SPIEGEL: Früher "17 Jahr', blondes Haar", heute im Dienste der Latex-Forschung: Sollten Sie sich nicht schämen?
JÜRGENS: Ich singe nicht für die Kondom-Industrie, aber ich bin für Safer Sex. Im übrigen: Wenn etwa Sting so etwas singt, fallen alle vor Begeisterung auf die Knie.
SPIEGEL: Aber als Werbung für die neue Platte kommt das Bürger- und Kirchenschreck-Image nicht ganz ungelegen?
JÜRGENS: Mit Liedern wie "Ein ehrenwertes Haus" habe ich die Leute auch früher schon verschreckt.
SPIEGEL: Dann empfinden Sie das Auftrittsverbot im Rundfunk als nächsthöhere Weihe?
JÜRGENS: Das ist Interpretationssache. Mich wundert aber, daß die Leute an den Schalthebeln nicht intelligenter reagieren.
SPIEGEL: Pendelt Udo Jürgens demnächst wie andere engagierte Kollegen zwischen Showgeschäft und Politik?
JÜRGENS: Ich will soviel wie möglich bewegen, aber ich bleib' bei meinem Leisten.
DER SPIEGEL 11/1988
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