11.01.1988

GESTORBENJosef Grohe

Josef Grohe, 85. Adolf Hitlers rheinischer Paladin hatte in der NSDAP eine Blitzkarriere gemacht: Mit 19 Parteigenosse, mit 24 Hauptschriftleiter des in Köln erscheinenden Kampfblattes "Westdeutscher Beobachter" und in dieser Eigenschaft 121mal vor Gericht, mit 29 Chef des Parteibezirks Köln-Aachen, damals der zweitjüngste im Reich, erfahren "in zahllosen Saalschlachten", wie ein Biograph lobend erwähnte. Als in der Endphase des Kriegs in Belgien und Nordfrankreich ein Reichskommissar als Nachfolger des der Führung zu milden Generals Alexander von Falkenhausen gesucht wurde, war Grohe, der Mann aus dem Hunsrück, zur Stelle. 1950 wurde er in Bielefeld zu viereinhalb Jahren Gefängnis veruteilt - wegen Mitgliedschaft im politischen Führerkorps der NSDAP. Von Judendeportationen habe er gewußt, befand die Kammer, Beteiligungen an Greueltaten hatten ihm jedoch nicht nachgewiesen werden können. Seinen Berufsweg beendete der gelernte kaufmännische Angestellte als gut verdienender Vertreter deutscher Spielwarenproduzenten. Grohe starb am vorvergangenen Sonntag in Köln.

DER SPIEGEL 2/1988
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