Die sudanesische Fundamentalisten-Junta bereitet sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Ägypten über die umstrittene Grenzregion Halajib vor. Arabischen Nachrichtendiensten zufolge soll das sudanesische Armeekommando bereits 8000 Mann südlich des wasserlosen Wüstenstreifens - etwa halb so groß wie Belgien - stationiert haben. Außerdem kündigte Sudans Staatschef Umar el-Baschir für die nächsten Tage die allgemeine Mobilmachung an, um "das Vaterland" zu schützen. Das sudanesische Verteidigungsministerium rechtfertigte diese kriegerischen Schritte mit der Beschuldigung, der große Nachbar Ägypten plane, den durch einen Bürgerkrieg geschwächten Sudan zu "überfallen". Das von knapp 12 000 Nomaden bevölkerte Halajib-Dreieck am Roten Meer ist zwar ägyptisches Hoheitsgebiet - Ägyptens Südgrenze verläuft längs des 22. Breitengrades -, wird aber seit 1902 gemäß einer Sondervereinbarung vom Sudan verwaltet, um die Weide- und Lebensgewohnheiten der beidseits der Grenze lebenden Stämme nicht zu beeinträchtigen. Seit die ägyptischen Sicherheitsdienste vor wenigen Monaten bewaffnete Islam-Aktivisten festnahmen, die sudanesische Auftraggeber über die bis dahin offene Grenze nach Ägypten eingeschleust hatten, kündigte Kairo das Grenzabkommen auf und schickte Einheiten der Polizei und Verwaltungsbeamte in die Krisenzone. Denkbar ist, daß die sudanesischen Machthaber einen Waffengang mit dem militärisch weit überlegenen Ägypten riskieren, um von den Richtungskämpfen in den eigenen Reihen abzulenken. Der Konflikt soll außerdem den befreundeten Iran veranlassen, die erst vor kurzem eingestellte Finanz- und Waffenhilfe wiederaufzunehmen.
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_141b Umstrittenes Grenzgebiet Ägypten/Sudan
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DER SPIEGEL 21/1993
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