07.06.1993

„Hier ist was von Wildwest“

Als in den Kindertagen von Hollywood ein fahrendes Völkchen in das ländliche Leben inmitten von Orangen- und Aprikosenfarmen einbrach, weil es da alles fand, was es brauchte, grandioses Licht und dramatische Landschaften, Wüsten und Canyons nahebei, hängten die Einheimischen alsbald Schilder in ihre Fenster: "No movies." Denn die Künstler, die so seltsame Dinge betrieben, pflegten wie ein Spuk wieder zu verschwinden, oft, ohne die Rechnung zu bezahlen.
So kam der Film zu seinem Namen, der als Inbegriff für all das, was die Hollywood-Magie ausmacht, um die Welt lief: Movie.
Wechselseitig erzählen die Eheleute Ballhaus die Anekdote, "weil wir auch solche movies sind" (von to move: umziehen). Sie sind immer unterwegs von Drehort zu Drehort und in den paar Wochen Pause unterwegs zwischen den "Plätzen, die wir so sehr lieben": das Haus, "mehr noch den Garten", hinter den Hügeln von L. A., die "wunderschöne" Wohnung in Berlin-Zehlendorf, das alte Pfarrhaus in Franken oder das Appartement in New York.
Auf die andere Seite der Staaten jetten sie mal eben, "wenn wir mit Leuten zusammenkommen möchten, die was anderes im Kopf haben als immer nur Film: Man spricht hier in Hollywood über nichts anderes, und das zweite Thema ist gleich immer das Geld, wieviel ein Film kostet und wer wieviel verdient, schon ein bißchen langweilig".
Als Typ Rhett Butler, ergraut und seriös geworden nach den vom Winde verwehten Tagen, hätte Michael Ballhaus, 57, sein Geld glatt vor der Kamera verdienen können. Aber er ist das Auge, dem die Kamera folgt, wie nun schon in 25 amerikanischen Filmen.
Der gebürtige Berliner Ballhaus gehört in Hollywood zu den Stars in seinem Handwerk, wenn er auch noch keinen Oscar für die Kamera bekam, sondern erst zwei Nominierungen (für "Nachrichtenfieber" von James Brooks und "Die fabelhaften Baker Boys" von Steve Kloves). Er kann sich aussuchen, welcher Regie-Koryphäe er Partner sein will, und er wählt nur unter denen, "die wir mögen".
Ehefrau Helga, 50, ist "entscheidend in der Entscheidung". Ihrem Instinkt, "immer das Richtige zu tun", verdankt er, wie er meint, den glatten Gang seiner Karriere: "Es gibt in Hollywood auch unglaublich miese Typen, mit denen zu arbeiten ein Horror sein muß." Allerdings wird die Wahl, so Helga Ballhaus, "zunehmend schwieriger, weil viele Regisseure Freunde geworden sind und wir niemanden kränken möchten".
Als die Ballhaus schon Francis Ford Coppola im Wort für "Dracula" standen, wollten sie auch noch die "Freunde Marty und Jim" gleichzeitig haben. Sie gingen gerecht vor: Da Martin Scorsese ein paar Tage früher angefragt hatte, kam zuerst sein "Age of Innocence" an die Reihe, "ein herrlicher Film über die Liebe", wie Ballhaus findet. Als "Jim" Brooks sein Epos über die Hollywood-Gesellschaft ("I''ll do anything") um vier Monate verschob, "da konnte ich nicht nein sagen, das ging in einem durch".
Wie er den Streß aushielt? Er legt seinen Arm um Helga: "Mit dieser wunderbaren Frau, sie hält einen so eingepackt in Sorge und in Liebe." Sie ist meistens mit dabei am Drehort und besänftigt im ganzen Team die Hektik.
Die Ballhaus, sie sind wie früher die Zirkusfamilien. Sie schleppten von Anfang an ihre beiden Söhne von Set zu Set. Was sie in der Schule versäumten, ihre Mutter brachte es ihnen bei - oft in einem der Wohnwagen, die um den Nukleus des Filmens soziale Fluchtburgen bilden.
Wie von selber wuchsen die Kinder in die bunte Welt des Papas hinein. Sohn Florian, 27, ist seit 13 Filmen sein Kamera-Assistent, während sich Sohn Sebastian, 30, zum Regie-Assistenten entwickelte. _(* Bei Dreharbeiten zu "Dracula". ) "Der Sohn des Bäckers ist früher ja auch Bäcker geworden", sagt Helga, die als Stammmutter des Ballhaus-Clans nun die beiden Enkel am Drehort wuseln hat, zum Entzücken des Großpapas: "Wo meine Familie ist, ganz egal an welchem Ort, da ist mein Zuhause."
Mit der heilen Familie im Rücken meistert Ballhaus die Spannungen, die jeder Film mit sich bringt: "Große Regisseure sind nie einfach." In Hollywood berühmt für seine Liebenswürdigkeit, kam er sogar mit dem bekanntermaßen schwierigen Coppola zurecht, obwohl ihm Vampire nicht gerade liegen.
Ballhaus hebt sich als Künstler ab von der US-Tradition der mehr technisch orientierten Kameraleute, die 15 bis 20 Jahre in einem rein funktionalen Beruf verbringen, bis sie in die optische Schlüsselposition gelangen. Sie müssen nach der Hochschule als "Loader" anfangen und die Filmspulen einlegen, bis sie schließlich zum Schwenker aufsteigen und irgendwann einmal als "Operator" den Platz hinter der Kamera erklimmen.
Dort darf der "Director of Photography" allein schon nach den amerikanischen Gewerkschaftsregeln nicht sitzen. Was die Kamera schießt, überwacht er Seite an Seite mit dem Director, dem Regisseur, am Monitor. Wenn die Klappe fällt, hat er sein Ding längst gedreht nach dem Film in seinem Kopf.
Er ist Herr über das Licht mit seinen immensen Gestaltungsmöglichkeiten, er achtet auf den Rhythmus, damit sich die Szenen, die es noch gar nicht gibt, später im Film harmonisch aneinanderreihen. Nach der Gesamtkomposition hat er den Platz der Kameras und den Verlauf ihrer Schienen bestimmt.
Ballhaus gilt in Hollywood als Meister des Kreises. Wie ein staunendes Kind läuft die Kamera rundum und erfaßt eine Szene von allen Seiten. Wenn sie wieder am Ausgangspunkt ankommt, ist alles anders geworden.
Es war noch in der Bundesrepublik, als Ballhaus mit seiner ersten Kreisfahrt Filmgeschichte machte, in "Martha" von Rainer Werner Fassbinder. Eine Liebe auf den ersten Blick - Ballhaus wollte sie in einem "unvergeßlichen Augenblick" bannen.
Während er die bis dahin nur beschriebene, aber praktisch noch nicht ausgeführte Umrundung technisch arrangierte, kam Fassbinder auch noch auf die Idee, daß sich das Paar (Margit Carstensen und Karlheinz Böhm) bei seiner ersten Begegnung in entgegengesetzter Richtung wie die Kamera dreht: Es wurde ein schwindelerregender Liebesmoment mit Einstimmung auf die folgende Katastrophe des Selbstverlusts.
Bei 15 Filmen, die Fassbinder mit Ballhaus drehte, "war es oft so, daß einer eine Idee hatte und der andere ihn noch überbot". Mit dem genialischen Berserker machten die Ballhaus noch "Die Ehe der Maria Braun", sie die Ausstattung, er die Kamera, dann stiegen sie aus, weil sie Fassbinders Kokain-Exzesse nicht mehr ertrugen: "Sein Tod war kein Unfall. Er hatte sein Leben für eine kürzere Zeitspanne geplant."
Als Ballhaus mit dem deutschen Regisseur Peter Lilienthal zu Außenaufnahmen in New York war, empfahl ihn der Ausstatter, der gleichzeitig für John Sayles arbeitete, an den "für Amerika ganz ungewöhnlichen Autorenfilmer".
Vor seinem ersten amerikanischen Film, Ballhaus erinnert sich noch genau, war er "furchtbar aufgeregt". Aus lauter "Angst vor der fremden Sprache" wurde er krank, aber dann verstand er sich mit Sayles bei "Baby it''s you" wie mit einem deutschen Regisseur.
Für Hollywood noch ein Nobody, half der erfahrene Kameramann einer Reihe von amerikanischen Jung-Regisseuren über die Klippen ihres ersten Films, bis er als Retter von Scorsese Furore machte. Der Regisseur galt, so Ballhaus, "als Genie, aber verkorkst".
Scorsese stand nicht nur im Ruf, daß er ständig die Drehzeit überzog, an manchen Tagen nur zwei bis drei Einstellungen schaffte und zwischendurch stundenlang dumpf in seinem Wohnwagen hockte. Er hatte auch noch das Image eines Budget-Hasardeurs, dessen Filme statt 10 Millionen 20 Millionen Dollar kosteten, aber nur 5 einspielten. Er war, so Ballhaus, "nicht mehr bankable" für das Filmbusiness, das ihn schon drei Jahre hängenließ.
Als Scorsese schließlich ein kleines Budget von der Schauspielerin Amy Robinson an Land zog, kam er zu Ballhaus, auf den er durch das Paar im Doppeldreh aufmerksam geworden war, und unterbreitete ihm sein Projekt: vier Millionen Dollar, 40 Drehtage, 550 Einstellungen, ausschließlich Nachtaufnahmen.
Ballhaus drehte den Film ein paar Tage im Kopf durch: "15 Einstellungen pro Nacht, da müssen wir ganz schön ackern, aber ich hab ''ne gute Crew, mit der ist das zu schaffen, jedoch nur, wenn er mitzieht." Nach der ersten Einstellung verschwand Scorsese sofort in seinem Wagen. Schon nach zehn Minuten rief ihn Ballhaus wieder heraus: "Okay, you are ready to go."
Scorsese, der zuvor nur mit Umstandskrämern an der Kamera gearbeitet hatte und nicht zuletzt von ihnen in seine Misere hineingerissen worden war, konnte es kaum fassen: Daß eine Crew so schnell sein konnte - er hatte es einfach nicht gewußt. Fortan blieb er im Zentrum des Geschehens. "Wir kamen", so Ballhaus, "under budget rein, was für das Ansehen von Marty enorm wichtig war." Am Ende bedankte sich Scorsese bei Ballhaus: "Du hast mir die Hoffnung wiedergegeben, daß man Filme auch anders machen kann."
"Die Zeit nach Mitternacht" wurde zum Anfang von zwei neuen Karrieren. Ballhaus drehte sich über Paul Newman ("Die Glasmenagerie") und Mike Nichols ("Die Waffen der Frauen") hoch ins Hollywood-Establishment, aber Scorsese ließ ihn nicht mehr los: die Billardsaga "Die Farbe des Geldes", das biblische Opus "Die letzte Versuchung Christi", das dreckige Mafia-Kapitel "Good Fellas" und nun die bereits vor der Premiere hochgehandelte Liebesgeschichte "Age of Innocence" - die Zusammenarbeit mit Marty, so Ballhaus, "wird immer schöner". Er denkt zwar nicht daran, den kreativen Thrill durch "so große Regisseure wie Coppola und Scorsese" aufzugeben, aber erst einmal will er sich selber als Regisseur erproben. Schwiegertochter Pam Kats, 30, schrieb die bislang letzte Fassung des Drehbuchs.
Für zwölf Millionen Dollar will Ballhaus einen amerikanischen Film über eine deutsche Liebesgeschichte machen. Sie lief mit zwölf Jahren von zu Hause weg, ging zum Zirkus und landete auf dem Strich, bevor sie bei ihrer Tante tanzen lernte; er war der Sohn eines Kantors aus orthodoxem jüdischen Haus und konnte komponieren: Lotte Lenya und Kurt Weill. Er schrieb ihr die Songs auf den Leib, sie wurde die Inkarnation von "Seeräuber-Jenny" in Bert Brechts "Dreigroschenoper".
"Sie kamen aus völlig unterschiedlichen Welten eben doch zusammen. Es entstand etwas, was keiner für sich allein geschafft hätte", sagt Ballhaus, der darin Parallelen zu seiner eigenen, durchaus auch von Streitkultur geprägten Ehegeschichte sieht. Wie seine Frau und er waren auch Lotte Lenya und Kurt Weill schließlich in Amerika gelandet, allerdings mit dem Unterschied, daß die Nazis die jüdische Kultur in den Exodus gezwungen hatten, während den Ballhaus die bundesdeutsche Filmwelt mit ihrem "Futterneid" einfach zu klein geworden war.
Kollege Dietrich Lohmann gibt ganz offen zu, daß er Ballhaus "schon ein wenig beneidet", der ihm wiederum wünscht, "daß er hier Fuß faßt, denn er hat''s wirklich verdient". Zwei Jahre lang saß Lohmann, 50, mit Ehefrau Babette, 49, Dokumentarfilmerin, am Hollywood-Pool, wenn er nicht in der wichtigsten Profession beschäftigt war: dem Networking. Er mußte sich "hier permanent vorstellen, mit den Leuten reden, und dann wurde man ausgesiebt".
In der Neuen Welt geriet er erst einmal außer "Balance". Hollywoods Form der Selbstdarstellung, in der ersten Minute ein Feuerwerk aller Erfolge abzuschießen, war ihm fremd: "Ich komm'' erst jetzt allmählich hinter die Spielregeln."
Lohmann gehörte in der Bundesrepublik zur Oberklasse der Kameraleute. Alexander Kluges "Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" war sein Erstling. Daraufhin krallte ihn sich Fassbinder für 15 Filme. Lohmann drehte mit der Creme deutscher Regisseure noch über 50 Filme.
Immer öfter hatte er "das Gefühl, daß so manche Regisseure lieber Hörspiele machen würden, was sie aber nicht tun, obwohl das billiger wäre". Das deutsche Loch zwischen den zwei Polen, "einerseits der Film mit intellektuellem Anspruch, andererseits primitiv gemachte Unterhaltung", höhlte ihn zunehmend aus: "Bei uns ist der Grundkonsens nicht da, daß ein Film sehr intelligent und trotzdem unterhaltend sein kann, zum Weinen und zum Lachen."
Für seinen "Traum, einen richtigen großen Hollywood-Film zu machen", räumte er sich, von Ballhaus immer wieder über Frustrationen hinweggetröstet, eine fünfjährige Frist ein.
Ein Stück voran brachte ihn der Preis der "American Society of Cinematography" für die Kamera bei der Weltkrieg-II-Saga "War and Remembrance" (Regie: Dan Curtis). Die teuerste und ehrgeizigste Fernsehserie der Welt (110 Millionen Dollar, 32 Stunden), die in Deutschland niemand ausstrahlen wollte, lief in den USA bereits zum zweiten Mal. "Aber der Sprung", so Lohmann, "vom TV in das richtige Movie ist hier sehr schwierig." Hollywood hat für Kameraleute weniger Arbeit durch die Konzentration des großen Geldes auf gigantomanische Projekte. Nach der Öffnung des europäischen Ostens rauschten von dort auch reihenweise Talente in die amerikanische Versuchung und landeten trotz ihrer Hochbegabung oft im Elend. "Der Wettbewerb", so merkte Lohmann, "ist härter geworden."
So mußte er immer wieder zur Arbeit nach Europa jetten, bis endlich sein Hollywood-Agent eine Chance auftat: Als einer von sechs Kameraleuten kam Lohmann in die engere Wahl für einen 40-Millionen-Dollar-Film, den Hollywoods hochbezahlter Action-Star Bruce Willis für die Disney-Studios produziert.
Durch eine Vorführung seiner besten Arbeiten konkurrierte der Deutsche alle anderen nieder. Gegenwärtig dirigiert er die Kameras für den Thriller "The Color of Night", in dem Willis einen Psychiater spielt, der den Mord an einem Kollegen aufklärt. Obwohl von morgens bis nach Mitternacht im Einsatz, agiert Lohmann "wie auf Wolken", hat er doch bereits bei Halbzeit der selbstgesetzten Frist seinen Traum zu fassen gekriegt.
Hannes Jaenicke, 33, der vom Bonner Stadttheater kam, stand schon in seiner ersten Filmrolle vor Lohmanns Kamera. Der Tschechow-Liebhaber spielte einen zynischen Punk in einem steckengebliebenen Fahrstuhl. "Abwärts" (Regie: Carl Schenkel) wurde als erster deutscher Thriller ein Welterfolg. Der US-Star Burt Lancaster, mit Jaenicke in der deutschen Fernsehserie "Väter und Söhne", trieb ihn an: "Junge, du mußt nach Hollywood."
Wenn er mit seinem Motorrad über die Höhenstraßen von L. A. braust und die Welthauptstadt des Films in einem grandiosen Panorama zu Füßen hat, weiß er doch glasklar: "Das letzte, worauf die Amerikaner warten, sind europäische Schauspieler."
Statt sich um eine Rolle zu bemühen, sitzt er, nun schon im sechsten Semester, in einem der 40 Drehbuchseminare an der "University of California Los Angeles": "Filmen als Handwerk kann man nur hier lernen."
Aber er vermißt, was es hier alles nicht gibt ("kein nennenswertes Theater, keine nennenswerte Oper, kein nennenswertes Ballett"); ihm fehlt die "gepflegte Form der europäischen Konversation und besonders das Nachtleben in Bars und Cafes". Am meisten, so sagt er, "erschüttert mich das Apolitische dieser Stadt: Was dem Rest der Welt geschieht, interessiert hier nicht".
Geschärft durch seine Übungen im Drehbuchschreiben, hat Jaenicke in der Bundesrepublik eine Reihe von Rollen abgelehnt. Seit zwei Jahren filmt er im europäischen Ausland, um sich seine kalifornischen Studien zu verdienen: "Was mir an deutschen Drehbüchern angeboten wurde, war nicht einmal eine Rohfassung. Da schnall'' ich meinen Gürtel lieber enger, denn das Geld geht sowieso weg, aber die Schande bleibt."
Wie "unglücklich man ist, wenn der Text nicht stimmt, wenn weder für das Proben noch für das Drehen genug Zeit ist" - Jaenicke hat es oft erfahren: Im deutschen Fernsehen ist er schließlich kein Unbekannter. Die "armselige Filmwirtschaft am Tropf der Förderung" macht nach seiner Ansicht "den gigantischen Fehler, daß alle Kohle am Drehort auf den Kopf gehauen, aber in die Entwicklung eines guten Drehbuchs kaum investiert wird".
Vier Drehbücher hat Jaenicke inzwischen geschrieben - ein kleines verkauft und auf einem größeren eine Option. Noch betrachtet er das Schreiben als Hobby, wenngleich er sich einige Chancen ausrechnet, eines Tages die deutsche Lücke mit seinem amerikanischen Knowhow zu füllen. "Ich würde aber lügen, wenn ich behauptete, daß ich nicht gern in einem richtigen Hollywood-Film spielen würde", sagt er, aber er hat gesehen, "was sich hier an unvorstellbaren Begabungen zusammenballt".
Während deutsche Schauspieler nach seinen Erfahrungen "verwöhnt" werden am Schnuller subventionierter Bühnen und bei der Amme Fernsehen, stieß er in Los Angeles auf eine "unglaubliche Not" amerikanischer Kollegen. Von den 78 000 gewerkschaftlich registrierten Schauspielern arbeiten allenfalls 20 Prozent regelmäßig in ihrem Fach.
Wer in Hollywood kein bekanntes Gesicht hat und sich als Schauspieler vorstellt, bekommt höchstwahrscheinlich die Frage gestellt: "Und in welchem Restaurant arbeitest du?" In so manchem Lokal legen Kellner und Serviererinnen zwischendurch eine Performance ein, mit all ihrem Elan, könnte doch im Publikum ein Produzent sitzen.
Das Gagengefälle reicht von 15 Millionen Dollar für den österreichischen Senkrechtstarter Arnold Schwarzenegger bis gen Null. Jaenicke kennt talentierte Schauspieler, die Statisten wurden, für nichts als ein warmes Essen. Ein paarmal sprach Jaenicke in Hollywood für eine Rolle vor, "was in Deutschland wirklich nur Anfänger tun". Zwar verbuchte er eine "gesunde Erfahrung", die ihn aus der "deutschen Verwöhntheit" herunterholte: "Aber diese Form der Zurückweisung erspare ich mir lieber, als einem Glück hinterherzulaufen, das nicht auf einen zukommt." Als Kollege Diego Wallraff, 31, nach Los Angeles kam, fuhr er als erstes zur Sternwarte im Griffith Park und sah sich den mythischen Ort an, wo einst James Dean jene Messerstecherei hatte in dem Kultfilm "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Hoch über der Stadt machte er sich Mut: Er wollte seinem Glück in Hollywood hinterherrennen, koste es, was es wolle.
In Hamburg wohl eingebettet in das Ensemble des Deutschen Schauspielhauses, die erste Hauptrolle in dem kleinen Film "Schattenboxer" (Regie: Lars Becker), der kürzlich den Sprung in deutsche Kinos schaffte, gab er alle Sicherheit auf. Mit seiner amerikanischen Frau Jessica, die Ballerina an der Hamburger Oper war, baute er in Beverly Hills ein Studio für Körpertraining und Zen-Konzentration auf: "Ich bin da der Geschäftsführer und der Hausmeister."
Nachdem er seine Existenz gesichert hatte, kam "der größte Hammer, überhaupt einen Agenten zu kriegen". Er verschickte Massenbriefe und rannte sich die Hacken ab. An die "Top fünf" kam er nicht heran, aber in der nachgeordneten Riege der "Top ten" klappte es schließlich.
Morgens früh um drei bekommt seine Agentur per Fax die Termine für die "Castings". Die Vermittler sehen die Listen ihrer Klienten durch und fischen diejenigen Schauspieler heraus, die für den ausgeschriebenen Part in Frage kommen könnten. Etwa 200 bis 300 Namen werden für jede Rolle in die nächste Spielrunde gebracht.
"Dann wird", so Wallraffs Erfahrung, "wie auf einem türkischen Teppichmarkt verhandelt, um die Kandidaten irgendwie in die Casting-Termine reinzukriegen, etwa nach dem Motto: Nun gut, wenn du den nicht willst, dann guck dir wenigstens den anderen an."
Jederzeit ist Wallraff durch den Pieper in seiner Tasche telefonisch zu erreichen. Bei Anruf seiner Agentur läßt er alles stehen und liegen und holt sich "strip and sides" ab, das Drehbuch und zwei, drei markierte Seiten für ein "cold-reading".
Nachdem er den ganzen Tag alle Konzentration auf den Termin gerichtet hat, sitzt er schließlich in "so einem Wartezimmer, der nächste, bitte, zahnarztmäßig". Die Macht über sein Glück haben fast nur Frauen, "die Casting-Tanten", die unter dem Druck der Produzenten stehen, ihnen den Richtigen zu präsentieren. Eine der gesetzten Damen liest routiniert den Gegenpart. Er feuert sich an, er legt alles, was er kann, in den Moment des "cold-reading", bis es abrupt "thank you" heißt.
Nach zwei Minuten oder einer halben Stunde ist er wieder draußen, benommen von der Erfahrung, "daß es überhaupt noch ein Leben danach gibt: Wo ist das Auto? Was mache ich überhaupt noch nachher? Muß ich noch etwas einkaufen? Wo wohn'' ich überhaupt?"
Mehr als 100mal hat Wallraff so ein Casting hinter sich gebracht. Die Frustration bewältigt er in einem Workshop, wo sich für 200 Dollar im Monat _(* Vor der Sternwarte im Griffith Park. ) auch gestandene Kollegen weiterbilden, "ohne die hochnäsige Haltung von vielen deutschen Schauspielern, die schon alles zu können meinen". Aufgefangen wurde er auch von seinem Coach, mit dem er für 50 Dollar pro Stunde amerikanische Akzente trainiert, "vor allem die New Yorker Sprechweise, die hier sehr geschätzt wird".
So hat er sich allmählich das "große Zittern" nach jedem Casting abgewöhnt und aufgehört, auf einen Rückruf zu lauern, der - "Pustekuchen" - ausblieb. 13mal aber, die übliche Erfolgsquote, kam er dann doch, der "call back".
Er wurde zu einem zweiten Vorsprechen in eines der großen Studios bestellt: "Da macht man einen kleinen Regentanz zu Haus und fängt gleich wieder an, sich auf die Rolle vorzubereiten."
Zuerst war er, wenn er die bombastische Filmwelt betrat, "derart überlastet von den ganzen Eindrücken", daß er sich kaum auf das Vorsprechen konzentrieren konnte. "Da geht einem natürlich die Pumpe, man fühlt sich ganz klein als deutscher Schauspieler, der hier antreten darf": vor fünf oder auch zehn Leuten, den Produzenten und dem Regisseur, "alles nur Männer, meist fett und bebrillt. Alle gucken dich an, und du weißt nicht, wo du hingucken sollst, und schon läuft die Videokamera".
Einmal wurde er engagiert, allerdings nur fürs Fernsehen. Der Pilotfilm für eine Krankenhausserie ("lustig, aber blöd") verschwand irgendwo auf dem riesigen Markt. Doch der letzte call back brachte schon ein besseres Angebot: eine Nebenrolle in einer geplanten Verfilmung von Isabel Allendes Roman "Von Liebe und Schatten".
Wallraff, der nicht nur schauspielern, sondern auch tanzen, singen, fechten und boxen kann, reagiert auf jeden kleinen Erfolg mit neuem Enthusiasmus: "Eines Tages werde ich es hier schaffen, ganz einfach, weil ich es will."
Nicole Nagel, 28, war schon als Teenager ein begehrtes Fotomodel und machte trotzdem in Hamburg ihr Abitur. Sie erschien auf 48 Titelbildern internationaler Magazine, bis sie urplötzlich vom Markt verschwand, weil sie lieber "Kopf als Körper" einsetzen wollte. Zwei Jahre arbeitete sie in einer Werbeagentur, als sie eines Tages der Gedanke anflog: "Das kann doch nicht alles vom Leben gewesen sein." Wenig später war sie in Hollywood.
Schon am zweiten Tag realisierte sie sich ihren ersten Traum: "Ich will durch die Straßen dieser aufregenden Stadt in so einem großen Boot schwimmen." Für 1200 Dollar ersteigerte sie auf einer Polizei-Auktion ein Ford-Cabrio aus dem Jahr ''68. Ihre frühere Model-Agentur half ihr, eine Arbeitsgenehmigung für drei Jahre zu bekommen: 1100 Dollar. Doch Modeln hat sie nicht im Sinn, sie nimmt bei den renommierten Lehrern Joana Baron und Howard Fine Schauspielunterricht. Den kostspieligen Start finanziert ihr Vater, ein erfolgreicher Architekt in Deutschland.
Der Satz war noch nicht einmal ein richtiger Satz. Lumpig angezogen als Drogenabhängige, hatte Nicki in einem Fernsehspiel nichts weiter zu sagen als delirierend vor sich hin zu murmeln, und schon war sie hinweg über das Hindernis des ersten Satzes.
Wer in den USA in einem Film mitspielen will, muß in der "Screen Actors Guild" sein, aber in die mächtige Gewerkschaft (Eintritt: 974 Dollar) kommt nur, wer bereits in einem Film mindestens einen Satz gesagt hat - ein Teufelskreis, an dem so mancher Aspirant scheitert, wenn er nicht vom Establishment unterstützt wird.
Gegen einen Obolus und eine Erklärung, warum ausgerechnet ein nichtorganisiertes Mitglied engagiert wird, läßt die Gewerkschaft ausnahmsweise von ihren Pressionen ab. Einer wie Oliver Stone, dem Nicole Nagel bei dessen Promotion von "JFK" in Hamburg vorgestellt worden war, ist in Hollywood bekannt dafür, daß er jungen Leuten bei den verschiedensten Problemen hilft - nicht nur einer schönen Frau, die in ihrer Wucht von 1,86 Metern auf unwahrscheinlich langen Beinen daherkommt und ihre braune Lockenmähne selbstsicher in den Nacken wirft.
Ohne einen Agenten, den sie nach den Regeln der Schauspielschule noch nicht haben darf, rutschte sie bei einer von Stone finanzierten Produktion in ihre zweite Rolle: Sie mußte nur auftreten, und schon war sie ohne vorzusprechen engagiert von dem Regisseur Michael Tolkin. Er gilt in Hollywood als Aufsteiger, seit er der Society einen zynischen Spiegel vorhielt: durch sein Drehbuch für "The Player" (Regie: Robert Altman) über einen mörderischen Produzenten. Sein Film "The New Age", in dem er nun auch Regie führt, verfolgt die Wechselsprünge eines Hollywood-Agenten.
Im Drehbuch kam eine italienische Übersetzerin vor, aus der nun eine Deutsche wird, um Nickis Akzent einzubauen. Tolkin verabschiedete sie filmgerecht: "Welcome to the Movie."
Wie prickelnd das Leben in Hollywood sein kann: "Hier träumt man nicht mehr klein", sagt Nicole Nagel. Den Oscar will sie natürlich haben und lacht sich schief über die Vorstellung, "daß ich nein danke sage, ich hab'' schon genug".
Wenn sie von ihrem Papa am Telefon wieder einmal gehört hat, wie kühl es in Deutschland ist, macht es ihr besonders viel Spaß, sich mit ihrem Boogie-Board in den Pazifik zu stürzen und von den Wellen an den Strand tragen zu lassen. Sie hat es auch geschafft, auf die Gästelisten jener Impresarios zu kommen, die jeden Abend in einem anderen Klub eine Party veranstalten: für das "bratpack" von Hollywood, die Töchter und Söhne Prominenter mit einem Schwarm von aufstrebendem Jungvolk und "blond bimbos", wie der gebleichte Einheitstyp mit Silikon im Busen genannt wird.
Das Nachtleben mit dem Höhepunkt eines "Saturdaynight Fever" verläuft ohne Exzesse und ohne die Präsenz von Drogen, gepuscht allein durch rasante Musik und aufreißerische Starlets mit dem Standardsatz: "I wanna get laid." So eine "befremdlich direkte Anmache", sagt Nicole Nagel, "hab'' ich nirgendwo sonst gesehen, obwohl ich als Model ganz schön rumgekommen bin in der Disco-Welt".
Ihre Welt sind die Kinder, aber Jessika Cardinahl, 27, ist stolz darauf, daß sie sich trotz der "tierischen Verantwortung" für Sophie, 6, Ruby, 4, und Clyde, 1, selbst unterhält nebst Kindermädchen aus Potsdam. So gut wie jeden Tag flimmert die Klare aus dem deutschen Norden über Amerikas Mattscheiben, in Werbespots etwa für Nike-Turnschuhe oder Toyota-Autos. Ihr Verdienst hielt ihrem Mann Al Corley, 37, als Schauspieler einst Mitglied im "Denver Clan", den Rücken frei, in Los Angeles eine kleine Firma für "Development" von Drehbüchern aufzubauen.
Die hanseatische Kaufmannstochter, die eigentlich Malerei und Design studieren wollte, war von Otto ("Otto-Versaut Hamburg") entdeckt worden, als er die Kartei einer Hamburger Model-Agentur durchblätterte. "Als der Anruf kam, ich solle mich bei Otto vorstellen, hab'' ich gedacht, ich soll zum Otto-Versand", erinnert sich Jessika Cardinahl. Statt dessen kriegte sie in "Otto - Der Film" den Komiker zum Happy-End in der Südsee.
Der deutsche Produzent Horst Wendlandt promotete sie als "Mischung aus Ingrid Bergman und Grace Kelly". Er bezahlte ihr auch den Schauspielunterricht in den USA, "was er aber nach der ersten Schwangerschaft schnell bleiben ließ", so Jessika Cardinahl. Nach dem dritten Kind wurde sie wieder gebraucht: "Otto - Der Liebesfilm" stand an. Für die Großaufnahme einer Szene, in der Otto ihr den Reißverschluß an den Jeans aufzieht, wurde ein Bauchmodel engagiert: "Das haben die mir so umständlich schonend beigebracht, hab'' ich gelacht."
Weniger komisch fand sie ihre Sprachschwierigkeiten: Bei ihren ersten deutschen Dialogen fiel sie in ein amerikanisch gefärbtes "Kauderwelsch", in Amerika dagegen mindert ihr deutscher Akzent die Chancen, im Movie groß herauszukommen. "Irgendwo hab'' ich schon noch den Traum, und Hoffnung ist immer noch da, weil in dieser Branche soviel auf Glück und dem richtigen Moment basiert."
Gleichwohl ist ihr die Familie wichtiger als die Karriere. Mit der Mutter werben auch die Kinder, allerdings nur für einen einzigen Zweck: Sie holen Spenden herein für eine Behindertenschule, in der Schwester Sophie von 8 bis 15 Uhr gefördert wird. Sie hat einen Defekt auf dem vierten Chromosom, kann mit ihren sechs Jahren weder gehen noch sprechen, muß gewindelt und gefüttert werden. Die "Zeit der Trauer um unser schönes Kind" im lila Rollstuhl hat sie abgeschlossen, "mit viel Hilfe von Al, der von Anfang an hinter Sophie stand, mit Tränen und Lachen".
Zwar geht ihr gelegentlich "die ewige Sonne auf den Geist", zwar sehnt sie sich manchmal nach "der Ostsee und der Heide, aber für die Kinder ist das hier ein Paradies, immer draußen spielen, oft am Strand". Auch hat es so manches für sich, daß sie sich "so ein bißchen Melancholie nicht eingestehen kann, weil das Wetter immer dagegen spricht".
Er hat durch seinen Sport gelernt, "daß es immer Wege gibt, sich selbst zu überwinden", er hat auch "mehr verloren als gewonnen, aber dadurch wird man stark und gibt nicht so leicht auf": Ralph Moeller, 1,97 Meter, 128 Kilo, erster deutscher Schwergewichtsweltmeister im Bodybuilding 1986 in Tokio. "Ich bin kein De Niro, ich werde nie ein Dustin Hoffman sein", sagt er, und auch "das oft mißbrauchte Wort Schauspieler" möchte er nicht für sich in Anspruch nehmen.
Nach seinem Triumph als Mister Universum hatte er sich aber vorgenommen, "über meinen Körper, wenn überhaupt, den Einstieg in den Film zu schaffen". Er schnürte internationale Bodybuilding-Magazine und ein Buch mit Abbildungen seiner athletischen Formen zu einem Paket und schickte es von Recklinghausen nach Hollywood, an den Produzenten Menahem Golan, Cannon Company. Zurück kam eine Einladung, die so ernst nicht gemeint sein konnte, denn Golan hatte selbstverständlich keine Zeit, als Moeller umgehend vor der Tür stand.
Eine Woche lang ließ er nicht locker, bis er sich schließlich zu einer Assistentin hochkämpfen konnte. Er überwältigte die Dame schließlich mit dem Argument, er wäre zwölf Stunden geflogen, um fünf Minuten mit ihrem Chef sprechen zu können.
"In meinem saumäßigen Englisch, das ich damals noch sprach", kam er gleich auf den Punkt, daß die Millionen Leute, die solche Fitneß-Magazine mit seinen Fotos kaufen, doch auch ins Kino zu kriegen sein müßten. "Plötzlich", so erinnert sich Moeller, "schrie er auf, ,okay'', ich mach'' einen Vertrag mit dir über fünf Filme, und du kommst mit mir nach Cannes.''"
Dort wurde der Vertrag tatsächlich geschlossen, aber er war bald nichts mehr wert: Wie so oft in Hollywood ging die Firma pleite. Allerdings machte die Promotion, die Cannon bereits geleistet hatte, um die Filme zu verkaufen, die es noch gar nicht gab, eine der Top-Agenturen scharf auf den Muskelmann, der wieder in Recklinghausen saß.
Auf Rat der Agentur zog Moeller mit Frau Annette, 28, Tochter Laura, 3, samt Mercedes-Geländewagen und Harley Davidson um nach Los Angeles, in ein gemietetes Penthouse. Finanziell war er gesichert durch deutsche Werbeverträge, etwa für Karstadt.
Es war wieder einmal Dienstag, und der Hollywood-Reporter erschien mit seiner Vorausschau, welcher Film mit wem produziert werden soll: "Universal Soldier", Moeller rastete ein und besorgte sich einen Termin mit dem aufgeführten Regisseur Andrew Davis. Als er mit Roland Emmerich, den er auf einer deutschen Party kennengelernt hatte, beim Abendessen saß und von seinen Plänen sprach, "da griente der Roland so und sagte: ,Ich glaub'' nicht, daß der Davis den Film machen wird.'' Ich: ,Wieso?'' Er: ,Die haben einen anderen Regisseur.'' Ich: ,Und wen?'' Er: ,Der sitzt gerade vor dir.''"
Moeller war drei Monate in Hollywood und schon in einem Actionfilm, als dritter "Universal Soldier" im Gefolge von zwei St ars. Jetzt ist er zwei Jahre hier, und in "The Best of the Best II" von 20th Century Fox in 1400 Kinos zu sehen: "Ich bin ein Hotelbesitzer in Las Vegas, ich komme im Abendanzug mit Bodyguard und Helikopter. Unterirdisch habe ich für Leute, die der Gambles überdrüssig sind, ein römisches Kolosseum gebaut, wo Gladiatoren _(* In "The Best of the Best II" mit ) _(Phillip Rhee (l.); als Privatmann in Los ) _(Angeles. ) wie früher Mann gegen Mann kämpfen. Der Sieger kann mich herausfordern, aber ich bin unbesiegbar und töte einen Mann im Kampf."
Daß nicht er, sondern sein Gegenspieler Eric Roberts, Bruder von "Pretty Woman" Julia, der "Gute" ist, wurmt ihn noch immer, wenn er auch darauf bestand, daß sein Part fairer wurde. Kritiker verrissen den Film als "dümmlichmartialisch" und erblickten in Moeller einen "Dolph-Lundgren-Klon".
Zwei neue Hauptrollen als Bösewicht lehnte der deutsche Hüne ab, "weil ich nicht will, daß diese Muskeln auf Zerstörung festgelegt werden". Er verzichtete auf "viel Geld", und es dürfte sich lohnen.
Die deutsche Capella nahm ihn unter Vertrag für drei Hollywood-Filme: Moeller soll aufgebaut werden als ein deutscher Schwarzenegger, der nichts als sich selber spielt. Privat sind sich die beiden Muskelmänner ohnehin nähergekommen. "Die Freundschaft zu Arno", sagt Moeller, "besteht deswegen, weil ich nie versucht habe, durch ihn zum Film zu kommen." Sie spielen zusammen Tennis oder fahren mit ihren Harleys herum, und ab und an sehen sie sich gemeinsam einen Film an.
In seinem nächsten Movie kann Moeller seine "message voll rüberbringen". Endlich darf er der "Gute" sein, "der Held, groß und stark und doch genau so wie der kleine Dicke, der Schmale oder der Dünne, die sich mit mir, wenn auch nicht körperlich, von den inneren Werten her identifizieren können".
Er soll, damit sein Akzent paßt, einen Freiheitskämpfer aus einem osteuropäischen Krisengebiet spielen, der den Krieg als sinnlos hinter sich gelassen hat und sein Glück in Amerika sucht, doch schnell die großen Illusionen verliert: "Ich bin der Icecream man, der mit seinem Wagen durch die Elendsviertel von Washington zieht."
Moeller, schon identifiziert mit seiner neuen Rolle: "Ich schließe Freundschaft mit einer Kinderbande, aber ich bin so gutmütig, daß die mir das Eis und die Klamotten klauen. Erst kriege ich nicht mit, daß einer von denen über meinen Wagen Drogen verkauft. Allmählich komm'' ich aber dahinter, daß skrupellose Dealer die Kinder tiefer und tiefer in ihr Geschäft treiben. Immer wieder gibt es Situationen, wo der Zuschauer sagen kann, verdammt, warum greift der nicht ein, aber ich will nicht kämpfen, für mich ist der Krieg vorbei."
Die Story greift jene zwiespältige Stimmung im Westen auf: Man sieht rot, tut aber nichts gegen die allgegenwärtigen Drogendealer. Am Ende rettet der Film die Kids, stellvertretend für eine halbe Hemisphäre: Moeller räumt auf. *HINWEIS: Im nächsten Heft Deutsche Produzenten jonglieren mit Hunderten von Millionen Dollar - Hollywood-Spott: "Achtung, jetzt kommen die Teutonen" - Der Hamburger Bruno Scriba als "Germany''s biggest Player"
Lotte Lenya und Kurt Weill - ein Hollywood-Film über eine deutsche Liebesgeschichte
"In Deutschland würden so manche Regisseure lieber Hörspiele machen"
"Das letzte, worauf die Amerikaner warten, sind europäische Schauspieler"
Schauspieler in Not verdingen sich für ein warmes Essen
"Eines Tages werde ich es hier schaffen, ganz einfach, weil ich es will"
"Ich will nicht, daß diese Muskeln auf Zerstörung festgelegt werden"
* Bei Dreharbeiten zu "Dracula". * Vor der Sternwarte im Griffith Park. * In "The Best of the Best II" mit Phillip Rhee (l.); als Privatmann in Los Angeles.
Von Ariane Barth

DER SPIEGEL 23/1993
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 23/1993
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„Hier ist was von Wildwest“

Video 01:40

Wal vs. Taucher Die Natur schlägt zurück - mit der Schwanzflosse

  • Video "Kanye Wests bizarre Flugzeugidee für Trump: iPlane 1 statt Air Force One" Video 01:40
    Kanye Wests bizarre Flugzeugidee für Trump: "iPlane 1" statt Air Force One
  • Video "Respektlose Berichterstattung: Die Bayern-PK der anderen Art" Video 02:27
    "Respektlose Berichterstattung": Die Bayern-PK der anderen Art
  • Video "Trump und Pence zu Gewalt gegen Journalisten: Inkonsequenter Body-Slam" Video 01:08
    Trump und Pence zu Gewalt gegen Journalisten: Inkonsequenter Body-Slam
  • Video "Köstliche Szene im britischen Parlament: Scottish for Runaways" Video 01:26
    Köstliche Szene im britischen Parlament: Scottish for Runaways
  • Video "Dashcam-Video: Riesenspinne nähert sich US-Cop" Video 01:05
    Dashcam-Video: "Riesenspinne" nähert sich US-Cop
  • Video "Filmstarts im Video: Wurden Sie enführt?" Video 10:28
    Filmstarts im Video: Wurden Sie enführt?"
  • Video "Anhaltende Dürre: Rhein-Pegel sinkt auf 33 Zentimeter" Video 02:27
    Anhaltende Dürre: Rhein-Pegel sinkt auf 33 Zentimeter
  • Video "Wahlkampf in Montana: Trump lobt US-Politiker für Angriff auf Journalist" Video 01:08
    Wahlkampf in Montana: Trump lobt US-Politiker für Angriff auf Journalist
  • Video "Serien-Start Deutschland 86: Ein ostdeutsches Traumschiff für westdeutsche Waffenexporte" Video 05:26
    Serien-Start "Deutschland 86": "Ein ostdeutsches Traumschiff für westdeutsche Waffenexporte"
  • Video "Australien: Mädchen bricht bei Harrys Umarmung in Tränen aus" Video 00:45
    Australien: Mädchen bricht bei Harrys Umarmung in Tränen aus
  • Video "NBA-Basketball: Hornets Monk mit dem Dunk des Tages" Video 00:28
    NBA-Basketball: Hornets Monk mit dem Dunk des Tages
  • Video "Serien-Start Deutschland 86: Ein ostdeutsches Traumschiff für westdeutsche Waffenexporte" Video 05:26
    Serien-Start "Deutschland 86": "Ein ostdeutsches Traumschiff für westdeutsche Waffenexporte"
  • Video "Neues Video zu Banksy-Auktion: Schredder sollte Bild komplett zerstören" Video 01:26
    Neues Video zu Banksy-Auktion: Schredder sollte Bild komplett zerstören
  • Video "Glasbodenbrücke in China: Und dann ist der Riss auf einmal echt" Video 01:20
    Glasbodenbrücke in China: Und dann ist der Riss auf einmal echt
  • Video "Video aus Mexiko: Frau taucht mit großem Krokodil" Video 01:13
    Video aus Mexiko: Frau taucht mit großem Krokodil
  • Video "Rauchgeruch in Air-Force-Maschine: Melania Trump muss notlanden" Video 00:36
    Rauchgeruch in Air-Force-Maschine: Melania Trump muss notlanden
  • Video "Wakeboarden über Eisberge: Ziemlich coole Sache" Video 01:13
    Wakeboarden über Eisberge: Ziemlich coole Sache
  • Video "Wal vs. Taucher: Die Natur schlägt zurück - mit der Schwanzflosse" Video 01:40
    Wal vs. Taucher: Die Natur schlägt zurück - mit der Schwanzflosse