Potemkin postmodern: vorne ein klassischer Säulenbau, dahinter eine Kiste. Das ist der neueste Zuwachs für die sprießende Frankfurter Ausstellungsszene. An die übriggebliebene Portikus-Fassade der kriegszerstörten Stadtbibliothek ist eine blechverkleidete Industriearchitektur geschoben worden, die mit vier Wänden und Tageslicht von oben (Fläche: 8 mal 16 Meter) günstige Schau-Bedingungen bietet. Als "erste Portikus-Ausstellung" werden jetzt bis zum Dezember "Publiziertes und Unpubliziertes" des Schweizer Bild- und Wortkünstlers Dieter Roth gezeigt. Besucher dürfen an Ort und Stelle einen "Frankfurter Bilderbogen" produzieren. Initiator des Ganzen ist der Städelschul-Professor Kasper König, als "Westkunst"- und "Von hier aus"-Macher bewährt und deswegen ausersehen, auch in Frankfurt eine große Schau zu starten: 1990 wird er in einer Messehalle die "Weltausstellung der Ideen" zeigen.
DER SPIEGEL 43/1987
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