DER SPIEGEL



FRAGEN AN UDO JÜRGENS

UDO JÜRGENS, 53. Mit seinem Titel "Gehet hin und vermehret Euch" greift der Schlagersänger das päpstliche Nein zu Pille und Kondom an. Die Deutsche Bischofskonferenz prüft, ob sie gegen Jürgens Strafantrag wegen Beleidigung des Papstes stellen soll. Beim Bayerischen Rundfunk darf das Lied nicht mehr gespielt werden, bei anderen Sendern nur mit Einschränkungen.

SPIEGEL: Früher "17 Jahr', blondes Haar", heute im Dienste der Latex-Forschung: Sollten Sie sich nicht schämen?

JÜRGENS: Ich singe nicht für die Kondom-Industrie, aber ich bin für Safer Sex. Im übrigen: Wenn etwa Sting so etwas singt, fallen alle vor Begeisterung auf die Knie.

SPIEGEL: Aber als Werbung für die neue Platte kommt das Bürger- und Kirchenschreck-Image nicht ganz ungelegen?

JÜRGENS: Mit Liedern wie "Ein ehrenwertes Haus" habe ich die Leute auch früher schon verschreckt.

SPIEGEL: Dann empfinden Sie das Auftrittsverbot im Rundfunk als nächsthöhere Weihe?

JÜRGENS: Das ist Interpretationssache. Mich wundert aber, daß die Leute an den Schalthebeln nicht intelligenter reagieren.

SPIEGEL: Pendelt Udo Jürgens demnächst wie andere engagierte Kollegen zwischen Showgeschäft und Politik?

JÜRGENS: Ich will soviel wie möglich bewegen, aber ich bleib' bei meinem Leisten.


DER SPIEGEL 11/1988
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