12.09.1988

MODERNES LEBENLeierkästen wie zu Zilles Zeiten

"Weil jeder, der das Ding in meinem Büro sah, daran drehen wollte", entschloß sich der Pforzheimer Großuhrenhersteller und Leierkastenmusikfan Alfred Wittenauer, "das Ding nachzubauen": eine "Drehorgel aus den guten, alten Zeiten". Wittenauers nach Originalvorlagen handgefertigte und nach Art Schwarzwälder Bauernschränke handbemalte Orgeln sind mit 16 Holzpfeifen bestückt, mit Blasebalg und Kurbelantrieb ausgerüstet. Sie kosten einschließlich einer Lochbandrolle mit sechs Melodien 7900 Mark pro Stück, etwa ein Viertel des Preises, zu dem Originale aus Zilles Zeiten derzeit unter den etwa 500 westdeutschen Leierkastenliebhabern gehandelt werden. Insgesamt 270 Musikstücke (30 Mark pro laufenden Meter) umfaßt die angebotene Melodienliste. Das Liedgut auf reißfester Pappfolie reicht von "Wir versaufen unserer Oma ..." (Lochbandlänge: 2,65 Meter) über "In einem Polenstädtchen" (1,75 Meter) bis hin zum rekordlangen "Kornblumenblau" (5,80 Meter).

DER SPIEGEL 37/1988
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