18.07.2015

FußballDas Netzwerk

Im Sog seines Freundes Michel Platini steuert DFB-Präsident Wolfgang Niersbach höhere Würden an. Wird der Franzose neuer Fifa-Präsident, kann der frühere Sportjournalist an die Spitze der Uefa rücken. Von Jörg Kramer
In Prag brennt die Sonne, auf den Korbsofas im Schatten ist es auf der Hotelterrasse gut auszuhalten. Beim Meeting des europäischen Verbands Uefa stehen Kracher wie der Bericht der Finanzkommission auf der Tagesordnung. DFB-Chef Wolfgang Niersbach, auch Uefa-Vorstand, hat sich in der Sitzungspause zu den Journalisten gesellt. Die meisten Reporter sind Deutsche. Ein Heimspiel in Prag.
Ein britischer Agenturjournalist stellt sich dem DFB-Präsidenten vor. Man kenne sich vom Dezember 1992 in Porto Alegre, Niersbach war DFB-Pressechef, Deutschland hatte gegen Brasilien verloren – "0:2?", schätzt der Brite. Falsch, korrigiert Niersbach, "1:3. Sammer hat das Tor geschossen". Staunen, Gelächter. Der Mann punktet fast immer mit seinem statistischen Fußballwissen.
Den leutseligen Deutschen finden die meisten sympathisch. Es ist ein Montag Ende Juni, gerade sind Deutschlands Junioren bei der EM in Tschechien vermöbelt worden, 0:5 gegen Portugal in Olmütz, die Fußballwelt redet von Joseph Blatters korrupter Fifa. Doch Niersbach schafft es, eine dröge Funktionärsveranstaltung aussehen zu lassen, als sei er derzeit der Hauptdarsteller.
Er macht das geschickt. Gegen Ende der Sitzung übermittelt er seinem Sprecher eine Nachricht aufs Handy, der informiert draußen die Reporter: In fünf Minuten komme der DFB-Chef raus. Presse und Fernsehen versammeln sich also am Ausgang, Niersbach kommt, blickt mit gespieltem Erstaunen auf die Meute, schlägt einen Gang ins Freie vor.
Und so zieht er vor den Augen der verblüfften Kollegen aus dem Exekutivkomitee der Uefa einen Rattenschwanz von Journalisten hinter sich her.
Der Mann ist wichtig, das hat jetzt auch der Letzte gemerkt. Seit Niersbach, im Prinzip noch ein Neuling in den internationalen Gremien, vor Wochen ein Strategiepapier zur Reform der Fifa verbreitet hat, zählt er zum Kreis der Akteure in der Weltpolitik des Fußballs – kein Zuschauer mehr, ein Ambitionierter.
Der Skandal um Schmiergelder und Verhaftungen beim Weltverband bestimmt auch bei der Uefa die heimliche Agenda. Präsident Blatter hat angekündigt, endlich sein Mandat zur Verfügung zu stellen, spielt aber auf Zeit. Vielleicht will er Spuren verwischen, vielleicht sein Comeback vorbereiten.
Eine Gruppe um Niersbach, 64, will das verhindern. Sie dringt auf eine Präsidentenwahl möglichst noch in diesem Jahr, eine Sondersitzung der Fifa-Exekutive am Montag soll den Kongresstermin dafür festlegen. Und sie sucht Unterstützung für einen gemeinsamen Kandidaten.
Wie es aussieht, ist die Lösung gefunden. Demnach wäre Niersbach ein Steigbügelhalter des neuen Königs im Weltfußball. Denn Uefa-Chef Michel Platini, mit dem er freundschaftlich verbunden ist, ein erklärter Gegenspieler und früherer Protegé Blatters, wird wohl seine Kandidatur für den Fifa-Thron bekannt geben.
In den vergangenen Wochen seien Stimmenversprechen für Platini eingesammelt worden, heißt es in Uefa-Kreisen, Stimmen von den Konföderationen Asiens, Südamerikas sowie Nord- und Mittelamerikas, das würde reichen. Eine Uefa-Abordnung ist angeblich sogar nach Afrika gereist, das traditionelle Hoheitsgebiet Blatters, um dort um Unterstützung für Platini zu werben. Und sollte der Franzose tatsächlich Blatter beerben, gilt Niersbach als der Kandidat für Platinis Nachfolge an der Spitze der Uefa.
Niersbach spricht nicht über internationale Karriereziele. Doch hindert er gute Freunde nicht, seinen Aufstieg öffentlich zu empfehlen. Zuletzt meldeten sich Herbert Hainer, als Chef von Adidas ein alter Geschäftspartner, sowie der einflussreiche "Bild"-Kolumnist Alfred Draxler in diesem Sinne zu Wort. Niersbach selbst gibt sich schüchtern. "Traut ihr mir denn zu, dass ich mir das zutraue?", fragt er amüsiert die Reporter.
Der frühere Sportjournalist ist als Funktionär frei von missionarischem Eifer. Nach der bleiernen Zeit zum Ende der Ära seines Vorgängers Theo Zwanziger, der den Deutschen Fußball-Bund zur Sozial- und Bildungsinstitution umbauen wollte und mit seinem Sendungsbewusstsein den Mitarbeitern auf die Nerven ging, wirkte Niersbachs Pragmatismus beinahe befreiend. Er rief zur Rückkehr zum "Kerngeschäft" auf.
Für ihn ist der Verband eine Verwaltung, die Fußballspiele organisiert. Niersbach ist ein Fan, das macht ihn beliebt. Er erfand den Club der Nationalspieler, in dem sich die Ehemaligen treffen, er schickte den gewonnenen WM-Pokal auf eine Ehrenrunde in die Amateurvereine. Noch heute kann er sagen, von welchem Strafraumeck der Kölner Heinz Hornig beim 2:2 gegen Schalke 04 im ersten Bundesligajahr 1963 getroffen hat. Vom linken.
"Vergleichbare Tiefe in gesellschaftspolitischen Fragen hat er nicht", sagt ein früherer Mitstreiter. "Er tummelt sich im etwas Seichteren." Niersbach würde eine solche Einschätzung nicht als Kritik verstehen. Er ist nicht zum Bundespräsidenten gewählt worden. Und bei der Uefa muss er vielleicht über den Qualifikationsmodus der Champions League nachdenken, nicht über Maßnahmen zur Vermeidung eines griechischen Staatsbankrotts.
Aber jetzt ist die Zeit, da die internationale Fußballpolitik einen Neuanfang braucht. Da stellt sich die Frage, ob ein Anführer des mitgliederstärksten Nationalverbands nicht eine Haltung ausstrahlen sollte, für etwas stehen muss. Außer für gute Laune.
Immer ist es gleich lustig mit ihm, leicht entsteht eine Vertrautheit. Prag, klar. 1978 sei er erstmals hier gewesen, um von der Eishockey-WM zu berichten. Es war schwierig, die Texte durchzutelefonieren. Niersbach war für den Sport-Informations-Dienst bei zehn Eishockey-Weltmeisterschaften, drei Olympischen Winterspielen, vier Fußball-Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften. Mit 26 wurde er schon Fußballchef.
In diesem Alter führt man besser nicht gebieterisch. Den kollegialen Stil hat er beibehalten. Verbündete rühmen seine Bescheidenheit und führen als Belege an: kein Chauffeur, regelmäßige Besuche in der einfachen Stammkneipe am Wohnort Dreieich-Götzenhain. Bei der Nationalmannschaft duze ihn der Zeugwart.
Niersbach-Kritiker sind in der Minderheit. Sie beanstanden: Er sei ein Neidhammel. Ihm fehle gesunde Härte. Er sei Rheinländer von Gemüt und verdränge Unangenehmes.
"Leute" nennt Wolfgang Niersbach jovial den Pressepulk, als er den Uefa-Einheitsanzug trägt, das blaue Einheitshemd und die karierte Uefa-Krawatte. "Leute, entspannt euch!" Es gebe "keine neuen Aspekte". Vor der Kamera ist er in seinem Element. Wenn er dann dauernd das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagert, gibt er dem Routinevorgang, dass jemand im Funktionärsanzug ein Statement abgibt, eine heitere Note. Er tänzelt.
Irgendwann muss es angefangen haben, dass der Journalist Niersbach, 1988 zum DFB gekommen, nach den Stationen Pressechef, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, DFB-Generalsekretär Geschmack an Macht und Einfluss fand. Nicht wenige im DFB glauben, dass Präsident Zwanziger, als er 2011 vor der Weihnachtsfeier seinen Rücktritt ankündigte, nur mal wieder zum Bleiben gedrängt werden wollte. Niersbach glaubt das auch. Aber er griff damals nach Zwanzigers Amt.
Seit knapp drei Jahren lässt der Vorgänger nun keine Gelegenheit aus, seinen Nachfolger für irgendetwas zu tadeln – meistens für angeblich mangelndes politisches Gespür. Im Grunde geht es darum, dass Niersbach das Amt anders führt. Zwanzigers Kampf gegen Homophobie sah so aus, dass der Präsident am Christopher Street Day teilnahm. Unter Niersbach gab der DFB eine Broschüre heraus, eine Art Leitfaden für ein Coming-out.
Zuletzt ging es Zwanziger immer wieder um Niersbachs Bezüge, um eine Betriebsrente des DFB und die Frage, ob sie der Nachfolger seit dem Wechsel vom Haupt- ins Ehrenamt nun zu Recht bezieht. Zwanziger brachte das Thema, angeblich geht es um einige Hunderttausend Euro im Jahr, sogar vor die Fifa-Ethikkommission. Die fand alles in Ordnung.
Das Echo war bezeichnend. Niersbachs Freunde von der Uefa nahmen das Verfahren zum Anlass, Zwanziger abzustrafen. Sein "Benehmen" sei "peinlich", so trug es Generalsekretär Gianni Infantino in einer vernichtenden Rüge vor.
Wer Niersbach kritisiert, bekommt es mit dessen Gefährten zu tun. Mit seinem Netzwerk, im Rheinland nennt man es Klüngel. Als sich der DFB-Chef einmal von dem Liga-Funktionär Andreas Rettig angegriffen fühlte, der Kritik an Strukturen im Verband geübt hatte, brach ein Gewitter los. Niersbachs Freund Günter Netzer teilte sein Unverständnis im Fernsehen mit, "Bild"-Kolumnist Draxler haute Rettig kurz und klein: Als Fußballmanager, schrieb er, habe dieser Mann "wenig bis gar keine Spuren hinterlassen".
Die Form des Diskurses ist immer gleich. Bewertet wird nicht das Argument, sondern nur die Bedeutung des Kritikers. Wenn ihm Zwanziger zuletzt etwas anhängen wollte, stempelte Niersbach den Westerwälder zu einem wirren Provinzler: Zwanziger lebe "in der Isolation". Damit war alles gesagt.
Zwanziger, 70, sieht gut erholt aus. Er hat im Fußball keine Ämter mehr, er hat jetzt den Aufsichtsratsvorsitz für ein privates Gymnasium. Einmal im Monat macht er eine Woche Urlaub.
Zum Gespräch hat er seinen Stammkroaten in Limburg an der Lahn vorgeschlagen, nicht weit von seinem Wohnort Altendiez. Über Niersbach will er nichts mehr sagen, bis auf einen Punkt: dessen Strategiepapier zur Fifa, als offener Brief an die rund 26 000 Vereine des DFB verschickt. Zwanziger meint, Niersbach habe von ihm abgeschrieben.
Es geht um die künftige Berücksichtigung der Menschenrechtslage in WM-Bewerberländern, um eine Amtszeitbeschränkung für hohe Funktionäre, eine zentrale Prüfung von deren Integrität, solche Sachen. Zwanziger sagt: "Gewundert hat es mich schon, wie man der Öffentlichkeit Dinge als originelle Erkenntnisse verkaufen kann, die man vor Kurzem noch abgelehnt hat." Er bestellt triumphierend noch einen Apfelwein, sauer gespritzt.
Niersbach hat, das will sein Vorgänger nun beim Kroaten in Limburg enthüllen, am 24. Januar 2013 eine Erklärung der europäischen Verbände mitunterschrieben. Darin stand, schwarz auf weiß: die Ablehnung zentraler Integritätsprüfungen. Also. Es ist heiß. Einen Apfelwein nehme er noch, ruft Zwanziger.
Niersbach kann es sich inzwischen verkneifen, zu jeder Attacke des Vorgängers Stellung zu nehmen. Das ist seine Stärke. Oder eben die Fähigkeit, Unangenehmes zu verdrängen.
Niersbach sei "kein Basta-Typ, der auf den Tisch haut", meint Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Aber er weiß, was er will." Vesper gehört zu seinem Netzwerk. Von der Obersekunda an, die Niersbach wiederholen musste, ging er in die Parallelklasse auf dem staatlichen Görres-Gymnasium, französisch-humanistisch, in Düsseldorf.
Niersbach, dessen Vater 1949 aus britischer Kriegsgefangenschaft zurückkam und Finanzbeamter wurde, wählte den französischen Zweig. Er hatte sich mit acht Jahren beim Fußballklub angemeldet, DSC 1899. Für eine Mark Monatsbeitrag. Die Eltern wussten nichts davon.
Am Ufer der Moldau betritt er ein Prager Gartenlokal. Dort sprechen ihn deutsche Touristen auf die "5:0-Niederlage" von Olmütz an. Niersbach belehrt scheinbar streng: "Man kann nicht 5:0 verlieren, man kann nur 0:5 verlieren." Die Touristen erkennen das Zucken im Mundwinkel nicht, mit dem er seine Scherze ausstaffiert. Jetzt sind sie beleidigt.
Vor wenigen Wochen war Niersbach in Teilen der Öffentlichkeit, die Blatter stürzen sehen wollte, noch ein Buhmann. Er war gerade in die Fifa-Exekutive gewählt worden und ließ sich mit dem Wahlsieger Blatter fotografieren – lachend wie auf einer Party. Die "Berliner Zeitung" nannte ihn einen "schamlosen Opportunisten".
Er kann das erklären, auch das mit dem Foto. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke habe gerade einen Witz gemacht. Er glaubt, dass ihn das entlastet.
Niersbach denkt taktisch, nicht ideologisch. Wer in Blatters Gremium gewählt sei, müsse schließlich mit dem Chef klarkommen, sagt er. Von Boykotten hält Niersbach nichts, beleidigte Rückzüge findet er undemokratisch. Sein Beispiel: die neue Nations League, die sein Freund Platini eingeführt hat, ein Turnier für Nationalmannschaften aller 54 Uefa-Verbände. Niersbach sagt, er habe gegen diesen Wettbewerb bei der Uefa angeredet, gegen seine Gewohnheit den Vortrag sogar schriftlich vorbereitet. "Aber ich stand allein. Es wurde anders entschieden. Soll ich jetzt etwa sagen, wir machen nicht mit?"
Man brauche dauernd Allianzen, sagt Niersbach. "Wenn wir die EM 2024 nach Deutschland holen wollen, sind auch dafür wieder Stimmen notwendig." Ständig geht es um Leistung und Gegenleistung, das ist das althergebrachte Denken der Fußballfunktionäre, Gefangene im System des Gebens und Nehmens.
Es ist immer das Gleiche. Der DFB hat zugunsten von England auf Finalspiele der EM 2020 verzichtet, die über Europa verteilt wird; jetzt rechnet er mit Englands Stimme für die EM 2024. Blatter kam mit afrikanischen Stimmen an die Macht, dann musste Südafrika eine WM kriegen. Platini wählten die Osteuropäer, dann bekamen Polen und die Ukraine eine EM. Platini wählte Katar, danach hatte sein Sohn bei einer katarischen Staatsfirma einen Job.
Niemand hat aufgepasst, wo dieser Spaß aufhören muss, das hat den Fußball nun in Verruf gebracht. Auch einen Neuanfang mit Platini sähen viele Kritiker als eine Fifa-Selbstreinigung im alten Schmutzwasser, weil sich am Prinzip nichts ändern würde. Und Platinis Verbündeter Niersbach? Der sieht sein Wirken in der Tradition des früheren DFB-Präsidenten Hermann Neuberger, der ihn 1988 zum Verband geholt hatte. Neuberger war jedoch ein Patriarch, der den DFB führte wie eine Firma.
Niersbach durfte mal bei der WM 1986 in Mexiko als einziger Journalist mit ihm im Hubschrauber zu einem Spiel fliegen. Einen gewissen Stolz über seine Nähe zu Mächtigen und Prominenten hat er nie verborgen. Mit dem Nationalspieler Lothar Matthäus fuhr Niersbach nach der WM 1982 in Spanien sogar in Urlaub nach Estepona. Den Fußballer Platini interviewte Niersbach erstmals bei der EM 1984 – er sprach ja Französisch, es wurde Platinis Turnier, wie Niersbach immer noch mit Bewunderung festhält. Und er weiß es natürlich auswendig: Neun Tore schoss er, der Michel.
Das Leben bestehe nun einmal aus Beziehungen, sagt Niersbach. Eine seiner beiden Töchter studiert in New York, das habe der amerikanische Verbandschef Sunil Gulati eingefädelt, ein Ökonomieprofessor, erzählt er. Sei das nun verwerflich?
Wohl eher nicht. Aber wie sähe es aus, wenn der damalige DFB-Generalsekretär Niersbach unter diesen Umständen 2010 dem deutschen Fifa-Delegierten Franz Beckenbauer empfohlen hätte, bei der WM-Vergabe für die USA zu votieren?
Beckenbauer, den Franz, zählt der DFB-Chef zu seinen Freunden. Genau genommen gehört Niersbach zu den Menschen, die Beckenbauer verehren. Er flog mit ihm durch die Welt, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Als Beckenbauer im vergangenen Jahr Ärger mit der Fifa-Ethikkommission bekam, weil er Fragen zur WM-Vergabe an Russland und Katar nicht beantwortet hatte, sprang ihm Niersbach bei: Der Franz sei "ein Ehrenmann".
Beckenbauer kommt vom Golfspielen in ein Hotel nahe Salzburg, seinem Wohnort, mit Blick auf den Untersberg. Der Wolfgang? "Kein typischer Funktionär", lobt Beckenbauer, "ein Teamplayer" im Gegensatz zu den Vorgängern Hermann Neuberger, Egidius Braun, er schluckt das Wort Diktatoren hinunter.
Man kennt sich lange. Niersbachs Lebensgefährtin war früher mit Beckenbauers Manager liiert. Er habe Niersbach immer geraten, in die internationalen Gremien zu gehen, sagt Beckenbauer. Was Niersbach für höhere Ämter qualifiziere? "Erstens will er's nicht, das ist schon mal ein großer Vorteil", sagt Beckenbauer. Er habe das bei sich selbst beobachtet: Es sei stets besser angekommen, von anderen in eine Position gedrängt zu werden, als wenn "man verbissen um die Macht kämpft".
Er beschreibt Niersbach als einen Mann des Ausgleichs, der vermitteln könne und die Ruhe bewahre. Nur Fußball spielen könne er nicht. "Plattfüßig."
Neulich sah es fast so aus, als habe das Verhältnis der beiden Kameraden einen Riss bekommen. Joseph Blatter wollte es so aussehen lassen. Der Fifa-Chef tischte der Öffentlichkeit auf, Beckenbauer habe ihm erzählt, dass er Niersbach "zusammengefaltet" habe – dafür, dass dieser bei der Präsidentenwahl Ende Mai gegen ihn, Blatter, gestimmt hatte. Zusammengefaltet? "Das war ein bisschen unglücklich formuliert", sagt Beckenbauer und lächelt gequält.
Wahr ist aber: Er hätte Niersbach geraten, sich der Stimme zu enthalten. Nur für alle Fälle. ■
Von Jörg Kramer

DER SPIEGEL 30/2015
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