14.09.1987

Waterkantgate: „Beschaffen Sie mir eine Wanze“

An Eides Statt versichert einer der engsten Mitarbeiter des Kieler Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der CDU-Spitzenkandidat höchstpersönlich habe den Auftrag erteilt, das angeblich „ausschweifende“ Sexualleben seines „homosexuellen“ SPD-Gegenspielers Björn Engholm auszuspionieren, und selber einen gegen Engholm gerichteten anonymen Brief entworfen. Noch letzte Woche habe der Christdemokrat seinen Vertrauten beauftragt, eine Abhör-Wanze zu besorgen, deren Einsatz der SPD hätte angelastet werden können. *
Genau eine Woche vor der Schleswig-Holstein-Wahl rief Ministerpräsident Uwe Barschel, 43, die Spitzen seiner Staatskanzlei zur Krisensitzung. Anlaß war ein Artikel im SPIEGEL vom darauffolgenden Montag.
Aus Hamburg hatte der Kieler Vize-Regierungssprecher Herwig Ahrendsen erfahren, daß das neue Heft eine "ganz dicke Nummer" enthalte: einen Beitrag - Stichwort "Waterkantgate" - mit der Enthüllung, daß ein Anonymus ("H. Sapiens") illegal beschaffte Details aus Steuerakten über den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm, 47, verbreitet; außerdem sei Engholm im Auftrag geheimer Hintermänner von Detektiven beschattet worden, offenbar auf der Suche nach politischen oder privaten Seitensprüngen des Sozialdemokraten.
"Wie elektrisiert", berichtet ein Barschel-Mitarbeiter, habe der Ministerpräsident vor allem auf den SPIEGEL-Hinweis reagiert, "vage, teils verwischte Spuren" deuteten auf die Drahtzieher der "dirty tricks", die an Watergate erinnerten. Kontakt zu den Detektiven halte ein Mann, der mit dem CDU-Spitzenkandidaten eng befreundet sei: der Hamburger Arbeitgeber-Präsident und Chemie-Manager Karl Josef Ballhaus, 59, Geschäftsführer der Hans Schwarzkopf GmbH, des führenden Unternehmens
der bundesdeutschen Haar- und Körperpflegemittel-Branche.
Noch am Sonntag einigte sich die Barschel-Runde auf eine Doppelstrategie zur Schadensbegrenzung. Barschel selber meldete sich mit einer tags darauf verbreiteten persönlichen "Stellungnahme zur heutigen SPIEGEL-Ausgabe" zu Wort: Das Nachrichtenmagazin spiele mit einer "Kombination aus Behauptungen, Vermutungen und Verdrehungen" in "moralisch verwerflicher Weise die Rolle des SPD-Wahlkampfhelfers". Zur Sache heißt es in dem Barschel-Papier, seltsam gewunden: _____" Der SPIEGEL weiß selbst genau, daß es völlig absurd " _____" wäre zu behaupten, die CDU hätte Engholm ausspioniert bis " _____" hin zum Bruch des Steuergeheimnisses. Deshalb behauptet " _____" der SPIEGEL dies auch gar nicht, sondern vertraut darauf, " _____" daß seine abwegigen Behauptungen einen abträglichen " _____" Verdacht auf die CDU lenken. "
Zugleich mit der Barschel-Erklärung ließ die Landesregierung - ein Novum in der Presseszene - ein Dementi des Barschel-Freundes Ballhaus verteilen. Zur Engholm-Bespitzelung durch eine mit der Schwarzkopf GmbH kooperierende Detektei namens Harry Piel heißt es darin auf einem Firmenbogen der Schwarzkopf GmbH: _____" Dieser vermeintliche Vorgang ist uns unbekannt. " _____" Richtig ist, daß die Firma Piel von uns beauftragt ist, " _____" die Sicherheitsüberprüfung unserer Firmenanlage " _____" vorzunehmen. Der Versuch des SPIEGEL, zwischen diesem " _____" routinemäßigen Auftrag und der Sache Engholm einen " _____" Zusammenhang zu suggerieren, entbehrt jeder Grundlage. "
Daß die "Sache Engholm", die Bespitzelung und Verleumdung des SPD-Spitzenkandidaten, sich tatsächlich zugetragen hatte, konnten freilich weder Barschel noch Ballhaus dementieren. Die Kieler Staatssekretäre Hans-Joachim Knack (Inneres) und Carl-Hermann Schleifer (Finanzen), die am Montag in einer eilends angesetzten Pressekonferenz in Sachen SPIEGEL anderthalb Stunden lang Rede und Antwort standen, mußten vielmehr einräumen, daß *___ein unbekannter Absender, der sich als "Ein besorgter ____Steuerzahler" ausgab, am 26. Januar Strafanzeige wegen ____Steuerhinterziehung gegen Engholm erstattet hatte - mit ____detailliert dargelegten Vorwürfen, die sich allerdings ____wenig später als "haltlos" (Schleifer) erwiesen, und ____daß *___der Polizei am 10. Februar zwei Detektive aufgefallen ____waren, die Engholm beobachteten und auf Befragen über ____ihren Auftraggeber "keine Auskunft" (Knack) geben ____wollten.
Bestätigen mußten Barschels Staatssekretäre auch, daß Oppositionsführer Engholm monatelang weder über den Inhalt des anonymen Briefes noch über den Einsatz von Detektiven unterrichtet worden war. Das eine entspreche, behauptete Schleifer, der "Verwaltungspraxis" der Finanzbehörden; das andere sei auch nicht ungewöhnlich, weil, so Knack, "weder Verdachtsmomente für eine strafbare Handlung noch für eine persönliche Gefährdung Engholms vorlagen".
Den Verdacht, in Wahrheit sei Engholm das Opfer einer politischen Verschwörung und von der Barschel-Regierung über den Detektiv-Einsatz nur deshalb nicht informiert worden, weil CDU-Spitzenleute selber tief in die Affäre verwickelt seien, versuchte der Ministerpräsident am Montag mit einem Machtwort zu zerstreuen. Barschel vor der Presse: "Sollte es zutreffen, daß Herr Engholm - wie auch immer - ,überwacht'' worden ist, so verurteilt die CDU dies entschieden."
Als Barschel diese starken Worte fand, war für ihn offenbar unvorstellbar, daß ihn zwei Tage später ausgerechnet einer seiner engsten Vertrauten in der Staatskanzlei schwer belasten würde. Am Mittwoch letzter Woche gab der Barschel-Berater Reiner Pfeiffer, 48, vor einem Hamburger Notar an Eides Statt zu Protokoll: *___Barschel persönlich habe ihn im Januar beauftragt, ____Engholms Steuererklärungen überprüfen zu lassen; etwa ____eine Woche später habe der Ministerpräsident selber ihm ____in seinem Amtszimmer den "Textentwurf für eine anonyme ____Anzeige" gegen den SPD-Spitzenkandidaten diktiert; *___Barschel persönlich habe Ende Januar angeordnet, ____Engholm zu überwachen; es gelte, den Verdacht zu ____erhärten, daß der Sozialdemokrat "homosexuell" sei, ____zugleich aber auch ein "ausschweifendes Leben mit dem ____weiblichen Geschlecht" führe.
Kein Zweifel: So massiv wie Barschel ist nie zuvor ein bundesdeutscher Politiker von einem Mitarbeiter aus seiner engsten Umgebung belastet worden. Allerdings: Wenn sämtliche Pfeiffer-Vorwürfe
zutreffen, hat kein anderer Ministerpräsident je seine politische Macht und seine dienstlichen Möglichkeiten so raffiniert und so ungeniert eingesetzt, um einen populären Konkurrenten vor einer Wahl persönlich zu diffamieren und das Wahlvolk zu manipulieren.
Die Pfeiffer-Aussagen, dokumentiert auf 22 DIN-A4-Seiten, wiegen schwer. Der Erklärung, die dem SPIEGEL vorliegt, sind interne Papiere aus der Kieler Staatskanzlei über Engholms finanzielle Situation beigefügt, vor allem aber laut Pfeiffer von Barschel diktierte handschriftliche Briefentwürfe und eine von Barschel per Hand verfaßte Notiz über Engholms Einkünfte.
Die Vorwürfe treffen einen Politiker, der in den letzten anderthalb Jahrzehnten eine Blitzkarriere ohne Beispiel hinter sich gebracht hat: Schon mit 25 Jahren war er stellvertretender CDU-Landesvorsitzender, mit 29 führte er die Unionsfraktion im Kieler Landtag, mit 35 wurde er zum ersten Mal Minister im Kabinett Stoltenberg, im Finanzressort.
Kurz darauf wechselte der Doppel-Doktor Barschel - Parteispott: "Baby Doc Doc" - ins Kieler Innenministerium, wo er sich gern mit Pazifisten und Anti-Brokdorf-Demonstranten anlegte. Im Oktober 1982, als Stoltenberg in Bonn Finanzminister wurde, erreichte der politische Senkrechtstarter sein nächstes Ziel: Ministerpräsident an der Waterkant.
"Wie vom Blitz getroffen", sinnierte Pfeiffer letzte Woche, werde Barschel reagieren, wenn er von der Aussage seines Beraters erfahre. Denn bis zum letzten Augenblick war sich der Mitarbeiter des "vollen Vertrauens" seines Chefs sicher.
Offiziell fungiert Pfeiffer in seinem Amtszimmer in der Kieler Staatskanzlei, keine fünfzig Meter entfernt vom Barschel-Trakt, als Pressereferent, zuständig für "Medienbeobachtung". Vor allem im Wahlkampf sah er sich betraut "mit der besonderen Aufgabe der psychologisch-publizistischen Beratung" des Ministerpräsidenten.
Pfeiffer verfaßte für Barschel unter anderem einen "35-Punkte-Katalog" mit Public-Relations-Tips ("Mehr Hände schütteln, mehr lächeln"), kümmerte sich um die CDU-Wahlkampfzeitung und erörterte, wie er erzählt, "zum Teil mehrmals wöchentlich" mit Barschel Strategiefragen, so am 1. Mai etwa acht Stunden lang im Möllner Privatdomizil des Ministerpräsidenten.
Als Wahlkampf- und Strategieexperte hatte sich Pfeiffer zuvor acht Jahre lang in Bremen bewährt, als Chefredakteur und Politikchef der CDU-nahen Wochenzeitung "Weser-Report". Durch präzise Hintergrundrecherchen" empfahl sich Pfeiffer Ende letzten Jahres den Kieler Christdemokraten- so habe er beispielsweise 1979 dazu beigetragen, daß der damalige SPD-Bausenator Stefan Seifriz "wegen seiner NS-Vergangenheit" zurücktreten mußte.
Aufgrund seines Bremer Rufs und seiner publizistischen Erfahrung wurde der konservative Journalist von Barschel vor allem dann gerufen, wenn es um besonders heikle Aufträge ging: "Für Untergrundgeschichten, sagt Pfeiffer, "war ich Barschels einziger Mann.
Barschel, um Diskretion bemüht, habe stets Wert darauf gelegt, "solche Dinge nie am Telephon zu besprechen: "Man mußte immer zu ihm ins Amtszimmer kommen." Sekretärinnen seien bei solchen Anlässen regelmäßig hinausgeschickt worden. Pfeiffer selber habe dann, sagt er, Barschel-Diktate in Langschrift aufnehmen müssen; bisweilen habe auch der Ministerpräsident besonders vertrauliche Notizen niedergelegt - so Mitte Januar, als es um die Planung der Steuer-Kampagne gegen Engholm gegangen sei.
Pfeiffer schreibt dazu in seiner notariell beurkundeten Erklärung, abgegeben "in Kenntnis der Strafbarkeit der Abgabe falscher Eidesstattlicher Versicherungen": _____" Mitte Januar 1987 erhielt ich vom Ministerpräsidenten " _____" Uwe Barschel persönlich den Auftrag, gegen Herrn Engholm " _____" wegen ihm aus sicherer Ouelle bekannter begangener " _____" Steuerhinterziehungen zu ermitteln. Er überreichte mir " _____" persönlich in seinem Dienstzimmer eine handschriftliche " _____" Notiz, die er in meiner Anwesenheit fertigte. Sie enthält " _____" eine Aufstellung mit einem Vergleich der monatlichen " _____" Bezüge des Ministerpräsidenten selbst, der Minister des " _____" Kabinetts sowie die von Herrn Engholm. Die Bezüge aus der " _____" Tätigkeit Engholms im Landtag ließ er offen; er teilte " _____" mir später mit, daß diese Bezüge DM 8.900,- mtl. " _____" zusätzlich für das Amt des Fraktionsvorsitzenden " _____" betrügen. " _____" Weiterhin beauftragte mich Uwe Barschel, die " _____" Steuererklärungen von Björn Engholm vom 1. April 1983 bis " _____" einschließlich Januar 1987 überprüfen zu lassen. Er " _____" benannte mir zu diesem Zwecke einen Finanzfachmann " _____" innerhalb der Staatskanzlei, der dann entsprechende " _____" Aufstellungen der Gehalts- und Sonderzahlungen an Engholm " _____" vornehmen sollte. Der Finanzfachmann der Staatskanzlei " _____" erstellte einen Vermerk. " _____" Nachdem nun diese Ergebnisse über die verschiedenen " _____" Bezüge Engholms vorlagen, hat er mir etwa eine Woche " _____" später in seinem Amtszimmer den Textentwurf für eine " _____" anonyme Anzeige gegen Engholm bei der " _____" Steuerfahndungsstelle des Finanzamtes Lübeck sowie " _____" Schreiben an den Finanzminister und ihn selber diktiert. " _____" Darüber hinaus ordnete Barschel an, diese Anzeige an " _____" den Finanzminister Roger Asmussen und ihn selber zu " _____" schicken. Er begründete die Kopie-Absendungen damit, daß " _____" er "dann besser in der Sache nachhaken könne". "
So unfaßbar es scheint, daß der Regierungschef eines deutschen Bundeslandes einen _(Nach Pfeiffers Angaben von Barschel ) _(eigenhändig gefertigte und ihm ) _(übergebene Aufstellung über die Bezüge ) _(des Ministerpräsidenten (l.), der Kieler ) _(Minister (M.) und des Oppositionsführers ) _(Engholm (r.). )
anonymen Brief an Dritte mit Kopie an sich selber diktiert, um vor der Wahl den Oppositionschef bei der Steuerfahndung zu denunzieren - der Referent fügt seiner eidesstattlichen Versicherung mehrere Anlagen bei, die seine Darstellung stützen: die laut Pfeiffer von Barschel verfaßte Aufstellung über Engholms Bezüge, den von einem Regierungsreferenten zusammengestellten Staatskanzlei-Vermerk sowie den, wie Pfeiffer versichert, Wort für Wort "von Barschel diktierten" Entwurf des anonymen "Homo-sapiens"-Briefes.
Obwohl sich der Referent; wie er letzte Woche erklärte, gegen die Steuer-Intrige schon damals "innerlich gesträubt" habe, will er den Auftrag aus Loyalität ausgeführt haben. Die Briefe seien auf einer Dienstmaschine getippt worden, benutzte Typenräder wurden aus Tarnungsgründen hinterher "in den privaten Mülleimer" geworfen.
So konspirativ die Sache eingefädelt gewesen sei, die Denunziation mißlang. Nach etwa drei Wochen habe Barschel ihm, berichtet Pfeiffer, "bei einem weiteren persönlichen Gespräch" im Amtszimmer mitgeteilt, die durch den Brief ausgelöste Überprüfung habe ergeben, daß Engholm "alle seine Steuern bis auf Heller und Pfennig bezahlt" habe - "leider".
Gewisse Skrupel ("Das geht unter die Gürtellinie") will Pfeiffer zwar empfunden, aber noch nicht geäußert haben, als Barschel ihm, ebenfalls im Januar, eröffnet habe, einem Hinweis des Kieler CDU-Fraktionssprechers Günter Kohl zufolge sei Engholm bisexuell veranlagt und führe ein "ausschweifendes Leben". Pfeiffer wörtlich über das Vier-Augen-Gespräch mit dem Ministerpräsidenten: _____" Er beauftragte mich, einen zuverlässigen Informanten " _____" oder eine Agentur ausfindig zu machen, die Engholm " _____" gezielt beschatten könnte, um diese Vorwürfe " _____" beweiskräftig zu erhärten, und zwar mit Photos und " _____" anderem Beweismaterial. Nach mehreren Rückfragen unter " _____" mir befreundeten Kriminalbeamten wurde mir daraufhin die " _____" Agentur Harry Piel empfohlen. "
Die in Stubben bei Bremerhaven ansässige Sicherheitsfirma - benannt nach ihrem Inhaber, Namensvetter des legendären Regisseurs und Sensationsdarstellers der zwanziger Jahre - ist spezialisiert auf Wirtschaftskriminalität und Objektschutz. Mit Piel traf sich Pfeiffer, wie er berichtet, am 25. Januar um 13.30 Uhr im "Churrasco"-Restaurant in der Nähe des Bremer Bahnhofs.
In dem Gespräch bei Filetsteak mit Salat und Papa asada, einer Kartoffelspezialität, sei es "insbesondere" um die "Preisgestaltung für diesen Auftrag" gegangen. Pfeiffer: "Er hat mir eine Pauschalsumme von 50000 Mark genannt."
Als der Referent kurz darauf diesen Kostenvoranschlag seinem Ministerpräsidenten unterbreitete, habe der sich sogleich Gedanken über Finanzierungsmöglichkeiten gemacht. Barschel laut Pfeiffer: "Diese Summe kann ich natürlich nicht aus meinem Bürgerfonds oder einer anderen Etatstelle des Haushalts abzweigen. Das wäre auch zu gefährlich.
"Sehr viel später", so Pfeiffer, habe er erfahren, daß die beiden Detektive, die Engholm verfolgten, von Polizeibeamten überprüft worden seien. Auch das Bundeskriminalamt sei eingeschaltet worden.
In der Tat waren der Polizei am 10. Februar gegen 16.45 Uhr, als Engholm den Bürgermeister der Kieler Umland-Gemeinde Blumenthal, Peter Tews, in dessen Privathaus besuchte, zwei verdächtige Gestalten aufgefallen. Vor dem Tews-Haus, hinterm Knick, lauerte ein Unbekannter mit Kamera der Photos von dem Anwesen machte. In einem weißen BMW 316, amtliches Kennzeichen M-ZR 6184, wartete sein Begleiter.
In mehreren Bundesländern recherchierten Kripo-Fahnder nach möglichen Hintermännern der Detektive. Per Telex übermittelten beteiligte Polizeibehörden einander die Ergebnisse ihrer Nachforschungen, etwa: _____" betr.: verdacht der ausspaehung z. n. sh " _____" oppositionsfuehrer engholm " _____" hier: kuffel-neubert, manfred 6.3.55 recklinghausen, " _____" wh.: 2850 bremerhaven, hafenstr. 179 ... " _____" ermittlungen ergaben, dasz der avis-leihwagen, nicht " _____" wie irrtuemlich angegeben in lueneburg, sondern bei der " _____" avisstation in luebeck am 10.02.87 um 07.18 uhr abgeholt " _____" worden war. als anmieter trat der oa kuffel-neubert auf. " _____" als zweiten fahrer benannte er den maier, nikolaus - " _____" naehere personalien unbekannt.. . " _____" nach feststellung kripo luebeck wurde kfz in der " _____" nacht zum 11.2.87 in luebeck wieder abgegeben. naehere " _____" einzelheiten nicht bekannt. als berufsangabe hatte " _____" kuffel-neubert "detektiv" angegeben. "
Die Spuren verliefen sich im Bremischen. Am 12. Februar tickerte die Lübecker Kripo: _____" die hier gefuehrten ermittlungen haben ergeben, dasz " _____" manfred kuffel-neubert und nikolaus maier offensichtlich " _____" angestellte der detektei piel, bremerhaven, hafenstr. " _____" 179, 0471/501200, sind ... " _____" um ihren auftrag ordnungsgemaesz durchfuehren zu " _____" koennen, forderten die beiden detektive fuer die dauer " _____" von 5 tagen taeglich einen neuen wagen. da jedoch der " _____" mercedes nicht zur verfuegung stand, liehen sich maier " _____" und sein kollege am 9.2.87 bei der firma miera einen pkw. " _____" da dort die leihgebuehren zu hoch waren, lieh man sich am " _____" 10.2.87 07.40 h den bmw 316 m - zr 6184 bei der " _____" avis-vertretung und zahlte mit scheck 400,- dm an. " _____" das fahrzeug wurde 266 km gefahren und vor " _____" dienstbeginn am 11.2.87, 07.30 h, der avis-vertretung " _____" zurueckgegeben. eine abermalige anmietung eines pkw " _____" erfolgte bei der avis-vertretung nicht, es war nicht " _____" festzustellen, wo die beiden detektive uebernachteten und " _____" welchen auftrag sie hatten. "
Spitzel-Führer Pfeiffer war, sagt er, stets auf dem _(Mit Ehefrau Barbara und Tochter Britt. )
laufenden. Das Detektiv-Duo habe mit der Beschattungsaktion im Kieler Landtag begonnen: Einer saß Pfeiffer zufolge mit einem Walkie-talkie unterm Jackett in der Presseloge, um den anderen, draußen vor dem Portal, drahtlos vorwarnen zu können, "wenn Engholm das Plenum verließ".
Der schleswig-holsteinische Oppositionsführer, seit Jahren Vorsitzender der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Überwachung des Verfassungsschutzes, ahnte nichts davon, daß er selber zum Objekt gleichsam geheimdienstlicher Ausspähung geworden war - aus seiner Sicht ein "unglaublicher Vorgang".
Bei einem Engholm-Mitarbeiter im Fraktionsbüro der Landes-SPD hatte sich zwar in jenen Tagen fernmündlich eine Kieler Sicherheitsbeamtin gemeldet: Engholms Fahrer möge darauf achten, so der dringliche Telephon-Tip, "ob immer jemand hinter ihm fährt". Doch die Information, daß ihn tagelang Detektive beschattet hatten, enthielten die Sicherheitsbehörden des CDU-Landes dem Oppositionsführer vor.
Erst als Details der Beschattungsaktion aus dem Kieler Regierungsapparat drangen, erschloß sich den Genossen die politische Dimension des "Waterkantgate". Nachdem der SPIEGEL am 7. September weitere Einzelheiten veröffentlicht hatte, beschloß Engholm, wegen der "fetten Sauerei" Strafanzeige zu erstatten - "gegen alle als Täter, Mittäter, Beihelfer oder Anstifter in Betracht kommenden Personen".
Seit Dienstag vergangener Woche ermittelt die Lübecker Staatsanwaltschaft unter dem Aktenzeichen 702 Js 28706/87 wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung (Strafgesetzbuch-Paragraph 164), des Verdachts der Verletzung von Privatgeheimnissen (Paragraph 203) sowie wegen Verletzung des Steuergeheimnisses (Paragraph 355).
Die SPD-Führung glaubte schon am Tag, als der SPIEGEL kam, sicher zu wissen, wer hinter der Sache steckte. Unter der Überschrift "Barschel und die Detektive" machte die Partei in ihrem Pressedienst "ppp" den Ministerpräsidenten persönlich für die Affäre verantwortlich: "Mit einer Schmutz- und Schnüffelkampagne ohne Beispiel zeigt Barschel sein wahres Gesicht"; diesem Christlichen Demokraten sei "keine Lüge zu obszön, keine Verleumdung zu niederträchtig".
Zugleich wetterte die Partei gegen die "Komplizenschaft von großem Geld und Politik", für die der Chemie-Manager Ballhaus stehe.
Die Parteijournalisten hatten sich nicht davon beirren lassen, daß Ballhaus dem SPIEGEL vorletzte Woche noch sein "Ehrenwort" gegeben hatte, daß die Firma Schwarzkopf "nichts" mit der Engholm-Aktion zu tun habe.
Engholm sei ihm, so Ballhaus, "schnurzpiepegal". Und die Detektei Piel habe er lediglich mit einer "Sicherheitsüberprüfung" des Unternehmens betraut.
Durch die SPIEGEL-Veröffentlichung der letzten Woche sichtlich irritiert, sondierte der CDU-Spitzenkandidat am Wochenende vor der Wahl die politischen Risiken.
"In zwei Telephongesprächen" sei er bezeugt Pfeiffer, am Sonntag, 6. September, von Barschel "wegen der bevorstehenden SPIEGEL-Veröffentlichung" gebeten worden, "um Himmels willen den Mund zu halten und nicht nervös zu werden".
Barschel hoffte zu diesem Zeitpunkt offenbar, die Woche bis zur Wahl mit Dementis durchstehen zu können. Gerade zur rechten Zeit konnte überdies die Nord-CDU die Behauptung verbreiten, sie selber sei auch bespitzelt worden: "CDU-Generalsekretär Rolf-Rüdiger Reichardt gibt dies auf dem Hintergrund von SPIEGEL-Veröffentlichungen über angebliche Bespitzelungen des SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm bekannt", meldeten am Dienstag letzter Woche die "Kieler Nachrichten".
"Mehrere CDU-Mitarbeiter", gab das Blatt die Partei-Version wieder, hätten "unabhängig voneinander einen jüngeren Mann erkannt, der aus der Tiefe einer Wohnung heraus mit einem Fernglas oder einem Photoapparat die CDU-Landesgeschäftsstelle in Kiel observierte. Nach einer Stunde habe der Mann die Beobachtungen eingestellt, als er feststellte, daß er bemerkt worden sei. Inzwischen hat Reichardt die Polizei eingeschaltet".
Ob das nun, haltet den Dieb, eine reine Zweckmeldung war oder nicht -
zu diesem Zeitpunkt spukte in den Köpfen von CDU-Strategen offenbar die Frage, ob sich die Wirkung von Presseberichten über die Engholm-Affäre nicht durch irgendeine Gegen-Enthüllung zum Nachteil der SPD neutralisieren lasse.
Die Meldung über die angebliche Observierung der CDU-Geschäftsstelle hatte diesen Effekt jedenfalls nicht erzielt; der Fall versickerte, kaum beachtet, in den Lokalspalten der Provinzpresse.
Pfeiffers Eidesstattliche Erklärung läßt die Schlußfolgerung zu, daß sich zu diesem Zeitpunkt auch Barschel einschlägige Gedanken machte. Jedenfalls meldete sich der Ministerpräsident - der gern mal "einen guten Krimi" liest, weil "das weiterbildet und das Denkvermögen schult" - bei seinem Referenten nach dessen Darstellung mit einer höchst merkwürdigen Bitte: _____" Am Dienstagmorgen rief mich der Ministerpräsident um " _____" 8.30 Uhr in meiner Wohnung an und bat mich, zunächst ohne " _____" Begründung, ihm eine sogenannte "Wanze oder ein anderes " _____" Abhörgerät zu beschaffen. Ich versprach, mein Bestes zu " _____" tun. " _____" Am Nachmittag rief er mich dann in meinem Dienstraum " _____" an und fragte, ob ich bei der Suche Erfolg gehabt habe. " _____" Ich mußte dies bedauern. Daraufhin erklärte er mir, daß " _____" ich es noch einmal versuchen sollte. "
In diesem zweiten Gespräch verriet Barschel laut Pfeiffer, warum er die Wanze so dringend brauche: Am nächsten Tag, morgens um 9 Uhr, finde "eine von ihm veranlaßte Überprüfung seiner Telephonanlage" im Dienstzimmer des Ministerpräsidenten statt. Wenn die Sicherheitsbeamten dann eine Wanze fänden, gibt Pfeiffer Barschels Worte wieder, "dann sähe Herr Engholm ja wohl schlecht aus".
Pfeiffer versprach Barschel nach seiner eigenen Darstellung, "noch einmal nachzuforschen": "Ich habe dann aber nichts mehr unternommen."
Zu diesem Zeitpunkt will Pfeiffer zu seinem Dienstherrn innerlich bereits auf Distanz gegangen sein. Schon in den Wochen zuvor, nach Barschels Flugzeugabsturz, hatte ihn nach eigenem Bekunden "angewidert", wie der Ministerpräsident "Public Relations mit seinem Schicksal" machen und die Tragödie (drei Tote) in eine Mitleidskampagne für sich selber habe ummünzen wollen.
Bei der Wanzen-Beschaffung mochte Pfeiffer - ein "früherer Franziskaner-Schüler", der "mal Pfarrer werden" wollte - nicht mehr mitspielen. Die Abhör-Intrige widersprach "dem Fairneß-Empfinden" des Konservativen, der in seiner Freizeit ehrenamtlich die Leichtathletik-Abteilung eines Sportvereins leitet.
Wie vereinbart habe Barschel ihn, berichtet Pfeiffer, am Dienstagabend gegen 20 Uhr in Sachen Wanze noch einmal zu Hause angerufen. Der Ministerpräsident "fragte kurz, ob ich diesmal Erfolg gehabt hätte. Ich sagte nur: ''Leider nein''. Darauf er: ''Schade, das wäre ja ein nettes Apercu gewesen. Aber wir werden es wohl auch so schaffen''".
Am nächsten Morgen hinterließ Referent Pfeiffer in der Kieler Staatskanzlei die Mitteilung, er habe tagsüber "in Sachen MP" dringend in Hamburg zu tun- MP gleich Ministerpräsident.
In Hamburg gab Pfeiffer beim Notar die Affäre Barschel zu Protokoll.
Nach Pfeiffers Angaben von Barschel eigenhändig gefertigte und ihm übergebene Aufstellung über die Bezüge des Ministerpräsidenten (l.), der Kieler Minister (M.) und des Oppositionsführers Engholm (r.). Mit Ehefrau Barbara und Tochter Britt.

DER SPIEGEL 38/1987
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