Von Friedrichsen, Gisela
Ausgerechnet ein Mathelehrer. Bis er jetzt zum drittenmal vor Gericht stand wegen fortgesetzten Betrugs und Mißbrauchs einer Scheckkarte, hatte er wenigstens vor den Kollegen und Schülern verbergen können, daß er ein auf Lebenszeit ruinierter Mann ist.
Dann aber erschien in Bild ein Foto, obwohl auch der Vorsitzende Richter eindringlich aufgefordert hatte, davon abzusehen, unter der Überschrift "Mathe-Studienrat als Casino-Zocker: Vermögen verspielt, Banken betrogen". Der schmale Balken über den Augen auf dem Foto: ein selbstgerechtes Feigenblättchen, das die Identität des Angeklagten nicht verbarg, sondern bloßstellte.
Der Vorname in voller Länge, der Nachname nur abgekürzt; der Ort, wo der Mann arbeitet, seine Familienverhältnisse, sein Gehalt - alles wurde ausgebreitet. Nun ist der Lehrer nicht nur ruiniert, sondern auch gebrandmarkt, und seine Familie dazu.
Bruno K., 40, der also anders heißt, ein krankhafter Spieler, ist süchtig wie ein Alkoholiker oder Drogenabhängiger. Daß er straffällig wurde, gehört zur Symptomatik seiner Erkrankung. Wäre er nicht suchtkrank, hätte er keine Straftaten begangen.
Seine Lehrerkollegen, heißt es, machen seit der Veröffentlichung in Bild einen Bogen um ihn; seine Frau habe sich beurlauben lassen müssen; sein Kind wagt sich nicht mehr in die Schule. Spielsucht wird von vielen Menschen noch immer nicht als Krankheit begriffen. Als sei ein Spieler ein besonders charakterloses, verkommenes, gefährliches Subjekt und vogelfrei.
Wenige Tage nach der Gerichtsverhandlung gegen Bruno K. fand am Hamburger Krankenhaus Ochsenzoll eine Tagung zum Thema "Glücksspielsucht" statt, auf der alarmierende Zahlen genannt wurden: Nicht nur in den Hamburger Suchttherapieinstitutionen stellen die Glücksspieler nach den Alkoholabhängigen und den Rauschgiftsüchtigen mittlerweile die drittgrößte Patientengruppe dar, so der Psychiater Bert Kellermann, der Chefarzt der Ochsenzoller Suchtabteilung. Es gibt heute mehr süchtige Spieler als Medikamentenabhängige. In den neuen Bundesländern hat sich das Problem "Glücksspiel" sogar zum Thema Nummer zwei nach dem Alkohol entwickelt.
Allein in Hamburg sind mindestens 10 000 Menschen krankhaft spielsüchtig. In der Spielbank an der Alster wurden nach Angaben des Senats 20 000 Gäste gesperrt, zum Teil auf eigenen Wunsch (in der Spielbank von Garmisch-Partenkirchen sind es 30 000). Gleichzeitig veranstalten Spielbanken Einführungsabende und verteilen Gratisjetons an Neulinge.
Die Zahl der Zocker - und der Süchtigen - wächst, seitdem die "3-Groschen-Daddelautomaten" in Lokalen und den aus dem Boden schießenden Spielhallen aufgestellt wurden. Suchtexperten halten gerade sie, obwohl sie offiziell nicht als Glücksspielautomaten gelten, für gefährlich.
Im Gegensatz zu Automatenspielern, die häufig aus bescheidenen Verhältnissen stammen und sich den Anforderungen, die Beruf und Partner stellen, nicht gewachsen fühlen, kommt der Roulettespieler eher aus der Mittelschicht. Er empfindet das Spielen nicht wie der Automatenspieler als angst- und spannungsmindernd, sondern es fördert seine Suche nach immer neuer Selbstbestätigung. So haben sich als Roulettespieler zum Beispiel gutsituierte Kaufleute, Bankdirektoren, Buchhalter, Anlageberater, Geistliche und Richter ruiniert und sind straffällig geworden.
Bruno K., der Mathematiklehrer, wurde als Sohn eines Lehrers geboren. Als er sieben war, verließ der Vater die Familie wegen einer Arbeitskollegin. Speziell an diese Zeit, so K., könne er sich überhaupt nicht erinnern: "Entweder hab' ich's verdrängt oder 'n totalen Riß . . . Das ist für mich auch sehr merkwürdig, also wie so 'ne Leere."
Er spricht atemlos, abgehackt, hektisch, wie wenn er noch immer auf die tanzende Roulettekugel nebenher achten müßte, er spricht immer schneller, verhaspelt sich, kommt vom Thema ab. Daß er unter dem Verlust des Vaters doch gelitten habe, nachts geweint. Auch die Mutter weinte oft.
Zudem habe sie eine Arbeit aufnehmen müssen, von der sie abends erschöpft heimkam. Der Junge war weitgehend unbeaufsichtigt. Ein um 15 Jahre älterer Stiefbruder, mit dem er nicht gut auskam, ging schon früh eigene Wege.
So kochte sich der Junge sein Mittagessen selbst, die Hausaufgaben kontrollierte niemand. "Ich war fast der perfekte Hausmann . . . und hatte auch die Aufgabe, zu spülen und einzukaufen. Ich habe praktisch auch dazu beigetragen, daß das Leben irgendwo auch zu Hause funktionierte." Er schloß sich eng an die Mutter an, schlief lange Zeit mit ihr in einem Zimmer. Er wollte gutmachen, ausgleichen, den Vater ersetzen. Doch die Kräfte eines Kindes reichten dazu natürlich nicht aus.
In der Grundschule tat sich Bruno K. als Klassenprimus hervor. Bei den Mitschülern habe er im Mittelpunkt gestanden, sei anerkannt und beliebt gewesen, berichtet er. In der Realschule - der Stiefbruder brachte die Mutter davon ab, ihn ins Gymnasium zu geben - kam es dann aber rasch zu einem starken Leistungsabfall. Zweimal blieb er sitzen und verließ die Schule nur mit dem Hauptschulabschluß.
Mit 13, da hatte er schon gemerkt, daß auch mit dem Kinderspiel um Pfennige Geldbeträge zusammenkommen, begann er, die Mutter zu bestehlen, um seinen Spielkameraden Eis und Süßigkeiten zu kaufen. Er wollte wenigstens als einer dastehen, der Geld hatte und die anderen einlud. Er wollte sich Anerkennung erkaufen und merkte, daß er sich durch Geld auch lustvolle Gefühle verschaffen konnte, an denen sein Leben so arm war.
Eine Lehre als Werkzeugmacher scheiterte daran, daß er Linkshänder ist, wie auch eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, nachdem er 150 Mark aus der Portokasse gestohlen hatte. Ein dritter Versuch in einer Herrenboutique gelang, wenn er auch bald zweifelte, ob er wohl den richtigen Weg eingeschlagen habe.
Zu der Zeit bereits fieberte er den Abenden im Freundeskreis entgegen, in dem ihn das "eigentliche Glücksspiel" in Bann zog: Knobeln, Skat, 17 und 4, Pokern. Schon bald setzte er pro Abend mehrere hundert Mark ein.
Der Psychiater Paul Matussek über die wesentlichen Merkmale der Spielsucht, und damit auch über die Ursachen, die gerade im Fall des Bruno K. deutlich werden: "Das Spielen dient dem Spieler als Mittel der Befriedigung infantiler Bedürfnisse . . . In der Kindheit hat der Vater die Identifikation erschwert . . . Das obsessive Spielen drängt alle anderen Interessen zurück und führt zu einer Einengung der Seinsmöglichkeiten."
Dann findet K. plötzlich einen Weg. Die Richtung ändert sich, wie bei der unruhig im Kessel immer schneller umherspringenden Roulettekugel. Es geht verblüffend aufwärts. Erfolge, und seien es die beim Spiel, treiben ihn weiter, weiter, wie in einem im Zeitraffer rasenden Film. Nebenher der Realschulabschluß, das Abitur, das Lehramtsstudium in den Fächern Mathematik und Biologie mit glänzenden Ergebnissen.
1979, im letzten Studienjahr, heiratet er "ziemlich schnell und überstürzt" eine junge Frau, die - wie er - diesen Schritt als Gelegenheit ansieht, sich von der alleinerziehenden Mutter freizumachen. Gerade ein Jahr hält diese Ehe. Schon damals fährt Bruno K. fast täglich ins Spielkasino, er ist längst zum Roulette "aufgestiegen".
Noch in der Trennungszeit wird eine Schülerin an der Abendrealschule, an der er mittlerweile unterrichtet, von ihm schwanger. Wieder eine "völlig überstürzte" Heirat. Die erste Frau, sagt er, sei noch nicht so recht aus dem Haus gewesen, "da war die nächste schon unter der Decke". Aber was war das alles gegen die Jagd nach Gewinn, nach Erfolg. Sogar am Tag der Geburt seines Kindes verschwand er ins Spielkasino.
100 000 Mark im ersten Kasinojahr unter dem Strich gewonnen, er gewann, das Geld floß nur so. "Die Idee, Geld vom Konto von der Bank abzuheben", für Autoreparaturen, Schallplatten, Kleidung und ähnliche Extras, "auf die Idee kam man gar nicht." Die Spielbank, erinnert er sich, sei für ihn wie eine Hausbank gewesen. "Ich sagte, so einfach wie da kannste das Geld gar nicht mehr ranschleppen."
Hat er tatsächlich soviel gewonnen? Oder macht er sich etwas vor? Hat er die Verluste einfach nicht zur Kenntnis genommen, sie vielleicht vergessen, weil er noch legal an Geld herankam, durch Kredite, durch die Lebensversicherung der Mutter, durch eine Bürgschaft der Ehefrau, durch Anpumpen der Schwiegereltern? In Wahrheit kam er damals gerade noch durch.
Im zweiten Jahr riskiert er im Schnitt 4000 bis 6000 Mark fast jeden Abend. Er verliert jetzt häufiger. Trotzdem spielt er weiter, denn die enormen Verluste sollen ja wieder hereinkommen. Er steigert den Einsatz: "Na gut, hat man gesagt, 4000 Mark verloren, na ja, is' ärgerlich! Hast ja aber das Polster, hast ja genug gewonnen, das kratzt dich also gar nicht. Fährst nächstes Mal hin mit 8000 Mark, und dann gehst du mal 'n bißchen höher ran . . ." Zweieinhalb Jahre nach seinem ersten Kasinobesuch ist sein finanzielles Polster verbraucht bis auf den letzten Heller.
Jeden Tag nach der Schule, 13.10 Uhr: "Klappe runter, zack nach Hause, gegessen, Geld eingepackt und, hui, ins Kasino." Er spricht von der "faszinierenden Kasinoatmosphäre", wie es ist, die Jetons in der Hand zu haben, das Gerassel, die kreisenden Kugeln, der Blicckontakt mit der Kugel, das atemlose Warten auf ihren Stillstand. Gewinn, das war nicht Zufall, sondern Erfolg. Verlieren hieß versagen. Allein das Hinwerfen der Jetons: "Da ist keine Beziehung zum Geld. Das sind ja keine Tausendmarkscheine, das wirft man einfach hin . . ."
Er bekommt Ehrenkarten für Kasinos, die zum freien Eintritt berechtigen, wie zur Belohnung, daß er so brav verliert. Und keiner fragt, ob ein Studienrat es sich leisten kann, nahezu allabendlich 20 000 Mark in den Sand zu setzen.
"Man fühlt sich damit auch als, ich sag' mal, als besonderer Gast irgendwo, man ist ja 'n Ehrengast, hieß ja auch Ehrenkarte. Die hatte ich sogar in Gold sozusagen, das ist wie Eurokarte Gold oder so was." Ein Spieler mit Ehrenkarte setzt nicht nur 1000 Mark, sondern 10 000. "Das ist ein erhabenes Gefühl, auch anderen Spielern gegenüber. Wenn die Jetons rübergeschoben wurden, so große Beträge, dann gab man 300, 400 Mark Trinkgeld. Man wurde vom Saalchef mit Handschlag begrüßt."
Er versetzt Hausrat. "Wenn man also wirklich in Brand ist und braucht Geld und will Geld haben, dann läuft man wirklich wie 'n angeschossenes Reh da rum." Wenn er nicht spielen konnte, weil kein Geld mehr da war: "Absolute Unruhe, sag' ich mal, Hektik und Nervosität, aggressiv dann auch. Also, wenn mich dann irgendwelche angesprochen haben, also die hätte ich bald erschlagen können oder treten können. Da gab's auch häufig Spannungen, auch zu Hause, wenn Frau und Kind was von mir wollten."
Nur noch Spielen, rauschhaft, fast ohnmächtig, fiebrig, immer öfter, immer hektischer, gewaltsamer, manchmal an fünf, sechs Tischen gleichzeitig. Spielen als Kampf zwischen der Kugel und dem Spieler. Spielen im Vertrauen auf magische, telepathische Kräfte, die die Kugel leiten sollen.
"Ich sag' mal die Acht, die Endziffer Acht, die tauchte im Unterbewußtsein häufiger an dem Tag irgendwie auf, in irgend 'nem Zusammenhang. Ich hab' am Achten Geburtstag und so. Dann ist auf einmal die Acht an dem Tag wie 'ne magische Zahl . . . und wenn die Kugel da kreist . . . man versucht wirklich mit magischem Blick die dann auf 'ne Zahl zu bringen."
Gemeinsamkeiten zwischen ihm und seiner Frau gab es längst nicht mehr, keine Hobbys, keine Unternehmungen, keine Gespräche. Er beruhigte nur noch, tarnte, wiegelte ab, bestritt. Nur den nächsten Kasinobesuch geplant, wann wieder spielen, wie spielen, welche Zahlen, welcher Einsatz. Nur ein Gedanke: Wie komme ich an Geld zum Spielen. Heute hat Bruno K. rund 600 000 Mark Schulden. Wieviel es genau ist, weiß selbst er nicht. "Bei 17 Prozent kommt man ja gar nicht bis zur Tilgung." Selbst wenn sein Leben lang das Gehalt gepfändet werde, sagt er, reiche es nicht mal für die Zinsen.
Bruno K. mußte sich schon 1990 zweimal vor Gericht verantworten. Jedesmal erhielt er Bewährungsstrafen (zweimal je drei Monate). Auch jetzt, vor dem Landgericht Detmold, kam er noch ein letztes Mal mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren davon. Der Staat, der Spielbanken konzessioniert und an ihnen verdient wie ein Zuhälter, der ihn mit Ehrenkarte und Handschlag in der Sucht begleitet hatte, machte von seinem Strafanspruch wenigstens maßvoll Gebrauch.
Das ist der Strafkammer mit dem erfahrenen Vorsitzenden Richter Wolfgang Dette, 65, zu verdanken und dem Bremer Psychologen Gerhard Meyer, 40, dem Glücksspiel-Spezialisten, der Bruno K. begutachtet hat. Selbst wenn es manchem schwerfalle hinzunehmen, daß auch Spielsucht Krankheitswert habe: Der Umfang der Schuld, so Richter Dette, sei bei einem Süchtigen nun einmal geringer.
K. wurde überdies zur Auflage gemacht, wie Meyer es dringend riet, sich einer stationären Therapie in einer Klinik sowie einer Gruppentherapie zu unterziehen: "Wenn es ihm gelänge, alle Spiele zu meiden, nicht einmal Lotto zu spielen, um nicht wieder in diesen Gedankenkreis hineinzukommen . . ."
Es hat Jahre gedauert, bis es Bruno K. wenigstens gelegentlich durch den Kopf schoß, ob er abhängig ist. Nicht einmal das Straffälligwerden, die ersten zwei Verurteilungen machten ihn stutzig. "Wenn mir einer sagte: ,Selbsthilfegruppe' oder ,Therapie', hab' ich gesagt, die haben doch 'ne Macke, da sitzen doch nur die Vollidioten."
"Sind Sie nun spielsüchtig?" Den Richtern in Detmold antwortet er zögernd: "Aufgrund dessen, was mir jetzt langsam bewußt wird, scheine ich einer zu sein." Ganz hat er die Krallen des Spielteufels wohl noch immer nicht erkannt. Erst dann aber wird er seine Selbstbetrugstaktik erkennen und das Verleugnen aufgeben können. Erst dann hat er eine Chance.
Viele Glücksspieler schaffen es bereits in Selbsthilfegruppen (vergleichbar den Anonymen Alkoholikern), abstinent zu bleiben. In Hamburg-Ochsenzoll sitzen Alkoholkranke und Spielkranke zusammen in der Therapie. Denn beide sind nicht abhängig von einem Stoff, sondern von einem psychischen Zustand, in den die einen der Alkohol, die anderen das Spielen versetzt. Beide können nur weitermachen bis zum Ende. Das kann die schwere Straftat sein, der Tod - oder aufhören. Ein "kontrolliertes" Trinken oder Spielen gibt es für sie nicht.
Die Versuchung wird gleichwohl von Staats wegen weiter gefördert. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Ende Februar dem Bundesrat eine Änderung der Spielverordnung vorgelegt. Danach soll der Einsatz an Automaten von 30 auf 40 Pfennig und die Erhöhung des Gewinns von drei auf vier Mark erlaubt werden. Der Staat als Zuhälter.
Dazu paßt eine Feststellung des Hamburger Psychiaters Kellermann: "Das bewährte suchttherapeutische Hilfsangebot könnte von pathologischen Glücksspielern wesentlich besser genutzt werden, wenn auch die Sozialversicherungsträger süchtige Glücksspieler, die eine ambulante oder stationäre Therapie benötigen, endlich den Alkoholsüchtigen und den Drogenabhängigen gleichstellen."
Ach ja, der Mathematiklehrer Bruno K.: Als er bei seiner Bank kein Geld mehr bekam, eröffnete er bei anderen Kreditinstituten Konten. Insgesamt hat er über 100 Konten gehabt von Westfalen bis Hessen.
Er legte den Personalausweis vor, Gehaltszettel und Besoldungsunterlagen und sagte: "Ich möchte ein Konto eröffnen, weil ich demnächst wohl hierher versetzt werden soll, da möchte ich natürlich mein Konto am Arbeitsort führen."
Bei kleinen Banken und Sparkassen händigte man ihm erfreut sogleich Scheckkarte und Schecks aus, mancherorts nicht nur 10, sondern 20, 30, und einen Überziehungskredit räumte man ihm auch ein. Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung)-Klausel unterschrieb er nicht, Gott weiß, wie ihm das gelang. So wurden seine Daten nicht weitergeleitet, nicht gespeichert. Er hatte lange Zeit leichtes Spiel.
Lange Zeit fand er auch nichts dabei. "Das war doch der normale
Weg, an Geld zu kommen. Wenn du Geld brauchst, gehst du zu einem
Institut, das Geld herausgibt." Er habe doch niemanden überfallen
und ausgeraubt. Wenn er gewonnen hätte, sagt ausgerechnet der
Mathematiklehrer, dann hätte er ja zurückgezahlt, bestimmt.
*VITA-KASTEN-1
*ÜBERSCHRIFT:
Spielsucht
*
liegt in den Suchttherapie-Einrichtungen hinter Alkohol- und Drogenabhängigkeit bereits an dritter Stelle, da es immer mehr Gelegenheit zum Glücksspiel gibt. Studienrat Bruno K. ist der typische krankhafte Spieler. Als er kein Geld mehr hatte, eröffnete er Konto über Konto. Schließlich waren es mehr als 100. Doch der Staat, der das Spielen konzessioniert und fördert, weil er daran verdient - er bestraft auch.
DER SPIEGEL 13/1993
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