17.10.1988

Marina Oswald

Marina Oswald, 47 (Photo), Witwe des mutmaßlichen Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald (Photo r.), ist heute davon überzeugt, daß der amerikanische Präsident einer Verschwörung des organisierten Verbrechens zum Opfer fiel. Ihr Mann sei nicht der "einzige Schütze" gewesen, wie die "Warren"-Kommission erklärt hatte. 25 Jahre nach den tödlichen Schüssen in Dallas behauptet die gebürtige Russin in einem Interview mit dem amerikanischen Frauenmagazin "Ladies' Home Journal", das Attentat sei ein "sehr kompliziertes, brilliant durchgeführtes Komplott" gewesen, mit dem man den Rücktritt von Kennedys Bruder Robert habe erreichen wollen. Der später ebenfalls ermordete damalige US-Justizminister sei dem organisierten Verbrechen zu gefährlich geworden. Ihre eigene Rolle als Kronzeugin gegen Lee Harvey Oswald quält sie heute: "Ich habe ihm sein eigenes Grab geschaufelt. Ich wurde als Zeugin eingeführt und machte mich zu seinem Henker." Marina Oswald sieht sich heute als Marionette der "Warren"-Kommission, die ihren Mann als "geistesgestörten Killer" darstellen sollte. Nach der Ermordung Oswalds (Marina:"Lee wurde getötet, um ihn für immer zum Schweigen zu bringen") durch den Nachtklubbesitzer Jack Ruby (Photo o.) sei sie ständig vom FBI beobachtet worden. Sie hofft nun, daß mit Hilfe der letzten bisher noch nicht freigegebenen Untersuchungsakten Historiker doch noch die Wahrheit herausfinden.
Marina Oswald, die seit ihrer Wiederverheiratung mit dem Tischler Kenneth Porter und der Geburt eines Sohnes in einem Vorort von Dallas lebt: "In diesem wundervollen Land muß es doch möglich sein, die Wahrheit herauszukriegen."

DER SPIEGEL 42/1988
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