07.11.1988

GESTORBENErnst-Fritz Fürbringer

Ernst-Fritz Fürbringer, 88. Auf Bühne und Leinwand erschien er als Inbegriff des hanseatischen Herrn: straff und beherrscht, klar, präzis, nie übertrieben, und auch in einer späten Fernseh-Titelrolle, in "Konsul Möllers Erben", hat er diese Essenz des hanseatischen Patriarchen gespielt. Tatsächlich arbeitete Ernst-Fritz Fürbringer, geboren in Braunschweig, Ex-Marine-Offizier, Ex-Freikorpskämpfer, Ex-Agronom, in einem hamburgischen Kontor, bis er 1925 den Sprung zur Bühne wagte, ins Fach des klassischen Jünglings. Boulevardkomödien und erste Kino-Erfolge, vor allem "Truxa" (1936), beförderten ihn zum Darsteller eleganter, charmanter, auch zwielichtiger Kavaliere. In diesem Fach hat er, langsam reifend, in einer langen Reihe von Rollen dem deutschen Nachkriegskino und dann dem Fernsehen gedient; allzu wählerisch war er da nicht. Die Bühne, vor allem in München, blieb sein Hauptrevier, die Darstellung von Kavalieren, Offizieren und Patriarchen seine Spezialität; Höhepunkte seiner scharfen Charakterisierungskunst wurden Schillers Herrschergestalten Wallenstein und König Philipp. In sie legte er, streng und unsentimental, alles an Größe. Ernst-Fritz Fürbringer starb am vergangenen Montag in München.

DER SPIEGEL 45/1988
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