12.09.1988

Entrechtung und Verfolgung

NS-Judenpolitik per Gesetz und Verordnung 1933 bis 1938 *
1933
1. April. Die NSDAP organisiert in ganz Deutschland Boykott-Aktionen gegen jüdische Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte.
7. April. Das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" schickt "Beamte, die nicht arischer Abstammung sind", in Zwangspension; ausgenommen sind zunächst "Frontkämpfer" und HInterbliebene von Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
22. April. Eine Verordnung des Reichsarbeitsministers entzieht den jüdischen Ärzten die Kassenzulassung.
25. April. Der "Reichssportkommissar" verfügt die Einführung des "Arier-Paragraphen" bei allen Sportvereinen: Mitglied kann nur sein, wer seine "arische Abstammung" nachweisen kann.
22. September. Ein Gesetz installiert die "Reichskulturkammer". Sie bereitet unter ihrem Präsidenten Goebbels Berufsverbote für jüdische Künstler und Journalisten vor.
1934
28. Februar. Ein Erlaß des Reichswehrministers führt den "Arier-Paragraphen" in der Wehrmacht ein.
5. März. Berufsverbot für jüdische Schauspieler auf deutschen Bühnen.
22. Juli. Die neue Ausbildungsordnung für Juristen läßt jüdische Studenten nicht mehr zur Prüfung zu.
1935
5. Februar. Jüdische Medizinstudenten werden nicht mehr zur Prüfung zugelassen.
März. Berufsverbot für alle jüdischen Schriftsteller.
15. September. Auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg werden das "Reichsbürgergesetz" und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verkündet. Die "Nürnberger Gesetze" nehmen den deutschen Juden alle staatsbürgerlichen Rechte. Eheschließungen "zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" sind verboten, ebenso außereheliche Beziehungen zwischen "Ariern" und Juden ("Rassenschande").
14. November. Die erste Verordnung zum "Reichsbürgergesetz" verfügt, daß alle Juden ohne Ausnahme aus dem Staatsdienst zu entlassen sind.
1936
29. Januar. Hitler-Stellvertreter Heß verbietet im Olympia-Jahr mit Rücksicht auf die Besucher aus dem Ausland Schilder mit extremen antisemitischen Aufschriften.
15. April. Die "Reichspressekammer" führt den "Arier-Paragraphen" ein.
1937
15. April. Promotionsverbot für Juden an allen deutschen Universitäten.
12. Juni. Ein Geheimerlaß des Chefs der Sicherheitspolizei Heydrich ordnet an, daß "jüdische Rassenschänder" nach der Verbüßung der Strafe in ein Konzentrationslager einzuweisen seien.
1938
26. April. Eine "Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden" über 5000 Reichsmark leitet die systematische "Arisierung jüdischer Wirtschaftsbetriebe" ein.
6. Juli. Ein "Gesetz zur Änderung der Gewerbeordnung" untersagt Juden, Auskunfteien zu betreiben, ebenso Maklergeschäfte, Heiratsvermittlungen, Hausverwaltungen.
23. Juli. Das Reichsinnenministerium kündigt die Einführung der "Kennkarte für Juden" an.
25. Juli. Generelles Berufsverbot für alle jüdischen Ärzte.
17. August. Nach einer Verordnung des Reichsinnenministers haben alle Juden den zusätzlichen Vornamen "Sara" beziehungsweise "Israel" anzunehmen.
27. September. Generelles Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte.
5. Oktober. Auf Anordnung des Reichsinnenministers sind Reisepässe von Juden mit einem großen "J" zu stempeln.
9./10. November. Die NS-Führung inszeniert einen Judenpogrom ("Reichskristallnacht").
12. November. Die "Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben" bestimmt, daß Juden alle Schäden des Pogroms selbst zu bezahlen haben. Die Verordnung über eine Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit" legt eine "Kontribution" von einer Milliarde Reichsmark fest. Die "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben" verfügt die Schließung aller jüdischen Geschäfte und Handwerksbetriebe.

DER SPIEGEL 37/1988
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