12.10.1987

Europa - eine heitere Schauergeschichte

Lothar Baier über Hans Magnus Enzensberger: „Ach Europa!“ Der Schriftsteller, Kritiker und Publizist Lothar Baier, 45, lebt in Frankfurt. Für sein essayistisches Werk wurde ihm der „Jean-Amery-Preis“ verliehen. *
Mit den sieben Länderporträts seines europäischen Panoramas hat Hans Magnus Enzensberger rigoros eine Auswahl getroffen, die ganz offensichtlich weitgehend mit persönlichen Neigungen und mit seinen, für einen deutschen Intellektuellen, außergewöhnlich vielfältigen Sprachkenntnissen zusammenhängt.
Daß der Autor ausgerechnet um Frankreich, Großbritannien und sein eigenes Land einen Bogen macht bei seiner europäischen Besichtigungstour, ist keiner Laune entsprungen, sondern verrät das Wirken eines leisen Credos, an dem Enzensberger bei aller ausgesprochenen Abneigung gegen Botschaften konsequent festhält: Es ist die Überzeugung, daß man von der Höhe der Zentrale aus am wenigsten sieht und daß man an den dort aufgestellten Schreibtischen vollends mit Blindheit geschlagen ist.
Mehr als um die Reform Europas geht es um die Reform der Literatur.
Der literaturfreundliche, weil literaturkritische Grundgedanke, der schon bei der Gründung der Enzensberger-Zeitschrift "Transatlantik" Pate stand, hat seit 1980 nichts von seiner Aktualität verloren, auch wenn "Transatlantik" inzwischen als gescheitert betrachtet werden kann. Daß es den Schriftstellern persönlich auf die Sprünge hilft, wenn sie gezwungen werden, neben dem Erfinden das Finden zu probieren, das dem recherchierenden Reporter abverlangt wird.
Die Idee ist im übrigen nicht neu, sie hat sich, vor Zeiten, sogar für die auftraggebenden Presseunternehmen als außerordentlich profitabel erwiesen. Als dem Zeitungsverleger Jean Prouvost im Jahr 1932 der Einfall kam, das mit Spannung erwartete Wahlduell um den Posten des Reichspräsidenten zwischen Hindenburg und Hitler sowohl von dem zuständigen außenpolitischen Experten als auch von den beiden Romanciers Pierre Mac Orlan und Maurice Dekobra beobachten zu lassen, verdoppelte sich die Auflage seiner Zeitung "Paris-Soir".
Danach wurde die Colette losgeschickt, um über die Jungfernfahrt des Schnelldampfers "Normandie" zu berichten, Saint-Exupery bereiste auf Zeitungskosten die Fronten des Spanischen Bürgerkriegs, Blaise Cendrars trieb sich als Reporter in den Spielsälen und Drogenumschlagplätzen des Pariser und Marseiller Milieus herum. Als es Zeit gewesen wäre, die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochene Tradition wieder aufzugreifen, kam das Fernsehen und ließ der literarischen Konkurrenz keinen Platz.
Daß es Enzensberger gelang, neben der Wochenzeitung "Die Zeit" mehrere Rundfunkanstalten und dazu eine Reihe ausländischer Zeitungen als Sponsoren seiner Reise in sieben europäische Länder zu gewinnen, ist für sich schon eine Leistung; aber auch der entsprechenden Redakteure und Verleger, die sich überreden ließen, sei gedacht, zumal sie nicht darauf bauen konnten, sich für ihre Honorare und Spesenzahlungen literarisch anspruchsvolle Public-Relations-Artikel einzuhandeln. Vielleicht wächst aber auch mit wachsender Entfernung von den Kommandoposten der Zentralregionen die Bereitschaft, den fremden kritischen Blick als Gewinn willkommen zu heißen, statt ihn als lästige Störung arrogant zu ignorieren. Der Stockholmer Tageszeitung "Dagens Nyheter" und ihren Lesern kann das Porträt der schwedischen Gesellschaft, das Enzensberger ablieferte, kaum gefallen haben, nicht weil der Autor kein gutes Haar an Schweden läßt, sondern ganz im Gegenteil, weil er vor lauter guten Haaren keine Köpfe mehr erkennt. Wenn es in "Ach Europa!" eine Enzensbergersche Sympathieskala gibt, dann rangiert Schweden eindeutig an deren untererem Ende - und Italien an der Spitze. Unter Anspielung auf Stig Dagermans berühmte Reportage von 1947 "Deutscher Herbst" hat Enzensberger seinen Bericht "Schwedischer Herbst" überschrieben, womit er weniger die Temperaturverhältnisse anspricht als das Gefühl, daß etwas in diesem System zu Ende geht.
Die Tatsache, daß die schwedische Reportage mit ihren knapp über vierzig Seiten am dünnsten unter den Länderberichten ausgefallen ist, zeigt schon an, daß die sonst unermüdliche Neugier des Autors in Stockholm und Umgebung kapitulierte. Es ist so wenig Neues unter der schwedischen Sonne, die fürsorglich auf die geordneten Verhältnisse scheint, daß dem auswärtigen, mit den geordneten Verhältnissen des Landes seit langem vertrauten Besucher die sonst nie erlahmende Lust vergeht, in abgelegenen Winkeln des Gemeinwesens herumzuschnüffeln.
Die fürsorgende und vorsorgende schwedische Gesellschaft, so lautet die Klage, ist auf dem besten Weg, in eine Gesellschaft der totalen Bevormundung überzugehen. Enzensberger illustriert die Diagnose mit der in der Tat schauerlichen Geschichte von den Stockholmer Jugendlichen, die sich über eine gebührenfreie Schaltung zusammentelephonierten, in einem Park versammelten, dort nicht nur wie illegal Demonstrierende von der Polizei aufgestöbert und gewaltsam auseinandergetrieben, sondern anschließend auch von einem Heer von Sozialarbeitern und Psychologen umzingelt wurden, weil man herausbekommen wollte, wie denn dieses Bedürfnis nach wilder, die schönen Jugendhäuser und Sozialstationen vermeidender Kommunikation überhaupt
hatte entstehen können. Das Ende vom Lied war eine neue soziale Institution.
Kaum ist die Grenze zum benachbarten Norwegen überschritten, atmet der Reporter spürbar auf. Das hat gewiß auch persönliche Gründe, da Enzensberger in Norwegen den Boden einer zeitweiligen Wahlheimat betritt: Während sich einige seiner Schriftstellerkollegen in den sechziger Jahren in das Tessin zurückzogen, brach Enzensberger in die entgegengesetzte Richtung auf und ließ sich auf einer Insel im Oslofjord nieder.
Aber das Aufatmen nach der schwedischen Depression hat auch mit der Entdeckung des Unterschieds zu tun, der die beiden skandinavischen Länder trotz ähnlicher kultureller Erbschaften und ähnlicher Entwicklungsmodelle voneinander trennt. Beglückt stellt Enzensberger fest, daß sich das Land zwar in rasantem Tempo verändert hat, daß eine Reihe ihm sympathischer zentraleuropäischer Sitten, nicht zuletzt Eßsitten, zwischen Stavanger und Tromsö Einzug gehalten haben, daß aber zugleich weder der Ölboom noch der davon angeheizte Modernisierungsfuror den norwegischen Eigensinn in seiner Substanz haben ruinieren können.
Statt wie in Schweden dem Land eine Strukturreform aufzuzwingen, die zur Verödung ganzer Landstriche führte, hat Norwegen seinen mit dem Nordseeöl angeschwollenen Wohlstand dazu benutzt, mit der Dezentralisierung ernstzumachen, beispielsweise die dünnbesiedelten Regionen im hohen Norden mit ausgebauter sozialer und kultureller Infrastruktur lebensfähig zu erhalten.
Was Enzensberger bei der Wiederbegegnung mit Norwegen geradezu in Entzücken versetzt, ist der höchst selektive Gebrauch, den die Norweger von der Modernisierung machen, die mit dem Ölboom ins Land kam. Die Frage, wie sie das geschafft haben, bringt seine Neugier auf Trab.
So sehen wir den Reporter kreuz und quer durchs Land fahren. Im hohen Norden trifft er auf einen Fundamental-Ökologen, der der westlichen Zivilisation eine solch rabiate Todfeindschaft geschworen hat, daß er gern ein Sowjetsystem in Kauf nehmen möchte, wenn es nur der Erhaltung der Natur und des traditionellen Handwerks dient.
In Stavanger läßt er sich die Vorkehrungen zeigen, die man dort gegen die moralisch und städtebaulich unerwünschten Folgen der Ansiedlung ausländischer Ölspezialisten getroffen hat. In Oslo gerät der Reporter ins Schwärmen, wenn er entdeckt, daß es in einem Innenstadtviertel immer noch so riecht, wie es zu Hamsuns Zeiten gerochen haben könnte, daß der moderne Städtebau "eine Schlappe nach der anderen erlitten hat", und die Vision von der autogerechten Metropole über das Reißbrettstadium nie hinausgekommen ist. Paradoxerweise ist die Hauptstadt deshalb so liebenswert geblieben, erklärt uns der Autor, weil die Norweger selbst sie nicht lieben. Was ihm wiederum die Norweger, den rasenden Öko-Stalinisten vom Polarkreis eingeschlossen, liebenswert macht.
Dieses Kapitel nimmt in dem europäischen Panorama deshalb so breiten Raum ein, weil Enzensberger in Norwegen sämtliche Elemente versammelt sieht, aus denen sich eine realisierbare Zukunftsgesellschaft zusammensetzen könnte. Während die Ölproduktion zusammen mit einem Park von technologisch hochentwickelten Betrieben das materielle Überleben sichert, könnte sich, wie Enzensberger schwärmerisch wachträumt, "eine Nation von Lehrern und Joggern, Fürsorgern und Gärtnern, Pflegern und Bastlern in einem 324000 Quadratkilometer großen Freiluftmuseum ergehen".
Ob Enzensberger in dieser Bastler- und Jogger-Idylle dann selbst gern leben würde, verrät er uns nicht; man darf aber vermuten, daß es ihn im Zweifelsfall doch mehr nach Italien zieht. In Italien nämlich sieht er eine Gesellschaft auftauchen, deren Überlebenstechniken sich unter weniger spezifischen Bedingungen entwickelt haben als die norwegischen, die deshalb leichter auf andere Gesellschaften übertragbar sind und von ihnen auch übernommen werden müssen - da wird der Autor fast kategorisch -, wenn die allgemeine Systemkrise nicht in eine Katastrophe ausarten soll. Die "Italianisierung Europas" als Ausweg aus der Klemme, in die Europa mit dem katastrophal gescheiterten Germanisierungsversuch geraten ist? Enzensberger meint es keineswegs folkloristisch, sondern ganz ernst. Seine Argumente lauten etwa so:
Die europäischen Staaten sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, auf eine historisch neue Lage antworten zu müssen. Auf nationale Souveränität, zentrale Planung, Regierbarkeit, Integration der Bürger durch Arbeit ist kein Verlaß mehr, was die Italiener am wenigsten von allen Europäern überrascht. Die Epoche der nationalen Souveränität war zu kurz, um sich an die damit verbundenen Phantasmen gewöhnen zu können, Planer sind meistens als Scharlatane und Regierungsvertreter als Ausbeuter betrachtet worden, und Perioden der Vollbeschäftigung waren so selten, daß sich statt eines ehernen Arbeitsethos eine "außergewöhnlich reiche Kultur des Parasitentums" entwickelt hat.
Enzensberger legt sich bei seiner Bewunderung italienischer Mirakel jedoch weise Selbstbeschränkung auf, denn ihm ist nicht verborgen geblieben, daß sich das schöne produktive Chaos und die fröhliche italienische Entropie nach unten in einer weniger bunten Bemalung fortsetzt; daß sich 70000 Strafgefangene, die in überfüllten Zellen dahinvegetieren, und zahllose von der Justiz vergessene Untersuchungshäftlinge für die zukunftsträchtige Selbstsabotage des Justizbetriebs bedanken werden. Der rote
Faden, dem der Reporter bei der Erkundungsreise durch sieben europäische Länder folgt, ist die Frage: Wie ziehen sich andernorts, in West und Ost, die staatlichen Institutionen, die ökonomischen Instanzen, die gesellschaftlichen Kollektive und die einzelnen - und vor allem diese - aus der Affäre, die der Souveränitätsverlust und das Desaster zentraler Planung ihnen eingebrockt haben? Liest man die Schilderung, die der spürbar befremdete Beobachter von einer Messe gibt, die in Warschau zum Gedenken an den vom polnischen Geheimdienst ermordeten Priester Jerzy Popieluszko einmal im Monat veranstaltet wird, weiß man auch schon, was Enzensberger von einer polnischen Theokratie als Alternative zum Staatssozialismus hält.
Beeindruckt dagegen zeigt er sich von der Begegnung mit einem kleinadligen Filou, der mit dem Gewinn, den er aus dem Verkauf illegal importierter Computer an Staatsbetriebe erzielt, nicht nur den früher enteigneten Landsitz zurückkaufen, sondern sich auch noch eine bemerkenswerte Kunstsammlung zulegen konnte. In Gesellschaft solcher Künstler des guten Lebens, die er in Ost und West, in Ungarn wie in Spanien, antreffen kann, fühlt sich Enzensberger sichtlich wohl und muß sich nicht, wie in Schweden, als zynischer Mitteleuropäer ausgestoßen fühlen. Gäbe es mehr solcher produktiver Schlawiner, die offenbar besonders gut an den Rändern des osteuropäischen Staats- und Parteibetriebs gedeihen, dann, so darf man aus dem Ton des aufgeräumten Berichterstatters schließen, müßte man sich um die Zukunftsaussichten nicht sorgen.
Keine farbenprächtigen Paradiesvögel ohne spatzengraue Normalität. Sie literarisch einzufangen, ist besonders schwer, und selbst der versierte Enzensberger hat Mühe, bei seinen "Wahrnehmungen aus sieben Ländern", wie sein Buch im Untertitel heißt, Bilder der jeweiligen Normalität festzuhalten. Am ehesten gelingt es ihm am Beispiel von Spanien und Portugal, jenen Ländern, die nach dem Fest der Nelkenrevolution und Demokratisierung unauffällig aus unserem Bewußtsein verschwunden sind, eben deshalb, weil in ihnen die Normalität und damit die übliche sozialdemokratisch-liberalkonservative Langeweile eingezogen ist.
Enzensberger erinnert uns nun daran, daß gerade die unauffällige spanische Normalität eine ganz erstaunliche Errungenschaft ist, daß es einer Gesellschaftsrevolution gleichkommt, wenn sich hinter einem Spinner zehn völlig normale Leute verbergen. Als ein stilles Wunder beschreibt er die Gelassenheit, mit der sich die Portugiesen von ihrem Kolonialreich verabschiedet haben, ohne sich für den Abschiedsschmerz an den afrikanischen und asiatischen Immigranten schadlos zu halten. Von reicheren Ländern, die immer noch an ihren postkolonialen Verdauungsbeschwerden leiden, muß sich Portugal allerdings als "Schlußlicht Europa" titulieren lassen. Für solche zentraleuropäische Arroganz hat sich Enzensberger eine besonders hinterfotzige Strafmaßnahme ausgedacht.
Während Großbritannien, Frankreich und die Bundesrepublik in den Reportagen schlicht durch Mißachtung gestraft werden, tauchen sie in der fiktiven Europa-Reportage aus dem Jahr 2006, die den Epilog zu "Ach Europa!" bildet, doch noch auf, allerdings in schwer lädierter Gestalt. Aus London hat der amerikanische Reporter, in dessen Haut der quirlige Enzensberger diesmal geschlüpft ist, nach wie vor nichts zu berichten; bei den Deutschen ist auch nichts Besonderes passiert, nur daß das
Gelände an der Berliner Mauer in ein Biotop verwandelt worden ist. Frankreich freilich hat es massiv erwischt: Sein Atomprogramm hat endgültig Schiffbruch erlitten, nachdem in einem Atomkraftwerk bei Bordeaux zwei Reaktorkerne durchgeschmolzen sind, wodurch sich nicht nur der Südwesten entvölkerte, sondern auch der exportträchtige Weinbau zum Erliegen kam.
Bei einer vor dem Desaster geretteten Flasche 94er Listrac läßt sich der amerikanische Reporter in einer finnischen Hütte vom amtsmüde gewordenen und mit der Reparatur seines Jaguar-Kompressors aus den fünfziger Jahren beschäftigten Ex-Präsidenten Europas auseinandersetzen, warum es mit den Vereinigten Staaten von Europa nicht geklappt hat: "Der sogenannte Europa-Gedanke lief auf die Absicht hinaus, den großen Blöcken einen großen Block entgegenzusetzen. Also nichts als Big Science, High Tech, Raumfahrt, Plutonium, all diese bösen Scherze. Die Politiker haben jahrzehntelang auf dieses Europa der Manager, der Rüstungsexperten und der Technokraten gesetzt, und als leuchtendes Beispiel haben sie uns Japan entgegengehalten. Nur haben sie ihre Rechnung ohne die Bewohner unserer schönen Halbinsel gemacht ...
Was die europäische Gesellschaft betrifft, so ist sie tatsächlich bis in ihre Mikrostruktur hinein irregulär, und der Versuch, hier im traditionellen Sinn Ordnung zu schaffen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen... Der Mischmasch ist unsere endgültige Gestalt."
Gehört also einem rabiaten Regionalismus und einem grünen Fundamentalismus die Zukunft? Ganz genau weiß man es bei Enzensberger nie. Sein Verhältnis zum Thema Modernisierung bleibt merkwürdig ambivalent: Auf der einen Seite bestaunt er anerkennend den vollcomputerisierten Zeitungsbetrieb bei "El Pais" in Madrid, auf der anderen Seite gerät er bei einer Fahrt mit der vor sechzig Jahren in Rugby/England hergestellten Lissaboner Straßenbahn ins Schwärmen und verflucht die Städtebauer, die im Begriff sind, die Silhouette von Houston/Texas an den Tejo zu versetzen. Modernisierung muß zwar irgendwie sein, aber schön sieht sie nur aus, wenn sie scheitert: So darf man ihn vielleicht verstehen.
Gar keinen Spaß versteht Enzensberger jedoch, wenn sich der Einspruch gegen eine Zentralinstanz populistisch aufbläht oder separatistisch verhärtet. Die urbane Weitläufigkeit des Berichterstatters, so sympathisch sie auch ist, kann zuweilen, wenn sie sich von einem Produktionsmittel in einen intellektuellen Habitus verwandelt, leicht pharisäische Züge annehmen.
Sie kommen aber selten zum Vorschein, weil Enzensberger überall und seltsamerweise fast ausnahmslos ebenso klugen und urbanen Leuten begegnet, oder zumindest solchen, die sich in der Enzensbergerschen Fassung ungemein klug und urban und differenziert zu äußern verstehen, bis hin zu dem nordnorwegischen Berserker, dessen Fanatismus in schriftlicher Form noch ganz akzeptabel klingt.
Nur darf man nicht vergessen, daß "Ach Europa!" auch ein Geschichtenbuch ist, das von einer Fiktion handelt, nämlich Europa, und daß das Gesetz des Genres es mit sich bringt, daß eine Reportage, wie der literarische Reporter Cendrars es formulierte, "desto wahrhaftiger ist, je phantastischer sie erscheint". Und da soll noch einer sagen, angesichts der zwei Dutzend von Enzensberger nicht bereisten europäischen Länder und des übrigen Rests der Welt, die Literatur hätte keinen Stoff und die Phantasie keinen Arbeitsplatz mehr.
Von Lothar Baier

DER SPIEGEL 42/1987
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