10.05.1993

Warnung an Rafsandschani

Die Lebensverhältnisse in der iranischen Hauptstadt haben sich verbessert. Pünktlichere öffentliche Verkehrsmittel, großzügige neue Parkanlagen für die zehn Millionen Einwohner, funktionierende Kanalisation und saubere Straßen sind das Verdienst des engagierten Bürgermeisters Gholam Hussein Karbaschi, 40. Der enge Vertraute von Staatspräsident Haschemi Rafsandschani hat trotz höherer Gemeindeabgaben vor allem durch die rigorose Verfolgung von korrupten Stadtbediensteten und weniger Staatskontrolle große Popularität erlangt - sehr zum Verdruß radikaler Mullahs, die den gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Reformkurs Rafsandschanis und seiner Anhänger bekämpfen. Ajatollah Abolghassem Chasali, Mitglied des einflußreichen Wächterrats, forderte den Staatspräsidenten nun auf, den erfolgreichen Teheraner Bürgermeister nicht länger zu protegieren. Karbaschi sei "ein Tyrann", das Volk werde ihn "eines Tages vor Gericht bringen und zu 10 bis 15 Jahren Gefängnis verurteilen". Das gleiche Schicksal, so drohte der Ajatollah dem Pragmatiker Rafsandschani, werde auch denjenigen blühen, die Karbaschi "so viel Macht verliehen haben, daß er nun tun kann, was er will".


DER SPIEGEL 19/1993
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