10.08.1987

„Rache für das Blutvergießen von Mekka“

Wortsalven gegen den „Großen Satan“ USA, Haßausbrüche gegen den Golfkriegsgegner Saddam Hussein im Irak - doch der existentielle Gegner ist für den Ajatollah Chomeini das Königreich Saudi-Arabien, das die moslemischen Heiligtümer in den Augen der fanatischen schiitischen Minderheit zu Unrecht besitzt.
Als erstes besuchte der bleiche Greis jene, die ihm damals schon am nächsten standen - die Verblichenen: Am 1. Februar 1979, dem Tag seiner triumphalen Heimkehr nach Teheran, begab sich der Ajatollah Ruhollah Chomeini, damals 79, auf den Friedhof Behescht-e Sahra.
Aber er hielt kein stilles Gedenken an die zahllosen Opfer des soeben gestürzten Schah. Er verkündete vielmehr wie mit Posaunenschall den Beginn eines "Zeitalters des Märtyrertums".
Da erfuhren die Lebenden: "Je mehr Menschen, vor allem junge Menschen, für unsere Sache sterben, desto stärker werden wir. Die Moslems aller Länder müssen die Todesfurcht bezwingen, damit sie die ganze Welt bezwingen können."
Es war eine Kampfansage gleich an mehrere Welten: an die Zivilisation des Westens wie an den Atheismus des Ostens, an den Einbruch des Modernismus in den Orient wie an die Diesseitigkeit verwestlichter Moslems. Da wimmelte es nur so von den Kreationen des Satans, und Märtyrer aller Arten bekamen Konjunktur.
Mit unerbittlicher Heilsgewißheit rückte Chomeini seinen Gottesstaat in mystische Nähe zu Blut und Tod: Seit 1979 sprudelt der "Blutbrunnen" auf dem Behescht-e-Sahra-Friedhof - zu Anfang unentwegt, inzwischen nur noch, wenn größere Besuchergruppen sich an dem Kunstblut, rotgefärbtem Wasser, erbauen wollen.
Richtiges Blut floß ohne Unterlaß. Zum höheren Wohl der von Chomeini verordneten islamischen Revolution wurden 8000 bis 12000 Iraner hingerichtet, verloren etwa 600000 ihr Leben bei den selbstmörderischen Sturmangriffen gegen den moslemischen Irak.
Und vorletzten Freitag starben nach Saudi-Angaben 402 Moslems bei dem Versuch rabiater iranischer Pilger, die Große Moschee in Mekka mit der Kaaba, das heiligste aller islamischen Heiligtümer, zu erobern - für die Mehrheit der Moslems ein unerhörter Frevel, der die Urgewalt des religiösen und politischen Sturms der Chomeini-Revolution sichtbar machte:
Der Ajatollah aus dem Iran beansprucht die Führungsrolle im Islam - nicht nur über die Minderheit der schiitischen Glaubensrichtung, sondern auch über die Mehrheit der Sunniten (siehe Graphik Seite 89). Der blutige Freitag in Mekka war ein Putschversuch von gewaltiger Dimension: Er sollte eine persischschiitische Universalherrschaft über alle Moslems aufrichten.
Ein wetthistorischer Konflikt ist da entbrannt mit verwirrenden, absurden Frontverläufen: Die iranische Theokratie steht gegen die saudiarabische, dabei verstehen sich beide als Speerspitze eines religiösen Fundamentalismus, der die moslemische Staatenwelt von Marokko im Westen über Ägypten, Afghanistan und Pakistan bis nach Indonesien im Osten in Atem hält (siehe Seite 94).
Da führen der Erdölstaat Irak und der Erdölstaat Iran einen siebenjährigen Verschleißkrieg gegeneinander in einer Region, unter deren Boden zwei Drittel bis drei Viertel der bekannten Erdölvorräte lagern.
Doch, noch absurder, um Öl wird nicht in erster Linie gekämpft, sondern - im Zeitalter der Weltraumfahrt und der Mini-Computer - um eine Kulturrevolution angeblich himmlischer Provenienz.
Da schicken zu allem Überfluß auch noch die USA in diese explosive Ecke der Welt über eine Entfernung von mehr als 10000 Kilometern eine der stärksten Interventionsstreitkräfte, die sie seit dem Vietnamkrieg unseligen Angedenkens mobilisiert haben; sind sie, durch ihre
bewaffneten Eskorten für Schiffe des Irak-Verbündeten Kuweit, praktisch gegen den Iran in den Krieg eingetreten - den sie aber nur gewinnen könnten, wenn sie Teheran erobern und besetzen wollten, so wie sie im Vietnamkrieg nur hätten siegen können, wenn sie Hanoi erobert und besetzt hätten.
Und weiter: Der konservative Fundamentalist Reagan provoziert den religiösen Fundamentalisten Chomeini, den er zuvor, entgegen scheinheiligen Beteuerungen, mit Waffen versorgt hat.
Aber er provoziert ihn höchst unprofessionell: Seine Militärs haben die Minengefahr im Golf übersehen, so daß die losgeschickten Einheiten seiner 600-Schiffe-Flotte hinter dem Minen-Havaristen "Bridgeton" Schutz suchen müssen.
Die Konkurrenz-Weltmacht Moskau sonst auch nicht gerade einfallsreich, war besser dran - weil sie bei ihrem gigantischen Flottenausbau die kleinen Minensucher nicht vergessen hatte und ihre Geleite für den Kapitalisten-Mini Kuweit mithin schützen konnte. "Bob, warum fahren wir nicht einfach ihren Geleiten hinterher?" mußte sich da Pentagon-Sprecher Robert Sims fragen lassen.
Die Titanenschlacht am Golf hat außer traurigen und komischen auch noch idyllische Aspekte: Am lieblichen Wolfgangsee versuchte Reagans Sicherheitsberater Frank Carlucci, dem Urlauber Helmut Kohl Waffenhilfe gegen den schrecklichen Chomeini abzuschwatzen - mit dem die Deutschen vergleichsweise viel besser auszukommen glauben als Amerikaner und Franzosen.
Die Franzosen wiederum wollen zwar keine Minensucher ausleihen, dafür aber schicken sie gleich ihren Flugzeugträger "Clemenceau" zum Schutz undefinierter französischer Interessen Richtung Golf.
Der Aufmarsch der Supermacht USA bot dem Ajatollah Chomeini die willkommene Gelegenheit, den Schlag an der Hauptkampflinie zu führen: seine Macht in Mekka, auf fremdem Territorium, zu beweisen und gleichzeitig die Ohnmacht der selbsternannten saudischen Tempelhüter zu entlarven, eine Demonstration der Stärke für den Hausgebrauch und ein Signal nach außen.
Die islamische Welt, so Chomeinis Kalkül, sollte erfahren, daß das saudische Regime mit dem "großen Satan" USA im Bunde steht und durch den schwarzen Freitag in Mekka jedes Privileg verloren hat, über die heiligen Stätten zu wachen.
Die Reaktion auf die Straßenschlacht in Mekka glich denn auch einer beiderseitigen Kriegserklärung. Salih Ibn Hamid, Prediger der Großen Moschee, flehte in Mekka: "Allah verteidige unser Land gegen Saboteure und Wahnsinnige." Die Zeitungen des Saudi-Nachbarn Kuweit riefen zur "Zusammenarbeit aller im Kampf gegen das Schlangennest" in Teheran auf.
Dort schwor in einer Sonderbotschaft für die Mekka-Pilger Ajatollah Chomeini blutige Rache. Neben den USA und Israel machte er die "betrügerischen Anführer Saudi-Arabiens, die Verräter der beiden heiligen Stätten" ur das "Verbrechen" verantwortlich und begründete deren angebliche Schuld auch historisch: "Die Saudis sind schon immer wie ein Dolch gewesen, der moslemische Herzen von hinten durchbohrt. Die saudische Regierung ist mit einem Makel der Schande behaftet, den sie nie wieder loswerden wird."
Teherans Parlamentspräsident Haschemi Rafsandschani, 53, mehr fürs Weltliche der iranischen Revolution zuständig, übersetzte den Richterspruch Chomeinis dann in die politische Sprache: "Rache für das Blutvergießen bedeutet die Befreiung der heiligen Schreine von den saudischen Wahhabiten und der gewaltigen Rohstoffvorkommen der islamischen Welt aus den Händen krimineller Agenten des Imperialismus."
Vorige Woche, noch bevor die Särge mit den ersten "Märtyrern" aus Mekka in Teheran landeten, strömten Millionen Menschen in kilometerlangen Zügen durch die Innenstadt Teherans, vereint in kollektivem Zorn und Schmerz über das Blutbad.
Es waren die größten Aufmärsche seit jenen historischen Tagen im Frühjahr 1979, als die Revolution noch blutjung war und sich Volkes Freude über den
Sturz des Schah-Regimes in spontanen Kundgebungen entlud.
Natürlich war, wie bei jeder Kundgebung im Chomeini-Staat, ein Teil des Aufmarsches inszeniert. So wurde eine Riesenschar Chomeini-treuer Studenten und Schüler in Bussen aus den entlegenen Vororten der Acht-Millionen-Metropole ins Zentrum gekarrt, wurden die von einer Rente abhängigen Kriegswitwen und Waisen von den mächtigen Revolutionskomitees herbeigeschafft.
Doch die Mehrheit der Protestmarschierer kam unaufgefordert und ohne Zwang - ihr Erscheinen war Ausdruck von Solidarität und Sympathie mit der politischen Führung um den greisen Revolutionshelden.
Nur durch "Terror" könne sich das Chomeini-Regime noch an der Macht halten, es habe "keinerlei öffentliche Unterstützung mehr", behauptete vergangenen Donnerstag in seinem Pariser Exil Resa Cyrus Pahlewi, ältester Sohn des Schah. Seine großmäulige Schlußfolgerung: Für die islamische Republik sei "der Anfang vom Ende gekommen", er selbst habe jetzt "jede Chance, auf den Thron zurückzukehren" .
Der Kaisersohn wird sich da sehr gedulden müssen. Denn in Wahrheit ist, im neunten Jahr der Chomeini-Revolution, die Macht der herrschenden Mullahs stärker und gesicherter denn je, die Kontrolle der Theokraten über die 45 Millionen Perser total.
Etwa 100000 garantiert linientreue Geistliche sorgen, übers ganze Land verteilt, für die strikte Befolgung der Anordnungen und Gesetze aus Teheran. In Schulen, Moscheen und Behörden entscheiden sie über die Vergabe von Studienplätzen, Neubauwohnungen und staatlichen Zuschüssen.
Ungefähr die Hälfte aller Abgeordneten des Madschlis, des iranischen Parlaments, sind Mullahs. Etwa 600 der 2500 Richter sind Geistliche und wachen penibel über die strenge Anwendung der Scharia, des islamischen Rechts.
Widerstand regt sich kaum noch im Land. Der gefürchtete Schah-Geheimdienst Savak wurde längst umgetauft (jetzt: Savama), die Methoden aber blieben die gleichen: "Die Gefängnisse sind voll, Folter ist üblich", urteilt Barry Rubin, Iran-Experte der Washingtoner Johns-Hopkins-Universität.
Die Opposition wurde systematisch ausgeschaltet. Prominente Anhänger des gestürzten Kaisers landeten, soweit sie die Flucht ins Exil nicht mehr schafften, in Kerkern oder vor Erschießungspelotons, die als Schah-treu verdächtigte Armee wurde scharf gesäubert.
1983 zerschlugen die neuen Machthaber die kommunistische Tudeh-Partei, deren Mitglieder noch wenige Jahre vorher im Untergrund Schulter an Schulter mit den Mullahs gegen den verhaßten Schah gekämpft hatten.
Zuletzt vernichteten Chomeini-Kohorten den militärischen Arm der linksgerichteten Volks-Mudschahidin. Deren politische Führer agieren nun mit großem Propaganda-Aufwand aus dem benachbarten Irak - ein unkluger Standort, denn selbst Mudschahidin-Sympathisanten im Iran nehmen es der Widerstandsgruppe übel, ausgerechnet im sen Land des Kriegsgegners Saddam Hussein zu arbeiten. Obschon der Unterdrückungsapparat in seinen Methoden dem der Schah-Zeit in nichts nachsteht und er keineswegs ohne Wissen und Duldung Chomeinis funktionieren kann - der rachsüchtige Greis wird von der Mehrheit seines Volkes nach wie vor geliebt und verehrt - und das unter anderem macht den Ajatollah für den Westen so unheimlich.
Denn für die Rationalität des Abendlandes war "der entscheidende Faktor des Phänomens Revolution" immer die Verweltlichung, wie die amerikanische Soziologin Hannah Arendt analysierte. Eine "theokratische Revolution" ist diesem Kulturverständnis fremd.
Chomeini befriedigte mit der Rückkehr zur Religiosität ein emotionales Bedürfnis, das der Schah für verderblich gehalten hatte. Er bescherte den traditionell stolzen Persern auch ein lange nicht erlebtes nationales Hochgefühl.
Er zeigte es dem mächtigen Amerika durch die 444 Tage währende Besetzung der Teheraner US-Botschaft und vertrieb damit letztlich einen US-Präsidenten, Jimmy Carter, aus dem Amt.
Außerdem trotzen in dem nunmehr siebenjährigen Golfkrieg die Iraner einem Gegner, der ihnen an Geld und an Ausrüstung haushoch überlegen ist und gemeint hatte, ihnen im leichten Gang die Provinz Chusistan rauben zu können. Nicht einen Quadratkilometer persische Erde konnten die Iraker bislang auf Dauer besetzen.
Im Gegenteil: Iranische Pasdaran, Chomeinis fanatische Revolutionswächter, eroberten Anfang 1986 die Halbinsel Fau nahe der zweitgrößten irakischen Stadt Basra und schnitten damit den Golf-Staat Irak vom Golf ab. Von Fau sind es aber nur 50 Kilometer bis zur Grenze des kleinen Emirats Kuweit, des viertreichsten Landes der Welt, des Helfers von Saddam Hussein und Proteges Saudi-Arabiens, das Chomeinis Erzfeind ist: Saudi-Arabien ist die Vormacht des sunnitischen Islam.
Die Feindschaft zwischen den beiden Glaubensrichtungen, das gewaltigste und dauerhafteste Schisma unter den großen Weltreligionen, reicht 1331 Jahre zurück in die islamische Frühgeschichte und begann als Palast-Intrige.
Es ging um die Nachfolge des Religionsgründers Mohammed. Ali Ibn Abi Talib, Kampfgefährte, Vetter und gleichzeitig Schwiegersohn des Propheten, war im Jahr 656 christlicher Zeitrechnung vierter Kalif geworden, höchster geistlicher und weltlicher Herrscher über alle Mohammedaner. Schon fünf
Jahre später wurde er von einem Abtrünnigen erdolcht.
Fortan trennte die Erben Mohammeds ein unversöhnlicher Streit über den Modus für den Zugriff auf das allmächtige Kalifat. Die einen, die Sunniten, damals wie heute zahlenmäßig die Mehrheit wollten den Führer von der Hierarchie gewählt wissen, die anderen, die Schiiten, räumten das Recht zur Führerschaft nur den Abkömmlingen des Propheten ein.
Für die Vertreter dieses Prinzips ist der Mohammed-Nachfolger ein speziell von Allah Auserwählter und Erleuchteter: der Imam (Wahrer des Korans), von übernatürlicher Weisheit und "frei von Sünden", unfehlbar regierend, unfehlbar in der Auslegung des Gotteswortes, eine Art Übermensch. Solch elitäre Eigenschaften für einen Irdischen lehnten die pragmatisch denkenden Sunniten von Anfang an als ketzerisch ab.
Nach dem schiitischen Glauben hat es seit dem ermordeten Ali nur elf Imame gegeben, alle direkte Nachkommen Alis und seiner Frau Fatima. Fast alle starben, so wie der Ali-Sohn Hussein, im Machtkampf um das "rechtmäßige" Kalifat eines gewaltsamen Todes.
Hussein, dritter Schiiten-Imam, ein Mohammed-Enkel, wurde von seinem Rivalen, dem Omajjaden-Kalifen Jasid, in einen Hinterhalt gelockt und mit 70 seiner Anhänger in der Nähe von Kerbela im heutigen Irak niedergemetzelt.
Seither ist Kerbela für die rund 90 Millionen Schiiten die heilige Stadt, Husseins Todestag höchster Feiertag. Dann ziehen Hussein-Anhänger, begleitet von dumpfem Trommelschlag, zu Zehntausenden durch die Straßen, um sich mit Ketten blutig zu schlagen.
Im Schmerz über die offenen Wunden erneuern sie ihr Versprechen, den Widerstand gegen die "ungerechten Herrscher" fortzuführen - Blut, Trauer und Opferwahn bekräftigen den Schwur einer noch nicht eingelösten Rache.
Der letzte Imam freilich, Mohammed, genannt "der Erwartete", verschwand nach schiitischem Glauben schon in jungen Jahren mit unbekanntem Ziel. Er ist angeblich noch immer auf Erden und wird sich zur bestimmten Zeit den Gläubigen zu erkennen geben, um mit ihnen den Staat Gottes hienieden zu errichten.
Bis zu diesem Tag, so sagt es der schiitische Bekenntniskodex, verwalten die Ajatollahs als seine Stellvertreter die Glaubenswelt. Mystik und die Erwartung eines erlöserartigen "Mahdi" - den es auch in der Glaubenswelt der Sunniten und vieler islamischer Sekten gibt - haben in der schiitischen Konfession eine zentrale Stellung. Von diesem Glauben an eine Lebens-, aber auch Waffenhilfe aus einer anderen Welt ließen sich vor allem die Perser beflügeln.
642 von arabischen Beduinenheeren besiegt und zum Islam bekehrt, trugen die Perser ihren neuen Glauben bis nach Indien und in die chinesische Provinz Sinkiang. Persien wurde neben dem Irak das Kerngebiet der Schiiten, nicht zuletzt, weil die Perser als Nicht-Araber ähnlich wie die von ihnen verehrten Imame Ali und Hussein im Ränkespiel um die Führerschaft die Verlierer waren.
Das Bewußtsein, um die ihnen von Gott zugestandene Führerschaft durch die Sunniten betrogen worden zu sein hat bei der Verbreitung des Schiitentums die entscheidende Rolle gespielt. In Indien, Pakistan, Afghanistan, im Libanon und in den heutigen Golfstaaten ließen sich vor allem die sozialen Unterschichten missionieren, die sich ungerecht behandelt fühlten.
Für den deutschen Islamisten Werner Ende reicht diese soziale Kluft zwischen Sunniten und Schiiten bis in die Gegenwart: "Wo die Bruchzone zwischen Wohlstand und Armut in einer Gesellschaft mehr oder weniger in einer konfessionellen _(Am 2. August nach dem Aufruhr in Mekka. )
zusammenfällt, da liefern die Meinungsverschiedenheiten der Theologen die Schlachtrufe der streitenden Parteien."
In Persien wurde der Schiismus zur Staatsreligion. In den anderen Ländern haben die Schiiten aus ihrem Minderheits-Status stets eine Tugend gemacht. Sie selber nennen sich stolz "el-chassa", die Besonderen, und die sunnitische Mehrheit die "amma", das heißt: die Masse. Es kommt nach schiitischer Lehre nicht auf die Masse der Anhänger an, sondern auf die Richtigkeit dessen, was gelehrt wird.
Der schiitische Glaube an die Rückkehr des verborgenen Imams läßt die autoritäre Spitze, das Kalifat, unbesetzt und ermächtigt die Ajatollahs stärker als in der Lehre der Sunna zu eigenen Interpretationen. Das freilich führte auch dazu, daß die Schiiten-Geistlichkeit angebliche Imam-Aussprüche zur Erklärung sozialer und politischer Probleme nutzte - Chomeini ist ein Meister darin.
So konnte sich der Schiismus besser entwickeln als der sunnitische Glaube, der sich früh in Koran-Scholastik erstarrte. Freilich liegt darin auch der Grund dafür, daß sich das Schiitentum in zahllose Sekten aufspaltete.
Denn allein von der Überzeugungskraft eines Ajatollah hängt es ab, wie stark seine Anhängerschaft ist, den "Super-Ajatollah" Chomeini, in dem viele Iraner sogar den erwarteten Erlöser sehen, ausgenommen. Jeder Schiit kann sich seinen eigenen Ajatollah suchen. Unter den Schiiten gibt es viele Familien, in denen fünf Angehörige auf fünf verschiedene Ajatollahs schwören - etwa 1200 dieser Imam-Stellvertreter sind bei den Schiiten anerkannt. Vieles von diesem _(Mit Frau Khadija und Vetter Ali; ) _(türkische Miniatur aus dem 16. ) _(Jahrhundert. )
an sich eher demokratischen System wurde durch das autoritäre Regime der Revolution pervertiert oder außer Kraft gesetzt - der Machtrausch der Mullahs und Ajatollahs war stärker.
Den meisten Sunniten ist die schiitische Glaubenswelt mit ihrer Todes-Mystik und dem blutigen Martyrium unverständlich. Nur die Fundamentalisten unter ihnen mit ähnlichem Absolutheitsanspruch und Sendungsbewußtsein können die rigide Lehre nachvollziehen- und gerade deshalb weder tolerieren noch teilen.
Zu den frühen Fundamentalisten im sunnitischen Islam gehörten auch die Wahhabiten, islamische Calvinisten, die seit der Jahrhundertwende die arabische Halbinsel eroberten, die Stämme unterwarfen und zum Königreich Saudi-Arabien vereinten. Reichsgründer Abd el Asis III" genannt Ibn Saud, verjagte bei dieser gewaltsamen Landnahme auch jene uralte Sippe der Haschemiten, die ihren Stammbaum auf Mohammed zurückführen. In den zwanziger Jahren besetzte er die heiligen Städte Mekka mit der Kaaba und Medina mit dem Grab des Propheten.
Nicht genug damit: Wahhabiten plünderten 1801 bei einem Feldzug im heutigen Irak das Schiiten-Heiligtum Kerbela, zerstörten die Stadt und machten die Bevölkerung nieder.
Dem puritanischen Reichsgründer fielen auch die Moscheen der Schiiten in Saudi-Arabien zum Opfer. Alle Gebetshäuser der Minderheit wurden dem Erdboden gleichgemacht, "Husseiniyas'' die Ortsversammlungen, bei denen alltägliche Probleme beraten werden, verboten.
Seither gehören die wahhabitischen Gelehrten und Religionslehrer zu den schärfsten Kritikern des Schiitentums. Unter den Schiiten wiederum gelten die Wahhabiten als Thronräuber und fromme Heuchler, denen die Religion stets nur ein Hebel zu Macht und Reichtum war - und das lange bevor die neureichen Saudis unter ihrem Wüstensand das kostbare Öl entdeckten.
Zu einer Annäherung, wenn auch nur oberflächlich, kam es erst in der Regierungszeit des Schahs Pahlewi. Die gesellschaftliche Satisfaktion sowie die gemeinsame Sorge vor Neidern und Revolution überbrückten für den Kaiserhof in Teheran und den Königshof in Riad die historischen und religiösen Gegensätze.
Die USA setzten zunächst auf das Persien des Schah, eine sichere Bank, wie es schien: Ein Autokrat, der sich in einer Hollywood-reifen Inszenierung mit Pomp und Paraden als legitimer Nachfolger einer 2500 Jahre alten Dynastie hatte feiern lassen, dessen Reich als einer der wichtigsten Ölproduzenten den energiehungrigen Industriestaaten ökonomisch tief verbunden war - Resa Pahlewi galt in Washington als sicherer Garant für die Wahrung der wirtschaftlichen und strategischen Interessen des Westens am Golf. Er durfte einen beträchtlichen Teil seiner Ölmilliarden in modernsten US-Waffen anlegen.
Doch die 400000-Mann-Armee mit mehr als 1600 Panzern, Hunderten von Geschützen, modernsten Raketen und fast 500 Kampfflugzeugen half wenig, als im Januar 1979 die von Ajatollah Chomeini aufgeputschten Massen das Schah-Regime hinwegfegten. Bataillonsweise liefen die hochbezahlten Elite-Krieger zur Revolution über. Für den Schutz nach innen hatte die schimmernde Wehr des Schah nur Schrottwert.
Obschon gerade die enge Verbindung mit dem Westen die neuen Herren in Teheran in ihrem Amerika-Haß bestärkte, kürten die Amerikaner gleich nach dem Schah-Sturz für die schwer verunsicherte Öl-Region eine neue Vormacht - Saudi-Arabien.
Die Mittel blieben die gleichen - Waffen. 450 Kampfpanzer, fast 150 mehr als 1979, stehen heute in Saudi-Diensten, viele hundert zusätzliche Geschütze wurden beschafft. Die Navy erhielt acht größere Kriegsschiffe sowie zwölf kleinere, viele mit modernen Antischiffraketen bewaffnet .
Doch die militärische und moralische Abwehrbereitschaft der konservativen Golf-Araber ist in mehrfacher Hinsicht deutlich geringer, als die des Schah-Systems zu seinen besten Zeiten war. Für ihre Waffenarsenale mußten die Herrscher in Riad 10000 Söldner anwerben, zwei komplette Brigaden wurden in Pakistan eingekauft.
Oman läßt seine 21500 Soldaten von Briten und Pakistanis führen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben gar ein Drittel ihrer 43000 Militärs im Ausland angeworben. Kuweit lockt Leihkrieger mit der so begehrten und für Ausländer sonst fast unerreichbaren Staatsbürgerschaft.
Super-Sold reizt nicht nur arme islamische Brüder etwa aus Pakistan. Auch Experten aus den USA, Großbritannien und Frankreich folgten der Verlockung stattlicher Gehälter. Moderne Waffensysteme werden, oft nur durch die Berater, Ausbilder und Techniker aus den Lieferländern
einsatzbereit gehalten. Und deutscher Qualitätsexport soll den Saudis nun gar die heiligen Stätten schützen helfen: der ehemalige GSG-9-Chef Ulrich Wegener, der Terroristen-Besieger von Mogadischu.
Gefahren drohen den Scheichs - wie einst dem Schah - ohnehin weniger von außen denn von innen. Denn die kleinen und großen Reiche am Golf sind noch heute echte Feudalstaaten. Selbst das riesige Saudi-Arabien, zehnmal so groß wie die Bundesrepublik, wird wie ein Familienunternehmen geführt. Der Saud-Clan hat Staatsämter und einträgliche Beraterjobs unter sich aufgeteilt.
Machtbasis dieser Vetternwirtschaft sind die Beduinenstämme, deren harter Überlebenskampf in den Wüsten der arabischen Halbinsel über Jahrhunderte ein intensives Loyalitätsempfinden entwickelt hat. Die zunehmende Verstädterung - die Zwei-Millionen-Stadt Riad zählte vor 30 Jahren nur rund 50000 Einwohner - zerstört jedoch die gewachsenen Lebensformen der Wander-Stämme. Ihr Zusammenhalt zerbricht und mit ihm die darauf gegründete Loyalität.
Auch andere Einflußmechanismen versagen. "Madschalis", Audienzen, bilden bis heute den Rahmen für Zusammenkünfte der Herrscher mit ihren Untertanen. Zehntausende Saudis erleben jährlich auf diese Weise ganz persönlich ihren König Fahd.
Madschalis sind der Rahmen für Beratung, Klage und Zuspruch - vor allem aber fürstlicher Mildtätigkeit. Noch immer gilt der Grundsatz: Je mehr ein Scheich seinen Untertanen zukommen läßt, desto höher sein Ansehen. Im Fastenmonat Ramadan verschenkt Verteidigungsminister Prinz Sultan, einer der einflußreichsten Großen des Reichs, pro Nacht einige hunderttausend Mark.
Doch mit den von den Ölpreisen abhängigen Staatseinnahmen sank die Spendierfreude. 1981 flossen 113 Milliarden Dollar in des Königs Kasse, vier Jahre später waren es nur noch 28 Milliarden. Im gleichen Zeitraum schrumpfte das saudische Auslandsvermögen um mehr als 30 Prozent. Staatsbediensteten wurden schon die Gehälter gekürzt.
Bislang hatten die Petrodollar soziale und politische Spannungen geglättet, an denen die streng hierarchischen Strukturen hätten Schaden nehmen können. Inzwischen macht sich jedoch vor allem unter den vielen im westlichen Ausland ausgebildeten Fachleuten und Offizieren Unzufriedenheit breit, wurden schon Forderungen nach Demokratie laut.
Zusätzlichen sozialen Druck schafft die wachsende Überfremdung derfeudalen Öl-Länder auf der arabischen Halbinsel. Nicht nur die Armee, auch die Zivilwirtschaft, ja sogar die Staatsdienste stützen sich zunehmend auf Ausländer.
Der Menschenmangel muß sich in Krisenzeiten verheerend auswirken: In Saudi-Arabien werden die meisten Arbeiten längst von Ausländern erledigt, während die Saudis selbst vor allem mit der Verwaltung ihres Wohlstandes beschäftigt sind. In den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen gar 80 Prozent der Bevölkerung nicht aus einem der sieben Emirate. Ägypter stellen dort in nahezu allen Ministerien die mittlere Beamtenschicht.
Ganze Berufsgruppen sind fest in Ausländerhand. Aus Billiglohnländern wie den Philippinen oder Korea angeworbene Kindermädchen etwa, die kein Wort Arabisch sprechen, tragen sozial-kulturelle Spannungen schon bis in die Familien.
Und Saudi-Arabien hat bei rund elf Millionen Einwohnern etwa eine halbe Million Schiiten im Land. In der Erd-Ölprovinz Hassa im Osten des Landes sind sie unentbehrliche Arbeitskräfte. Seit Chomeini in Teheran die Macht übernommen hat, gilt Hassa als innenpolitisch besonders gefährdete Region.
Ein strukturell derart zerbrechliches Gebilde wie Saudi-Arabien könnte trotz seines immer noch riesigen Reichtums und seiner militärischen Hochrüstung einen Kampf um seine Existenz - etwa mit einem gegen den Irak siegreichen Iran - kaum durchstehen.
Deshalb zeichnet Angst die einst stolzen Beduinen: Mit Geld läßt sich vieles kaufen - Sicherheit gegen den Ajatollah indessen nicht, mußten sie erkennen. Zu ihrem Glück forderte der Krieg gegen den "gottlosen Satan Saddam" (so Chomeini) auch von den Heerscharen des Ajatollah einen hohen Preis.
Während bei vielen jungen Iranern die Opferbereitschaft für Chomeini und die islamische Republik ungebrochen ist (siehe Kasten Seite 98), wächst bei anderen Kriegsmüdigkeit. Vier Millionen Iraner, vor allem junge Männer im wehrfähigen Alter sowie Ärzte, Techniker und Naturwissenschaftler, sind aus dem Iran geflüchtet oder nach ihrem Studium im Ausland nicht mehr in den Mullah-Staat zurückgekehrt.
Außer unter dem gewaltigen Blutzoll leiden immer mehr Iraner unter dem Verfall der Wirtschaft und der schlechten Versorgung- Folgen der Kriegskosten, die Parlamentssprecher Rafsandschani allein für 1986 auf 40 Milliarden Dollar bezifferte.
Den zunehmenden, wenn auch für das Mullah-Regime noch lange nicht bedrohlichen Unmut in der Bevölkerung beklagte kürzlich Ajatollah Hussein Ali Montaseri, 64, der designierte Nachfolger Chomeinis. Vor hohen Geistlichen in der heiligen Stadt Ghom zog er über seine Untertanen her: "Der revolutionäre Eifer" habe nachgelassen, die Leute seien "desinteressiert" am revolutionären Geschehen- ihr "privates Leben" sei ihnen wichtiger als "unsere Sache" - kurz: "Manche erlauben sich zuviel."
Tatsächlich ist das Regime der Gottesmänner in den vergangenen zwei Jahren hier und da etwas milder geworden, es reglementiert das Alltagsleben der Bürger ein wenig behutsamer. Zwar überwachen die allgegenwärtigen Revolutionskomitees noch immer die Straßenzüge,
aber sie schnüffeln nicht mehr in den Wohnungen der Bürger.
Folge: Gesellschaftlich beliebt sind in Teheran derzeit private Abendveranstaltungen mit verbotenen Westfilmen - auf Video-Kassetten ins Land geschmuggelt. Dazu reicht der Gastgeber selbstgekelterten Wein oder die berüchtigten Eigenbau-Schnäpse.
Die Teheraner Polizei registrierte in den vergangenen Monaten immer häufiger ein Delikt, das in der postrevolutionären iranischen Straßenverkehrsordnung gar nicht mehr vorgesehen ist: Trunkenheit am Steuer.
Etwas Liberalisierung auch in der Frauen-Mode. Italienische Stöckelschuhe, in Teheraner Boutiquen erhältlich, hautenge Jeans unter dem wallenden Umhang, dezentes Make-up, vom Tschador kaum versteckt - iranische Frauen und Mädchen unterlaufen die strenge islamische Kleiderordnung.
Dieser "wachsenden Dekadenz", so Ajatollah Montaseri in Ghom, gelte es gegenzusteuern. Das sei, fügte er hinzu, auch der Wille des Imam.
Und der geschieht noch immer in der Islamischen Republik Iran. Trotz seiner körperlichen Gebrechen (seit 1979 mindestens drei Herzattacken) hält der Alte das Heft fest in der Hand. Längst hat er sich aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen und gewährt seinen Top-Leuten lediglich seinen Rat. Aber der zählt. Ein West-Diplomat in Teheran: "Es passiert nichts Wichtiges, das nicht genau mit Chomeini abgesprochen ist."
Doch so ungebrochen sein Haß auf den Iraker Saddam Hussein noch ist, der Chomeini 1978 aus dem Land geworfen und ins französische Exil getrieben hatte, bei seinen potentiellen Nachfolgern sind Anzeichen von Kriegsmüdigkeit zu erkennen. Ajatollah Hussein Ali Montaseri, schon 1985 von Chomeini als künftiger Wah Fakih (oberster religiöser Führer) auserkoren, deutete in mehreren Reden an, daß der "hohe Blutzoll" und die "wirtschaftlichen Entbehrungen" durch den Golfkrieg ein Ende haben müßten.
Es ist unwahrscheinlich, daß Chomeinis Favorit nach dem Tod des Meisters allein bestimmen kann. Hinter der Fassade schiitischer Geschlossenheit tobt ein harter Kampf um die Macht in der Nach-Chomeini-Ara.
Montaseris aussichtsreichster Rivale ist Parlamentssprecher Haschemi Rafsandschani, ein enger Vertrauter Chomeinis. Er war auf iranischer Seite Drahtzieher des dubiosen Geschäfts Waffen gegen Geiseln mit den USA. Erst an dritter Stelle steht Staatspräsident Ali Chamenei. Das Gezerre um Posten und Einfluß der konkurrierenden Gruppen führte gar schon zu handgreiflichen Auseinandersetzungen unter Abgeordneten im Teheraner Parlament.
Die Intrigen um seine Nachfolge erzürnten Chomeini so sehr, daß er vergangenen Juni die Auflösung der zerstrittenen iranischen Einheitspartei IRP befahl. In einer Rede mahnte er seine Spitzenpolitiker zu frommer islamischer Solidarität: "Es gibt Leute, die Zwietracht säen. Aber das Säen von Zwietracht ist eine der größten Sünden."
Die über die Jahre gewachsene Militanz iranischer Mekka-Pilger wurde offenkundig von Chomeini persönlich befohlen. Daß sie eines Tages in ein Blutbad münden würde, war abzusehen und vom Revolutionsführer wohl einkalkuliert.
Viele der von einem eigens eingerichteten Ministerium für Pilgerfahrten ausgesuchten Mekka-Fahrer sind junge Männer mit harten Fäusten. Am Vorabend ihrer Reise schickte sie Chomeini mit der Weisung auf den Weg: "Laßt euch nicht davon abhalten, euren Haß gegen die Feinde Gottes und des Volkes kundzumachen." Der Rundfunk von Teheran erklärte den Satz sogar zur "Charta der Revolution".
Was auch immer die Ajatollahs bei ihrem provokanten Unternehmen gegen
Mekka mit einkalkuliert hatten: Die iranische Revolution, vom Abnutzungskrieg gegen den Nachbarn Irak gezeichnet, durch ihre repressive Innenpolitik und aggressive Außenpolitik immer mehr isoliert, hat ihr neues, die Massen mobilisierendes Ziel gefunden: die Vertreibung der wahhabitischen Saudis aus den heiligen Städten. Der Weg zur Befreiung Jerusalems aus der Hand der Juden führt in Zukunft über Mekka und Medina.
Das staatliche iranische Fernsehen übertrug vergangenen Mittwoch nachts live die Landung des ersten Iran-Air-Jumbos mit den Särgen 58 getöteter Pilger sowie 35 Verletzten an Bord.
Noch auf dem Rollfeld des Teheraner Flughafens Mehrabad begrüßte Ministerpräsident Mussawi mit tränenerstickter Stimme die Zurückgekehrten, während sich Angehörige über die blumengeschmückten Särge der "Märtyrer" warfen und sie zu Helden erklärten.
Verblüffende Ähnlichkeit: In der Mayport Naval Station in Florida, dem Heimathafen der im Golf blamabel beschädigten US-Fregatte "Stark", wurden Reagans heimkehrende Orientkrieger mit blumenbesteckten Triumphbögen als Helden gefeiert.
In Washington erklärte ein anonym gebliebener Großsprecher der Administration: "Wir schicken so viele Schiffe in den Golf, bis sein Wasserspiegel um zwei oder drei Inch gestiegen ist."
Während tatsächlich weitere Kriegsschiffe mit Hubschraubern und sogar mit Landungstruppen die Straße von Hormus ansteuerten, ließ in Teheran der Ajatollah Chomeini verkünden, er habe unter dem Eindruck des "entsetzlichen Massakers" von Mekka eine am nächsten Tag geplante Feier für die "toten Helden" kurzfristig abgesagt.
Er wolle nun mehrere Tage niemanden mehr sehen.
[Grafiktext]
Schwarzes Meer SOWJETUNION KASPISCHES MEER MITTELMEER LIBANON ISRAEL TÜRKEI SYRIEN IRAN AFGHANISTAN PAKISTAN LIBYEN ÄGYPTEN SUDAN JORDANIEN SAUDI-ARABIEN KUWEIT BAHREIN KATAR OMAN (Ibaditen) JEMEN VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE VOLKSREPUBLIK JEMEN DSCHIBUTI ÄTHIOPIEN SOMALIA Arabisches Meer Golf von Aden Länder, in denen mindestens 90% der Bevölkerung Moslems sind darunter: über 65% Sunniten über 65% Schiiten etwa je zur Hälfte Schiiten und Sunniten Religionszugehörigkeit der Bevölkerung in Prozent: IRAK IRAN KUWEIT SAUDI-ARABIEN BAHREIN 95% Moslems 98% Moslems 93% Moslems 100% Moslems 98% Moslems 5% Sonstige 8% Sunniten 2% Sonstige 7% Sonstige 5% Schiiten 2% Sonstige 45% Sunniten 50% Schiiten 90% Schiiten 28% Schiiten 65% Sunniten 95% Sunniten 28% Sunniten 70% Schiiten WO DIE MEISTEN MOSLEMS WOHNEN Einwohner, die sich zum Islam bekennen, in Millionen INDONESIEN PAKISTAN INDIEN BANGLADESCH TÜRKEI 150 95 85 85 50 SOWJETUNION NIGERIA IRAN ÄGYPTEN MAROKKO 47 45 44 40 21
[GrafiktextEnde]
Am 2. August nach dem Aufruhr in Mekka. Mit Frau Khadija und Vetter Ali; türkische Miniatur aus dem 16. Jahrhundert.

DER SPIEGEL 33/1987
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