor sich und Hals über Kopf. Im Berliner Lancaster House unterschrieb Michael Balfour - er trat später nach seiner Demobilisierung als Universitätslehrer und Historiker mit einer Biographie über Wilhelm II. hervor - eine vorläufige Lizenz, bekam am nächsten Tag Bedenken und wollte alles wieder rückgängig machen, aber da hielt Augstein das wertvolle Papier schon in den Händen.
Selbst am Tag der Lizenzübergabe an seinen Freund Augstein, als er offiziell abtreten mußte, stellte Harry Bohrer noch einmal die Weichen für den künftigen Erfolg des Blattes. Die Szene spielte in und vor dem Büro eines britischen Obersten im hannoverschen Stirling House, eines Offiziers, der lange in Indien gedient hatte und ein kleines Bambusstöckchen bei sich führte. Augstein erinnert sich, der Oberst habe "das schönste Pferdegesicht der britischen Armee" gehabt.
Und die Lizenzvergabe war zum Wiehern: Stabsfeldwebel Bohrer, fünf Grade unter dem bambusschwingenden Dienststellenleiter, mußte draußen vor der Tür bleiben. Augstein nahm drinnen stehend das Papier in Empfang und bedankte sich heftig nickend bei dem Oberst. Hackenschlagen war ja nicht mehr.
Draußen griff Harry Bohrer nach dem Dokument. Er las es sorgfältig durch und geriet in Rage: "Menschenskind, hier steht ja, daß sie dich zensieren dürfen, Rudolf. Geh wieder rein und laß das rausstreichen!" Augstein wand sich, er könne doch kein Englisch. Bohrer: "Dann mußt du es ihm eben mit Händen und Füßen klarmachen."
Augstein also wieder rein, und da sein Englisch in der Tat recht mager war, nahm er einen Füllhalter vom Schreibtisch, drückte ihn dem Obersten in die Finger und führte seine Hand beim Durchstreichen der Zensurpassage über das Papier.
Und konnte sich von Stund an darauf berufen.
Statt "Diese Woche" erschien so am 4. Januar 1947 der erste SPIEGEL; auf dem Titel Österreichs Gesandter Dr. Kleinwächter, den Hut lüftend. Dazu die den einstigen Hitler-begeisterten "Ostmärkern' des Großdeutschen Reiches gewidmete, ironische Titelzeile: "Mit dem Hut in der Hand wird man ein befreites Land."
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(C) 1987 Econ Verlag, Düsseldorf
Von Leo Brawand

DER SPIEGEL 1/1987
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